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WorbDas Wahljahr 2000 hat begonnenErst ein Jahr lang tagt das neue Worber Parlament. Doch die Bürgerlichen schielen bereits aufs Wahljahr 2000. Vorab die SVP-Sektion Rüfenacht will als «Stimme der Mehrheit» gehört werden.Fredy Gasser Von überall her flogen der Worber SP vor einem Jahr Blumen zu, als sie die Worber Wahlbühne als Siegerin verliess. Mit Lob sparten auch die Bürgerlichen nicht: einen «geschickten Wahlkampf habe die SP geführt», hiess es etwa, sie verfüge über «geschlossene Solidarität in den eigenen Reihen»; zudem politisiere die SP «nahe am Bürger». Ein Jahr später ist der Beifall verklungen und vor allem in den Reihen der SVP guter Rat gesucht. Denn die Linke ist auch heute noch populär und «ständig in der Öffentlichkeit», klagt der neue Präsident der Bezirkssektion Rüfenacht, Heinz Burri. Deren jüngster Coup: Die SP lancierte vor ein paar Wochen eine Petition für eine Radverbindung zwischen Worb und Rüfenacht und sammelte prompt über 1000 Unterschriften. «Tragisch»Die linke und grüne Präsenz sehe man in der Gemeinde nirgends so stark wie in Rüfenacht; kaum ein politisches Geschäft, das nicht von der Grünen Freien Liste kommentiert werde. Immerhin sind sie ausschliesslich mit Hans-Ulrich Steiner vertreten. Daneben fehle aber ein zweites Sprachrohr für Rüfenacht. Burri findet es schlicht «tragisch», wenn Rüfenachter Anliegen bloss aus linker und grüner Sicht dargestellt würden. «Denn mindestens ein Drittel der Rüfenachter denkt und handelt bürgerlich», ist Burri überzeugt und fügt selbstkritisch an: «Wir müssen unbedingt mehr für die Bevölkerung tun.» Am Rüfenachter Dorffest im Juni habe die SVP einen Anfang gemacht, indem sie sich erstmals mit einem eigenen Stand beteiligte. Rechtes ZielMit Heinz Burri kehrt ein alter Bekannter in die Worber Politik zurück. Als er 1993 aus gesundheitlichen Gründen als Gemeinderat zurücktrat, zog er den vermeintlichen Schlussstrich; jetzt will er die Rüfenachter SVP auf Vordermann trimmen. «Aber nur im Hintergrund», versichert er. Ehrgeizig zeigt sich Burri trotzdem: «Die Bürgerlichen von Worb müssen im Jahr 2000 die Mehrheit verteidigen.» Linkes VorbildDie linken Vorbilder stehen dem rechten Lob skeptisch gegenüber. Innerhalb der SP, so Parteipräsident Karl Schüpbach, sei man «seit Wochen fieberhaft auf der Suche» nach Möglichkeiten, die Stimmbürgerinnen und -bürger besser als bisher zu erreichen. Denn auch innerhalb der SP sei es wahnsinnig schwierig, die Leute zu motivieren, «abgesehen vom harten Kern». Man wolle sich aber nicht einfach mit vermehrter Öffentlichkeits-Arbeit eine Plattform schaffen, sondern «mit konkreten Aktionen». Der Filmzyklus der SP sei allerdings fast von niemandem besucht worden, sagt Schüpbach. «Unsere Geheimnisse tragen wir natürlich nicht an die Öffentlichkeit», schmunzelt Hans-Ulrich Steiner von der Grünen Freien Liste (GFL), fügt aber ernsthaft an: In der GFL könne man eben «frei politisieren» und müsse nicht auf Parteistrukturen Rücksicht nehmen. Eins nach dem andern sei seine Devise. Wolle die SVP bereits heute den Wahlkampf planen, «sei ihnen das unbenommen». Für die Grünen sei das aber noch lange kein Thema. Man könnte das aber auch als Politik des steten Tropfens verstehen: Kaum eine Worber Parlaments-Sitzung vergeht, ohne dass Steiner am Rednerpult gestanden wäre. |
