WORBKindertagesstätte soll Betreuungslücke schliessenNoch im März war unklar, ob der Kanton die geplante Krippe finanziell mittragen würde. Nun ist diese Unterstützung gesichert. Der Gemeinderat unterbreitet dem Parlament das NPM-Projekt Kindertagesstätte. Der Trägerverein ist in den Startlöchern.reb. Zweimal in der Woche können Kinder in Worb und Rüfenacht gemeinsam am Mittagstisch sitzen, zudem organisiert der Tageselternverein Betreuungen, und drei Spielgruppen und eine kleine private Kinderkrippe stehen zur Verfügung. Trotzdem fehlt es in der Gemeinde Worb an familienergänzenden Angeboten zur Kinderbetreuung. Das hat 1999 eine Erhebung in der Bevölkerung gezeigt: 45 Familien wünschten sofort und 20 später einen Krippenplatz für ein oder mehrere Kinder. Nun soll eine neue Kindertagesstätte die Situation entspannen. Verein leistete viel VorarbeitIm vergangenen November wurde der Trägerverein Kindertagesstätte Gemeinde Worb gegründet. Dieser hat laut Präsident Werner Lüthi bereits viel Vorarbeit geleistet. Unsicher war aber bisher, ob sich der Kanton am neuen Betreuungsangebot finanziell beteiligen wird (der «Bund» berichtete). Dank des «nachweisbaren Bedürfnisses» der Gemeinde Worb und der «rechtzeitigen Gesuchseingabe» habe der Kanton dem Projekt die Anerkennung im Rahmen des Lastenausgleichs zugesagt, schreibt der Worber Gemeinderat in den Unterlagen zu Handen des Gemeindeparlaments. Dieses wird an seiner Sitzung am nächsten Montag über die geplante Kindertagesstätte diskutieren. Geplant ist, dass die Kinderkrippe «Mutzli» bereits im kommenden August in Rüfenacht aufgeht. Insgesamt 18 Kinder können jeweils ganze oder halbe Tage in der Krippe verbringen. Kosten soll der Betrieb jährlich 336'000 Franken, der Ertrag soll bei 113'000 Franken liegen. Das ergibt laut Gemeinderat einen Kostendeckungsgrad von 33 Prozent. Das Defizit von 223'000 Franken könne dem Lastenausgleich zugeführt werden. Die effektiven Kosten für die Gemeinde lägen bei jährlich 1840 Franken. SP wünscht sich TagesschuleNoch ist schwierig abzuschätzen, ob die neue Kinderkrippe im Parlament umstritten sein wird oder nicht: Die Fraktionssitzungen finden nämlich erst diese Woche statt. Unterstützt wird das Vorhaben sicher von der Ratslinken. Schliesslich hat die SP vor einem Jahr ein Postulat eingereicht, das die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen fordert. Es sei gut, dass eine Krippe entstehe, sagt SP-Parlamentarierin Katharina Mögli. Nicht zufrieden sei aber ihre Partei damit, dass dieses Postulat als erledigt abgeschrieben werden soll. Da die Krippe Kinder von drei Monaten bis Ende des zweiten Schuljahre aufnehme, fehle es noch an Betreuungsplätzen für grössere Schulkinder, sagt Mögli. Die SP hat bereits eine Motion für die Schaffung einer Tagesschule eingereicht. Das liebe GeldIm Grundsatz unbestritten ist das Projekt wohl auch bei den bürgerlichen Parteien. Entzünden könnte sich die Diskussion aber an der Finanzierung: Seine Partei müsse immer abwägen, ob etwas Neues für die Gemeinde finanziell drin liege oder nicht, sagt FDP-Fraktionssprecher Ueli Emch. Zu Beginn sei der Betrieb der Kindertagesstätte zwar durch die Anschubfinanzierung des Bundes gedeckt. Wichtig sei aber auch die spätere Finanzierung. Auch die SVP-Fraktion hat sich noch keine Meinung gebildet. Sie persönlich fühle sich ein wenig in der Zwickmühle, sagt Ingeborg Stahel. Einerseits begrüsse sie die Schaffung der Kindertagesstätte in Rüfenacht. Anderseits müsste die Gemeinde eher Leute unterstützen, die ein solches Angebot privat aufziehen würden. Vereinspräsident Werner Lüthi ist zuversichtlich: Er sei sehr optimistisch, dass das Parlament zustimme. Und er fügt an: «Sollte es wider Erwarten schief gehen, so würden wir die Krippe auf privater Basis lancieren.» |
