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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Worber Gemeindewahlen 2004

BZ, 31. August 2004

WORB

GFL will dritten Sitz

Die Grüne Freie Liste Worb (GFL) tritt mit 16 Kandidierenden zu den Wahlen in den Grossen Gemeinderat an. Sieben Personen auf der Liste gehören den Jungen Grünen an. Die GFL strebt laut Mitteilung einen dritten Sitz an. Sie will helfen, die Mehrheitsverhältnisse im Parlament und im Rat zu kippen.             WRS

GFL-Kandidaturen Gemeinderat: Marianne Morgenthaler (Richigen), Hans-Ulrich Steiner (Rüfenacht), Roland von Arx (Worb). GFL-Kandidaturen Grosser Gemeinderat: Sibylle Flentje (bisher, Worb), Hans-Ulrich Steiner (bisher, Rüfenacht), Esther Bachmann Attinger (Worb), Sandra Birri (JungeGrüne, Worb), Adrian Bolli (JungeGrüne, Worb), Urs Gerber (Worb), Rita Götschmann (Worb), Adrian Indermühle (JungeGrüne, Worb), Katrin Leder (JungeGrüne, Worb), Samuel Liniger (JungeGrüne, Worb), Ruedi Lüthi (JungeGrüne, Worb), Markus May (Worb), Claudio von Arx (JungeGrüne, Worb), Roland von Arx (Worb), Sibylle Wetli (Worb), Kaspar Weber (Rüfenacht).

BZ, 23. September 2004

GEMEINDERAT WORB

Keinen Sitz auf Nummer sicher

Jetzt ist klar, wer bei den Worber Gemeinderatswahlen zusammenspannt. Die Listenverbindungen können entscheidend sein, denn noch ist offen, ob alle bisherigen Gemeinderäte ihren Sitz verteidigen können.

Alle Worber Gemeinderäte kandidieren für eine weitere Legislatur. Eine Veränderung in der Exekutive scheint nicht in Sicht zu sein - auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick ist doch nicht alles klar. Denn die Parteien haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt, und es gelten andere Voraussetzungen als bei den letzten Wahlen.

So sind im diesjährigen Wahlkampf zwei Parteien weniger im Rennen: Die Freien Wähler und die CVP haben sich während der Legislatur aufgelöst. Gerade aber die Freien Wähler haben bei den letzten Wahlen mitgeholfen, die EVP in den Gemeinderat zu hieven. Dank einer Listenverbindung schafften es die beiden kleinen Parteien, sich gegen die grossen zu behaupten - und dies trotz der Reduktion des Gemeinderats von neun auf sieben Mitglieder. In der internen Ausmarchung waren dann die Freien Wähler knapp unterlegen, und die EVP hatte den Sitz gemacht. Diese Unterstützung fehlt der Partei jetzt.

EVP-Sitz doch gerettet?

Doch die EVP hat für die Wahlen im November neue Partner gefunden: Sie wird eine Listenverbindung mit der GFL eingehen, und gemeinsam gehen die beiden eine weitere Listenverbindung mit der SP ein. So dürfte die EVP ihren Sitz retten. Ihr Gemeinderat Niklaus Gfeller sieht den Wahlen auf jeden Fall zuversichtlich entgegen. Auch wenn er sich bewusst ist: «Die SVP hat es auf meinen Sitz abgesehen.»

In der Tat hat die SVP schon im Frühling ihr Ziel bekannt gegeben: drei Sitze im Worber Gemeinderat. Bis jetzt ist die Partei mit zwei Sitzen vertreten, bei der Reduktion des Gemeinderates vor vier Jahren hat sie einen Sitz verloren. Stellt die SVP tatsächlich noch einen Kandidaten fürs Präsidium, könnte dies die Taktik sein, ihr Ziel zu erreichen.

Bekannt ist, dass die SVP mit der FDP eine Listenverbindung eingeht. «Das ist selbstverständlich» und sei eine langjährige Tradition, sagt FDP-Präsident Jakob Kirchmeier. Vor vier Jahren hatte sich auch noch die inzwischen aufgelöste CVP an dieser Verbindung beteiligt. Den Sprung in den Gemeinderat schaffte die CVP nicht, während die FDP trotz Reduktion ihre zwei Sitze halten konnte. Dass eine zu starke SVP diese jetzt gefährden könnte, sei nicht diskutiert worden, so Kirchmeier. «Hauptsache ist eine bürgerliche Mehrheit.»

Gegen den Bürgerblock

Genau diese Mehrheit will wiederum die SP knacken und bei den Wahlen im November einen Sitz dazugewinnen. «Das Potenzial ist vorhanden», ist SP-Co-Präsident Jürg Kaufmann überzeugt. Vor vier Jahren allerdings musste die Partei Federn lassen. Sie hat bei der Reduktion zwei Sitze eingebüsst und ist zurzeit mit Gemeindepräsident Peter Bernasconi und einem weiteren Mitglied im Rat vertreten.

Eine Unbekannte im Spekulieren um Wähleranteile sind die Stimmen der ehemaligen Freien Wähler. Zwar sind im Parlament die Mehrheit der FW-Mitglieder der SP beigetreten. Doch das dürfte nicht repräsentativ für die gesamte Wählerschaft der Freien Wähler sein. Man nimmt an, dass sich diese gleichmässig auf die anderen Parteien aufteilt.

BRIGITTE WALSER

BZ, 27. September 2004

WAHLEN IN WORB

Peter Bernasconi (SP) erhält Konkurrenz

Im letzten Moment gibt die SVP ein ehrgeiziges Ziel bekannt: Sie will das Worber Gemeindepräsidium erobern.

Jetzt ist es öffentlich. Die SVP fordert Peter Bernasconi (SP) heraus. Sie hat Bruno Wermuth einstimmig als Kandidaten fürs Worber Gemeindepräsidium nominiert. Der 43-jährige Meisterlandwirt ist in der Gemeinde aufgewachsen und führt einen Biobetrieb in Vielbringen. Wermuth ist seit 1996 Mitglied des Worber Parlaments und der Geschäftsprüfungskommission, die er zwei Jahre lang präsidiert hat. In Vielbringen ist er Kommandant der Feuerwehr und war Präsident des Dorfvereins. Bereits vor vier Jahren kandidierte Wermuth für die Exekutive, schaffte den Sprung in den Gemeinderat aber nicht.

«Echte Wahlen»

Bis zum letzten Moment hat die SVP gewartet, bis sie Wermuths Kandidatur offiziell bekannt gab. An der Versammlung vom Freitagabend nominierte sie ihn, heute Montag ist die Eingabefrist für die Gemeindewahlen. Dank ihrer Kandidatur komme es im November zu echten Wahlen, schreibt die SVP in ihrer Pressemitteilung. Die Partei sei der Ansicht, dass die Aufgabe des Gemeindepräsidiums «gegenüber früher nicht mehr während unzähligen Jahren mit dem gleichen Elan bewältigt werden kann».

Unterstützung?

Ob Wermuth auf die Unterstützung der FDP zählen kann, steht noch nicht fest. Die FDP wird ihr Vorgehen an der nächsten Versammlung bestimmen. Die beiden Parteien sind für das Parlament und den Gemeinderat eine Listenverbindung eingegangen. Gerade die Abstimmung von diesem Wochenende hat aber gezeigt, dass sie sich auch unterscheiden. Die FDP setzte sich für die Tagesschule ein, die SVP ergriff das Referendum dagegen.

So oder so setzt sich die SVP mit ihrer Kandidatur ein ehrgeiziges Ziel. Bis jetzt hat es niemand geschafft, den seit 1988 amtierenden 56-jährigen SP-Politiker Peter Bernasconi herauszufordern. Vor acht Jahren hat es die Freiheitspartei versucht. Auch damals sprach man von Wahlstrategie: Die Partei habe sich durch die Präsidentschaftskandidatur Stimmen für den Sitz im Gemeinderat erhofft. Die Strategie schlug fehl, der Kandidat wurde gar aus dem Gemeinderat abgewählt, sein Sitz ging an die SP.

BRIGITTE WALSER

 


 

WORB: SVP-KANDIDAT BRUNO WERMUTH

«Es wird sehr, sehr schwierig»

SVP-Parlamentarier Bruno Wermuth sagt, weshalb er den amtierenden SP-Gemeindepräsidenten herausfordern will.

Herr Wermuth, rechnen Sie sich wirklich Chancen aus, Worber Gemeindepräsident zu werden?

Bruno Wermuth: Es wird sehr, sehr schwierig, dessen bin ich mir bewusst.

 

Geht es Ihnen vielleicht weniger ums Präsidium als vielmehr um einen Sitz im Gemeinderat?

Es stimmt, das Ziel der SVP sind drei Sitze im Gemeinderat. Ich persönlich habe aber schon vor vier Jahren einen Konkurrenten für Peter Bernasconi gefordert. Er ist seit 16 Jahren Präsident. Routine kann gefährlich sein. Jetzt braucht es neue Kräfte, Motivation und Ideen.

 

Sind Sie mit seiner Arbeit unzufrieden?

Ich will lieber vorwärts schauen als auf Fehler zeigen.

 

Gibt es denn welche?

Das Volk hat die Gemeinderäte und den Präsidenten gewählt, damit sie führen und entscheiden. Ich stelle aber die Tendenz fest, dass sie immer mehr delegieren. Man holt Gutachter und Experten und entfernt sich damit vom eigentlichen Auftrag. Vom Gewerbe erhalte ich zudem die Rückmeldung, dass die Kommunikation mit dem Gemeindepräsidenten ungenügend sei.

 

Auf das Problem hat die Exekutive mit dem Wirtschaftsapéro reagiert.

Stimmt. Doch mit einem jährlichen Apéro ist es nicht getan. Worb muss wirtschaftsfreundlicher werden.

 

Das Gewerbe begrüsst die Tagesschule. Sie lehnten sie ab.

