<< Haupt-Index | << Gemeinde Worb | << Soziales, Tagesschulen, Kindertagesstätten, Senioren, Arbeitslose, Fürsorge, Ausländer

Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Tageschulen, Kindertagesstätten,

Der Bund, 21. Mai 2002

WORB

Kindertagesstätte soll Betreuungslücke schliessen

Noch im März war unklar, ob der Kanton die geplante Krippe finanziell mittragen würde. Nun ist diese Unterstützung gesichert. Der Gemeinderat unterbreitet dem Parlament das NPM-Projekt Kindertagesstätte. Der Trägerverein ist in den Startlöchern.

reb. Zweimal in der Woche können Kinder in Worb und Rüfenacht gemeinsam am Mittagstisch sitzen, zudem organisiert der Tageselternverein Betreuungen, und drei Spielgruppen und eine kleine private Kinderkrippe stehen zur Verfügung. Trotzdem fehlt es in der Gemeinde Worb an familienergänzenden Angeboten zur Kinderbetreuung. Das hat 1999 eine Erhebung in der Bevölkerung gezeigt: 45 Familien wünschten sofort und 20 später einen Krippenplatz für ein oder mehrere Kinder. Nun soll eine neue Kindertagesstätte die Situation entspannen.

Verein leistete viel Vorarbeit

Im vergangenen November wurde der Trägerverein Kindertagesstätte Gemeinde Worb gegründet. Dieser hat laut Präsident Werner Lüthi bereits viel Vorarbeit geleistet. Unsicher war aber bisher, ob sich der Kanton am neuen Betreuungsangebot finanziell beteiligen wird (der «Bund» berichtete). Dank des «nachweisbaren Bedürfnisses» der Gemeinde Worb und der «rechtzeitigen Gesuchseingabe» habe der Kanton dem Projekt die Anerkennung im Rahmen des Lastenausgleichs zugesagt, schreibt der Worber Gemeinderat in den Unterlagen zu Handen des Gemeindeparlaments. Dieses wird an seiner Sitzung am nächsten Montag über die geplante Kindertagesstätte diskutieren.

Geplant ist, dass die Kinderkrippe «Mutzli» bereits im kommenden August in Rüfenacht aufgeht. Insgesamt 18 Kinder können jeweils ganze oder halbe Tage in der Krippe verbringen. Kosten soll der Betrieb jährlich 336'000 Franken, der Ertrag soll bei 113'000 Franken liegen. Das ergibt laut Gemeinderat einen Kostendeckungsgrad von 33 Prozent. Das Defizit von 223'000 Franken könne dem Lastenausgleich zugeführt werden. Die effektiven Kosten für die Gemeinde lägen bei jährlich 1840 Franken.

SP wünscht sich Tagesschule

Noch ist schwierig abzuschätzen, ob die neue Kinderkrippe im Parlament umstritten sein wird oder nicht: Die Fraktionssitzungen finden nämlich erst diese Woche statt. Unterstützt wird das Vorhaben sicher von der Ratslinken. Schliesslich hat die SP vor einem Jahr ein Postulat eingereicht, das die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen fordert. Es sei gut, dass eine Krippe entstehe, sagt SP-Parlamentarierin Katharina Mögli. Nicht zufrieden sei aber ihre Partei damit, dass dieses Postulat als erledigt abgeschrieben werden soll. Da die Krippe Kinder von drei Monaten bis Ende des zweiten Schuljahre aufnehme, fehle es noch an Betreuungsplätzen für grössere Schulkinder, sagt Mögli. Die SP hat bereits eine Motion für die Schaffung einer Tagesschule eingereicht.

Das liebe Geld

Im Grundsatz unbestritten ist das Projekt wohl auch bei den bürgerlichen Parteien. Entzünden könnte sich die Diskussion aber an der Finanzierung: Seine Partei müsse immer abwägen, ob etwas Neues für die Gemeinde finanziell drin liege oder nicht, sagt FDP-Fraktionssprecher Ueli Emch. Zu Beginn sei der Betrieb der Kindertagesstätte zwar durch die Anschubfinanzierung des Bundes gedeckt. Wichtig sei aber auch die spätere Finanzierung.

Auch die SVP-Fraktion hat sich noch keine Meinung gebildet. Sie persönlich fühle sich ein wenig in der Zwickmühle, sagt Ingeborg Stahel. Einerseits begrüsse sie die Schaffung der Kindertagesstätte in Rüfenacht. Anderseits müsste die Gemeinde eher Leute unterstützen, die ein solches Angebot privat aufziehen würden.

Vereinspräsident Werner Lüthi ist zuversichtlich: Er sei sehr optimistisch, dass das Parlament zustimme. Und er fügt an: «Sollte es wider Erwarten schief gehen, so würden wir die Krippe auf privater Basis lancieren.»

BZ, 24. Mai 2002

WORB

Tagesstätte wird allseits begrüsst

Am Montag entscheidet das Parlament über eine neue Kindertagesstätte. Die Chancen für das Projekt stehen gut.

Brigitte Walser

Wenn das Worber Parlament am kommenden Montag zustimmt, dann kann die Kindertagesstätte im August eröffnet werden. Bis jetzt gibt es dieses Angebot der Kinderbetreuung in Worb nicht. Eine Umfrage hat 1999 aber ergeben, dass es 45 Familien sofort nutzen würden. Vor einem Jahr reichte dann die SP ein Postulat ein, in dem sie Betreuungsplätze verlangte. Die Forderung wurde für erheblich erklärt und das Departement Soziales hat in der Zwischenzeit nach Lösungen gesucht.

Jetzt steht das Projekt: Ab August sollen 18 Kinder ab dem dritten Lebensmonat bis zum Ende des zweiten Schuljahres extern betreut werden können. Die Gemeinde will aber die Tagesstätte nicht selber führen, sondern sie einer Trägerschaft übergeben. Diese besteht bereits: Eine Gruppe von interessierten Personen aus der Gemeinde hat den Verein Kindertagesstätte Gemeinde Worb gegründet. Unter Präsident Werner Lüthi hat er ein Betriebsreglement und ein Budgetentwurf erarbeitet. In Rüfenacht hat der Verein geeignete Räume gefunden.

Kosten nach Einkommen

Für die Tagesstätte wird mit jährlichen Kosten von 336'000 Franken gerechnet. Die Eltern sollen die Plätze nach der Höhe ihres Einkommens bezahlen. Gerechnet wird insgesamt mit Einnahmen von 113'500 Franken. Die ungedeckten Kosten können dem Lastenausgleich zugeführt werden. Für Worb betragen damit die effektiven Kosten jährlich 1840 Franken.

Postulat erfüllt?