WORBTagesstätte wird allseits begrüsstAm Montag entscheidet das Parlament über eine neue Kindertagesstätte. Die Chancen für das Projekt stehen gut.Brigitte Walser Wenn das Worber Parlament am kommenden Montag zustimmt, dann kann die Kindertagesstätte im August eröffnet werden. Bis jetzt gibt es dieses Angebot der Kinderbetreuung in Worb nicht. Eine Umfrage hat 1999 aber ergeben, dass es 45 Familien sofort nutzen würden. Vor einem Jahr reichte dann die SP ein Postulat ein, in dem sie Betreuungsplätze verlangte. Die Forderung wurde für erheblich erklärt und das Departement Soziales hat in der Zwischenzeit nach Lösungen gesucht. Jetzt steht das Projekt: Ab August sollen 18 Kinder ab dem dritten Lebensmonat bis zum Ende des zweiten Schuljahres extern betreut werden können. Die Gemeinde will aber die Tagesstätte nicht selber führen, sondern sie einer Trägerschaft übergeben. Diese besteht bereits: Eine Gruppe von interessierten Personen aus der Gemeinde hat den Verein Kindertagesstätte Gemeinde Worb gegründet. Unter Präsident Werner Lüthi hat er ein Betriebsreglement und ein Budgetentwurf erarbeitet. In Rüfenacht hat der Verein geeignete Räume gefunden. Kosten nach EinkommenFür die Tagesstätte wird mit jährlichen Kosten von 336'000 Franken gerechnet. Die Eltern sollen die Plätze nach der Höhe ihres Einkommens bezahlen. Gerechnet wird insgesamt mit Einnahmen von 113'500 Franken. Die ungedeckten Kosten können dem Lastenausgleich zugeführt werden. Für Worb betragen damit die effektiven Kosten jährlich 1840 Franken. Postulat erfüllt?Im Grossen Gemeinderat ist das Projekt nicht umstritten. Die SP, die FDP, die SVP und die Freien Wähler werden ihm gemäss Auskunft der Fraktionspräsidenten zustimmen. Die SP will sich aber dafür einsetzen, dass ihr Anliegen weiter verfolgt wird. Für Kinder ab dem dritten Schuljahr müsse auch nach Lösungen gesucht werden. |
WORBGrünes Licht für Kindertagesstättebas. Die Kinderkrippe «Mutzli» in Rüfenacht kann wie geplant Mitte August eröffnet werden: Das Worber Parlament stellte sich am Montagabend mit 35 zu 0 Stimmen (bei einer Enthaltung) hinter das NPM-Projekt (siehe «Bund» vom 21. Mai). Umstritten war die Frage, ob das Postulat, mit welchem die SP-Fraktion die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen gefordert hatte, damit erfüllt sei. Die Krippe sei hauptsächlich auf Kinder im Vorschulalter ausgerichtet. Das Angebot für Schulkinder hingegen müsse weiter überprüft werden, argumentierte beispielsweise Katharina Mögli (sp). Die Ratslinke konnte sich nicht durchsetzen: Mit 19 zu 15 Stimmen beschloss das Parlament, den SP-Vorstoss wie vom Gemeinderat beantragt abzuschreiben. |
SP will Tagesschulebas. Mit der Eröffnung der Kindertagesstätte im August werde in der Gemeinde Worb ein weiteres Kinderbetreuungsangebot zu Verfügung stehen, stellte Gemeinderat Toni Maurer gestern an einer Medienorientierung fest. Zusammen mit Tagespflegefamilien, Mittagstisch, Spielgruppen und Hütedienst sei das Spektrum an Betreuungsmöglichkeiten breit und mit denen anderer Gemeinden vergleichbar. Am Montag wird die SP im Parlament eine Motion zur Schaffung einer Tagesschule einreichen. Falls der Vorstoss später überwiesen werde, hingen die Verwirklichungschancen wohl wesentlich davon ab, ob der Kanton die Tagesschulen doch noch weiter mitfinanziere, erklärte Maurer weiter. |