Ob eine Tagesschule wirtschaftsfreundlich ist, will ich offen lassen. Das Gespräch zu Hause mit den Kindern kann keine Fremdbetreuung ersetzen. Eine Tagesschule gilt heute nicht einmal mehr als Standortvorteil, sondern bereits als Standard. Aber es kann doch nicht sein, dass eine Familie sich jene Gemeinde zum Wohnen aussucht, welche ihre Kinder am besten betreut. Nicht der Staat, sondern die Eltern müssen die Verantwortung für die Kinder übernehmen. Da müssen auch die Männer umdenken. Sie können die Kinder nicht einfach der Frau oder dem Staat überlassen.

 

Was würden Sie als Gemeindepräsident anders machen?

Ich bin gerne Worber und fühle mich wohl hier. Mein Ziel ist, dass das alle von sich sagen, die hier wohnen. Wir haben ein Problem mit dem Verkehr. Punkto Umfahrung ist der Gemeinderat zu lange auf der falschen Schiene gefahren. Er hat nicht auf Einsprecher gehört und sie als Verhinderer bezeichnet, bis der Bund ihnen Recht gab. Die Kommunikation gegen aussen wurde vernachlässigt. Ein Gemeindepräsident muss mehr unter die Leute gehen.

 

Ist das realistisch in einer Gemeinde mit 11000 Einwohnern?

Absolut.

 

Weshalb gibt die SVP Ihre Kandidatur erst jetzt bekannt?

Wir nahmen schon im Frühling mit der FDP Kontakt auf, doch eine Zusammenarbeit kam nicht zu Stande. Intern ist meine Kandidatur nicht erst seit Freitag bekannt.

 

Was passiert mit Ihrem Bauernhof, wenn Sie gewählt werden?

Da würde sich eine Lösung finden lassen.

Wo positionieren Sie sich innerhalb der SVP?

Ich werde von der Partei unterstützt, bin aber sicher kein Hardliner. Ich habe Erfahrung mit sozialen Anliegen und produziere biologisch. Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie sind mir wichtig. Da komme ich manchmal mit meiner Partei in den Clinch. Aber die Spannbreite des Denkens innerhalb der SVP ist gross. Das bringt die Partei weiter.

INTERVIEW: BRIGITTE WALSER

Der Bund, 27. September 2004

WORB

Konkurrenz für Bernasconi

Seit 16 Jahren ist Peter Bernasconi (SP) Worber Gemeindepräsident - und er möchte es auch noch vier weitere Jahre sein. Als einzige Partei will ihm nun die SVP das Amt streitig machen. Kurz vor der heute ablaufenden Nominationsfrist für die Gemeindewahlen vom 26. November hat die SVP an einer ausserordentlichen Parteiversammlung Bruno Wermuth als Kandidaten fürs Gemeindepräsidium nominiert. «Mit der Kandidatur kommt es in Worb zu echten Wahlen», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Die Aufgabe des Gemeindepräsidenten könne nicht während unzähligen Jahren mit dem gleichen Elan bewältigt werden, stellt die SVP fest.

Neuen Elan verspricht sie sich von Bruno Wermuth. Der 43-Jährige sitzt seit acht Jahren im Worber Parlament. Er wohnt in Vielbringen, wo er zusammen mit seiner Frau einen biologisch bewirtschafteten Bauernhof führt. Ausserdem ist er Kommandant der Feuerwehr Vielbringen und präsidierte von 1996 bis 2001 den Dorfverein. Als Gemeindepräsident möchte er nahe bei den Leuten sein, sagte Wermuth gestern auf Anfrage. Ihm sei es ein Anliegen, auch in den Aussenbezirken präsent zu sein und die Anliegen dieser Bevölkerungskreise ernst zu nehmen. Er möchte zudem eng mit dem örtlichen Gewerbe zusammenarbeiten und Worb in Verkehrsfragen weiter bringen.

Wermuth weiss, dass der Kampf ums Gemeindepräsidium «sehr hart» werden wird. Ein Bisheriger, der sich nichts Grobes zu Schulden habe kommen lassen, werde meistens nicht abgewählt, ist sich der SVP-Kandidat bewusst. Warum stellt er sich dennoch zur Verfügung? Nach 16 Jahren habe die Worber Bevölkerung das Recht auf eine Auswahl, sagt Wermuth. Ausserdem belebe seine Kandidatur den Wahlkampf.

Gross zu seiner Konkurrenz äussern mochte sich der amtierende Gemeindepräsident Peter Bernasconi gestern nicht. «Jede Konkurrenz ist eine Konkurrenz», sagte er lediglich. Würde er durch eine Kampfwahl wieder gewählt, erhöhe dies die Legitimation der Wahl, so Bernasconi.

Ob die FDP die Kandidatur der SVP unterstützten wird, ist bis jetzt noch unklar. Die Freisinnigen wollen am 19. Oktober eine ausserordentliche Parteiversammlung zu diesem Thema abhalten. (car)

BZ, 29. September 2004

 

GEMEINDEPRÄSIDENT WORB

«Ich rechne mit einer Wiederwahl»

Peter Bernasconi (SP) ist seit 16 Jahren im Amt. Worbs Gemeindepräsident sagt, weshalb er nochmals gewählt werden will, und nimmt Stellung zu den Vorwürfen seines SVP-Herausforderers Bruno Wermuth.

Herr Bernasconi, die SVP sagt, nach 16 Jahren im Amt falle man in eine gefährliche Routine. Ist das so?

Peter Bernasconi: Überhaupt nicht. Als Gemeindepräsident bin ich ständig gefordert und muss neue Ideen entwickeln, da kann man nicht in eine Routine fallen. Das ist das Spannende daran. Ich verstehe nicht, dass für die SVP die Anzahl Amtsjahre ein Grund sind, jemanden zu wählen oder abzuwählen.

Was fordert Sie denn heute noch heraus?

Vor allem neue Projekte, etwa das Ortsmarketing, oder neue Aspekte der Ortsplanung. Unsere Finanzsituation hat sich gebessert, nun sind wir gefordert, sie im Griff zu behalten. Eine Gemeindeverwaltung ist wie ein Unternehmen: Wenn man nicht ständig am Ball bleibt, fällt man zurück. Das ist ein Ansporn.

Was sind Ihre Ziele für die nächste Legislatur?

Die Finanzen auf diesem Niveau. zu halten. Dann werden wir mit der Siedlungsentwicklung, der Realisierung des Entwicklungsschwerpunktes Worbboden und der Verkehrssanierung weiterfahren. Und ich möchte das Projekt Ortsmarketing vorantreiben.

Davon wird vieles über die Legislatur hinausgehen. Planen Sie schon weiter?

Selbstverständlich. Ich denke nicht im 4-Jahres-Rhythmus, meine Planung geht weit über das hinaus, was ich als Gemeindepräsident noch realisieren werde. Wer kurzfristig plant, kann keine Visionen entwickeln. Da kommt mir meine Zusatzausbildung als Raumplaner zugute. Dort denkt man in Zeitspannen von zehn, fünfzehn Jahren.

Die SVP pocht auf schnelleres Umsetzen, etwa in der Verkehrssanierung.

Dort ist die Gemeinde passiver Partner. Der Kanton ist Bauherr, er und der Bund, bestimmen den Zeitplan und das Vorgehen. Wir können murren, wenns nicht vorwärts geht, aber mehr können wir nicht tun. Bei der Weiterführung der Umfahrung haben wir die Initiative ergriffen, weil das mit der Siedlungsentwicklung zusammenhängt. Dafür sind wir zuständig.

Welche Fähigkeiten braucht ein Gemeindepräsident von Worb?

Er braucht intellektuelle Fähigkeiten, um die Geschäfte koordinieren, zuweisen und bewerten zu können. Er muss das Gremium des Gemeinderates leiten können. Das ist manchmal heikel, denn das Präsidium ist ein Vollamt, einen allfälligen Informationsvorsprung darf der Präsident aber nicht zu seinen Gunsten ausnutzen, alle Infos müssen allen zugänglich sein. Kommunikation ist wichtig.

Gerade bei der Kommunikation, sagt Ihr SVP-Herausforderer Bruno Wermuth, hapere es bei Ihnen. Er sagt, Sie würden zu wenig unter die Leute gehen.

Das stimmt nicht. Werde ich eingeladen, besuche ich Anlässe und verschiebe dafür auch andere Termine. Natürlich bin ich nicht ein Stammtischpolitiker, der Tag für Tag im Wirtshaus sitzt. Das war ich auch vor meiner Wahl vor 16 Jahren nicht. Wäre ich es, käme vielleicht der Vorwurf, ich würde besser mehr im Büro sein und arbeiten. Der Präsident darf sich nicht von den Bürgerinnen und Bürgern absondern, das mache ich aber auch nicht.

Kommunikation ist Ihnen also wichtig?

Sie ist sehr wichtig. Auch die interne. Ein Gemeindepräsident muss die Verwaltung führen können. Er ist ein Manager.

Wie viele Leute arbeiten in der Verwaltung?

Rund 8o Personen.

Kann man Ihnen als Gemeindepräsident Fehler vorwerfen?

Jeder Mensch macht Fehler, ich bin gerne bereit, darüber zu diskutieren und Konsequenzen daraus zu ziehen. Aber selbst die SVP sagt, man könne mir keine groben Fehler vorwerfen.

Die SVP sagt, der Gemeinderat delegiere zu viel.

Das widerspricht dem Vorwurf von der gleichen Quelle, der Gemeindepräsident habe zu viel Macht und sei zu dominant. Beide Vorwürfe stimmen nicht. Der Gemeinderat führt insgesamt sehr gut und straff.

Die Schulraumplanung und das Ortsmarketing hat er delegiert.

Wir lassen keine Studien anfertigen, wenn wir sie nicht brauchen. Gerade die Schulraumplanung hat sich bezahlt gemacht. Wenn wir all den Einzelwünschen gefolgt wären, hätten wir viel mehr Geld ausgegeben.

Wo positionieren Sie sich innerhalb der SP?

Ich bin Mitglied und trage die Politik der Partei voll mit. Aber als Gemeindepräsident mache ich primär das, was ich für die Gemeinde gut finde. Auch wenn das einmal von der SP-Haltung abweicht.