Im Grossen Gemeinderat ist das Projekt nicht umstritten. Die SP, die FDP, die SVP und die Freien Wähler werden ihm gemäss Auskunft der Fraktionspräsidenten zustimmen. Die SP will sich aber dafür einsetzen, dass ihr Anliegen weiter verfolgt wird. Für Kinder ab dem dritten Schuljahr müsse auch nach Lösungen gesucht werden.

Der Bund, 29. Mai 2002

WORB

Grünes Licht für Kindertagesstätte

bas. Die Kinderkrippe «Mutzli» in Rüfenacht kann wie geplant Mitte August eröffnet werden: Das Worber Parlament stellte sich am Montagabend mit 35 zu 0 Stimmen (bei einer Enthaltung) hinter das NPM-Projekt (siehe «Bund» vom 21. Mai). Umstritten war die Frage, ob das Postulat, mit welchem die SP-Fraktion die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen gefordert hatte, damit erfüllt sei. Die Krippe sei hauptsächlich auf Kinder im Vorschulalter ausgerichtet. Das Angebot für Schulkinder hingegen müsse weiter überprüft werden, argumentierte beispielsweise Katharina Mögli (sp). Die Ratslinke konnte sich nicht durchsetzen: Mit 19 zu 15 Stimmen beschloss das Parlament, den SP-Vorstoss wie vom Gemeinderat beantragt abzuschreiben.

Der Bund, 20. Juni 2002

SP will Tagesschule

bas. Mit der Eröffnung der Kindertagesstätte im August werde in der Gemeinde Worb ein weiteres Kinderbetreuungsangebot zu Verfügung stehen, stellte Gemeinderat Toni Maurer gestern an einer Medienorientierung fest. Zusammen mit Tagespflegefamilien, Mittagstisch, Spielgruppen und Hütedienst sei das Spektrum an Betreuungsmöglichkeiten breit und mit denen anderer Gemeinden vergleichbar. Am Montag wird die SP im Parlament eine Motion zur Schaffung einer Tagesschule einreichen. Falls der Vorstoss später überwiesen werde, hingen die Verwirklichungschancen wohl wesentlich davon ab, ob der Kanton die Tagesschulen doch noch weiter mitfinanziere, erklärte Maurer weiter.

BZ, 26. Juni 2002

WORB

Tagesschule: wer zahlt?

Eine Tagesschule sei in Worb ein Bedürfnis, sagte Gemeinderat Toni Maurer. Probleme bereite die Finanzierung.

«Die Schweiz ist ein Entwicklungsland, was die externe Kinderbetreuung betrifft», sagte Katharina Mögli (SP). Ihre Partei hat dazu im Worber Parlament einen Vorstoss eingereicht: Der Gemeinderat solle die Einführung einer Tagesschule vorbereiten. «Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen ist unbestritten», sagte Sibylle Flentje (GFL). Eine Umfrage der SP hat zudem ergeben, dass das Bedürfnis klar vorhanden ist. Dies konnte Gemeinderat Toni Maurer (EVP) bestätigen. Für eine Tagesschule seien aber Raum und Personal erforderlich. Und zudem eine Planung: «Das braucht Zeit und Kraft», so Maurer. Hinzu kämen finanzielle Fragen: Tagesschulen würden nicht mehr in den kantonalen Lastenausgleich aufgenommen. «Wir empfehlen deshalb die Überweisung der Motion als Postulat», so Maurer. Dieses werde dann weiterverfolgt, wenn der Lastenausgleich und die Anschubfinanzierung des Bundes gesichert seien.

Dem stimmte Maja Widmer (CVP) für die FDP-Fraktion zu: «Die Kosten dürfen nicht auf die Gemeinde abgewälzt werden.» Die SVP zeigte sich noch kritischer: «Zuerst sollen die bestehenden Betreuungsangebote ausgelastet werden», so Ingeborg Stahel. Einstimmig überwies das Parlament die SP-Motion als Postulat.

bw

BZ, 28. Mai 2003

WORBER SCHULEN

«Nicht informiert»

Worber Eltern möchten eine Tagesschule. Die SP kritisiert, dass das Parlament bei der Planung übergangen wird.

Missstimmung bei der SP Worb. «Das Parlament hat man ein Quartal lang in die Ferien geschickt, und im stillen Kämmerlein wurde über die Einführung von Tagesschulen diskutiert», kritisiert SP-Parlamentarier Jürg Kaufmann. Bis am 1. Juli muss die Gemeinde beim Kanton das Gesuch für eine Tagesschule einreichen. «Das Parlament hat keine Ahnung, was der Gemeinderat plant», kritisiert Kaufmann. Auf Grund eines parlamentarischen Vorstosses der SP wurde letzten November eine Spezialkommission «Tagesschule» eingesetzt. In einer Umfrage befürworteten 277 Familien Tagesschulangebote. 233 würden ihr Kind zum heutigen Zeitpunkt anmelden.

Wo hats Platz?

Die SP hat eine dringliche Interpellation eingereicht, welche in der nächsten Parlamentssitzung diskutiert wird. Denn im Juni soll das Parlament über die Erweiterung der Schulhäuser in Rüfenacht und der Sonnhalde in Worb beraten. Die Sozialdemokraten wollen unter anderem wissen, ob bei den beiden Bauprojekten kein Raum für Tagesschulen vorgesehen ist. Die Partei fragt, ob der Gemeinderat auch der Ansicht ist, dass gerade solche zentral gelegenen Standorte ideal wären für eine Tagesschule.

Mit der Interpellation will die SP verhindern, dass die Grundsatzdiskussion zu Tagesschulen im Rahmen der beiden Bauprojekte geführt wird. Diese wolle man keineswegs gefährden, stellt Kaufmann klar.

spy

Landbote, 5. Juni 2003

Worbs Eltern fordern Tagesschule

Laut einer Umfrage ist die Tagesschule ein grosses Bedürfnis - 60 Prozent der Eltern würden ihre Kinder sofort anmelden.

Silvia B. Elmer

Viel Staub aufgewirbelt in Bevölkerung und politischen Kreisen hat der letztjährige parlamentarische SP-Vorstoss betreffend Tagesschulen. Daraufhin wurde im November 2002 eine Spezialkommission Aussenschulen/Tagesstrukturen unter der Leitung von Heinz Neuenschwander, Vorsteher Departement Bildung, eingesetzt, die vor den Frühlingsferien eine Bedürfnisabklärung zur schulergänzenden Kinderbetreuung durchführte.