WORBTagesschule: wer zahlt?Eine Tagesschule sei in Worb ein Bedürfnis, sagte Gemeinderat Toni Maurer. Probleme bereite die Finanzierung.«Die Schweiz ist ein Entwicklungsland, was die externe Kinderbetreuung betrifft», sagte Katharina Mögli (SP). Ihre Partei hat dazu im Worber Parlament einen Vorstoss eingereicht: Der Gemeinderat solle die Einführung einer Tagesschule vorbereiten. «Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen ist unbestritten», sagte Sibylle Flentje (GFL). Eine Umfrage der SP hat zudem ergeben, dass das Bedürfnis klar vorhanden ist. Dies konnte Gemeinderat Toni Maurer (EVP) bestätigen. Für eine Tagesschule seien aber Raum und Personal erforderlich. Und zudem eine Planung: «Das braucht Zeit und Kraft», so Maurer. Hinzu kämen finanzielle Fragen: Tagesschulen würden nicht mehr in den kantonalen Lastenausgleich aufgenommen. «Wir empfehlen deshalb die Überweisung der Motion als Postulat», so Maurer. Dieses werde dann weiterverfolgt, wenn der Lastenausgleich und die Anschubfinanzierung des Bundes gesichert seien. Dem stimmte Maja Widmer (CVP) für die FDP-Fraktion zu: «Die Kosten dürfen nicht auf die Gemeinde abgewälzt werden.» Die SVP zeigte sich noch kritischer: «Zuerst sollen die bestehenden Betreuungsangebote ausgelastet werden», so Ingeborg Stahel. Einstimmig überwies das Parlament die SP-Motion als Postulat. bw |
WORBER SCHULEN«Nicht informiert»Worber Eltern möchten eine Tagesschule. Die SP kritisiert, dass das Parlament bei der Planung übergangen wird.Missstimmung bei der SP Worb. «Das Parlament hat man ein Quartal lang in die Ferien geschickt, und im stillen Kämmerlein wurde über die Einführung von Tagesschulen diskutiert», kritisiert SP-Parlamentarier Jürg Kaufmann. Bis am 1. Juli muss die Gemeinde beim Kanton das Gesuch für eine Tagesschule einreichen. «Das Parlament hat keine Ahnung, was der Gemeinderat plant», kritisiert Kaufmann. Auf Grund eines parlamentarischen Vorstosses der SP wurde letzten November eine Spezialkommission «Tagesschule» eingesetzt. In einer Umfrage befürworteten 277 Familien Tagesschulangebote. 233 würden ihr Kind zum heutigen Zeitpunkt anmelden. Wo hats Platz?Die SP hat eine dringliche Interpellation eingereicht, welche in der nächsten Parlamentssitzung diskutiert wird. Denn im Juni soll das Parlament über die Erweiterung der Schulhäuser in Rüfenacht und der Sonnhalde in Worb beraten. Die Sozialdemokraten wollen unter anderem wissen, ob bei den beiden Bauprojekten kein Raum für Tagesschulen vorgesehen ist. Die Partei fragt, ob der Gemeinderat auch der Ansicht ist, dass gerade solche zentral gelegenen Standorte ideal wären für eine Tagesschule. Mit der Interpellation will die SP verhindern, dass die Grundsatzdiskussion zu Tagesschulen im Rahmen der beiden Bauprojekte geführt wird. Diese wolle man keineswegs gefährden, stellt Kaufmann klar. spy |
«Notwendigkeit» oder «Affront»?Eine Tagesschule in Worb? FDP-Gemeinderätin Franziska Fritschy und SVP-Präsident Martin Wälti kreuzen die KlingenTagesschulen seien dringend notwendig und ausserdem ein Standortvorteil für die Gemeinde, findet Franziska Fritschy (fdp). Die geplante Tagesschule komme die Gemeinde viel zu teuer zu stehen, kritisiert hingegen Martin Wälti (svp). Ausserdem sei das System ungerecht.INTERVIEW: CATHERINE ARBER «BUND»: Herr Wälti, die SVP ist gegen die Einführung von Tagesschulen in Worb. Was haben Sie dagegen, dass Frauen arbeiten?