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WORBFW und EVP spannen zusammenDie Freien Wähler und die EVP rücken für die Gemeinderatswahlen im Herbst zusammen: Nur so sei ein Sitz zu holen.Diesmal soll es klappen. Nach dem Rausschmiss vor acht Jahren wollen die kleinen Parteien wieder in die Worber Exekutive einziehen. Dieses Ziel sei nur mit vereinten Kräften zu erreichen, teilen die Freien Wähler (FW) mit. Insbesondere weil bei den Wahlen Ende November erstmals nur noch sieben Sitze zu besetzen sind. Die Freien Wähler beschlossen deshalb, mit anderen Kleinparteien Listenverbindungen einzugehen. Laut FW-Präsident Jonathan Gimmel ist bereits mit der EVP eine Verbindung vereinbart worden, weitere seien in Diskussion. Gimmel ist optimistisch, dass jemand aus den Reihen der Kleinparteien den Sprung in die Exekutive schaffen wird. «Rein rechnerisch haben wir gute Chancen.» Zu seinen eigenen Wahlchancen sagt er diplomatisch: «Ob ich gewählt werde, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass die Kleinen einen Sitz machen.» «Einen Sitz gewinnen» |
GEMEINDEWAHLENJetzt gehts in Worb um die WurstDie Worber Ortsparteien haben ihre Kandidaten und Kandidatinnen benannt und die Listen eingereicht. Um die nur noch sieben Gemeinderatssitze bewerben sich 31 Personen aus sieben Parteien.Die Listen sind eingereicht, die Worber Parteien haben sich festgelegt. Sicher ist, dass Peter Bernasconi vollamtlicher Gemeindepräsident bleiben wird, denn er hat keine Gegenkandidaten. Sicher ist auch, dass die Freien Worber Wähler in den Gemeinderat wollen. Nach zwei Legislaturen ohne Gemeinderatsmitglied möchten die FWW den Sprung in die Exekutive schaffen. Darum spannen sie mit der EVP zusammen. Doch die Vorzeichen sind in diesem Jahr für die kleinen. Parteien nicht günstig: Der Gemeinderat wird ab 2001 nur noch sieben statt neun Mitglieder haben. Und doch ist FWW-Präsident Jonathan Gimmel zuversichtlich, dass sich die kleinen Parteien in diesem Jahr einen der Sitze sichern können. Auch die Grüne Freie Liste und die CVP stellen Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat. Eine nicht sehr günstige Ausgangsposition hat auch die SP. Vor vier Jahren waren die Sozialdemokraten sehr erfolgreich: Sie besetzten vier der neun Gemeinderatssitze. Doch nun treten die beiden bisherigen Anneke Ramseier und Werner Lüthi Gemeinderäte nicht mehr an. Das heisst, dass mit Peter Bernasconi und Bruno Haldi nur noch zwei Bisherige ins Rennen steigen. Darum ist die SP-Co-Präsidentin Christina Schilt wohl auch mit drei Gemeinderatssitzen zufrieden. «Alle vier verteidigen zu wollen, das wäre vermessen», sagte sie schon im Frühjahr in einem BZ-Artikel. Die FDP möchte ihre beiden bisherigen Sitze halten. Sie stellen denn auch mit Heinz Neuenschwander und Jakob Kirchmeier ihre amtierenden Leute wieder zur Wahl. Nicht ganz so leicht wird es die SVP haben: Von den drei jetzigen, Gemeinderäten tritt Manfred Lehmann nicht mehr an. Die SVP müsste ihren Besitzstand also mit einem Neuen oder einer Neuen wahren. Vielleicht steht darum Grossrätin Therese Bernhard an erster Stelle auf der SVP-Liste? Die spannendste Ausmarchung wird sich also um den siebten Sitz drehen, für den kein bisheriger Gemeinderat zur Verfügung steht. Ohne Esther FriedliEsther Friedli, die vor vier Jahren als 19-Jährige für die junge CVP ins Worber Parlament gewählt wurde, kandidiert nicht mehr. Damit muss ihre Partei als einzige ohne Bisherige ins Rennen um die Parlamentssitze steigen. Die SP kann mit acht, die FDP mit allen sieben und die SVP ebenfalls mit acht aktuellen Parlamentsmitgliedern in den Wahlen starten. cng Die KandidierendenGemeindepräsident Gemeinderat Gemeindeparlament |