Am Medienapéro vom 7. Mai 2003 informierte Ursula Forster, Schulsekretärin, über das Resultat dieser Bedürfnisabklärung. Laut Gemeindepräsident Peter Bernasconi war der Gemeinderat überrascht vom positiven Echo der Umfrage, das Bedürfnis nach einer Tagesschule ist eindeutig grösser als erwartet. An die Kinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse wurde ein Fragebogen abgegeben, der von den Eltern ausgefüllt und mit einem auffallend hohen Rücklauf von 88 Prozent beantwortet wurde. In diesem Fragebogen wurde das Tagesschulangebot erläutert, welches Mittagessen, Betreuung und Aufgabenhilfe umfasst. Die Frage nach der grundsätzlichen Befürwortung von Tagesschulangeboten beantworteten 277 Familien mit JA und 94 Familien mit EHER JA, das heisst ungefähr, 70 Prozent unterstützen eine Tagesschule. 233 Familien oder 60 Prozent würden ihre Kinder schon heute anmelden. Das grösste Bedürfnis besteht zum heutigen Zeitpunkt für Mittagessen und Betreuung mit Aufgabenhilfe am späteren Nachmittag jeweils am Montag, Dienstag und Donnerstag.

Die meisten Familien stammen aus Worb und Rüfenacht.

Tagesschule entlastet die Eltern

Die Vorteile liegen auf der Hand: beide Elternteile könnten weiterhin ihren Beruf ausüben, das gemeinsame Mittagessen der Kinder würde das Sozialverhalten fördern, ausserdem wäre eine professionelle Betreuung der Kinder gewährleistet.

Die Eltern, welche eine Tagesschule nicht in Anspruch nehmen möchten, begründeten ihr Nein mit dem finanziellen Aspekt oder weil ihr Kind bereits Familien- oder Fremdbetreuung erfährt. Einige gaben an, das Angebot komme zum falschen Zeitpunkt. Im Projekt Tagesschule ist vorgesehen, die Kosten nach Einkommen der Eltern abzustufen.

Die Aufgabe der Spezialkommission besteht nun darin, nach Lösungen für die Realisierung zu suchen und dem Gemeinderat im Juni einen Antrag mit entsprechendem Konzept zu unterbreiten. An der nächsten Sitzung des Grossen Gemeinderates vom 23. Juni 2003 wird das Traktandum aufgrund einer dringlichen SP-Interpellation behandelt. Entsprechende Entscheide durch den Gemeinderat und den Grossen Gemeinderat vorausgesetzt, könnte die Tagesschule frühestens im Schuljahr 2004/2005 eingeführt werden.

Schulen in Aussenbezirken

Durch die stetige Abnahme an Schülerzahlen ist es notwendig geworden, die Zukunft der Schulen in Enggistein, Richigen und Wattenwil-Bangerten zu planen: In diesen Ortschaften sind die Kinderzahlen in den letzten zehn Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

Die Spezialkommission wird allfällige Zusammenlegungen erwägen, dabei aber wichtige Aspekte wie Schulweg, Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung und Kosten nicht ausser acht lassen.

Der Bund, 7. September 2004

«Notwendigkeit» oder «Affront»?

Eine Tagesschule in Worb? FDP-Gemeinderätin Franziska Fritschy und SVP-Präsident Martin Wälti kreuzen die Klingen

Tagesschulen seien dringend notwendig und ausserdem ein Standortvorteil für die Gemeinde, findet Franziska Fritschy (fdp). Die geplante Tagesschule komme die Gemeinde viel zu teuer zu stehen, kritisiert hingegen Martin Wälti (svp). Ausserdem sei das System ungerecht.

INTERVIEW: CATHERINE ARBER

«BUND»: Herr Wälti, die SVP ist gegen die Einführung von Tagesschulen in Worb. Was haben Sie dagegen, dass Frauen arbeiten?

MARTIN WÄLTI: Die SVP ist nicht grundsätzlich gegen Tagesstrukturen und es geht auch nicht darum, dass Frauen nicht arbeiten sollen. Das ist eine Zeiterscheinung, welche auch die SVP nicht aufhalten kann und will. Hier geht es um das vorliegende Reglement. Da sind wir in mehreren Punkten nicht einverstanden. Wir haben das Referendum ergriffen, um eine bessere Form des Reglements zu erwirken.

 

Frau Fritschy, Sie sagen, die Wirtschaft könne auf die berufstätigen Mütter nicht mehr verzichten. Warum kommt die Wirtschaft nicht selbst für familienexterne Betreuungsplätze auf?

FRANZISKA FRITSCHY: Das ist eine gute Idee, klappt in der Realität aber nicht so gut. Mir ist im Kanton Bern bisher keine Tagesschule bekannt, die von der Wirtschaft geführt wäre. Darum müssen die Gemeinden als Trägerschaften - allenfalls auch in Zusammenarbeit mit dem Kanton - aktiv werden.

 

Herr Wälti, Sie hingegen sind der Ansicht, dass sich Eltern selbst organisieren sollten.

WÄLTI: Es ist eine Tatsache, dass sich ein Grossteil der Eltern selbst organisiert. Daneben benötigen aber auch berufstätige Eltern Betreuungseinheiten für ihre Kinder. Aber: Der öffentlichen Hand dürfen nicht Mehrkosten anfallen. Dies wäre ungerecht gegenüber jenen Erziehenden, die sich selbst organisieren. Die Gemeinde soll nur jene Eltern direkt unterstützen, die das Angebot aus Geldmangel sonst nicht nutzen können. Man könnte dies etwa via Sozialdienst tun. Grundsätzlich muss aber die Tagesschule, von der nur zirka fünf Prozent aller Kinder profitieren, für die Gemeinde kostenneutral sein.

FRITSCHY: Aber da zahlt ja wieder die öffentliche Hand! Es ist nicht realistisch, zu glauben, dass ein Grossteil der Eltern ihre Kinder privat betreuen lassen kann. Es haben bei weitem nicht alle Väter und Mütter diese Möglichkeit. Für sie ist familienexterne Betreuung gedacht. Es stimmt nicht, dass nur fünf Prozent der Kinder von diesem Angebot profitieren würden. Erfahrungen mit anderen modulartig aufgebauten Tagesschulen zeigen, dass die Plätze immer mehrfach belegt sind. Es profitieren also viel mehr Kinder von der Tagesschule als Plätze vorhanden sind.

 

Rührt Worb kostenmässig mit der grossen Kelle an?

FRITSCHY: Nein, einmalige Einrichtungskosten von 186'000 Franken und jährliche Kosten von 220'000 Franken - das ist, auch verglichen mit anderen Gemeinden, ein bescheidener Betrag. Wir bauen nichts Neues, sondern nutzen vorhandene Räume. Einmalige Einrichtungskosten für bauliche Anpassungen und Anschaffung von Mobiliar und Geschirr fallen immer an. Das wäre auch der Fall, wenn wir Tagesstrukturen in einer Aussenschule aufziehen würden, wie die SVP verlangt hat.