Frau Fritschy, Sie sagen, die Wirtschaft könne auf die berufstätigen Mütter nicht mehr verzichten. Warum kommt die Wirtschaft nicht selbst für familienexterne Betreuungsplätze auf? FRANZISKA FRITSCHY: Das ist eine gute Idee, klappt in der Realität aber nicht so gut. Mir ist im Kanton Bern bisher keine Tagesschule bekannt, die von der Wirtschaft geführt wäre. Darum müssen die Gemeinden als Trägerschaften - allenfalls auch in Zusammenarbeit mit dem Kanton - aktiv werden.
Herr Wälti, Sie hingegen sind der Ansicht, dass sich Eltern selbst organisieren sollten. WÄLTI: Es ist eine Tatsache, dass sich ein Grossteil der Eltern selbst organisiert. Daneben benötigen aber auch berufstätige Eltern Betreuungseinheiten für ihre Kinder. Aber: Der öffentlichen Hand dürfen nicht Mehrkosten anfallen. Dies wäre ungerecht gegenüber jenen Erziehenden, die sich selbst organisieren. Die Gemeinde soll nur jene Eltern direkt unterstützen, die das Angebot aus Geldmangel sonst nicht nutzen können. Man könnte dies etwa via Sozialdienst tun. Grundsätzlich muss aber die Tagesschule, von der nur zirka fünf Prozent aller Kinder profitieren, für die Gemeinde kostenneutral sein. FRITSCHY: Aber da zahlt ja wieder die öffentliche Hand! Es ist nicht realistisch, zu glauben, dass ein Grossteil der Eltern ihre Kinder privat betreuen lassen kann. Es haben bei weitem nicht alle Väter und Mütter diese Möglichkeit. Für sie ist familienexterne Betreuung gedacht. Es stimmt nicht, dass nur fünf Prozent der Kinder von diesem Angebot profitieren würden. Erfahrungen mit anderen modulartig aufgebauten Tagesschulen zeigen, dass die Plätze immer mehrfach belegt sind. Es profitieren also viel mehr Kinder von der Tagesschule als Plätze vorhanden sind.
Rührt Worb kostenmässig mit der grossen Kelle an? FRITSCHY: Nein, einmalige Einrichtungskosten von 186'000 Franken und jährliche Kosten von 220'000 Franken - das ist, auch verglichen mit anderen Gemeinden, ein bescheidener Betrag. Wir bauen nichts Neues, sondern nutzen vorhandene Räume. Einmalige Einrichtungskosten für bauliche Anpassungen und Anschaffung von Mobiliar und Geschirr fallen immer an. Das wäre auch der Fall, wenn wir Tagesstrukturen in einer Aussenschule aufziehen würden, wie die SVP verlangt hat. WÄLTI: Die Kosten sind ein unsicherer Faktor. Denn der Kantonsbeitrag ist nur für maximal zwei Jahre gesichert. Was danach passiert, ist unklar. Was ist, wenn der Kanton kneift, weil er Kürzungen machen muss? Dann haben wir ein Problem: Eine Infrastruktur wurde eingerichtet, der Betrieb aber könnte nicht mehr weitergeführt werden. Die Räumlichkeiten im Dorfschulhaus sind übrigens äusserst ungeeignet. Dieser Schiesskeller, das ist doch nichts für Kinder! Der Raum widerspricht den Qualitätskriterien des Tagesschulvereins des Kantons Bern.