WORBWenn Worb Wahlen feiertDie Speisen sind italienisch (Pizza und Pasta), die Musik ist volkstümlich (Sagi-Hans Wittwers Örgeler) und stimmig (Mike Maurers Blue Soul). Sänger Maurer lässt das Publikum wissen, er habe einen «new politician» gefunden; vielleicht würde er im Song sogar preisgeben, wo genau ihm dies widerfahren ist, doch die vielen farbigen Prospekte auf dem Tisch lenken ab und verleiten zum eigenen Such- und Ratespiel: Gehört der Mitvierziger dort drüben hinter dem Teller Teigwaren etwa zu den 133 Kandidierenden, die am 26. November in Worbs Parlament gewählt werden wollen? Oder zu jenen 31 Personen, die im Gemeinderat mitregieren möchten? Falls ja: Für welche Partei? Das Foto des Manns ist weder in den Angeboten von SP, SVP und FDP noch in jenen der Grünen Freien Liste (gfl) und der Freien Wähler Worb (fww) zu finden. CVP, EVP und EDU preisen ihn auch nicht an. Kein neuer Politiker also. Dafür sorgt jetzt Martin Christen, Redaktor der «Worber Post», der Organisatorin dieses Wahlfestes im Bärensaal, für ein achtfaches Erfolgserlebnis. Die Frau und die sieben Männer, die er arenamässig um die drei Stehtischchen auf der Bühne platziert, gehören allesamt zum Kreis jener, die in den Druckerzeugnissen vorkommen. Auf der Bühne stellen sie sich gegenseitig vor: So bezeichnet Ernst Hauser (svp) Jürg Kaufmann (sp) als «jungen Politfuchs». Für Jürg Bichsel (fww) ist Hansueli Steiner (gfl) «politisches Urgestein aus Rüfenacht». Jürg Kaufmann (sp) ortet Franziska Fritschy (fdp) «mitten in einer Blitzkarriere». Fritschy wiederum ordnet Hauser in einem Versprecher der FDP zu, entschuldigt dies aber damit, dass er «mit seiner schönen Krawatte» durchaus auch dorthin passen würde. Marco Jorio (cvp), Harry Suter (evp) und Adolf Seematter (edu) fassen sich kurz. Finanzen und Verkehr: Die beiden Worber Dauerbrenner kommen nebst anderen Themen auch am Wahlfest aufs Tapet, und das Publikum erfährt einmal mehr, wer wann für eine Steuersenkung und wer weshalb heute noch dagegen ist. Und wer voll, halbherzig oder noch ein bisschen weniger und mit welchen Vorbehalten hinter der Umfahrung steht, muss auch festgehalten sein. Ausserdem stellt Franziska Fritschy ein für allemal klar, dass es sich bei in Rüfenacht Lebenden um Rüfenachter handelt und nicht um Rüfenächtler. Für Jürg Bichsel ist das Verschwinden der FPS aus den Reihen der Parteien mit Kandidierenden «kein Verlust», und Adolf Seematter hofft, dass sich die «Protestwähler» doch wieder irgendwo zugehörig fühlen. Die Legislaturbilanz der Vertretenden der Regierungsparteien fällt positiv aus, jene von Hansueli Steiner ist «sehr durchzogen», und Marco Jorio ist «eher unzufrieden». Statt Fragen zu stellen, singt SP-Mann Silvio Tedaldi vorn im Saal, was er zu sagen hat. Reden tut wie fast immer, wenn in Worb was los ist, Werner Tschaggelar. Komiker Gusti Häckerli ist bei der Herfahrt mit dem Velo über die Absätze auf dem Bärenplatz gestürzt und muss deshalb Gemeindepräsident Peter Bernasconi einen neuen Blumenstrauss basteln. Das dauert Tschaggelar zu lang, und er reklamiert, Worb feiert die Wahlen. Gewählt wird in drei Wochen. BARBARA STEINER |