WÄLTI: Die Kosten sind ein unsicherer Faktor. Denn der Kantonsbeitrag ist nur für maximal zwei Jahre gesichert. Was danach passiert, ist unklar. Was ist, wenn der Kanton kneift, weil er Kürzungen machen muss? Dann haben wir ein Problem: Eine Infrastruktur wurde eingerichtet, der Betrieb aber könnte nicht mehr weitergeführt werden. Die Räumlichkeiten im Dorfschulhaus sind übrigens äusserst ungeeignet. Dieser Schiesskeller, das ist doch nichts für Kinder! Der Raum widerspricht den Qualitätskriterien des Tagesschulvereins des Kantons Bern.

 

Stimmt das?

FRITSCHY: Zuerst zur Finanzierung: Sie ist über den Lastenausgleich vom Kanton langfristig zugesichert. Sonst bekäme Worb keinen Beitrag aus der Bundesanstossfinanzierung. Zu den Räumlichkeiten: Sie sind im Reglement nicht festgeschrieben. Wir sind der Meinung, dass eine Tagesschule im Zentrum am sinnvollsten ist. Somit können auch Kinder vom Schulhaus Sonnhalde oder Wyden hin. Da man im Zentrum eines grossen Dorfes kaum freien Raum mit Garten findet, ist dies ein Kompromiss, den man eingehen musste. Es ist aber nicht gesagt, dass die angestrebte Lösung ewig dauert. Allenfalls findet sich etwas anderes.

WÄLTI: Zuerst investieren und dann nach neuen Räumen suchen: Das ist für uns klar der falsche Weg. Dabei hätte es hier mitten im Dorf das Foyer vor dem Bärensaal im Gemeindezentrum. Es wird tagsüber schlecht genutzt und es hat eine Küche und all die andere nötige Infrastruktur. Man müsste höchstens Mobiliar anschaffen.

FRITSCHY: Also das ist jetzt völlig daneben! Da wäre ja der Bärensaal überhaupt nicht mehr nutzbar! Man kann nicht erwarten, dass jeden Tag das Mobiliar der Tagesschule wieder hinausgezügelt wird. Im Bärensaal sollen ja schliesslich viele andere Veranstaltungen stattfinden.

 

Die geplante Tagesschule ist für Sie keine Lösung. Was haben Sie für Alternativen?

WÄLTI: In einem ersten Schritt sollen die privaten Angebote, die es bereits gibt, unterstützt werden. Also etwa Mittagstische oder der Tageselternverein. In anderen Gemeinden geht das ja schliesslich auch. Weiter müssen Blockzeiten eingeführt werden. Über Mittag wäre dann der Mittagstisch eine Möglichkeit, nach der Schule müssten sich die Eltern selbst organisieren. Mich stört im Übrigen, dass es für die öffentlichen Tagesschulen pädagogisch ausgebildetes Fachpersonal braucht. Das ist ein Affront gegenüber allen Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen!

FRITSCHY: Das ist kein Affront. Hohe Achtung vor allen Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen. Es ist aber eine Tatsache, dass etwa in Rüfenacht viele Kinder, bei denen niemand zu Hause ist, viel Zeit allein verbringen müssen oder auf der Strasse rumhängen. Ihnen muss geholfen werden, beispielsweise, indem man sie auch nach der Schule betreut und schaut, dass sie die Hausaufgaben machen. Die privaten Angebote sind sehr wichtig und es braucht sie auch weiterhin. Nur: Dringende Bedürfnisse sind offensichtlich damit nicht abgedeckt. Und: Der Mittagstisch funktioniert wohl in Rüfenacht, nicht aber in Worb. Wegen mangelnder Nachfrage musste er wieder aufgehoben werden. Einen bestimmten Anteil an pädagogischem Fachpersonal braucht es, weil Tagesschulen gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. Sonst wären Tagesschulen nicht lastenausgleichsberechtigt.

 

In der Parlamentsdebatte haben Sie gesagt, dass das Tagesschulangebot Ausländer und minderbemittelte Familien anziehen wird. Was genau befürchten Sie?

WÄLTI: Ich habe das nicht negativ gemeint. Es ist aber so, dass dieses System minderbemittelte und ausländische Familien anzieht. Das vereinfacht das Ganze nicht.

 

Könnten Tagesschulen nicht auch für gute Steuerzahler attraktiv sein? Betreiben Sie Populismus?

WÄLTI: Nein, das ist kein Populismus. Tagesschulen ziehen den Mittelstand nicht an. In Worb bauen wir ständig neue Wohnungen und Häuser und wir haben bisher noch nie Mühe gehabt, sie zu vermieten. Demnach ist eine Tagesschule in dieser Form auch kein Standortvorteil. Die Leute scheinen mit der bestehenden Infrastruktur zufrieden zu sein.

FRITSCHY: Da bin ich anderer Meinung. Für Mittelstandsfamilien, die sich längerfristig niederlassen wollen und bei denen Vater und Mutter arbeiten, ist bei der Wahl des Wohnortes das Angebot an familienergänzender Betreuung sehr wichtig. Deshalb sind Tagesschulen schon ein Standortvorteil.

 

Welches sind die Folgen, wenn das Volk am 26. September Nein zum Tagesschul-Reglement sagt?

FRITSCHY: Die Hoffnungen vieler berufstätiger Eltern in Worb würden zerschlagen. Wir haben wohl Kindertagesstätten. Aber ab dem Kindergartenalter fehlen Betreuungsangebote. In unserer Gemeinde sind alle übrigen und kostengünstigen Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir brauchen jetzt eine schulnahe und pädagogisch gute Lösung.

WÄLTI: Wenn das Reglement angenommen wird, fällt für uns keine Welt zusammen. Es wäre aber schade, denn wir hoffen, dass es in einem zweiten Anlauf eine bessere Lösung gibt. Lieber einmal mehr Nein als einmal zu viel Ja sagen. Wir würden uns für eine Neuausarbeitung des Reglementes in unserem Sinn stark machen.

 

Die Gesprächspartner

Franziska Fritschy (fdp) ist im Worber Gemeinderat fürs Departement Bildung verantwortlich und sitzt als Grossrätin im Kantonsparlament. Die 55-jährige Naturwissenschafterin arbeitet als Hausfrau und im Unternehmen ihres Mannes, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Rüfenacht.