Stimmt das? FRITSCHY: Zuerst zur Finanzierung: Sie ist über den Lastenausgleich vom Kanton langfristig zugesichert. Sonst bekäme Worb keinen Beitrag aus der Bundesanstossfinanzierung. Zu den Räumlichkeiten: Sie sind im Reglement nicht festgeschrieben. Wir sind der Meinung, dass eine Tagesschule im Zentrum am sinnvollsten ist. Somit können auch Kinder vom Schulhaus Sonnhalde oder Wyden hin. Da man im Zentrum eines grossen Dorfes kaum freien Raum mit Garten findet, ist dies ein Kompromiss, den man eingehen musste. Es ist aber nicht gesagt, dass die angestrebte Lösung ewig dauert. Allenfalls findet sich etwas anderes. WÄLTI: Zuerst investieren und dann nach neuen Räumen suchen: Das ist für uns klar der falsche Weg. Dabei hätte es hier mitten im Dorf das Foyer vor dem Bärensaal im Gemeindezentrum. Es wird tagsüber schlecht genutzt und es hat eine Küche und all die andere nötige Infrastruktur. Man müsste höchstens Mobiliar anschaffen. FRITSCHY: Also das ist jetzt völlig daneben! Da wäre ja der Bärensaal überhaupt nicht mehr nutzbar! Man kann nicht erwarten, dass jeden Tag das Mobiliar der Tagesschule wieder hinausgezügelt wird. Im Bärensaal sollen ja schliesslich viele andere Veranstaltungen stattfinden.
Die geplante Tagesschule ist für Sie keine Lösung. Was haben Sie für Alternativen? WÄLTI: In einem ersten Schritt sollen die privaten Angebote, die es bereits gibt, unterstützt werden. Also etwa Mittagstische oder der Tageselternverein. In anderen Gemeinden geht das ja schliesslich auch. Weiter müssen Blockzeiten eingeführt werden. Über Mittag wäre dann der Mittagstisch eine Möglichkeit, nach der Schule müssten sich die Eltern selbst organisieren. Mich stört im Übrigen, dass es für die öffentlichen Tagesschulen pädagogisch ausgebildetes Fachpersonal braucht. Das ist ein Affront gegenüber allen Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen! FRITSCHY: Das ist kein Affront. Hohe Achtung vor allen Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen. Es ist aber eine Tatsache, dass etwa in Rüfenacht viele Kinder, bei denen niemand zu Hause ist, viel Zeit allein verbringen müssen oder auf der Strasse rumhängen. Ihnen muss geholfen werden, beispielsweise, indem man sie auch nach der Schule betreut und schaut, dass sie die Hausaufgaben machen. Die privaten Angebote sind sehr wichtig und es braucht sie auch weiterhin. Nur: Dringende Bedürfnisse sind offensichtlich damit nicht abgedeckt. Und: Der Mittagstisch funktioniert wohl in Rüfenacht, nicht aber in Worb. Wegen mangelnder Nachfrage musste er wieder aufgehoben werden. Einen bestimmten Anteil an pädagogischem Fachpersonal braucht es, weil Tagesschulen gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. Sonst wären Tagesschulen nicht lastenausgleichsberechtigt.
In der Parlamentsdebatte haben Sie gesagt, dass das Tagesschulangebot Ausländer und minderbemittelte Familien anziehen wird. Was genau befürchten Sie? WÄLTI: Ich habe das nicht negativ gemeint. Es ist aber so, dass dieses System minderbemittelte und ausländische Familien anzieht. Das vereinfacht das Ganze nicht.
Könnten Tagesschulen nicht auch für gute Steuerzahler attraktiv sein? Betreiben Sie Populismus? WÄLTI: Nein, das ist kein Populismus. Tagesschulen ziehen den Mittelstand nicht an. In Worb bauen wir ständig neue Wohnungen und Häuser und wir haben bisher noch nie Mühe gehabt, sie zu vermieten. Demnach ist eine Tagesschule in dieser Form auch kein Standortvorteil. Die Leute scheinen mit der bestehenden Infrastruktur zufrieden zu sein. FRITSCHY: Da bin ich anderer Meinung. Für Mittelstandsfamilien, die sich längerfristig niederlassen wollen und bei denen Vater und Mutter arbeiten, ist bei der Wahl des Wohnortes das Angebot an familienergänzender Betreuung sehr wichtig. Deshalb sind Tagesschulen schon ein Standortvorteil.
