Jugendtreffpunkt ärgert AnwohnerRüfenacht: Klagen wegen Lärm und SachbeschädigungenDie Rüfenachter Dorfjugend sorgt für Gesprächsstoff: Schon seit einiger Zeit trifft sie sich regelmässig im Dorfzentrum bei der Post zum abendlichen Zusammensein. Doch die Anwohner fühlen sich gestört. Sie klagen über Nachtruhestörung und Vandalenakte, was die Polizei zum Einschreiten veranlasste.Frank Senn Jeden Abend gegen acht Uhr füllt sich der Platz vor der Post und vor dem Kastanienbaum im Dorfzentrum von Rüfenacht mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren. «Wir kommen zusammen, sprechen über den verflossenen Tag, machen Pläne und geniessen den Abend», sagt Michael Däppen, einer der Jugendlichen. Mit ihren Mofas und Kassettenrekordern erregen sie den Unmut von Anwohnern. «Für mich war vor allem der letzte Sommer sehr schlimm. Wegen des Lärms der Mofas, der Musik und den läuten Gesprächen konnte ich meistens bis zwölf Uhr nachts nicht schlafen», beklagte sich eine direkte Anwohnerin, die nicht beim Namen genannt werden möchte. Eines Abends sei sie hinausgegangen und habe den jungen Leuten erklärt, dass sie bei diesem Lärm nicht schlafen könne. Sie sei jedoch nur ausgelacht worden, und man habe hämische Sprüche über sie gemacht. Am andern Morgen sei ihr Garten von Bierflaschenscherben übersät gewesen. Auch Rosmarie Kaderli, Besitzerin des Blumengeschäftes gegenüber der Post, will ähnliche Erfahrungen gemacht haben: «Ich habe in der vergangenen Woche einen Trockenbaum mit Kugeln vor das Geschäft gestellt. Als ich am Montag das Geschäft öffnen wollte, waren die Kugeln verschwunden und der Baum war kaputt.» Im Verlaufe des Sommers seien immer wieder Blumen zerstört worden, und es sei hoher Sachschaden entstanden, so dass sie eine Anzeige gegen Unbekannt gemacht habe. Anwohner klagten schliesslich bei der Polizei wegen Ruhestörung. «Aufgrund der Klagen der umliegenden Bevölkerung, haben wir mit den Jugendlichen direkt gesprochen. Die Anzeige wegen Sachbeschädigung ist noch hängig, wobei nicht erwiesen ist, dass Jugendliche dahinterstecken», erläutert Markus Schneider, Pressesprecher der Kantonspolizei Bern. «Wir sind normalerweise bis 22 Uhr bei der Post und sind uns unserer Umgebung bewusst, wobei sich ein gewisser Lärm bei einer Ansammlung von 10 bis 20 Leuten nicht immer vermeiden lässt», sagt Michael Däppen. Befragte Jugendliche sprechen allerdings von einem «Kern», der die erlaubten Normen auch zu übertreten wage. Däppen bedauert dies: «Alles, was jetzt passiert, wird uns angehängt.» Eine andere Möglichkeit, sich zu treffen, bietet das Kirchgemeindehaus Rüfenacht an. Jeden Donnerstagabend stehen die Tore des Jugendcafés für die Jungen offen. «Nur ein kleiner Prozentsatz der Rüfenachter Jugend hält sich bei der Post auf. Die gleichen Leute gehen auch bei uns ein und aus, und bis jetzt ist noch nichts kaputtgegangen», berichtet Gemeindehelferin Marianne Morgenthaler. In den Räumlichkeiten des Jugendcafés sei man jedoch sehr strikt mit Alkohol und Rauchen, und wer sich nicht an die Regeln halten könne, meide daher wahrscheinlich das Café. «Es wäre wichtig, die Jugendlichen von der Strasse zu holen und ihnen in zentraler Lage einen Raum anzubieten, wo sie sich mehrmals in der Woche treffen könnten», sagt Marianne Morgenthaler weiter. Genau dasselbe Anliegen haben auch die Betroffenen. «Die Polizei schlug uns vor, uns auf dem Robinsonspielplatz zu treffen, doch dort würden die Anwohner genau gleich reagieren. Wir möchten einen Raum, wo wir niemanden stören», hofft Michael Däppen. Marianne Morgenthaler sieht jedoch im Moment keine Lösung in Rüfenacht. «Von der Kirche aus können wir nicht mehr anbieten, da wir personell völlig ausgelastet sind.» Eine Möglichkeit böte eventuell der Jugendtreff am äusseren Stalden in Worb. Die Kirchgemeinde unterstütze die Aufrechterhaltung des Jugendtreffs, setze sich aber für eine Neugestaltung ein. Aber die meisten Rüfenachter Jugendlichen sagten aus, dass sie von ihren Eltern aus nicht in den bestehenden Treff gehen dürften. |
WORB/RÜFENACHTEine Gruppe solls richtenEine neue Rüfenachter Arbeitsgruppe befasst sich mit Ruhestörungen, Gewalt, Rassismus und Integration.Vor einem Jahr sind die Probleme aufgetaucht, jetzt befasst sich eine Arbeitsgruppe damit. Im August 2001 hatte sich der Kirchgemeinderat mit dem Gemeinderat getroffen und ihn auf die Situation in Rüfenacht aufmerksam gemacht. Wiederholt haben dort Störenfriede nachts für Unruhe gesorgt, herumliegende Glasflaschen haben Ärger bereitet, und es ist über Drogenkonsum, vor allem Alkohol, geklagt worden. «Die Probleme lagen nicht über dem Durchschnitt anderer Gemeinden», sagte Gemeinderat Toni Maurer (EVP) gestern vor den Medien. «Es sind Wellenbewegungen», stellte Gemeindepräsident Peter Bernasconi (SP) fest. Vor wenigen Jahren sei Worb betroffen gewesen, jetzt Rüfenacht. «Das kann in einem Jahr schon wieder ganz anders aussehen.» Vier Themen auf einmalTrotzdem hat der Rat gehandelt und besagte Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. «Unser Arbeitstitel lautet <Ruhestörung, Gewalt, Rassismus, Integration>», so Maurer. Beteiligt sind die Schule, die Kirchgemeinde, die Polizei, der Verein der Schrebergärten und des Spielplatzes und die Jugendarbeit. Zusammen haben sie die Probleme in lang- und kurzfristige eingeteilt. «Zu den kurzfristigen gehören die Ruhestörung und die Verschmutzung», so Maurer. Zu den langfristigen Problemen zählt er Rassismus und Integration. Die Arbeitsgruppe befasst sich zudem mit der Motion der Freien Wähler, die im Dezember 2001 als Postulat überwiesen worden ist. Sie verlangt eine Integrationsstelle für die ausländische Bevölkerung. Die Gruppe hat Kontakt aufgenommen mit ähnlichen Organisationen und wird zum Postulat Stellung nehmen. Ab Herbst wird sie regelmässig in der «Worber Post» über diese Themen orientieren. bw |