Martin Wälti ist Mitglied des Worber Parlaments und Präsident der lokalen SVP. Beruflich ist der 43-Jährige Regionalleiter beim Besamungstechnikunternehmen Swissgenetics. Wälti ist verheiratet und wohnt in Worb. Seine Tochter ist in der Lehre, die beiden Knaben gehen noch in die Schule. (car)

 

Darüber stimmt Worb ab

Ginge es nach der Mehrheit des Worber Parlaments, würde schon im Oktober die erste Tagesschule im Schulhaus Zentrum in Worb Dorf eröffnet, später eine zweite in der Schule Rüfenacht. Die SVP wehrte sich aber mit dem Referendum gegen diesen Beschluss. Nun befindet das Stimmvolk am 26. September über das Tagesschulreglement.

Die Tagesschule ist als familienergänzendes Betreuungsangebot für Kindergärteler und Kinder in der Primarschule gedacht. Der Besuch ist freiwillig. Eine Umfrage hatte gezeigt, dass eine Tagesschule einem breiten Bedürfnis entspricht. Das Angebot umfasst vier Betreuungseinheiten: eine vor Unterrichtsbeginn, eine über den Mittag mit Essen, eine am frühen und eine am späten Nachmittag. Die Eltern können frei wählen, welche Einheiten sie beanspruchen möchten. Die Elternbeiträge betragen je nach Einkommen zwischen 1 und 25 Franken pro Betreungseinheit. (car)

BZ, 11. September 2004

WORB

Ein Inserat verwirrt

Ein anonymes Komitee berechnet in der «Worber Post» die Kosten der geplanten Tagesschule Worb mit falschen Angaben.

In der Tagesschule Muri-Gümligen kostet ein Betriebstag 897 Franken (175'000 pro Jahr), in Worb aber sollen es 1872 Franken (365'000 jährlich) sein. In Muri kostet der Betrieb 31 Franken pro Kind und Tag, in Worb 75. Diese Zahlen würden Fragen aufwerfen zur Vorlage Tagesschule Worb, über die am 26. September abgestimmt wird. Nur: Sie stimmen nicht. Die Zahlen beruhen auf falschen Angaben.

Veröffentlicht wurde der Kostenvergleich zwischen Muri und dem Worber Projekt in einem Inserat in der «Worber Post». Auftraggeber ist ein anonymes «Komitee für eine realistische Tagesschule». Das Inserat hat den Worber Gemeinderat zu einer Richtigstellung veranlasst: So geht das Komitee von 29 Kindern pro Tag aus, welche 2003 die Tagesschule Muri besucht hätten. Laut Auskunft der Tagesschulleitung Muri waren es aber nur 17. Für das Worber Projekt rechnet das Komitee mit 25 Kindern pro Tag. Eine Umfrage ergab aber, dass von durchschnittlich 76 Worber Kindern pro Tag ausgegangen werden kann. Die Kosten in Worb pro Kind und Tag sind also nicht zweieinhalb mal so hoch, wie das Komitee vorrechnet, sondern sogar tiefer. Das Komitee geht im Inserat zudem von einer Betreuungsperson für vier bis sechs Kinder aus. Im Reglement über die Tagesschule Worb steht aber, dass sechs bis acht Kinder von einer Person betreut würden.

Er sei sich bewusst, das behördliche Stellungnahmen während des Abstimmungskampfs problematisch seien, schreibt der Gemeinderat Worb. Hier seien jedoch Sachverhalte «krass falsch dargestellt worden, um die Meinungsbildung zu beeinflussen». Eine Richtigstellung habe sich im Sinn der korrekten Information aufgedrängt.

WRS

BZ, 14. September 2004

Braucht Worb eine Tagesschule? Ja, sagte das Parlament und beschloss, in Rüfenacht und Worb eine Tagesschule zu eröffnen. Nein, sagte die SVP und ergriff gegen diesen Beschluss das Referendum. Am 26. September entscheidet nun das Volk.

PRO

Franziska Fritschy

Die FDP-Politikerin ist Gemeinderätin von Worb und zuständig für das Departement Bildung.

Alle Kinder sollen optimal betreut sein

IN WORB BESTEHT ein grosses Bedürfnis nach Tagesschulstrukturen. Das belegt eine Umfrage zweifelsfrei: 155 Familien geben an, dass sie ihr Kind anmelden würden, wenn es die Tagesschule bereits gäbe.

Ein wesentlicher Grund für die grosse Nachfrage ist, dass heute mehr als die Hälfte der Frauen mit Kindern einer Erwerbstätigkeit nachgeht und dass die Betreuungsmöglichkeiten innerhalb der Familie oder im privaten Umfeld beschränkt sind. Für kleine Kinder ab sechs Monaten existiert in Worb bereits eine Kindertagesstätte. Die Tagesschule soll dieses und andere bestehende Betreuungsangebote ergänzen. Ziel ist, dass möglichst alle Kinder jeden Alters optimal betreut sind.

ES IST EINE TATSACHE , dass immer mehr Kinder von berufstätigen Eltern tagsüber ohne Betreuung sind. Solche Kinder leben oft nach dem Lustprinzip, was zu Sucht- und Gewaltverhalten führen kann. Die Tagesschule kann hier einen wesentlichen Beitrag zur Prävention leisten. Ferner helfen gute Betreuungsangebote, Kinder aus fremden Kulturkreisen zu integrieren. Diese werden durch Tagesschulen besser auf die Schule vorbereitet. Das ermöglicht der Schule, den eigentlichen Bildungsauftrag wahrzunehmen, und davon profitieren alle Schulkinder. Zudem können mögliche spätere Sozialkosten gesenkt werden. Die einkommensabhängigen Elternbeiträge garantieren, dass die Tagesschulstrukturen auch wirklich allen Kindern offen stehen. Die vorgesehene Tagesschule mit den beiden Standorten Worb und Rüfenacht sowie den vier Modulen pro Tag ist flexibel und entspricht den Bedürfnissen optimal. Es können vor der Schule, über Mittag oder nach der Schule genau die Module ausgewählt werden, die benötigt werden. Selbstverständlich sind die Angebote freiwillig.

DIE TAGESSCHULE WORB ist kostengünstig. Das zeigen Vergleiche mit andern Tagesschulen. Anders lautende Behauptungen in einem anonymen Inserat mussten vom Gemeinderat berichtigt werden. Es konnten Räume im Schulhausareal gefunden werden. Neben Betreuungspersonen mit einer pädagogischen Ausbildung übernehmen auch andere geeignete Personen Betreuungsaufgaben. Da die Tagesschule in den kantonalen Lastenausgleich aufgenommen wird, muss die Gemeinde nur die Raumkosten übernehmen. Insgesamt dürfte der wirtschaftliche Nutzen der Tagesschulstrukturen in Worb deren Kosten deutlich übertreffen. Darauf hin deuten Untersuchungen am Beispiel von Kindertagesstätten. Ferner konnte in der Gemeinde Köniz nachgewiesen werden, dass Kinderbetreuungsangebote die Familieneinkommen und damit die Steuereinnahmen wesentlich erhöhen. Die Tagesschule ist somit für die Gemeinde Worb ein willkommener Standortfaktor.