Welches sind die Folgen, wenn das Volk am 26. September Nein zum Tagesschul-Reglement sagt? FRITSCHY: Die Hoffnungen vieler berufstätiger Eltern in Worb würden zerschlagen. Wir haben wohl Kindertagesstätten. Aber ab dem Kindergartenalter fehlen Betreuungsangebote. In unserer Gemeinde sind alle übrigen und kostengünstigen Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir brauchen jetzt eine schulnahe und pädagogisch gute Lösung. WÄLTI: Wenn das Reglement angenommen wird, fällt für uns keine Welt zusammen. Es wäre aber schade, denn wir hoffen, dass es in einem zweiten Anlauf eine bessere Lösung gibt. Lieber einmal mehr Nein als einmal zu viel Ja sagen. Wir würden uns für eine Neuausarbeitung des Reglementes in unserem Sinn stark machen.
Die GesprächspartnerFranziska Fritschy (fdp) ist im Worber Gemeinderat fürs Departement Bildung verantwortlich und sitzt als Grossrätin im Kantonsparlament. Die 55-jährige Naturwissenschafterin arbeitet als Hausfrau und im Unternehmen ihres Mannes, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Rüfenacht. Martin Wälti ist Mitglied des Worber Parlaments und Präsident der lokalen SVP. Beruflich ist der 43-Jährige Regionalleiter beim Besamungstechnikunternehmen Swissgenetics. Wälti ist verheiratet und wohnt in Worb. Seine Tochter ist in der Lehre, die beiden Knaben gehen noch in die Schule. (car)
Darüber stimmt Worb abGinge es nach der Mehrheit des Worber Parlaments, würde schon im Oktober die erste Tagesschule im Schulhaus Zentrum in Worb Dorf eröffnet, später eine zweite in der Schule Rüfenacht. Die SVP wehrte sich aber mit dem Referendum gegen diesen Beschluss. Nun befindet das Stimmvolk am 26. September über das Tagesschulreglement. Die Tagesschule ist als familienergänzendes Betreuungsangebot für Kindergärteler und Kinder in der Primarschule gedacht. Der Besuch ist freiwillig. Eine Umfrage hatte gezeigt, dass eine Tagesschule einem breiten Bedürfnis entspricht. Das Angebot umfasst vier Betreuungseinheiten: eine vor Unterrichtsbeginn, eine über den Mittag mit Essen, eine am frühen und eine am späten Nachmittag. Die Eltern können frei wählen, welche Einheiten sie beanspruchen möchten. Die Elternbeiträge betragen je nach Einkommen zwischen 1 und 25 Franken pro Betreungseinheit. (car) |
WORBEin Inserat verwirrtEin anonymes Komitee berechnet in der «Worber Post» die Kosten der geplanten Tagesschule Worb mit falschen Angaben.In der Tagesschule Muri-Gümligen kostet ein Betriebstag 897 Franken (175'000 pro Jahr), in Worb aber sollen es 1872 Franken (365'000 jährlich) sein. In Muri kostet der Betrieb 31 Franken pro Kind und Tag, in Worb 75. Diese Zahlen würden Fragen aufwerfen zur Vorlage Tagesschule Worb, über die am 26. September abgestimmt wird. Nur: Sie stimmen nicht. Die Zahlen beruhen auf falschen Angaben. Veröffentlicht wurde der Kostenvergleich zwischen Muri und dem Worber Projekt in einem Inserat in der «Worber Post». Auftraggeber ist ein anonymes «Komitee für eine realistische Tagesschule». Das Inserat hat den Worber Gemeinderat zu einer Richtigstellung veranlasst: So geht das Komitee von 29 Kindern pro Tag aus, welche 2003 die Tagesschule Muri besucht hätten. Laut Auskunft der Tagesschulleitung Muri waren es aber nur 17. Für das Worber Projekt rechnet das Komitee mit 25 Kindern pro Tag. Eine Umfrage ergab aber, dass von durchschnittlich 76 Worber Kindern pro Tag ausgegangen werden kann. Die Kosten in Worb pro Kind und Tag sind also nicht zweieinhalb mal so hoch, wie das Komitee vorrechnet, sondern sogar tiefer. Das Komitee geht im Inserat zudem von einer Betreuungsperson für vier bis sechs Kinder aus. Im Reglement über die Tagesschule Worb steht aber, dass sechs bis acht Kinder von einer Person betreut würden. Er sei sich bewusst, das behördliche Stellungnahmen während des Abstimmungskampfs problematisch seien, schreibt der Gemeinderat Worb. Hier seien jedoch Sachverhalte «krass falsch dargestellt worden, um die Meinungsbildung zu beeinflussen». Eine Richtigstellung habe sich im Sinn der korrekten Information aufgedrängt. WRS |
Braucht Worb eine Tagesschule? Ja, sagte das Parlament und beschloss, in Rüfenacht und Worb eine Tagesschule zu eröffnen. Nein, sagte die SVP und ergriff gegen diesen Beschluss das Referendum. Am 26. September entscheidet nun das Volk.