Rechnen Sie mit der Unterstützung der FDP?

Ich weiss nicht, wie die FDP entscheidet. Ich denke, meine Arbeit wird von ihr geschätzt, aber bei Wahlen geht es nicht nur um das. Ich versuche einfach, einen guten Job zu machen.

Aber Sie rechnen mit einer Wiederwahl.

Ich gehe davon aus, ja. Meine bisherigen Wahlresultate haben gezeigt, dass die Bevölkerung meine Arbeit schätzt.

INTERVIEW: BRIGITTE WALSER

 

GEMEINDEWAHLEN VOM 28. NOVEMBER

136 kandidieren für das Parlament

136 Personen kandidieren für das Worber Parlament, 30 für die sieben Plätze im Gemeinderat und zwei Personen für das Präsidium.

SVP

Gemeindepräsident: Bruno Wermuth.

Gemeinderat: Ernst Hauser (bisher), Peter Hubacher (bisher), Hans Ulrich Born, Albert Gambon, Ingeborg Stahel, Heinz Stauffer, Bruno Wermuth.

Parlament: Hans Ulrich Born (bisher), Ulrich Brechbühl (bisher), Albert Gambon (bisher), Paul Gerber (bisher), Ingeborg Stahel (bisher), Martin Wälti (bisher), Bruno Wermuth (bisher), Hans-Jakob Bernhard, Niklaus Rudolf Bernhard, Andreas Bürki, Bruno Fivian, Paul Gfeller, Ernst Hauser, Peter Hubacher, Beatrice Lanz, Urs Schweingruber, Heinz Stauffer, Rudolf Wegmüller, Katrin Wermuth, Stefan Wüthrich.

SP

Gemeindepräsident: Peter Bernasconi (bisher).

Gemeinderat: Peter Bernasconi (bisher), Ruth Bichsel, Marianne Gadient, Jonathan Gimmel, Bruno Haldi (bisher), Jürg Kaufmann, Anna Nine Ramseier.

Parlament: Rebekka Althaus, Ursula Anderegg, René Bauer (bisher), Ruth Bichsel (bisher), Mark Böhringer (bisher), Regula Burkhalter, Roland Cetin, Guido Federer, Zoltan Fekete, Binia Fröhlich, Viktor Fröhlich, Marianne Gadient (bisher), Annette Gfeller, Jonathan Gimmel (bisher), Elsbeth Haldi, Christina Helbling (bisher), Esther Herrmann (bisher), Franziska Hofer, Hans Ulrich Joss (bisher), Gabriele Kaufmann, Jürg Kaufmann (bisher), Isabel Kölliker, Jürg Krähenbühl, Semun Külhan, Peter Künzler, Marianne Langenegger, Christoph Moser, Katharina Mögli (bisher), Anna Nine Ramseier, Niklaus Rohren, Christoph Rytz, Maja Stalder, Urs Strebel (bisher), Nelly Tarabusi, Erika Unteregger, Franziska Weber, Alfred Wirth, Christa Wyss, Johannes Wyss, Heiko Zeh.

FDP

Gemeinderat: Franziska Fritschy (bisher), Jakob Kirchmeier (bisher), Jacques Blumer, Annemarie Nussbaumer, Roger Sigel, Hanspeter Stoll, Maja Widmer.

Parlament: Jacques Blumer (bisher), Olivier Dinichert (bisher), Ulrich Emch (bisher), Samuel Gerber (bisher), Guy Lanfranconi (bisher), Roger Sigel (bisher), Hanspeter Stoll (bisher), Maja Widmer(bisher), Walter Würgler (bisher), Elmar Bardill, Barbara Beckmann, Peter Bieri, Martin Burkhard, Mirjam Dreyer, Andreas Dürsteler, Franziska Fritschy, Markus Heiniger, Roland Jud, Peter Jörg, Erwin Kämpfer, Jakob Kirchmeier, Alexandra Lanfranconi, Barbara Maccaferri, Heinrich Marti, Walter Morand, Hans Rudolf Möri, Annemarie Nussbaumer, Walter Spahni, Michele Tannen, Peter Vogt, Thomas Zbinden.

EVP

Gemeinderat: Niklaus Gfeller (bisher), Thomas Leiser, Jürg Meister, Gabriele Suter, Regina Utiger, Lukas Zimmermann.

Parlament: Brigitte Gfeller (bisher), Harry Suter (bisher), Beatrice Blatter, Niklaus Gfeller, Markus Graber, Franziska Hauri, Helmut Karger, Friedrich Kipfer, Thomas Leiser, Matthias Lüthi, Jürg Meister, Titus Moser, Pascal Mosimann, Marianne Rüfenacht, Erich Schüpbach, Annemarie Stettler, Renata Stöckli, Gabriele Suter, Regina Utiger, Alfred Zimmermann, Lukas Zimmermann, Heinz Zwahlen.

EDU

Parlament: Marianna Gfeller (bisher), Adolf Seematter, Christa Gfeller, Andreas Reinhard, Beatrice Schmocker.

GFL UND JUNGE GRÜNE

Gemeinderat: Roland von Arx, Marianna Morgenthaler, Hans Ulrich Steiner.

Parlament: Claudio von Arx, Roland von Arx, Esther Bachmann, Sandra Birri, Adrian Bolli, Sibylle Flentje (bisher), Rita Götschmann, Urs Gerber, Adrian Indermühle, Bernhard Leder, Katrin Leder, Samuel Liniger, Ruedi Lüthi, Markus May, Hans Ulrich Steiner (bisher), Kaspar Weber, Sibylla Wetli.

EINFACH-VERSTÄNDLICH-EHRLICH

Parlament: Christian Mader.

Der Bund, 21. Oktober 2004

WORB

FDP hält nichts vom «Schnellschuss» der SVP

Die FDP will den SVP-Kandidaten fürs Gemeindepräsidium, Bruno Wermuth, nicht unterstützen. Dies hat sie an einer ausserordentlichen Parteiversammlung am Dienstagabend beschlossen. Sie halte es derzeit nicht für opportun, den seit 16 Jahren amtierenden Gemeindepräsidenten Peter Bernasconi (sp) herauszufordern, heisst es in einem Mediencommuniqué. Dies habe die FDP schon im Frühling gesagt, als die Listenverbindung mit der SVP für die Wahlen vom 28. November beschlossen wurde. An diesem Entscheid habe sich nichts geändert. Die FDP wolle stattdessen in vier Jahren eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins Rennen ums Gemeindepräsidium schicken - und zwar jemanden aus den eigenen Reihen. Diese Person müsse zudem über Wirtschafts- und Führungserfahrung verfügen, heisst es weiter. Und vor allem: Die Wahl müsse seriös vorbereitet werden.

Die SVP hatte sich erst kurz vor Ablauf der Nominationsfrist Ende September für ihren Anwärter aufs Gemeindepräsidium entschieden - für den Worber FDP-Präsidenten Jakob Kirchmeier eindeutig zu spät. Die Kandidatur von Bruno Wermuth hält er für einen «Schnellschuss». Ein Kandidat oder eine Kandidatin müsse beim Stimmvolk über eine längeren Zeitraum hinweg bekannt gemacht werden. Auch müsse diese Person einen politischen Leistungsausweis vorweisen können. Für Kirchmeier ist deshalb klar: «Der Wahlkampf für die übernächste Legislatur fängt bereits am Tag nach den diesjährigen Wahlen an.»

Der Worber SVP-Präsident Martin Wälti zeigte sich gestern «enttäuscht» ob des Entscheids der Freisinnigen. Seine Partei werde aber genau gleich mit der Kandidatur für das Gemeindepräsidium weiterfahren wie geplant. Denn Wälti ist überzeugt, dass Bruno Wermuth auch Stimmen aus der FDP auf sich vereinen wird: «Die Basis stimmt nicht immer so wie die Parteispitze.» (car)

BZ, 21. Oktober 2004

WAHLEN WORB

SVP: Angriff auf die FDP

Die FDP hat entschieden: Sie wird den SVP-Kandidaten fürs Worber Gemeindepräsidium nicht unterstützen. Die beiden bürgerlichen Parteien wollen nicht von einer Spaltung sprechen. Doch für die FDP wirds eng.

Die FDP unterstützt Bruno Wermuth nicht: Die Bürgerlichen verweigern dem SVP-Kandidaten die Hilfe im Kampf ums Worber Gemeindepräsidium. Dies hat die Parteiversammlung am Dienstag einstimmig beschlossen. «Die FDP steht zu ihrem Wort», titelt die Partei ihre Pressemitteilung dazu. Denn sie habe es nie als opportun erachtet, einen Gegenkandidaten zu Peter Bernasconi (SP) aufzustellen. Zumal die Freisinnigen dem amtierenden Gemeindepräsidenten nichts vorzuwerfen hätten, sagt Präsident Jakob Kirchmeier.

Man wolle in vier Jahren mit einer eigenen Kandidatur fürs Gemeindepräsidium antreten. Und zwar mit einem Kandidaten, «der seriös vorbereitet wurde» und der «Wirtschafts- und Führungserfahrung» aufweise, schreibt die FDP. Im Klartext: Mit der im allerletzten Moment bekannt gewordenen Kandidatur des Landwirts Bruno Wermuth können die Freisinnigen nichts anfangen.

In Eintracht auseinander

Die SVP habe auf die Unterstützung der FDP gehofft, sagt SVP-Präsident Martin Wälti. Doch er ist überzeugt: «Die Spitze der FDP ist nicht mit der Basis gleichzusetzen.» Trotz des Entscheids der FDP werde die SVP nicht von ihrer Strategie abweichen. Von einer Spaltung der bürgerlichen Parteien in Worb wollen sowohl FDP als auch SVP nichts gemerkt haben: «Wir sind primär an einer bürgerlichen Mehrheit interessiert», sagt FDP-Präsident Jakob Kirchmeier. «Unser Gedankengut liegt noch immer ziemlich nahe beieinander», sagt SVP-Präsident Martin Wälti. Immerhin fügt Kirchmeier an: «In Worb wird die schweizerische Gangart geübt.» Und Martin Wälti sagt: «In letzter Zeit gehen die Meinungen eher auseinander als zusammen.»