 

KONTRA

Martin Wälti

Der SVP-Politiker ist Parlamentarier von Worb und Präsident der SVP Worb.

 

Zu teuer, ungerecht und nicht geeignet

DAS REGLEMENT FÜR die Tagesschule wurde im Schnellzugsverfahren durch die Instanzen gepeitscht. Die SVP Worb hat in der Vernehmlassungsdebatte mitgewirkt und ihre Standpunkte definiert. Leider wurden die Anregungen im Reglement nicht berücksichtigt. Entstanden ist eine Vorlage, die auf den ersten Blick gut tönt, doch der näheren Betrachtung nicht standhält:

ZU TEUER : Es soll mehrheitlich überqualifiziertes Personal zu einem Stundenlohn von 70 Franken angestellt werden, was den Steuerzahler jährlich 223'000 Franken kostet. Hinzu kommen einmalige Investitionen von 186'000 Franken, die ebenfalls die öffentliche Hand tragen muss. In der Familienpolitik erwarten wir in erster Linie Eigenverantwortung. Die Staatsausgaben stiegen in den letzten Jahren und drohen weiter zu steigen. Der Gemeinde darf keine zusätzliche Last aufgebürdet werden. Ungerecht: Das Angebot kann nur von einer Minderheit (5%) der Schüler genutzt werden. Alle Eltern ohne pädagogische Ausbildung, die sich in der Kinderbetreuung privat organisieren und dabei grosse Verantwortung übernehmen, gehen leer aus. Den Infrastrukturen in allen Aussenbezirken wurde zu wenig Rechnung getragen. Die Bedürfnisse der Eltern in Wattenwil-Bangerten, Enggistein, Richigen, Ried und Vielbringen wurden nicht berücksichtigt. Ungeeignet: Wer die Vorlage kritisch hinterfragt, ist versucht, von Augenwischerei zu sprechen. Bereits jetzt könnten die Worber Schulen ihre Blockzeiten besser umsetzen. Gemäss einer im Grossen Rat überwiesenen Motion werden in rund vier Jahren Blockzeiten sowieso zur Pflicht. Diese sollen zuerst konsequent umgesetzt werden, bevor man neue Betreuungsstrukturen aus dem Boden stampft. Blockzeiten dienen allen Eltern mit schulpflichtigen Kindern. Die Gesetzgebung und die Finanzierung der Tagesschulen sind bei Bund und Kanton in der Schwebe. Darum keine neuen Experimente im Schulbereich.

DIE SVP WORB ist nicht grundsätzlich gegen Tagesschulstrukturen, und es geht nicht darum, dass Frauen nicht arbeiten sollen. Wir wollen aber eine vernünftige und auch längerfristig finanziell tragbare Lösung. Die oben erwähnten Schwachstellen sollen verbessert werden. Bereits bestehende Betreuungsangebote sind zu fördern und die betreffenden Betreuerinnen und Betreuer angemessen zu entlöhnen. Die Blockzeiten sind zu optimieren. Vorhandene öffentliche Räume im ganzen Gemeindegebiet, darunter auch das Foyer neben dem Bärensaal, sollen in die Planung einbezogen werden. Die SVP bietet Hand für eine Tagesschule, die für die öffentliche Hand kostenneutral ist. Eltern, welche die erhobenen Beiträge nicht erbringen können, sollen direkt von den zuständigen Stellen unterstützt werden.

Landbote, 23. September 2004

Tagesschule ja oder nein?

Am 26. September stimmt das Worber Volk über die Einführung einer Tagesschule ab. Im Vorfeld der Abstimmung sorgt ein anonymes Inserat für Aufruhr.

Anja Niederhauser

Unterzeichnet war das Inserat in der «Worber Post» von anfangs September vom «Komitee für eine realistische Tagesschule». Darin wurde ein Kostenvergleich zwischen der bereits bestehenden Tagesschule Muri-Gümligen und dem geplanten Worber Projekt aufgestellt. Nach dieser Darstellung sollen die Kosten pro Kind in Worb rund 2,5 mal so hoch sein wie in Muri-Gümligen. Diese Zahlen seien nachweisbar falsch, erklärte daraufhin der Gemeinderat (siehe Leserbrief Berner Landbote vom 16. September). Mit einer erneuten Berechnung basierend auf korrekten Zahlen komme man zu folgendem Ergebnis: Die Kosten für die Tagesschule Worb sind nicht zweieinhalb mal so hoch wie diejenigen von Muri-Gümligen, sondern sogar tiefer. Um die Meinungsbildung der Stimmberechtigten zu beeinflussen, seien hier objektiv nachprüfbare Sachverhalte «krass falsch» dargestellt worden, schreibt der Gemeinderat weiter. «Die Stimmberechtigten sollen ihren Entscheid auf der Grundlage korrekter Informationen fällen können.» Eine Richtigstellung habe der Gemeinderat deshalb als notwendig erachtet.

SVP distanziert sich

«Die SVP will sich zum anonymen Inserat nicht äussern», erklärt Martin Wälti (SVP) auf Anfrage. Das Inserat sei aus Eigeninitiative entstanden. Das Referendumskomitee distanziere sich klar vom Verfasser des Inserats, vom «Komitee für eine realistische Tagesschule». Doch auch mit der Pressemitteilung des Gemeinderats könne sich die SVP nicht identifizieren. Martin Wälti: «Wir finden es untolerierbar, wenn sich die Behörden in einen Abstimmungskampf einmischen.» Wälti betont, dass die SVP nicht gegen Tagesschulen, sondern gegen das bestehende Reglement sei. «Dass Handlungsbedarf für familienergänzende Betreuungsangebote besteht, ist uns klar. Wir wollen aber nichts überstürzen.»

Der Entscheid liegt beim Volk

Im April dieses Jahres standen die Vorzeichen für die Einführung einer Tagesschule in Worb noch etwas anders: Der Grosse Gemeinderat genehmigte damals das Reglement über die Tagesschule mit 26 zu 10 Stimmen. Mit Ausnahme der SVP hatten das Projekt alle Parteien unterstützt. Gegen diesen Parlamentsbeschluss wurde beim Gemeinderat ein von 475 Stimmberechtigten unterzeichnetes Referendumsbegehren eingereicht. Somit werden Worberinnen und Worber über die Einführung einer Tagesschule zu entscheiden haben. Die Abstimmung ist auf den 26. September 2004 angesetzt. Die Tagesschule ist ein familienergänzendes freiwilliges Betreuungsangebot für Schülerinnen und Schüler der Kindergärten und der Primarschulen. Sie soll an zwei verschiedenen Standorten eingerichtet werden: In Worb Dorf kommen als Standort die Schulanlagen Wyden und Zentrum in Frage, in Rüfenacht würde die Tagesschule voraussichtlich in den ehemaligen Kindergarten Rosenweg einziehen.

