WORBSpazieren mit Robert WalserDas Restaurant zur Brauerei verliert seinen langjährigen Pächter: Ronald Preisig geht. Er kann auf zehn Jahre zurückblicken, in welchen er das kulturelle Leben Worbs mitgestaltet hat. Jetzt braucht er «neue Luft». Seine Nachfolge ist noch nicht bestimmt.URS MANNHARTEin Stammgast hat mir einmal ein Buch geschenkt von Robert Walser. ‚Der Spaziergang' heisst es. Bisher habe ich es nicht über die zweite Seite hinaus geschafft, war immer zu erschöpft nach der Arbeit. Das ist doch frustrierend!» Ronald Preisig sitzt am Stammtisch, zündet sich eine Zigarette an, bläst den Rauch in den leeren Saal und erzählt weiter über seine Gründe, weshalb er den Pachtvertrag mit der «Braui» in Worb nicht verlängert. «Die Nächte, die Nächte, immer diese Nächte», sagt er und deutet auf den Tresen mit all den Gläsern und Flaschen. Er sei müde, erschöpft und brauche neue Luft. Er müsse den Kopf frei bekommen, in die Welt hinaus gehen, um vielleicht wieder in die Gastroszene zurückzukehren. Kochtopf als SchlagzeugZehn Jahre lang war Ronald «Cheesy» Preisig Pächter des Restaurants zur Brauerei. Er hat ihm zum Ruf verholfen, den es heute hat. Als es weder im Stufenbau noch im Wasserwerk Konzerte gab, lud Preisig die Prominenz des Berner Rocks in seinen Saal. 1998 ist Preisig für sein Engagement mit dem Worber Kulturpreis ausgezeichnet worden. Nun blättert er in einem übergrossen Fotoalbum, welches die letzten zehn Jahre der «Braui» dokumentiert. Vom Tod einer Mitarbeiterin bis zu Konzerten von Züri West und Patent Ochsner ist dort alles zu sehen, was die «Braui» in den vergangenen Jahren bewegte. Auch Preisig ist abgelichtet, wie er in der Küche stehend auf verschiedenen Kochtöpfen Schlagzeug spielt. Zu Beginn war die «Braui» für ihn eine grosse Herausforderung. Im Pachtvertrag waren kaum Auflägen formuliert. Es habe nie jemand gesagt: «Das musst du und das darfst du nicht. Ich konnte voll Gas geben, mich selber einbringen. Das hat Spass gemacht.» Erst später einmal habe er gemerkt, dass die Gastronomie für, ihn doch keine Lebensaufgabe sei. Neu ausgeschriebenDeshalb geht er, und wer an seiner Stelle kommt, ist noch nicht bestimmt. Max Egger, Eigentümer des Restaurants zur Brauerei, möchte am bisherigen Konzept des Restaurants festhalten. In verschiedenen Zeitungen wurde per Inserat eine neue Pächterin oder ein neuer Pächter gesucht, einige Interessenten haben sich schon gemeldet. Zusammen mit der Liegenschaftsverwaltung wird Egger den Nachfolger oder die Nachfolgerin bestimmen. Er hofft, dass die Ablösung ohne Unterbruch erfolgen kann. Der Vertrag mit Preisig läuft noch bis Ende Februar 2001. Bis dahin also muss «Cheesy» seine vielseitigen Zukunftspläne aufschieben. Die Spaziergänge, die er vorhat, sollen weiter führen als diejenigen von Robert Walser. «Ich will endlich nach Südamerika, den Salsa studieren», sagt Preisig mit einem schallenden Lachen. Er sei «ledig, unabhängig und schuldenfrei», habe jetzt lange Jahre hier «gchrampfet», wieso sollte er also in Worb sitzen bleiben? Hinzu kommt, dass Preisig ein langjähriges Versprechen einzulösen hat. Regelmässig alle zwei Jahre besucht ihn ein Freund aus Ecuador, und jedesmal fragt ihn dieser, wann er ihn endlich besuchen komme. Preisig sieht den Moment nahen: «Warte du nur, Kronenberger, ich komme schon, und wenn ich da bin, wirst du mich aushalten müssen.» |
Ronald Preisig verlässt «seine Braui»Der Wirt des Restaurants zur Brauerei in Worb geht. Ronald «Cheesy» Preisig hat nach zehn Jahren seinen Pachtvertrag gekündigt um sich neuen Herausforderungen zu stellen.