Taktik für dritten Sitz

Dass Bruno Wermuth zum Gemeindepräsidenten gewählt wird, damit rechnet nicht einmal die SVP. Die Partei verfolgt ein ganz anderes Ziel: Das Portieren eines ihrer Mitglieder soll ihr zu einem dritten Sitz im Gemeinderat verhelfen. Die Frage ist nur, auf wessen Kosten dies gehen würde.

Derzeit haben im siebenköpfigen Worber Gemeinderat die Bürgerlichen mit je zwei Sitzen der FDP und der SVP die Mehrheit. Will die SVP einen dritten Sitz, müssen die Bürgerlichen gegenüber dem Block von SP, GFL und EVP massiv an Stimmen zulegen. Gelingt das nicht, besteht die Gefahr, dass sich die Bürgerlichen untereinander konkurrieren und die Strategie der SVP zu einem Angriff auf die FDP wird.

«Uns ist dieses Szenarium bewusst», sagt FDP-Präsident Jakob Kirchmeier. Ein möglicher Angriff der SVP auf die FDP sei an der Parteiversammlung diskutiert worden. «Wir greifen die FDP nicht an», sagt SVP-Präsident Martin Wälti, der sich aber sehr wohl bewusst ist, dass die SVP der FDP einen Sitz wegschnappen könnte. «Das wäre die ungünstigste Variante», sagt er. «Wir nähmen lieber einen der SP oder den der EVP.»

Taktik für 2008

Dass die FDP in vier Jahren mit einer Kandidatur fürs Gemeindepräsidium antreten wird, steht fest. Wie die SVP dann reagieren wird, ist offen. «Wir werden die heutige fehlende Unterstützung der FDP in vier Jahren nicht vergessen haben», droht Martin Wälti. Er will nicht ausschliessen, dass es dann zu einer Zweierkandidatur aus dem bürgerlichen Lager kommen könnte.

BRIGITTE WALSER

 

KOMMENTAR

Bürgerliches Eigengoal

Die FDP Worb ist in einer ungemütlichen Lage. Wie immer ging sie mit der SVP für die Wahlen eine Listenverbindung ein und markierte damit die bürgerliche Einheit. Doch dann stellte die SVP im Alleingang einen Kandidaten fürs Präsidium auf. Dass die FDP dies nicht goutiert, ist nachvollziehbar. Denn erstens hat der Herausforderer eines amtierenden Präsidenten erfahrungsgemäss keine Chance. Zweitens zweifelt die FDP an der Qualifikation des SVP-Kandidaten. Das lässt sich zwischen den Zeilen lesen. Drittens ist die Strategie der SVP, ob bewusst oder unbewusst, ein Angriff auf den nicht gesicherten zweiten Gemeinderatssitz der FDP. Eine Distanzierung der FDP von der SVP könnte als Linksrutsch aufgefasst werden, zumal in Worb seit einiger Zeit die Mitte fehlt. Darum wohl gehen die Freisinnigen nicht so weit, den bisherigen SP-Präsidenten explizit zu unterstützen. Das alles verhilft ihnen nicht zu einem klaren Profil. Die Linken werden davon profitieren, zumal sie in sich geschlossen auftreten.

brigitte.walser@bernerzeitung.ch

Der Bund, 4. November 2004

FDP unter Druck

Die SVP gefährdet in Worb mit ihrer Wahlstrategie den Sitz der FDP im Gemeinderat

Trotz Uneinigkeit über den in letzter Minute nominierten SVP-Kandidaten fürs Gemeindepräsidium demonstrieren die Bürgerlichen gegen aussen eitel Minne.

CATHERINE ARBER

Noch vergangene Woche enervierte sich Albert Gambon, Parteisekretär der SVP-Worb, in einem Leserbrief im «Bund» über das unbürgerliche Verhalten der Freisinnigen. Es stimme nicht, dass diese es nie als opportun erachtet hätten, einen Gegenkandidaten zum amtierenden Gemeindepräsidenten Peter Bernasconi (sp) zu nominieren. Die FDP spreche mit «gespaltener Zunge», wenn sie dies nun behaupte. Und es sei schade, wenn sie nun aus wahltaktischen Überlegungen heraus den SVP-Gemeindepräsidiums-Kandidaten, Bruno Wermuth, nicht unterstütze.

Eine Woche später demonstrieren die Bürgerlichen eitel Minne: «Wir sind mit der FDP nicht im Clinch», sagt SVP-Präsident Martin Wälti. Zum Leserbrief wolle er lieber nichts mehr sagen. Auch SVP-Präsident Jakob Kirchmeier will sich nach Absprache mit Martin Wälti nicht mehr zum Brief äussern. Nur so viel: Die FDP habe schon im Frühling erkannt, dass es chancenlos sei, einen Gegenkandidaten zu Bernasconi in den Wahlkampf zu schicken. Zwar habe es Gespräche mit möglichen Kandidaten gegeben. «Wir haben aber nie jemanden portiert», widerspricht Kirchmeier einer im Leserbrief gemachten Äusserung.

Dem fürs Gemeindepräsidium kandidierenden Landwirt Bruno Wermuth werden kaum Chancen eingeräumt. Viel mehr ist davon auszugehen, dass die SVP mit der in letzter Minute erfolgten Nomination Wermuth bekannt machen und mit ihm einen weiteren Sitz im Gemeinderat erobern will. Die bürgerlichen Parteien halten derzeit mit je zwei Sitzen die Mehrheit in der siebenköpfigen Exekutive.

Offiziell hat es die SVP auf den Sitz der kleinen EVP abgesehen. Mit ihrer Taktik könnte die SVP aber den zweiten Sitz der FDP, mit der sie am 28. November eine Listenverbindung eingeht, gefährden. Denn gelingt es den Bürgerlichen nicht, gegenüber dem Block von SP, GFL und EVP den Vorsprung zu wahren, konkurrenzieren sich SVP und FDP untereinander. «Kann sein, dass das passiert», sagt SVP-Präsident Wälti, dies geschehe aber nicht bewusst.

Dass der bürgerliche Block nicht geschlossen ist, sei sicher nicht zum Schaden der SP, freut sich deren Ko-Präsident Jürg Kaufmann. Aufgrund der Worber Stimmverhältnisse bei den letztjährigen Nationalratswahlen sieht er den FDP-Sitz wackeln. Jenen der kleinen Parteien, der EVP und der GFL, sieht er aber nicht in Gefahr.

Der Bund, 6. November 2004

Schlagabtausch am Wahlfest

Am Worber Wahlfest sorgte die Kampfwahl ums Gemeindepräsidium für einen vollen Saal

CATHERINE ARBER

Wahlpodien sind normalerweise nicht gerade ein Publikumsrenner. Nicht so in Worb: Am von der «Worber Post» organisierten Wahlfest am Donnerstagabend war der Bärensaal platschvoll. Das Publikum wurde mit Hochglanzprospekten eingedeckt, auf denen in markigen Worten gar vieles versprochen wird, die Bühne war mit bunten Ballonen der Parteien dekoriert. Es war aber schliesslich mehr als heisse Luft, was die Kandidatinnen und Kandidatenfür die Gemeindewahlen vom 28. November und die Parteienvertreter von sich gaben. Es ging um konkrete Inhalte: Der Moderator des Abends, Martin Christen, befragte die Politikerinnen und Politiker zu den Worber Dauerproblemen Finanzen und Verkehr. Doch zuerst stiegen der amtierende Gemeindepräsident Peter Bernasconi (sp) und sein Herausforderer Bruno Wermuth (svp) in die «Arena». Und sie gingen nicht gerade zimperlich miteinander um.

Dominanter Gemeindepräsident

«Nach 16 Jahren machen sich bei einem Gemeindepräsidenten Verschleisserscheinungen bemerkbar», sagte Wermuth über Bernasconi. «Das ist ein seltsamer Vorwurf, der mich erschüttert hat, als ich ihn zum ersten Mal hörte», erwiderte Bernasconi. Während seiner Amtszeit habe er sich keine Fehler zu Schulden kommen lassen. Über die politische Arbeit seines Widersachers konnte Bernasconi nicht viel sagen: Seit acht Jahren sitze dieser nun schon im Parlament, er kenne ihn aber zu wenig, um seine Arbeit beurteilen zu können. Der Landwirt aus Vielbringen wertete dies als ein Zeichen dafür, dass Bernasconi «zu wenig nah an der Bevölkerung» ist. Überhaupt: Der Gemeindepräsident kenne die Sorgen und Mentalitäten der Leute in den Aussenbezirken zuwenig. Als eine seiner ersten Amtshandlungen habe er eine Sprechstunde eingeführt, setzte Bernasconi Wermuth entgegen. Hunderte von Worberinnen und Worbern hätten seither bei ihm vorbeigeschaut. Und wenn man ihn an einen Anlass einlade, so nehme er wenn immer möglich daran teil, so der Gemeindepräsident. Ob es denn stimme, dass er, Bernasconi, zu dominant sei, ja sogar die Gemeinderäte im Griff habe, wollte Moderator Christen wissen. «Diesen Vorwurf muss ich in aller Form zurückweisen», sagte Bernasconi. Er führe den Gemeinderat kollegial, sonst hätten sich seine Kollegen sicher bei ihm beschwert. «Bernasconi kann nur so stark sein, wie andere schwach sind», fügte später der SP-Gemeinderat Bruno Haldi noch an.

Und was soll in Worb bis in vier Jahren besser werden? «Ich möchte das Wir-Gefühl stärken», sagte Bruno Wermuth. Zudem möchte er, dass in Worb vermehrt nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet wird. Auch Bernasconi möchte in Worb Arbeitsplätze schaffen und dadurch die Pendlerbewegungen verkleinern. Zudem möchte er die Finanzen weiter «im Griff behalten», ohne dass sich die Gemeinde zu Tode spare und die Lebensqualität eingeschränkt werde. Die Umfahrung sei kurzfristig nicht realisierbar, weil der Kanton das Projekt zurückgestellt habe. Deshalb müsse vorderhand in den Quartieren nach Verkehrslösungen gesucht werden.