In der Abstimmungsbotschaft heisst es: «Mit der Tagesschule soll dem Anliegen vieler Eltern nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung getragen werden.» Eine Umfrage habe gezeigt, dass eine Tagesschule einem breiten Bedürfnis entspreche.

Der Worber Gemeindepräsident Peter Bernasconi unterstreicht die Bedeutung eines solchen Angebots: «Die Einführung der Tagesschule wäre für Worb ein ganz wichtiger Standortvorteil.

Der Bund, 27. September 2004

Knappes Ja zur Tagesschule

Im August 2005 werden in Worb Dorf und Rüfenacht zwei Tagesschulen eröffnet

Nur 177 Stimmen gaben den Ausschlag: 2161 Wählerinnen und Wähler sprachen sich für eine Tagesschule in Worb Dorf und in Rüfenacht aus, 1984 unterstützten das Referendum der SVP. Selbst die SVP rieb sich ob dieses Achtungserfolgs die Augen.

CATHERINE ARBER

Eigentlich hätte die erste Tagesschule in Worb Dorf schon diesen Oktober eröffnet werden sollen und später jene in Rüfenacht - wenn nicht die SVP das Referendum gegen das Tagesschul-Reglement ergriffen hätte. Trotz einer Verzögerung kommt die Gemeinde Worb nun zu einem familienergänzenden Betreuungsangebot für Kindergärteler und Kinder der Primarschule: Gestern sagten 2161 Worberinnen und Worber an der Urne Ja zum Tagesschul-Reglement, 1984 waren dagegen. Die Stimmbeteiligung betrug 56,8 Prozent.

«Ich bin erleichtert», sagte Franziska Fritschy, Vorsteherin des Departements Bildung. Sie sei froh, dass sich die Stimmberechtigten nicht durch die «massive Kampagne» der Gegner hätten verunsichern lassen. Es sei nicht einfach gewesen, die Worberinnen und Worber vom Tagesschul-Reglement zu überzeugen. Die Gegner hätten behauptet, ein Nein ebne den Weg zu einer besseren Lösung. Die Vorschläge der Gegner - etwa Kostenneutralität- seien nicht realisierbar, so die FDP-Gemeinderätin. Auch die von der SVP vorgeschlagene Förderung von Mittagstischen entspreche nicht der Realität: So musste der in Worb bereits bestehende Mittagstisch wegen mangelnder Nachfrage wieder aufgehoben werden. Fritschy führte das knappe Abstimmungsergebnis auch auf die emotional geführte Kampagne der SVP zurück: So habe diese behauptet, Tagesschulen seien ungerecht und bestraften jene, die ihre Kinder selber erziehen. «Ich bin froh, dass die Stimmberechtigten diesen Schalmeienklängen nicht erlagen», sagte Fritschy. Die Tagesschulen sollten nun an beiden Standorten ihren Betrieb auf den Beginn des Schuljahres 2005/06 im kommenden August aufnehmen.

«Puls der Bevölkerung gespürt»

SVP-Parteipräsident Martin Wälti zeigte sich gestern überrascht über den hohen Nein-Stimmen-Anteil. «Wir waren allein auf weiter Flur.» Im Parlament habe die SVP das Reglement als einzige Partei bekämpft, und auch im Abstimmungskampf habe sie von keiner anderen Partei Unterstützung erhalten. «Wir haben den Puls der Bevölkerung aber besser gespürt als das Parlament», sagte Wälti. Die hohe Stimmbeteiligung zeige, dass das Thema die Leute bewege, und der Achtungserfolg der SVP mache deutlich, dass viele Worberinnen und Worber den geplanten Tagesschulen skeptisch gegenüberstünden. Er akzeptiere den Entscheid des Souveräns, so Wälti. «Ich finde es aber schade, dass es zu dieser Luxuslösung kommt. Eine günstigere, praxisbezogenere Variante wäre besser gewesen.» Die SVP werde nun die Umsetzung der geplanten Tagesschulen kritisch beobachten und genau hinschauen, von wie vielen Kindern das familienergänzende Betreuungsangebot auch tatsächlich genutzt werde.

Eine im Frühling 2003 von der Gemeinde durchgeführte Umfrage hatte gezeigt, dass in Worb das Bedürfnis nach einer Tagesschule gross ist. In den nun geplanten Tagesschulen in Worb Dorf und Rüfenacht werden die Kinder vor Unterrichtsbeginn, über Mittag, am frühen Nachmittag oder nach der Schule betreut. Die Betreuungseinheiten sind frei wählbar. Die Elternbeiträge betragen je nach Einkommen zwischen 1 und 25 Franken pro Betreuungseinheit.

 

KOMMENTAR

Kurzfristiger Achtungserfolg

CATHERINE ARBER

Das Abstimmungsergebnis über die Tagesschulen in Worb erstaunt: Kaum jemand hatte gedacht, dass so viele Stimmberechtigte ein Nein in die Urne legen würden. Nicht einmal die SVP selber, von der das Referendum gegen die Tagesschule ausging, hatte mit diesem knappen Ergebnis gerechnet. Noch im April hatte sie sich im Worber Parlament als einzige Partei gegen die geplanten Tagesschulen gewehrt.

Die SVP scheint im emotional geführten Abstimmungskampf den Finger auf wunde Punkte gelegt zu haben. Berufstätige Eltern, die ihre Kinder von Grosseltern oder der Nachbarin betreuen lassen, würden benachteiligt, propagierte sie etwa. Dieses Argument scheint wohl die eine Mutter oder den anderen Vater in den ländlichen Aussenbezirken der Gemeinde Worb überzeugt zu haben, die schon heute - ohne Unterstützung der Gemeinde - versuchen, Familie und Arbeit unter einen Hut zu - bringen. Sie fühlten sich nicht ernstgenommen.

Die SVP betonte immer wieder, dass sie sich nicht den gesellschaftlichen Veränderungen widersetzen wolle und nicht grundsätzlich gegen Tagesschulen sei. Wie genau sie sich die Kinderbetreuung von berufstätigen Eltern aber vorstellt, blieb diffus. Die SVP verschwieg, dass sie es versäumt hatte, in den Kommissionen und im Parlament zur Erarbeitung einer Lösung nach ihrem Vorbild beizutragen. Stattdessen zog sie es vor, das Referendum zu ergreifen und sich im Wahljahr medienwirksam als Partei zu präsentieren, die den Puls der Bevölkerung spürt und ihr eine Stimme gibt - allein gegen alle anderen Parteien.