WORBWorber werben für die WahlenAm Wahlpodium im «Bären»-Saal bezogen die Parteienvertreter Position. Vor allem beim Thema Hauptstrasse sowie der Finanzpolitik gingen die Meinungen der Redner stark auseinander.Pascal Schwendener Der Worber «Bären»-Saal war voll am Mittwochabend. Der Grund: Auf dem Podium standen Vertreter aller acht Ortsparteien, die zu den Wahlen vom 26. November antreten. Die neunte Kraft in Worb, die Freiheitspartei, tritt nämlich nicht mehr zur Ausmarchung an. Fehlen werde die Stimme von rechts aussen nicht, waren sich die meisten Podiumsteilnehmer einig. «Die wird von der SVP aufgenommen», sagte Hans Ulrich Steiner (GFL). Die SVP trauert als einzige grosse Partei der Freiheitspartei nach. «Sie setzte Farbtupfer», sagte Ernst Hauser. Und: «Schade, dass es sie nicht mehr gibt.» Hauptstrasse hin oder herSicher hätten die Freiheitsparteiler bei der aktuellen SP-Initiative gerne noch ein Wörtchen mitgeredet. Die Sozialdemokraten möchten ja bekanntlich die Hauptstrasse, «das Herz von Worb», verkehrsfrei machen. Hary Suter (EVP) und Hans Ulrich Steiner (Grüne) versprachen, die SP bei einer allfälligen Abstimmung zu unterstützen. Dagegen meinten Adolf Seematter (EDU) und Jürg Bichsel (FWW), man müsse abwarten, was die Verkehrsplaner und der Hauptstrasse-Ausschuss für Lösungen ausarbeiteten. Ernst Hauser und die freisinnige Franziska Fritschi meinten, die Hauptstrasse könne erst geschlossen werden, wenn die Ortsumfahrung erstellt sei. Fritschi: «Wir haben mit Investoren Verträge für das Zentrum abgeschlossen, die auf der geltenden Überbauungsordnung basieren. Eine Änderung würde dem Ruf von Worb als verlässlicher Partnerin schaden.» Uneinigkeit herrschte auch hinsichtlich der Finanzpolitik: Während die Worber Linke nicht müde wird, die vergangene Steuerreduktion auf 2,5 Einheiten als Fehler zu bezeichnen, möchte die Rechte eine weitere Senkung durchdrücken. «Das Ziel der FDP ist ganz klar eine erneute Steuerreduktion», sagte Franziska Fritschi. Und auch Marco Jorio plädierte für einen «Steuersatz, der unter jenem der Stadt Bern liegt». Nur so, «mit dieser Flucht nach vorn», könnten neue Zuzüger nach Worb gelockt werden. Jorio übernahm mit dieser Stellungnahme fast wörtlich die Aussage von Ernst Hauser. Gemeinsam standen die beiden fürs rigorose Sparen ein. Da allerdings sah der Grüne Hans Ulrich Steiner rot: «Wir müssen dem Staat das Geld lassen, das er für Schulen, Spitäler und so weiter braucht», sagte er und sprach sich für den Status quo bei der Steueranlage aus. Genauso der Sozialdemokrat Kaufmann: «Für eine Steuersenkung ist es einfach noch zu früh.» Hary Suter (EVP) - seine Partei hatte in der Budgetdebatte eine Anlage von 2,7 gefordert - schloss eine Senkung der Steuern kategorisch aus. Das Schlusswort hatte Finanzkommissionsmitglied Jürg Bichsel. Wegen der Worber Kasse rief er die himmlischen Mächte an: «Ich bin gottenfroh, wenn wir die heutige Anlage halten können», sagte er mit flehendem Blick zur Saaldecke. Einer stahl allen die ShowTrotz der kontroversen Fragen von Moderator Martin Christen kam es auf der Bühne nie zu einer wirklichen Diskussion. Stimmung wollte keine aufkommen. Glücklicherweise verfügt Worb aber über einen sicheren Wert in Sachen Stimmungsmache. Gemeint ist nicht der auf dem Programm verzeichnete Komiker, sondern Werner Tschaggelar. Er skizzierte zum Schluss die Lösung für alle Verkehrsprobleme in Worb: «Die Bauführung mach ich euch gratis.» |