|
TAGESSCHULE WORBDie SVP akzeptiert das JaMit bloss 177 Stimmen Unterschied haben die Worber Stimmberechtigten den Tagesschulen zugestimmt. Die SVP, die gegen das Projekt das Referendum ergriffen hatte, spricht von einem «Achtungserfolg». Damit fiel der zuständigen Gemeinderätin Franziska Fritschy (FDP) ein Stein vom Herzen. «Ich freue mich sehr über das Resultat», sagte sie gestern auf Anfrage. Sie sei sich aber auch bewusst, dass es knapp ausfiel. «Damit habe ich in den letzten Wochen immer mehr gerechnet», so Fritschy. Sie freue sich nun aber, dass sich das Stimmvolk von der massiven Kampagne der Gegner nicht habe verwirren lassen. «Achtungserfolg»SVP-Präsident Martin Wälti spricht von einem Achtungserfolg für seine Partei. «Wir schliessen aus dem knappen Resultat, dass wir - im Gegensatz zum Parlament - den Puls der Stimmbürger gespürt haben.» Die SVP werde den Entscheid akzeptieren, auch wenn es schade sei, dass nun eine «Luxuslösung» umgesetzt werde. «Wir waren nie grundsätzlich gegen Tagesstrukturen», so Wälti. «Aber es hätte bessere Lösungen gegeben.» Vier BetreuungseinheitenDie Tagesschule wird in einem Raum der Schulanlage Worb Dorf und im ehemaligen Kindergarten beim Schulhaus Rüfenacht eingerichtet. Eltern können frei entscheiden, ob, wann und wie oft sie davon Gebrauch machen wollen. Angeboten werden täglich vier Betreuungseinheiten, und zwar vor der Schule, über Mittag mit Mittagessen, am frühen und am späten Nachmittag. Die Kosten für die Eltern betragen je nach Einkommen zwischen 1 und 25 Franken pro Betreuungseinheit. Mit welchem Betrag der kantonale Lastenausgleich die Gemeinde bei den übrig bleibenden jährlichen Kosten von 223'000 Franken unterstützt, steht zurzeit noch nicht fest. BRIGITTE WALSER
|
WORBTagesschule kann startenDie Tagesschule mit den Standorten Worb und Rüfenacht nimmt ihren Betrieb definitiv auf. Dies hat der Worber Gemeinderat an seiner letzten Sitzung beschlossen. Start ist nach den Sommerferien am 15. August. Bis zum 10. Mai haben in Worb 18 Familien und in Rüfenacht 9 Familien ihr Kind oder ihre Kinder angemeldet. In Worb werden die Kinder von Montag bis Freitag über Mittag, am frühen und am späten Nachmittag betreut. In Rüfenacht wird die Betreuung von Montag bis Freitag über Mittag und von Dienstag bis Freitag am frühen Nachmittag angeboten. Die Kosten für die Betreuung richten sich nach dem Einkommen der Eltern. Den Rest finanzieren Bund, Kanton und Gemeinde. MGT |

MARTIN WÄLTI: Die SVP ist nicht grundsätzlich gegen Tagesstrukturen und es geht auch nicht darum, dass Frauen nicht arbeiten sollen. Das ist eine Zeiterscheinung, welche auch die SVP nicht aufhalten kann und will. Hier geht es um das vorliegende Reglement. Da sind wir in mehreren Punkten nicht einverstanden. Wir haben das Referendum ergriffen, um eine bessere Form des Reglements zu erwirken.
Franziska Fritschy
Martin Wälti