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«Eisblume» - Bistro auf ZeitDie Aussicht auf eine Zukunft ohne Stelle bewegte Elyane Kohler und Mario Caretti dazu, in Worb ein Weihnachtsbistro zu eröffnen. Damit haben sich die beiden jugendlichen einen Traum verwirklicht.Rémy Kappeler Es war an einem heissen Nachmittag im Sommer, als Elyane Kohler und Mario Caretti im Garten der Worber Braui sassen und über ihre Zukunft diskutierten. Diese sah nicht eben rosig aus: Die beiden Schulfreunde hatten vor kurzem ihre Lehre abgeschlossen, die 20-Jährige als Detailhandelsangestellte, der 21Jährige als Dekorationsgestalter. Und beide hatten keinen Job. Spontane IdeeWenige Minuten zuvor hatten Elyane Kohler und Mario Caretti ihren Lernfahrausweis beantragt. «Wir wollten die Gelegenheit nutzen», sagt Caretti. Denn Zeit fürs Lernen würden sie ja zur Genüge haben. Doch auf die Dauer konnte sie diese Aussicht nicht befriedigen. «Wir gründen eine Beiz», beschlossen beide. Wenige Monate später ist aus der spontanen Idee das Weihnachtsbistro entstanden. Letzten Freitag haben Kohler und Caretti die «Eisblume, the x-maslounge» eröffnet. In den alten Gewächshäusern der ehemaligen Gärtnerei Hofmann ist für sechs Wochen eine Oase für die Winterzeit entstanden. «Wir wollen während der Adventszeit einen gemütlichen Ort anbieten», sagt Kohler. Orientalischer TouchBeim Umbau haben Kohler und Caretti bewusst auch Elemente aus den Gewächshäusern übernommen: An einer Wand wuchert Efeu empor, die alten Betontröge haben sie mit Wasser gefüllt und mit Schwimmkerzen versehen. «Wir sind selber überrascht, was uns gelungen ist», sagt Caretti. Lange dunkelgrüne Stoffbahnen hängen vom Giebel wie ein Baldachin herab und verleihen dem Raum eine orientalische Note. Die Holzbänke, Stühle und Tische schleppten sie aus ihren Gärten an, die Lampen hat Caretti aus dem Gartenhaus seines Vaters. Überall hängen sorgfältig arrangiert Tannenbaum-Lichterketten. « Seit Mitte Oktober haben wir fast jeden Abend hier geschuftet», sagt Kohler. Bewilligungen bei der Gemeinde einholen, Wände streichen, Böden legen, eine Heizung organisieren, eine Bar bauen, mit der Gärtnerei verhandeln, Polster mit Stoff beziehen: All dies mussten sie in ihrer Freizeit erledigen. Denn: Noch bevor sie mit den Renovationsarbeiten beginnen konnten, fanden beide wieder eine Stelle. «Das hat uns natürlich gefreut, auch wenn wir damit viel weniger Zeit für unser Projekt hatten», sagt Kohler. Aus eigener TascheFinanziell schaut für die beiden nicht viel heraus: Die Investitionen berappten sie aus eigenem Sack. Mit den Einnahmen aus dem Restaurationsbetrieb hoffen sie, wenigstens den Aufwand decken zu können. Die Eisblume ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils ab 19 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag auch tagsüber. «Wir werden fast immer auch da sein, denn wir wollen unser Bistro ja auch selber geniessen», sagt Kohler. Unterstützt werden die beiden von ihren Eltern und Bekannten. «Wie die Eisblumen an den grossen Fenstern ist auch unser Projekt vergänglich», sagt Caretti. Am 4. Januar wird die Worber Eisblume ihre Türe schliessen. Und Elyane Kohler und Mario Caretti werden wieder Zeit haben für anderes: zum Beispiel für ihre Lernfahrausweise, die inzwischen eingetroffen sind und seither unnütz herumliegen. |
WORB«Eisblume» öffnet heute wiederVon heute Abend an soll die «Eisblume» wieder blühen: Das Bistro in den Gewächshäusern hinter der Worber Kirche geht wieder auf. War es im April noch ganz auf Lenz getrimmt, erstrahlt das Bistro nun mit seinem neuen Holzboden, den dunkelrot gestrichenen Wänden und der Weihnachtsdekoration in heimeliger Winterstimmung. Schon während des provisorischen Betriebs im letzten Winter und diesen Frühling war die «Eisblume» ein voller Erfolg: Das Lokal lockte Gäste aus der ganzen Region an und war immer ausgebucht. Mario Caretti will die «Eisblume» jetzt aber nicht mehr nur als Hobby, sondern professionell führen. Zwei Mal im Jahr soll das Lokalwährend je drei Monaten seine Tore öffnen. Und bei jeder Neueröffnung soll die «Eisblume» mit einem neuen Interieur aufwarten. So könne er seinen Beruf als Dekorationsgestalter ideal in die Beiz einbringen, sagt der 22-jährige Worber. Das Bewilligungsverfahren für einen dauerhaften Bistro-Betrieb in der ehemaligen Gärtnerei läuft derzeit. Die «Winter-Lounge» ist bis am 30. Januar geöffnet, jeweils donnerstags und sonntags von 18 bis 23 Uhr und freitags und samstags von 18 bis 0.30 Uhr. Zu essen gibt es nur Gerichte mit Produkten aus der Region, wie Caretti erklärt. Am 31. Dezember steigt eine Silvesterparty. An Donnerstagen legt jeweils ein DJ auf und am Sonntag sind Hörspiele angesagt. (car) |


Ricardo
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