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Worb ist auch Enggistein und BangertenGEMEINDESTRUKTUR: Zur Gemeinde Worb gehören nebst Worb-Dorf sieben Aussenbezirke. Aus diesen kommen immer wieder Klagen, vernachlässigt zu werden — etwa, wenns um den Unterhalt von Schulen geht. Der «Bund» lud sieben Gemeinderatskandidierende ins Spielzimmer der Schule Enggistein zur Diskussion über Worbs Strukturen.INTERVIEW: BARBARA «BUND»: Frau Frischknecht, was halten Sie als Lehrerin von diesem fensterlosen Kindergarten-Spielzimmer hier in einer früheren Dusche im Schulhaus Enggistein?EVA FRISCHKNECHT (FDP): Ich erteilte vor 15 Jahren selber Unterricht in diesem Schulhaus. Schon damals war die Situation unbefriedigend. Als Lehrerin bin ich sicher nicht erbaut über ein solches Spielzimmer, es entspricht auch nicht den Normen der Erziehungsdirektion. Allerdings erarbeitet derzeit eine private Firma eine Schulraumstudie für Worb. Es ist sicher sinnvoll, nicht Pflästerlipolitik zu betreiben, sondern sich innerhalb der ganzen Gemeinde einen Überblick zu verschaffen und nachher aufgrund der finanziellen Möglichkeiten zu entscheiden und Prioritäten zu setzen. Herr Wagner, stellen Sie sich so ein Kindergartenzimmer vor? RUDOLF WAGNER (EVP): Es ist schon lange bekannt, dass dieses Schulhaus sanierungsbedürftig ist. Die EVP hat sich stets dafür eingesetzt, dass die Aussenbezirke besser bedient werden. Das Parlament hat ja auch eine Motion überwiesen, die die Sanierung dieses Schulhauses verlangt. Ich fand es schade, dass der Gemeinderat nachher zurückgekrebst ist und die Studie in Auftrag gegeben hat. Herr Wermuth, ist es legitim, dass der Gemeinderat eine vom Parlament geforderte Schulhaussanierung auf Eis legt? BRUNO WERMUTH (SVP): Es ist richtig, eine Gesamtplanung zu machen, bevor hier in Enggistein Geld investiert wird. Worbs Struktur mit den Aussenbezirken ist speziell, es gibt überall Begehrlichkeiten. Zu berücksichtigen gilt es auch, dass nur zwei oder drei Kinder hier in diesem Zimmer spielen müssen. Hat sich das Parlament folglich geirrt, als es die Motion überwies? JONATHAN GIMMEL (FWW): Das ist eine eigenartige Interpretation. Der Entscheid des Parlaments war ein klares Bekenntnis zum Bildungsangebot in den Aussenbezirken. Er hat dazu geführt, dass die Studie erstellt wird, das ist ein Gewinn. HANS ULRICH STEINER (GFL): Auch ich stehe hinter diesem Vorgehen. Allerdings muss sich der Gemeinderat schon den Vorwurf gefallen lassen, zu lange nichts gemacht zu haben. Er reagiert statt zu agieren. Kann sich Worb all seine Schulhäuser überhaupt leisten bei einem Steuerfuss von 2,5? ELISABETH LUGINBÜHL (SP): Es kann nicht angehen, dass als Sparmassnahme beispielsweise das Schulhaus im abgelegenen Wattenwil-Bangerten geschlossen wird. Unsere Kinder sind unsere Zukunft, sie dürfen nicht daran gemessen werden, was sie kosten. Sparen ist anderswo möglich. Die Schulhäuser muss sich die Gemeinde Worb leisten können. Für den Transport der Kindergartenschüler von Wattenwil und Bangerten nach Enggistein sind übrigens die Eltern verantwortlich. An sich wäre das doch Sache der Gemeinde. Angesichts solcher Umstände kann man sich in den Aussenbezirken schon etwas vernachlässigt vorkommen. Teilen Sie dieses Gefühl als Vielbringer, Herr Wermuth? WERMUTH: Nicht unbedingt. Im Schulbereich sind wir seit jeher mit Rüfenacht verbunden. Auch in Vielbringen organisieren sich zumindest die Eltern der kleineren Kinder und führen diese zum Schwimmen oder für Spezialfächer nach Rüfenacht. Das mag als Nachteil erachtet werden. Es gibt aber auch Vorteile, etwa kleinere Klassen, und damit eine individuellere Betreuung der Kinder. PAUL HUBER (CVP): Dass die Kinder und ihre Bildung unsere Zukunft sind, darüber gibts nichts zu diskutieren. Es stellt sich aber schon die Frage, obs drinliegt, für einige wenige Kinder eine Schule zu unterhalten, oder ob eine zentrale Lösung nicht angebrachter wäre. Die Aufhebung von Schulen in den Aussenbezirken ist für mich kein Tabu. Den