Mit diesem politischen Stil verabschiedet sich die SVP von der bisher in Worb üblichen Konsenspolitik. Am vergangenen Wochenende konnte sie mit dieser Methode einen Achtungserfolg verbuchen. Es könnte eine kurzfristiger Achtungserfolg sein: Denn die SVP verliert dadurch ihre Mehrheitsfähigkeit im Parlament. Die anderen bürgerlichen Parteien werden sich überlegen müssen, ob die SVP für sie noch eine verlässliche Partnerin ist. Namentlich die FDP wird sich im Hinblick auf die Gemeindewahlen von kommendem November Gedanken darüber machen müssen, ob sie den Bürgerblock um jeden Preis erhalten will oder ob sie sich für Inhalte einsetzen will.

BZ, 27. September 2004

TAGESSCHULE WORB

Die SVP akzeptiert das Ja

Mit bloss 177 Stimmen Unterschied haben die Worber Stimmberechtigten den Tagesschulen zugestimmt. Die SVP, die gegen das Projekt das Referendum ergriffen hatte, spricht von einem «Achtungserfolg».

Worb und Rüfenacht werden je eine Tagesschule erhalten. Im August 2005 können sie eröffnet werden. So haben die Worberinnen und Worber an diesem Wochenende entschieden. Eigentlich sollten die Tagesschulen schon nach den Herbstferien bereit sein. Das Parlament hatte den Start bewilligt. Tagesschulen seien Teil des Grundangebots und bildeten einen wichtigen Standortvorteil, argumentierten die Parlamentarier. Geld in Tagesschulen zu investieren heisse, Geld in Kinder und damit in die Zukunft zu investieren. Darüber waren sich alle Parteien einig bis auf die SVP. Sie ergriff gegen das Ja des Parlaments das Referendum. Die Vorlage sei ungerecht und ungeeignet, argumentierte die SVP. Nur eine Minderheit der Kinder könnte das Angebot nutzen, Eltern, die sich selber organisierten, gingen leer aus. Der Gemeinde dürften zudem keine weiteren Lasten aufgebürdet werden. Die Worber Stimmberechtigten folgten den Argumenten der SVP nicht. Mit 2161 zu 1984 Stimmen lehnten sie das SVP-Referendum ab und sprachen sich für die Tagesschule aus.

Damit fiel der zuständigen Gemeinderätin Franziska Fritschy (FDP) ein Stein vom Herzen. «Ich freue mich sehr über das Resultat», sagte sie gestern auf Anfrage. Sie sei sich aber auch bewusst, dass es knapp ausfiel. «Damit habe ich in den letzten Wochen immer mehr gerechnet», so Fritschy. Sie freue sich nun aber, dass sich das Stimmvolk von der massiven Kampagne der Gegner nicht habe verwirren lassen.

«Achtungserfolg»

SVP-Präsident Martin Wälti spricht von einem Achtungserfolg für seine Partei. «Wir schliessen aus dem knappen Resultat, dass wir - im Gegensatz zum Parlament - den Puls der Stimmbürger gespürt haben.» Die SVP werde den Entscheid akzeptieren, auch wenn es schade sei, dass nun eine «Luxuslösung» umgesetzt werde. «Wir waren nie grundsätzlich gegen Tagesstrukturen», so Wälti. «Aber es hätte bessere Lösungen gegeben.»

Vier Betreuungseinheiten

Die Tagesschule wird in einem Raum der Schulanlage Worb Dorf und im ehemaligen Kindergarten beim Schulhaus Rüfenacht eingerichtet. Eltern können frei entscheiden, ob, wann und wie oft sie davon Gebrauch machen wollen. Angeboten werden täglich vier Betreuungseinheiten, und zwar vor der Schule, über Mittag mit Mittagessen, am frühen und am späten Nachmittag.

Die Kosten für die Eltern betragen je nach Einkommen zwischen 1 und 25 Franken pro Betreuungseinheit. Mit welchem Betrag der kantonale Lastenausgleich die Gemeinde bei den übrig bleibenden jährlichen Kosten von 223'000 Franken unterstützt, steht zurzeit noch nicht fest.

BRIGITTE WALSER

KOMMENTAR

Fürs Kind gewählt

Das Referendum gegen die Tagesschule hätte Worb vor eine Wahl stellen sollen. Doch eine solche hat die Gemeinde längst nicht mehr. Denn Tagesschulen sind ein Muss. Es ist heute nicht mehr so, dass ein Elternteil zu jeder Tageszeit zu Hause sein kann und Kinder im Elternhaus am besten betreut werden. Zu viele Eltern sind allein erziehend, wollen oder müssen arbeiten. Weil es aber in der Betreuung eines Kindes keine Lücken geben darf, müssen die Gemeinden reagieren. Mit der Gründung von Tagesschulen können sie diese Lücken füllen. Eine gute Tagesschule gibt dem Kind Geborgenheit und Sicherheit. Es lernt den sozialen Umgang, lernt, sich anzupassen und sich durchzusetzen, lernt, sich an Regeln zu halten - und erhält damit das nötige Rüstzeug für die Schule. Dort kann es sich dann auf das Lernen konzentrieren. Worb hat mit der geplanten Tagesschule eine gute Lösung gewählt. Das Modell ist flexibel, die Kinder werden nur in jenen Stunden betreut, in denen zu Hause niemand für sie da sein kann. Mit einer solchen Tagesschule haben alle Worber Kinder die gleichen Chancen, welches Leben auch immer ihre Eltern führen.

brigitte.walser@bernerzeitung.ch

BZ, 28. Mai 2005

WORB

Tagesschule kann starten

Die Tagesschule mit den Standorten Worb und Rüfenacht nimmt ihren Betrieb definitiv auf. Dies hat der Worber Gemeinderat an seiner letzten Sitzung beschlossen. Start ist nach den Sommerferien am 15. August. Bis zum 10. Mai haben in Worb 18 Familien und in Rüfenacht 9 Familien ihr Kind oder ihre Kinder angemeldet. In Worb werden die Kinder von Montag bis Freitag über Mittag, am frühen und am späten Nachmittag betreut. In Rüfenacht wird die Betreuung von Montag bis Freitag über Mittag und von Dienstag bis Freitag am frühen Nachmittag angeboten. Die Kosten für die Betreuung richten sich nach dem Einkommen der Eltern. Den Rest finanzieren Bund, Kanton und Gemeinde.

MGT