Als Christen die Parteienvertreter im Anschluss an das Duell nach Wahlempfehlungen fragte, wurde klar: Der SP-Kandidat dürfte starke Unterstützung aus den FDP-Reihen bekommen. «Wenn wir die SVP wählen, gehen uns Stimmen verloren», sagte FDP-Fraktionschef Ulrich Emch. Die SVP-Nomination sei «wahltaktisch keine geschickte Aktion» gewesen. Einige SVP-Politiker ringen mit sich: Für ihn sei es eine schwierige Situation, sagte SVP-Gemeinderat Peter Hubacher. Er werde noch in sich gehen.

Keine Tabus beim Sparen

Die Gemeinde müsse in Bezug auf die Umfahrung vermehrt Druck beim Kanton machen, forderte EDU-Präsident Adolf Seematter in der Diskussionsrunde der Parteienvertreter. Die Gemeinde könnte mehr von sich aus unternehmen und etwa Tempo-30-Zonen einführen, sagte GFL-Präsident Roland von Arx. Beim anderen Worber Dauerthema, den Finanzen, sprachen sich die bürgerlichen Parteien für eine weitere Steuersenkung aus. Wo genau sie aber den Sparhebel ansetzen würden, sagten sie nicht. «Beim Sparen gibt es keine Tabu-Themen», sagte Ulrich Emch, ohne konkret zu werden. Beim Gemeindepersonal oder bei den Konsumausgaben könnte die Gemeinde zurückhaltender sein, schlug SVP-Präsident Martin Wälti vor. SP-Ko-Chef Jürg Kaufmann gab zu Bedenken, dass Worb es sich momentan nicht leisten könne, den Steuerfuss noch weiter zu senken.

BZ, 6. November 2004

Einer macht das Rennen

Am Worber Wahlfest lieferten sich Gemeindepräsident Peter Bernasconi und Herausforderer Bruno Wermuth ein Streitgespräch.

Von drei Plakaten lächelt Bruno Wermuth (SVP). Peter Bernasconi (SP) ist zwar nur auf einem zu sehen - dafür auf einem grossen. An ihren Parteiständen im Entree des Worber «Bären»-Saals zeigen sich die beiden Anwärter fürs Gemeindepräsidium von ihren besten Seiten: Wermuth hat Apfelsaft von seinem Biobauernhof mitgebracht. Von Bernasconis Wahlplakat leuchtet eine Homepage-Adresse, auf dem SP-Tisch liegen Streichhölzer.

Am Wahlfest der «Worber Post» sind alle Parteien auf Wählerfang: die FDP mit roter Stellwand, die EDU mit Schöggeli und Laptop, die GFL mit grünem Tuch, und auch die EVP hat Prospekte aufgelegt. Der Saal selbst sieht nach Party aus: farbige Ballons, runde Stehtische auf der Bühne. Die Menschen drängen sich an die Tische, einige müssen stehen bleiben.

Taktik ohne Inhalt

Wie es auch in einer Gerichtsverhandlung kurz vor dem Urteil üblich ist, setzen die Anwälte der Angeklagten - oder hier der Kandidierenden - zum Plädoyer an, Bruno Wermuth sei «offen, direkt, zukunftsorientiert», schwärmt Christoph Ott. Als «berechenbar, vorausschauend, erfahren» beschreibt Marcel Fuchs Peter Bernasconi. «Also zwei Prachtsgügger», schlussfolgert Moderator Martin Christen, bevor er die Kandidaten zum Streitgespräch auffordert.

Er kenne Wermuth zu wenig, um zu wissen, ob das Plädoyer richtig sei, so Bernasconi. Diese Aussage nutzt sein Herausforderer zur Offensive: «Dass Bernasconi mich nicht kennt, entspricht seinem Typ. Bei mir wäre das nicht so», sagt Wermuth. Er würde sein Büro im Gemeindehaus vom obersten Stock zuhinterst in den mittleren Stock ganz nach vorne verlegen, führt der SVP-Mann den taktischen Schachzug fort. Damit er näher bei den Leuten sei. Zu wenig volksnah, aber zu dominant im Gemeinderat sei der bisherige Präsident, argumentiert Wermuth. Und nach 16 Jahren Amtszeit auch etwas «verschlissen», vor allem, wenn es darum gehe, die Umfahrungsstrasse im Grossen Rat durchzubringen.

Bernasconi ist in die Defensive gedrängt: Er sei sehr volksnah, schliesslich habe er Sprechstunden eingeführt. Das Verschleissargument erschüttere ihn, denn seine Leistungen seien gut. Und er führe den Gemeinderat «sehr kollegial», es habe sich noch nie jemand beschwert. Bessere Karten hat der Alteingesessene bei den Sachfragen: Zur Gemeindeentwicklung, zum Verkehr und zu den Finanzen weiss er mehr zu sagen als sein Herausforderer. Wermuth wiederholt die Ansätze Bernasconis und bietet kaum eigene Inhalte.

Zeit zum In-sich-Gehen

Die Parteien haben ihre Meinung gemacht: Die SVP ist für Wermuth. SP, EVP und GFL/Junge Grüne wählen Bernasconi. Die EDU gibt die Stimme frei. Die FDP, die eine Listenverbindung mit der SVP eingegangen ist, verweigert Wermuth die Unterstützung. «Der Zeitpunkt für einen bürgerlichen Kandidaten ist schlecht. Die FDP will in vier Jahren einen eigenen Anwärter stellen», so Fraktionspräsident Ueli Emch. Aber auch innerhalb der SVP gibt es Unentschlossene: «Ich will noch in mich gehen, wem ich meine Stimme gebe», sagt der bisherige SVP-Gemeinderat Peter Hubacher. Das werden auch die anderen noch unentschlossenen Worberinnen und Worber tun, die am 28. November wählen können.

SANDRA RUTSCHTI

Der Bund, 13. November 2004

Wahlen in Worb: Zweikampf ums Gemeindepräsidium

Der Unermüdliche und sein Widersacher

 

Peter Bernasconi (sp) ist seit 16 Jahren Worber Gemeindepräsident. «Von Amtsmüdigkeit keine Spur», sagt der 56Jährige. Und: Er könne der Gemeinde noch viel bieten.

CATHERINE ARBER

Er ist in einer komfortablen Ausgangslage - in seinen Bürosessel zurücklehnen kann sich der Worber Gemeindepräsident Peter Bernasconi aber nicht. Zwar dürfte er am 28. November in seinem Amt bestätigt werden. Nebst den Stimmen der Linken wird der Sozialdemokrat auch etliche der Freisinnigen auf sich vereinen können. «Ich gehe von einer Wiederwahl aus», sagt Bernasconi. In Worb gibt es aber auch Wählerinnen und Wähler, die es als erfrischend empfinden, dass es zu einer Kampfwahl kommt - immerhin ist Bernasconi seit 16 Jahren im Amt.

Mitnichten fühle er sich amtsmüde, wischt Bernasconi allfällige Bedenken vom Tisch. Die Arbeit als Gemeindepräsident reize ihn nach wie vor sehr, er könne Worb noch viel bieten. So möchte er beispielsweise in der kommenden Legislatur Rüfenacht und Worb näher zusammenbringen. Gleichzeitig aber sei es wichtig, dem Ortsteil Rüfenacht mit seinen 3500 Einwohnern eine eigene Struktur zu geben und endlich den Treffpunkt im Zentrum zu realisieren. Bernasconi wäre es zudem ein Anliegen, die nun genesenen Gemeindefinanzen längerfristig im Griff zu haben und nicht einfach bis zur Steueranlage im nächsten Jahr zu planen. Als er 1988 sein Amt antrat, war Worb hoch verschuldet.

Kaum gebessert hat hingegen die Verkehrssituation in Worb: Der Kanton hat kürzlich die lang ersehnte Umfahrungsstrasse, die das Zentrum von den täglichen Staus entlasten sollte, auf eine Warteliste gesetzt. Ohne Kanton könne die 60 Millionen Franken teure Umfahrung nicht realisiert werden, sagt Bernasconi. Aus eigener Kraft könne aber Worb die Quartierstrassen und den Dorfkern vom Durchgangsverkehr befreien. Bernasconi will sich für die Lösung des Verkehrsproblems auch als Grossrat im Kantonsparlament einsetzen.

Vielleicht nicht das letzte Mal

Bernasconi will sich nicht festlegen, ob er zum letzten Mal als hauptamtlicher Gemeindepräsident kandidiert. Ob er nach einer weiteren Legislatur wieder antreten würde, lässt er offen; eine Amtszeitbeschränkung gibt es in Worb nicht. Kann er nicht loslassen, liebt er die Macht? Für ihn gebe es auch ein Leben nach der Politik, sagt der 56-jährige, der in seiner Freizeit Tennis spielt und Rad fährt. Er wohnt mit seiner Frau in Worb und ist Vater zweier erwachsener Kinder. Eine Arbeit als Mediator würde ihn interessieren, sagt er. «Als Vermittler bin ich stark.» Vorderhand stehe für ihn aber das Wohl Worbs im Zentrum. Das habe nichts mit Machtansprüchen zu tun. Denn als Gemeindepräsident habe man nur bedingt Einfluss. Man sei an ein starkes Regelwerk gebunden und könne nicht einmal 200 Franken für den Samariterverein sprechen.

Sein politisches Amt mit einem auf kantonaler Ebene tauschen möchte er aber nicht. «Die Arbeit auf lokaler Ebene ist viel interessanter», sagt der Worber Gemeindepräsident. Der ausgebildete Raumplaner war früher beim Bundesamt für Forstwesen und Landschaftsschutz, dem heutigen Buwal, beschäftigt. Diese Arbeit sei abstrakt gewesen, währenddem seine heutige Tätigkeit handfest sei und er den direkten Kontakt zu den Menschen habe.