Transport der Kinder müsste die Gemeinde organisieren. Blockzeiten würden dies erleichtern. WAGNER: Ich habe grundsätzlich Mühe mit der Zentralisierung des Schulwesens. Zumindest die jüngeren Kinder sollten in den Aussenbezirken zur Schule gehen können. FRISCHKNECHT: Würde ein Schulhaus, geschlossen, müsste sicher ein Schulbus die Kinder abholen und wieder heimbringen. Allerdings dürften nicht nur Schliessungen geprüft, sondern es müssten auch andere Modelle diskutiert werden. Es wäre ja beispielsweise denkbar, dass Kinder aus den Randgebieten Worbs lieber in Enggistein zur Schule gehen würden als in der Sonnhalde oder in der Widen. Ich denke auch, dass die Schule vermehrt Betreuungsaufgaben übernehmen muss, auch wegen der veränderten Familienstrukturen. Dazu gehören auch Mittagstische und Tagesschulen. GIMMEL: Die Umwandlung in eine Tagesschule wäre allenfalls eine Chance für eine Aussenbezirk-Schule. STEINER: Wenn die Schulraumstudie vorliegt, wird über all diese Fragen in der Öffentlichkeit eine Diskussion stattfinden müssen. WAGNER: Mit einem Steuerfuss von 2,5 kann sich Worb derzeit nicht alle Schulhäuser leisten. Ein beachtlicher Teil der Steuereinnahmen muss für die Verzinsung der Schulden aufgewendet werden. GIMMEL: 85 Prozent der Einwohner der Gemeinde Worb leben in Worb und Rüfenacht. Es ist eine Frage der Haltung, wie wichtig einem intakte Aussenbezirke sind. Ein Schulhaus ist ja auch ein Treffpunkt und spielt eine Rolle im kulturellen Leben. Es gilt deshalb in erster Linie die Frage zu beantworten, welcher Stellenwert dem beigemessen wird. Nachher lässt sich darüber diskutieren, wie sich das Finanzielle regeln lässt. Worb zeichnet sich durch die gegebenen Strukturen aus. Ich wehre mich gegen einen falschen Zentralismus. STEINER: Die Qualität der Schule hängt nicht von der Anzahl Schulhäuser in den Aussenbezirken ab, sondern beispielsweise von der Klassengrösse oder davon, wie Fremdsprachige integriert werden. Mir erscheint es vordringlich, dass alle Kinder in der Gemeinde von kleineren Klassen profitieren können. Wo sich diese befinden, ist zweitrangig. Worb-Dorf hat sein neues Bärenzentrum. Haben die Aussenbezirke davon auch etwas? LUGINBÜHL: Ja, den Ärger, wenn man beim «Löwen» abbiegen will. HUBER: An sich war die CVP seinerzeit gegen das Projekt, aber heute muss ich sagen, dass es richtig war, es zu realisieren. Wir Rüfenachter haben auch etwas davon: Die Gemeindeverwaltung wird wohl weniger Zinsen bezahlen müssen als bisher, wenn die Hypotheken mal abgetragen sind. Aus Rüfenacht sind immer wieder Klagen zu hören, dieser Ort warte seit Jahren aufsein Zentrum. HUBER: Das ist eben der Neid. Gerade im Hinblick auf die Wahlen wird die Situation Rüfenachts wieder mal dramatisiert. Es gilt doch auch zu berücksichtigen, was Rüfenacht alles hat. Der Ort ist praktisch eine riesige Wohnzone mit Tempo 40 und hat fast keinen Fremdverkehr. Um das Kirchgemeindehaus, unser kulturelles Zentrum, beneiden uns sicher viele Gemeinden. Wir haben ein Sport- und ein Schulzentrum. Etwas vielfältiger könnten die Einkaufsmöglichkeiten sein, aber diese kann die Gemeinde nicht gross beeinflussen. Die Läden müssten dann halt auch schwarze Zahlen schreiben können. Es sind auch schon Geschäfte eingegangen, weil die Leute lieber auswärts einkauften. STEINER: Der Wunsch nach einem Zentrum ist nicht auf die Wahlen zugeschnitten, er ist uralt. Er hat auch nichts mit Neid zu tun. Rüfenacht braucht keinen «Bären», aber das Zentrum muss eine Form erhalten. Wo haperts mit der Zentrumsplanung? STEINER: In den letzten Jahren war einfach der «Bären» das Thema, er hatte erste Priorität. GIMMEL: Wenn Private ihr Land nicht verkaufen wollen, kann man nichts machen. In Worb ist auch viel länger geplant worden, als ich alt bin. An der Rüfenachter Zentrumsplanung wird gearbeitet, die Parteien unterstützen sie fast unisono. WAGNER: Wenn man von Zentren spricht, kann man dies in Bezug auf jeden Aussenbezirk tun. Ein Schulhaus lässt sich auch als Zentrum betrachten. GIMMEL: Es ist sicher legitim, dass eine Gemeinde wie Worb einen «Bären» mit Laden und dergleichen hat. Sonst müsste ja in die Stadt oder ein anderes lokales Zentrum ausgewichen werden. WERMUTH: Ich finde es richtig, dass die Gemeindeverwaltung nun zentralisiert ist und die Parzelle im Zentrum optimal genutzt wurde. Mit dem «Bären» hat niemand Probleme. In Rüfenacht sollte nun nicht rasch etwas getan, sondern umsichtig geplant werden. Herr Wermuth, was wünschten Sie sich als Vielbringer von den künftigen Gemeinderäten aus Worb-Dorf WERMUTH: Es wäre wichtig, dass sie zu den Aussenbezirken Sorge tragen. Ihre Struktur ist ja das Interessante an der Gemeinde Worb. Es wäre wünschenswert, wenn die Behörden vermehrt in die Aussenbezirke hinaus gingen und direkt in Kontakt träten mit der Bevölkerung. Dies würde das Zusammengehörigkeitsgefühl starken. Und Sie, Frau Luginbühl LUGINBÜHL: Ich wünschte mir, dass die Worber nicht vergessen, dass in Wattenwil-Bangerten auch noch Menschen leben. Allerdings können sich wohl Leute, die kaum wissen, wo die Orte liegen, kaum damit identifizieren. Wir Einwohner der Aussenbezirke müssen halt auch hin und wieder unsere Anliegen direkt in Worb deponieren und Lärm machen.
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WORBKleine Parteien machen mit beim Worber SesseltanzDie drei Worber Gemeinderatsparteien geraten unter Druck. Erstmals werden statt neun bloss sieben Räte gewählt. Und zwei kleine Parteien haben gute Chancen, einen Sitz zu erobern.Pascal Schwendener Die Spannung vor den Worber Wahlen steigt. Spannend sind sie vor allem deshalb, weil erstmals statt neun nur sieben Gemeinderatssitze zu vergeben sind. Und zusätzliche Brisanz erhält die Ausmarchung vom nächsten .Wochenende durch den Umstand, dass die Freien Wähler (FWW) und die EVP heuer eine Listenverbindung eingegangen sind. Dieses Bündnis hat reelle Chancen, einen Sitz in der Exekutive zu erobern. Hätten die beiden Partner jedenfalls vor vier Jahren zusammengespannt, sie hätten mit zwölf Prozent Wählerstimmen locker ein Mandat geholt. Aus diesem Fehler haben sie offenbar gelernt. Aber auch die Parteien von links und rechts haben mit Listenverbindungen reagiert, um sich eine bessere Ausgangslage zu sichern: Der bürgerlichen Koalition von SVP, FDP und CVP steht ein linksgrünes Bündnis aus SP und Grüner Freier Liste (GFL) gegenüber. Die Chance der KleinenGelingt es der Koalition FWW-EVP ein Mandat zu holen, verlieren die grossen Parteien zusammen drei Mandate. Wen es dabei härter trifft, die SP, die SVP oder die FDP, das bleibt bis zum Sonntagabend offen. Die Sozialdemokratin Christina Schilt-Rutishauser meint, es sei «realistisch, dass die kleinen Parteien einen Sitz gewinnen». Davon werde es abhängen, «ob die SP von ihren vier Sitzen im Gemeinderat zwei oder drei» werde halten können. Müsste sie einen Sitz an die FWW-EVP abtreten, würde das Schilt nicht allzu hart treffen: «Wir können durchaus hinter den Kandidaten der Freien Wähler stehen», sagt sie. Kleine habens schwer»«Ich glaube nicht daran, dass