Er nehme sich der Sorgen der Bevölkerung an und wirke gerne als Ombudsstelle, erklärt Bernasconi. Diese Woche etwa habe er Besuch von einer Frau gehabt, die im Altersheim wohnt. «Sie stört sich an der Strassenlaterne, die ihr ins Zimmer blendet.» Die von der SVP geäusserte Kritik, er sei zu wenig volksnah und zu dominant, weist Bernasconi weit von sich. Die SVP werfe ihm dies nur vor, weil er sich in seiner 16-jährigen Amtszeit keine Fehler habe zu Schulden kommen lassen. «Würde ich die Gemeinde nicht führen, hiesse es, ich hätte sie nicht im Griff.»

Trotz der für ihn guten Ausgangssituation sieht Bernasconi der Wahl nicht gelassen entgegen: «Ungewissheit und Nervosität bleiben bestehen.»

 

Es sei an der Zeit, dass eine neue motivierte Person die Gemeinde führt, findet Bruno Wermuth (svp). Durch seine Kandidatur hat er Spannung in den Wahlkampfgebracht.

CATHERINE ARBER

Das Inserat hat er noch nicht aufgegeben. Würde Bruno Wermuth am 28. November aber zum neuen hauptamtlichen Gemeindepräsidenten Worbs gewählt, müsste er eine Betriebsleiterfamilie für seinen 20 Hektaren grossen Bio-Bauernhof in Vielbringen suchen. Aufmerksame Leserinnen und Leser des «Schweizer Bauer» glaubten bereits, eine entsprechende Annonce entdeckt zu haben und hielten Wermuth für gar selbstsicher. Es war aber ein Inserat für einen anderen Betrieb, dessen Beschreibung auf Wermuths Hof hätte passen können. Der SVP-Kandidat fürs Gemeindepräsidium rechnet sich zwar Chancen aus, weiss aber auch, dass es «sehr schwierig» werden wird, Peter Bernasconi das Amt streitig zu machen.

Aussenbezirke einbeziehen

«Ich fordere den amtierenden Gemeindepräsidenten heraus, weil es nach 16 Jahren nötig ist, dass eine andere, motivierte Person der Gemeinde eine neue Ausrichtung gibt » , sagt Wermuth. Zum Beispiel findet er, dass die Anliegen der Aussenbezirke bisher zu wenig ernst genommen wurden. Der 43Jährige selber ist in Vielbringen aufgewachsen und lebt zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern auf dem Bauernhof, auf dem er aufgewachsen ist und den er von seinen Eltern übernommen hat. An seinem Wohnort engagiert sich Wermuth in der Feuerwehr, präsidierte den Dorfverein und war Kassier der Waldhutgenossenschaft Worb. Wermuth ist der Ansicht, dass die Aussenbezirke vermehrt in die Planung der Gemeinde einbezogen werden sollten. Einzonungswünsche der dortigen Bevölkerung müsse man berücksichtigen, damit sich die Aussenbezirke weiterentwickeln könnten. Auch sollte, so der Gemeindepräsidiumskandidat, die Kommunikation zu den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Aussenbezirken verbessert werden.

Überhaupt: die Kommunikation. «Hier hat Peter Bernasconi ein Problem», sagt der Anwärter aufs Gemeindepräsidium. Dies möchte er verbessern. Und zwar, indem er auf die Leute zugehe und auch in den Aussenbezirken präsent sei. Durch bessere Kommunikation möchte er einen Ausweg aus der verfahrenen Situation in der Verkehrsproblematik finden. So müsse die Gemeinde etwa mit den Einsprechenden zusammensitzen. Und auch beim Kanton müsse Druck gemacht werden, damit zumindest ein Teil der Umfahrungsstrasse, die Spange Nord, in nützlicher Frist realisiert werden könne. Um dies zu erreichen, schlägt Wermuth als ersten Schritt ein «lockeres Mittagessen» mit Barbara Egger, der Berner Baudirektorin, vor.

Zum anderen Worber Dauerthema, den Finanzen: Wermuth will die Steuern noch weiter senken. Weiter möchte er Anreize schaffen, um neue Gewerbebetriebe nach Worb zu locken. «Mit einem jährlichen Gewerbeapéro ist es aber nicht getan», kritisiert er. Stattdessen müsse darauf verzichtet werden, Erschliessungskosten auf die Betriebe abzuwälzen.

«Kein SVP-Hardliner»

Innerhalb der SVP sieht sich Wermuth nicht dem Zürcher Flügel zugehörig. «Ich bin kein SVP-Hardliner.» Er fühle sich eher mit der Politik der Thuner SVP-Nationalrätin Ursula Haller verbunden. Denn das soziale Engagement sei ihm wichtig, sagt er, plädiert gleichzeitig aber für mehr Eigenverantwortung - Kosten sollten nicht einfach auf die öffentliche Hand abgewälzt werden.

Dass ihn die Worber FDP nicht unterstütze, sei für ihn nicht überraschend gekommen, habe ihn aber enttäuscht, sagt Wermuth. Seine Kandidatur sei kein «Schnellschuss», wie dies die Freisinnigen behauptet hätten. Er und seine Partei hätten sich das lange überlegt. «Mein Ziel ist es, die Gemeinde weiterzubringen.» Nun hoffe er, möglichst viele Stimmen machen zu können. Eines hat der Vielbringer jedenfalls schon geschafft: Er hat Spannung in den Worber Wahlkampf gebracht.

BZ, 18. November 2004

GEMEINDEPRÄSIDENT WORB

Der Raumplaner oder der Landwirt?

Gemeindepräsident Peter Bernasconi (SP) arbeitete als Raumplaner. Im Gemeinderat ist er auch für die Planung zuständig.

Wenn Peter Bernasconi mit seinen Kindern diskutiert, dann geht es oft um Politik. Die Tochter, eine Juristin, und der Sohn, angehender Elektroingenieur, gehörten zwar keiner Partei an, seien aber politisch interessiert, sagt der Worber Gemeindepräsident. Auch seine Frau politisiert nicht aktiv. Er selber ist in den 70er-Jahren der SP beigetreten. Als Raumplaner arbeitete er damals beim Bundesamt für Forstwesen und Landschaftsschutz, dem heutigen Buwal. «Ich habe mich in der Umweltpolitik engagiert und fand, die SP sei in diesem Bereich am initiativsten», sagt er zu seiner Wahl, die nicht ganz zur freisinnigen Haltung seines Elternhauses passt. Vater und Bruder waren der FDP beigetreten. «Mein Entscheid war etwas exotisch», sagt Bernasconi, der in Grenchen aufgewachsen ist und dessen Vater dort ein Baugeschäft führte. Das hat wohl dazu beigetragen, dass Peter Bernasconi Bauingenieur studierte. Später kam die Ausbildung zum Raumplaner hinzu. «Die hat viel mit meiner Arbeit als Gemeindepräsident zu tun», sagt Bernasconi, der im Gemeinderat das Ressort Bau und Planung betreut. «Die Ausbildung kommt mir zugute, wenn es darum geht, Projekte aufzugleisen und zu begleiten.»

Demokratie

Verwaltungsstrukturen waren Bernasconi vom Buwal her vertraut. «Verwaltung und Politik funktionieren anders als die Privatwirtschaft», sagt er. Anders als in einem Unternehmen könnten alle mitreden, «das ist nicht immer effizient».

Kreativität

Nein, er trauere der Zeit als Raumplaner nicht nach, sagt der Gemeindepräsident. Er geniesst das breite Spektrum, das er jetzt abdecken kann. Deshalb lehnte er vor sieben Jahren eine parteiinterne Anfrage für eine Regierungsratskandidatur ab. «Da wäre ich eingeschränkt worden.» Das Amt als Regierungsstatthalter, für das er ebenfalls im Gespräch war, hat ihn aus ähnlichen Gründen nicht gereizt. «Es hätte mir die Kreativität gefehlt.» Lieber wollte er in der Gemeinde bleiben, in die er vor 24 Jahren eher zufällig gekommen war. «Wir hatten mit anderen Leuten zusammen Pläne für Reihenhäuser.» Das Land dazu fanden sie in Worb. Noch heute wohnt der 56-jährige Bernasconi an der Farbstrasse. Nach nur vier Jahren in Worb wurde er 1984 in den Gemeinderat gewählt, wieder vier Jahre später war er Gemeindepräsident. Dabei hat er als Kind Pilot werden wollen. Ein Stück weit erfüllte er sich diesen Wunsch: Bernasconi machte das Segel- und Motorflugbrevet. Heute fliegt er nicht mehr selber. Kürzlich habe er mit einem Kollegen in einem Segelflugzeug abgehoben und dabei gemerkt: «Ich könnte es noch.» Doch in seinem Amt als Gemeindepräsident fühlt sich Bernasconi sicherer. Und da möchte er noch weitere vier Jahre bleiben.

BRIGITTE WALSER

 

Herausforderer Bruno Wermuth (SVP) ist Landwirt. Als Gemeindepräsident müsste er für den Hof einen Leiter suchen.

Wenn Bruno Wermuth von seiner Arbeit spricht, benutzt er häufig das Wort «wir». Wir - das sind er, seine Frau, sein Vater und ein Lehrling. Und auch die drei Kinder helfen auf dem Landwirtschaftsbetrieb in Vielbringen mit. Alle übernehmen Verantwortung, das ist Bruno Wermuth wichtig, nicht nur auf seinem Hof. «Was kann ich; was können wir beitragen» - für Bruno Wermuth zentrale Fragen der Gesellschaft. Er hat einmal einen Tandemkurs besucht und ist danach mit Sehbehinderten durch die Gegend gekurvt. Seine Familie hat ein Pflegekind aufgenommen. «Das sind kleine Dinge, aber ich will diese Haltung meinen Kindern vorleben», sagt Wermuth. Denn für was er einstehe, das wolle er auch selbst verkörpern.

Wermuth hat vor vier Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt. In der SVP ist er geblieben. «Die Grüne Partei vertritt gute Anliegen», sagt er, «aber das Links-Grüne stört mich.» Er wolle «nicht ins Extreme gehen». Das Bürgerliche liegt ihm näher. Schon sein Vater war Mitglied der SVP Vielbringen, und er ist in dessen Fussstapfen getreten. Seit acht Jahren sitzt Wermuth nun für die SVP im Worber Gemeindeparlament. In der Politik zählt für ihn wie auch sonst im Leben «der gesunde Menschenverstand».

Wirtschaft

Der 43-jährige Wermuth ist in Vielbringen aufgewachsen, 1987 hat er den Bauernbetrieb seiner Eltern übernommen. Die Menge der chemischen Hilfsstoffe, die nötig waren, um das Ertragsniveau zu halten, stimmte ihn nachdenklich. «Reiner Idealismus war es aber nicht, dass wir auf Bio umgestellt haben», sagt der Meisterlandwirt. Der wirtschaftliche Aspekt habe ebenso eine Rolle gespielt. Er sei selbstständig erwerbend, «und damit stehe ich dem Gewerbe nahe». Für dieses würde er sich als Präsident einsetzen. Wermuth nennt als Beispiel einen Lehrstellenpool und Lehrlingsprämien - «dafür würde ich das Geld für die Homepage um die Hälfte kürzen».

Schwung

Würde er zum Gemeindepräsidenten gewählt, müsste Wermuth einen Betriebsleiter für seinen Hof suchen. Bis jetzt sieht es nicht so aus, als würde eines seiner Kinder einst den Hof übernehmen. Auch Bruno Wermuth wollte ursprünglich nicht Bauer werden. Gemeindepräsident allerdings auch nicht, auch wenn er zu Hause gute Lernbedingungen gehabt habe: «Mit elf Geschwistern lernt man, sich durchzusetzen und Konflikte auszutragen», so Wermuth. Er habe davon geträumt, «einen Gasthof zu führen, Koch zu werden». Als dann aber seine Geschwister den Hof nicht übernehmen wollten, entschied er sich anders. Und mit seiner Kandidatur fürs Gemeindepräsidium habe er sich entschieden, Schwung nach Worb und die Gemeinde vorwärts zu bringen.

BRIGITTE WALSER

Der Bund, 29. November 2004

Etwas linker, grüner und frommer

Die SP verdrängt in Worb die FDP aus dem Gemeinderat, im Parlament sind Bürgerliche und Linke neu gleich stark

In Worb verändern sich die politischen Kräfteverhältnisse: Neu haben die Linken im Gemeinderat die Mehrheit, auch im Parlament haben sie kräftig zugelegt. Gemeindepräsident Peter Bernasconi (sp) ist wiedergewählt.

CATHERINE ARBER

«Viel Schub», wünschte der SVP-Herausforderer Bruno Wermuth dem wiedergewählten Peter Bernasconi (sp) für die kommende Legislatur. Der seit 16 Jahren amtierende hauptamtliche Gemeindepräsident zeigte sich zwar «sehr erfreut» darüber, dass er drei Viertel aller Stimmen für sich verbuchen konnte. Er habe ein besseres Resultat erzielt als vor vier Jahren, als er keine Konkurrenz hatte. Gleichzeitig bedauerte Bernasconi aber, dass sein langjähriger Gemeinderatskollege Jakob Kirchmeier (fdp) abgewählt wurde, da die Freisinnigen einen Sitz an die SP verloren haben. Kirchmeier habe massgeblich zur Sanierung der Gemeindefinanzen beigetragen, sagte Bernasconi. Er habe gewusst, dass es eng werde, sagte der enttäuschte Kirchmeier. Der zweite FDP-Sitz sei vor vier Jahren nur aufgrund eines Restmandats zustande gekommen. Es sei voraussehbar gewesen, dass die FDP einen Sitz verlieren werde, wenn das 4:3-Verhältnis im Gemeinderat kippe.

Tatsächlich setzt sich die Worber Exekutive ab Januar anders zusammen: Neu ist das Parteienverhältnis 3 SP, 2 SVP, 1 FDP, 1 EVP. Bisher hatten SVP und FDP mit gemeinsam vier Sitzen das Sagen. «Es ist bedauerlich, dass die Bürgerlichen nicht mehr die Mehrheit im Gemeinderat haben», sagte SVP-Präsident Martin Wälti. Dies sei aber nicht darauf zurückzuführen, dass die SVP einen Gegenkandidaten zu Peter Bernasconi portiert habe. Die Freisinnigen seien selber schuld, dass sie den SVP-Kandidaten Bruno Wermuth nicht unterstützt hätten. Hochzufrieden über die neue Mehrheit im Gemeinderat zeigte sich SP-Kopräsident Jürg Kaufmann: «Unsere Strategie ist aufgegangen.» Die Listenverbindung mit der GFL und der EVP habe sich ausbezahlt. Es sei erfreulich, dass Niklaus Gfeller (evp) wiedergewählt worden sei. Die SVP hatte es auf seinen Sitz abgesehen.

Der frisch gewählte Gemeinderat Jonathan Gimmel sprach von einer «neuen Ära», die nun in Worb Einzug halte. Viele Leute in seiner Partei hätten auf diese neue linke Mehrheit hingearbeitet. Gimmel sitzt seit zehn Jahren im Worber Parlament. Nach der Auflösung der Freien Wähler Worb (FWW) wechselte er in die SP. Vor vier Jahren wurde der heute 33-Jährige, damals noch für die FWW, knapp nicht in den Gemeinderat gewählt.

Nicht nur im Gemeinderat, auch im Worber Parlament legen die linken Parteien zu: Die SP gewinnt zwei Sitze dazu, die GFL einen. Die EVP kann ihre Sitzzahl gar verdoppeln und kommt neu auf vier Sitze. Demgegenüber büsst die SVP einen Sitz ein, die Freisinnigen können ihre neun Mandate halten. Im 40-köpfigen Worber Parlament kommt es damit neu zu einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis: Die bürgerlichen Parteien inklusive EDU besetzen jetzt 20 Sitze, gleich viele also wie die links-grünen Parteien gemeinsam mit der EVP. Bis anhin war der Block der Bürgerlichen stärker.

 

Gemeinderat

Parteistimmen: SP 8022, 33,4% (2000: 26,7%), SVP 6326, 26,3% (27%), FDP 5324, 22,2% (24,8%), EVP 2761, 11,5% (7%), GFL 1582, 6,6% (4,2%). Die CVP (2000:3,6%) und die FWW (2000:6,7%) haben sich aufgelöst. - Die Stimmbeteiligung betrug 44,5% (2000:44,6%).

SP 3 (2) Gewählt sind: Peter Bernasconi (1600), Jonathan Gimmel (1043) und Bruno Haldi (1043). Ersatzleute: Ruth Bichsel, Jürg Kaufmann, Marianne Gadient, Anneke Ramseier.

SVP 2 (2) Gewählt sind: Peter Hubacher (1162), Ernst Hauser (1115) Ersatzleute: Bruno Wermuth, Hans Ulrich Born, Ingeborg Stahel, Heinz Stauffer, Albert Gambon.

FDP 1 Sitz (bisher 2) Gewählt ist Franziska Fritschy (1072). Ersatzleute: Jakob Kirchmeier, Hanspeter Stoll, Annemarie Nussbaumer, Roger Sigel, Maja Widmer, Jacques Blumer.

EVP 1 (1) Gewählt ist Niklaus Gfeller (1123). Ersatzleute: Thomas Leiser, Lukas Zimmermann, Jürg Meister, Gabriele Suter, Regina Utiger.

GFL 0 (0) Stimmen haben erhalten: Roland von Arx, Marianna Morgenthaler, Hans Ulrich Steiner.

Parlament

Parteienstimmen : SP 41 424, 30,4% (33 090, 25,4%), SVP 33 153, 24,4% (33 663, 25,8%), FDP 31 166, 22,9% (30 503, 23,4%), EVP 12 090, 8,9% (8174, 6,3%), GFL 11 733, 8,6% (7444, 5,7%), EDU 3777, 2,8% (3023, 2,3%). Christian Mader erreichte mit seiner eigenen Liste Einfach-Verständlich-Ehrlich 2671 Stimmen bzw. 2,0%. Die CVP, (2000: 4801, 3,7%) und die FWW (9707, 7,4%) haben sich aufgelöst.

Die Ersatzleute

SP Regula Burkhalter (883), Christoph Rytz (883), Katrin Mögli (979), Mark Böhringer (876), Hannes Wyss (874), Roland Cetin (873), Christa Wyss (872), Binia Fröhlich (862), Anneke Ramseier (856), Franziska Weber (856), Rebekka Althaus (854), Gabriela Kaufmann (843), Sula Anderegg (836), Semun Külhan (828), Urs Strebel (823), Viktor Fröhlich (817), Niklaus Rohrer (787), Zoltan Fekete (785), Guido Federer (782), Heiko Zeh (782), Jürg Krähenbühl (775), Elsbeth Haldi (760), Franziska Hofer (754), Marianne Langenegger (754), Peter Künzler (732), Nelly Tarabusi (724)

SVP Rudolf Wegmüller (1302), Niklaus Bernhard (1294), Stefan Wüthrich (1283), Andreas Bürki (1256), Bruno Fivian (1241), Beatrice Lanz (1197), Katrin Wermuth (1178), Urs Schweingruber (1172)

FDP Michèle Tanner (780), Jacques Blumer (777), Walter Würgler (759), Samuel Gerber (731), Martin Burkhard (724), Mirjam Dreyer (703), Walter Morand (670), Alexandra Lanfranconi (667), Walter Spahni (667), Erwin Kämpfer (662), Andreas Dürsteler (651), Thomas Zbinden (623), Hans Rudolf Möri (620), Elmar Bardill (617), Peter Bieri (611), Markus Heiniger (607), Barbara Beckmann (604), Barbara Maccaferri (601), Peter Vogt (595), Roland Jud (592), Heinrich Marti (590)

EVP Thomas Leiser (549), Jürg Meister (507), Friedrich Kipfer (481), Gabriele Suter (476), Marianne Rüfenacht (469), Renata Stöckli (450), Erich Schüpbach (437), Franziska Hauri (436), Pascal Mosimann (430), Helmut Karger (418), Matthias Lüthi (410), Titus Moser (400), Annemarie Stettler (390), Heinz Zwahlen (261), Regina Utiger (251), Markus Graber (228), Beatrice Blatter (215)

GFL Hans Ulrich Steiner (650), Sibylla Welti (623), Samuel Liniger (604), Sandra Birri (598), Claudio von Arx (593), Katrin Leder (584), Esther Bachmann (556), Rita Götschmann (544), Markus May (528), Bernhard Leder (514), Adrian Indermühle (509), Adrian Bolli (501), Ruedi Lüthi (496), Kaspar Weber (482)

EDU Adolf Seematter (220), Christa Gfeller (179), Andreas Reinhard (157), Beatrice Schmocker (108)

Einfach-Verständlich-Ehrlich Stimmen hat erhalten: Christian Mader (565)

BZ, 30. November 2004

WAHLEN IN WORB

Die Jugend hat die Nase vorn

Sechs Mitglieder des Parlaments unter 30 und ein 33-jähriger Gemeinderat: In Worb ist am Wochenende die Wahl auf viele junge Politikerinnen und Politiker gefallen. Sie haben einen engagierten Wahlkampf geführt.