die kleinen Parteien jemanden in den Gemeinderat bringen», sagt Ulrich Wäfler (SVP). Mit der Reduktion auf sieben Sitze sei es schon für die Grossen nicht mehr leicht, sich zu behaupten. Für die kleinen Parteien aber werde die Situation, zusätzlich, erschwert. Optimistisch äussert sich Wäfler hingegen zur Zukunft seiner SVP: «Ich habe ein ambitiöses Ziel», sagt er, «das Ziel nämlich, unsere drei Sitze zu halten.» Für das Parlament rechnet Wäfler gar mit einem Zuwachs von neun auf elf Mandate - «Minimum». Seit 1984 hat die SVP konstant Stimmen verloren. Nun aber hofft sie, von rechts aussen, von der Freiheitspartei, zwei Sitze erben zu können. Diese tritt nicht mehr zu den Wahlen an. In die gleiche Ecke schielt wohl Jakob Kirchmeier (FDP). Auch er rechnet damit, im Parlament einen Sitz dazuzugewinnen. Im Gemeinderat wäre Kirchmeier dagegen schon zufrieden, wenn die FDP ihre beiden Sitze halten könnte. «Denn die Chancen von FWW und EVP sind durchaus vorhanden. » Jonathan Gimmel, Gemeinderatskandidat der Freien Wähler, gibt sich gewohnt selbstbewusst: «Mit den Kleinen muss man rechnen», sagt er, «ganz klar.» Obs allerdings für die Exekutive reichen wird, daran zweifelt er, und er möchte sich auch nicht näher dazu äussern. Nur so viel: «Es wird spannend. » |
WAHLENWorbs Orte gut vertretenWorbs Aussenbezirke sind in der nächsten Legislatur sowohl im Gemeinderat wie auch im Parlament sehr gut vertreten.ige. Rund 5800 Menschen leben im Dorf Worb. Weitere 5000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die Gemeinde Worb in den Aussenbezirken Rüfenacht, Vielbringen, Wattenwil-Bangerten, Enggistein, Richigen und Ried. Nach den Wahlen vom Wochenende hält der Gemeindehauptort Worb im Parlament 21 Sitze, einen weniger, als ihm proportional zustehen würde. Umso besser stehen die übrigen Orte mit gesamthaft 19 Sitzen da. Doch nicht nur zusammengefasst ist die Vertretung der Aussenbezirke gut: Auch die einzelnen Orte sind fast durchwegs repräsentativ vertreten. Rüfenacht hält neu elf Mandate (12,6 Sitze würden dem Ort proportional zustehen), Richigen und Enggistein gewannen je zwei Mandate (je zwei) und Wattenwil-Bangerten eines (eines). Überproportional vertreten ist Vielbringen mit drei Sitzen (zwei), leer ausgegangen ist allerdings der Ort Ried (ein Sitz). Rüfenacht stark in ExekutiveIm neu siebenköpfigen Gemeinderat hält Worb Dorf in der nächsten Legislatur vier Sitze (3,7 Mandate stehen dem Ort proportional zu). Ernst Hauser (svp), Heinz Neuenschwander und Jakob Kirchmeier (beide fdp) vertreten Rüfenacht in der Exekutive. Bloss zwei Mandate würden Rüfenacht proportional eigentlich zustehen. |
RÜFENACHTEin Paar, eine Partei, ein Parlamentbas. Er wurde als Bisheriger bestätigt, sie als Neue gewählt: Nebst Jürg Bichsel politisiert künftig auch dessen Gattin Ruth Bichsel-Keller im Grossen Gemeinderat von Worb mit - beide vertreten zusammen mit Jonathan Gimmel die Freien Wähler Worb (siehe «Bund» von gestern). Dass ein Ehepaar auf der gleichen Liste ins gleiche Parlament gewählt wird, dürfte zumindest in der Region Bern ein Novum sein. Stets die gleichen Ansichten werden Bichsels aus Rüfenacht aber kaum vertreten: «In der lokalen Politik gehts um Sachfragen, und darin sind wir gelegentlich unterschiedlicher Meinung», sagt Immobilienhändler und Baufachmann Jürg Bichsel. Ausserdem setzten er und seine Frau - sie ist Lehrerin - andere politische Schwerpunkte: Sein Spezialgebiet seien die Finanzen, seine Gattin engagiere sich vor allem in der Familien- und Bildungspolitik. |