Erfolg für die Worber Jugend: Gleich sechs Politikerinnen und Politiker unter 30 haben am Wochenende einen Sitz im Worber Parlament errungen. Drei davon gehören der FDP an und haben mit ihrem Resultat gestandene Freisinnige überrundet. Ihr Erfolgsrezept? «Wir drei haben zusammengespannt und den Wahlkampf gemeinsam bestritten», sagen Michèle Tanner (Jahrgang 1982), Annemarie Nussbaumer (1976) und Olivier Dinichert (1975) unisono. Die jungen Freisinnigen haben eine Postkarte kreiert, auf der sie beim gemeinsamen Joggen abgebildet sind und wo sie ihre politischen Anliegen aufgelistet haben.

Karten verteilt hat auch Lukas Zimmermann (Jahrgang 1982). Der junge EVP-Politiker hat mehr Stimmen erreicht als sein Vater, der den Sprung ins Parlament ebenfalls geschafft hat. Nein, er sei nicht durch seinen Vater zur Politik gekommen, winkt Zimmermann ab: «Das war umgekehrt.» Der Name des Sohnes hat zuerst auf der Wahlliste der EVP gestanden.

Mit Zetteln für sich geworben hat auch Maja Stalder (Jahrgang 1980), die neu zusammen mit Isabel Koelliker (1985) für die SP im Parlament sitzt. Sie kennt den Betrieb bereits: Ihr Vater war ebenfalls Worber SP-Parlamentarier.

Jung und einer Meinung?

Zur Popularität der jungen Politikerinnen und Politiker dürfte auch das Worber Wahlfest beigetragen haben: Dort wurde den Jungen extra Platz eingeräumt, Michèle Tanner und Maja Stalder konnten sich beteiligen. Ausserdem gibt es in Worb einen Jugendrat, der Jugendliche mit der Politik vertraut macht. Allerdings: Ausser Olivier Dinichert, der bereits seit vier Jahren im Parlament sitzt, hat keiner der neu Gewählten je im Jugendrat politisiert.

Werden die Jungen im Parlament parteiübergreifend zusammenspannen? «Warum nicht», sagt Maja Stalder (SP), und auch Lukas Zimmermann (EVP) könnte sich das gut vorstellen: «Mit denjenigen der SP sowieso», sagt er, «aber auch mit der FDP.» Schliesslich kenne man einander und habe als Politiker im gleichen Alter sicherlich ähnliche Anliegen. Das hofft auch Olivier Dinichert: «Bei uns Jungen ist das Blockdenken noch nicht so verfestigt.» Zurückhaltender gibt sich Annemarie Nussbaumer: «Nur weil wir jung sind, heisst das nicht, dass wir die gleiche Meinung haben.» Es komme auf das Thema an, sagt auch Michèle Tanner.

Jung und Gemeinderat

Doch nicht nur im Parlament sitzen künftig junge Menschen. Auch im Gemeinderat hat die junge Generation Einzug gehalten. Der neu gewählte SP-Politiker Jonathan Gimmel ist 33 Jahre alt, in der Politik aber trotzdem schon sehr erfahren. Gimmel ist Mitbegründer des Worber Jugendrates, er wurde vor zehn Jahren als jüngstes Mitglied in das Worber Parlament gewählt und hat diesem im Jahr 2000 als jüngster Präsident vorgestanden. Nach wie vor investiert Gimmel, der in der Berner Stadtverwaltung arbeitet, viel Zeit in die Jugendarbeit, etwa als Präsident des Trägervereins Jugendarbeit Worb (Tjwo). Ob die Jugend auch zu seinem Pflichtenheft im Gemeinderat gehört, ist offen, und deshalb will sich Gimmel nicht über die Ressortverteilung äussern. Nur so viel: «je näher am Mensch, desto lieber ist mir das Ressort.»

BRIGITTE WALSER

Der Bund, 30. November 2004

Nicht bloss der Jugendpolitiker

Kaum ist Jonathan Gimmel (sp) in den Worber Gemeinderat gewählt, wird der 33-Jährige als möglicher Gemeindepräsident gehandelt

Mit 23 Jahren sass Jonathan Gimmel im Worber Parlament, zehn Jahre später schnappt der SP-Politiker der FDP einen Sitz im Gemeinderat weg. Hier will er aber nicht nur der Jugendpolitiker sein, sondern sich dafür engagieren, dass die Gemeinde sich weiterentwickeln kann.

CATHERINE ARBER

Um punkt neun Uhr klingelte das Telefon. Am anderen Ende war der oberste Chef, der Berner Stadtpräsident Klaus Baumgartner, und gratulierte seinem Adjunkt zum Wahlerfolg: Jonathan Gimmel wird neu in seiner Wohngemeinde Worb für die SP im Gemeinderat sitzen. Der 33-Jährige verdrängte einen FDP-Gemeinderat aus der Exekutive. Die FDP verfügt neu nur noch über ein Mandat, die SP konnte ihre Sitzzahl von zwei auf drei erhöhen. Schon bei den letzten Wahlen vor vier Jahren hätte er es beinahe geschafft. Damals kandidierte er für die Freien Wähler Worb (FWW). Weil innerhalb der Listenverbindung die EVP aber stärker war, erhielt sie das Mandat.

Blick weiter als eine Legislatur

Gimmel sitzt seit zehn Jahren im Worber Parlament. 2000 war er mit seinen 29 Jahren der jüngste Parlamentspräsident im Kanton Bern. Als sich die FWW im Februar 2003 auflösten, wechselte er zur SP, deren Fraktionschef er inzwischen ist. Der 33-Jährige engagiert sich stark für Jugendanliegen: Er war einer der Mitbegründer des Worber Jugendrates und ist heute Präsident der Vernetzten offenen Jugendarbeit Stadt und Region Bern (Voja). Gimmel will sich aber nicht als Jugendpolitiker verstanden wissen. «Meine politische Arbeit ist breit gefächert.» Dies zeige sich auch im Positionspapier der Worber SP an dem er massgeblich mitgewirkt habe. Es gehe darum zu fragen, in welche Richtung sich die Gemeinde Worb längerfristig entwickeln wolle, sagt Gimmel. So müsse etwa bei der Raumplanung die Sinnfrage gestellt und öffentlich diskutiert werden. Als Gemeinderat wolle er sich für eine zukunftsgerichtete Verkehrslösung und in Bildungsfragen engagieren. Und schliesslich sei es ihm ein Anliegen, soziale Minderheiten zu stützen und die Wirtschaft zu fördern. «Für mich ist das kein Widerspruch», sagt der SP-Politiker. Er wolle etwas dazu beitragen, dass sich Worb weiterentwickeln könne - und zu diesem Zweck den Blick über die kommende Legislatur hinaus richten. Im Parlament werde die SP durch die dazugewonnene Stärke der links-grünen Parteien endlich auch Vorstösse durchbringen können. Diese seien im vergangenen Jahr von der bürgerlichen Mehrheit immer abgewürgt worden, so Gimmel.

Keine Karriereplanung

In Worb wird bereits der Blick auf die Zeit nach der Ära Peter Bernasconi (sp) gerichtet, der seit 16 Jahren Gemeindepräsident ist und für eine nächste Legislatur wiedergewählt worden ist. Gimmel wird als möglicher Nachfolger gehandelt. «Es ehrt mich, dass mir die Leute das Vertrauen schenken wollen», sagt der Worber. Er mache aber keine Karriereplanung und wolle sich nun voll und ganz seinem neuen Amt als Gemeinderat widmen. Und ab nächstem Jahr wird er noch eine andere neue Aufgabe haben: Jonathan Gimmel wird zum ersten Mal Vater.

Gleich stark, was tun?

Der neu gewählte Jonathan Gimmel (sp) hat 1043 Stimmen erhalten - genau gleich viele Stimmen also, wie der bisherige und wiedergewählte SP-Gemeinderat Bruno Haldi. Was wäre gewesen, wenn die SP ihre Sitzzahl in der Exekutive nicht von zwei auf drei hätte vergrössern können? Wer von den beiden Kandidaten hätte den zweiten SP-Sitz bekommen? Das erste Mandat geht ja an den mit 1600 Stimmen wiedergewählten Gemeindepräsidenten Peter Bernasconi (ebenfalls SP).

Haldi und Gimmel hätten sich im Falle von Stimmengleichheit bei nur einem zu vergebenden Sitz selber absprechen müssen, wer das Mandat erhält. Dies sieht das Worber Reglement über Abstimmungen und Wahlen vor. Könnten sich die beiden nicht einigen, würde per Los entschieden, wer zum Zug kommt. Laut dem Worber Gemeindeschreiber Christian Reusser würde der Stimmausschusspräsident Harry Suter, der für die EVP im Parlament sitzt, das Los ziehen. Für Gimmel ist aber klar, dass es gar nie so weit gekommen wäre: «Ich hätte Bruno Haldi das Amt überlassen.» (car)