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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Jugendarbeit / Jugendtreff / Freizeithaus

BZ, 29. April 1984

«Ich glaube an die Chance eines Jugendtreffs»

Der Soziologe Werner Fritschi an einem Diskussionsabend im Kirchgemeindehaus Rüfenacht

«Ich glaube an die Chance eines Jugendtreffs. Er ersetzt nicht die Familie oder die Vereine, ist aber eine notwendige Ergänzung und bietet wichtige Freiräume für unsere Jugend.» Dies war der Hauptgedanke von Werner Fritschi, dem Vizepräsidenten der eidgenössischen Kommission für Jugendfragen, in seinem Referat zum Thema «Jugendtreff - Chance, Alibi oder Sündenbock?» im Rüfenachter Kirchgemeindehaus.

lkr. «Wenn einer allein träumt, bleibt es ein Traum, wenn viele zusammen träumen, ist es der Anfang von etwas Neuem.» Dieses brasilianische Sprichwort stellte Gemeindehelferin Marianne Morgenthaler an den Anfang es Diskussionsabends, zu dem der «Trägerverein Jugendträff Worb» (TJWO) eingeladen hatte. Vor eineinhalb Jahren verwirklichten die Worber Jugendlichen ihren gemeinsam geträumten Traum: Sie erhielten von der Gemeinde ihren eigenen Jugendtreff, ein Bauernhaus am äusseren Stalden in Worb. Die ersten Erfahrungen sind gemacht, Krisen und Probleme diskutiert und überwunden. Nun war es an der Zeit, mit Bevölkerung und Behörden zusammen Bilanz zu ziehen. Aus diesem Grund organisierte der Trägerverein des Jugendtreffs den gut besuchten Informations- und Diskussionsabend mit dem Luzerner Soziologen Werner Fritschi.

Probleme für Jugendarbeiter

«Die Worber Jugendlichen haben nicht die gleichen Probleme wie die Stadtjungen», hielt Werner Fritschi in der Einleitung zu seinem Referat fest: «Hier ist alles überschaubarer, aber auch viel schneller und besser kontrollierbar.» Fritschi glaubt aber an die Chance eines Jugendtreffs. Es sei gut, dass es einen. Ort gebe, wo jemand für die Jugend Zeit hat, wo Junge unter Jungen sein könnten, wo ihre Probleme an die Oberfläche kommen und an die Behörden weitergeleitet werden. Grosse Probleme sieht Fritschi für die Jugendarbeiter: «Diese geraten oft ins <Sandwich> zwischen den Erwartungen der Jugendlichen und der Erwachsenen.» Auf der einen Seite ist es anstrengend, mit Jugendlichen zu arbeiten, die für nichts mehr zu begeistern sind, auf der andern Seite werden die Jugendarbeiter oft von den Behörden im Stich gelassen. Aus dieser Situation heraus müsse man sich eine wichtige Frage stellen, meinte Fritschi: «Muss man in Jugendtreffs wieder härter führen oder im Gegenteil autonomer und offener werden?» Fritschi forderte von unserer Gesellschaft mehr positive Leit- und Wertbilder sowie konkrete Einsatzfelder, die den Jugendlichen das Gefühl geben, gebraucht zu werden.

Viele Vorurteile

In der anschliessenden Diskussion mit Treffbenützern, Jugendarbeitern und Behördemitgliedern kamen die Probleme mit dem Worber Jugendtreff deutlich zum Ausdruck. Viele Jugendliche gehen gar nicht hin, weil sie sich ausgeschlossen fühlen, Eltern verbieten ihren Kindern den Besuch des Treffs, weil sie glauben, es sei eine «Räuber- und Drogenhöhle». Diese Vorurteile sind wohl nur durch einen persönlichen Besuch im Treff abzubauen. Zudem sind die Treffbenützer in letzter Zeit eher passiv und sehr schwer zu aktivieren. Die beiden Jugendarbeiter sollten deshalb mehr Zeit für die Betreuung der Jugendlichen haben.

Dies würde aber die Schaffung einer dritten Halbtagsstelle und somit Geld und Goodwill der Behörden erfordern. Werner Fritschi zu diesem Problem: «In 20 Jahren werden wir vielleicht gelernt haben, unsere Steuergelder mehr für die Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen und nicht nur für Bauten und Strassen zu verwenden... »

Der Bund, 1. Mai 1984

Zusammenarbeit - möglich, doch oft so schwierig

Vortrags- und Diskussionsabend in Rüfenacht über Chancen und Probleme eines Jugendtreffs

hjg. Jugendarbeiter, Lehrer, Vertreter der Jugendkommissionen von Kirchgemeinde und Gemeinde, Jugendliche und an Jugendfragen Interessierte versuchten in Rüfenacht gemeinsam, in einem öffentlichen, engagierten Gespräch Zwischenbilanz zu ziehen über die 19 Monate seit Bestehen des Worber Jugendträffs am Äusseren Stalden.

Leiter des Gesprächs und Berater war Werner Fritschi, Vizepräsident der eidgenössischen Kommission für Jugendfragen, der in seinem Einführungsreferat die Chancen und Probleme eines Treffs zeigte. Die Bedeutung des Jugendtreffs in seinen Stichworten: Er ist eine Ergänzung zu den bestehenden Gesellschaftsstrukturen von Familie, Vereinen usw.; ein Treffpunkt ohne Konsumationszwang; ein Ort, wo die Probleme der Jugendlichen und der Gesellschaft überhaupt an die Oberfläche gelangen; ein Bindeglied, unter Mithilfe der Jugendarbeiter, zwischen Jungen und Gemeinde, Lehrern usw.; schliesslich habe die Gemeinde Worb durch den raschen Bevölkerungszuwachs besonders viele Jugendliche, was einen Treffpunkt erfordere. Sowohl den Stand des Träffs wie die räumlichen Verhältnisse betrachtet Fritschi als ideal, schwieriger sei die Frage der Zielsetzung. Ist der Betrieb straffer zuführen, wie ein Teil der Erwachsenen fordert, oder soll offener gearbeitet werden? Die Jugendleiter befänden sich hier in der «Sandwichsituation» zwischen Erwachsenen und Jugendlichen, seien dadurch überfordert und fühlten sich häufig von den Behörden im Stich gelassen.

Die beiden Jugendarbeiter Isabelle Jaun und Markus Hasler hielten klar fest, dass der Träff für jedermann offen sei und nicht nur für eine bestimmte Gruppe. Tatsache sei jedoch, dass die Hauptbenützer Sekundarschüler seien, während die Rüfenachter Primarschüler sich strikte weigerten, den Träff zu benutzen, ihrerseits aber einen Treffpunkt anstrebten. Während der Frühjahrsferien hat eine Gruppe von rund zehn Schülern unter der Führung von Gemeindehelferin Marianne Morgenthaler am Ausbau eines Discoraums im Kirchgemeindehaus Sperlisacher gearbeitet. Im Sommer soll der Raum betriebsbereit sein. Stellt sich die Frage: Wo grenzen sich die Gruppen ab? Wieso ist es nicht möglich, Primar- und Sekundarschüler zu vereinigen? Die Jungen selber - die Rüfenachter waren leider beim Gespräch nicht anwesend - stellten Unterschiede fest in den Bedürfnissen und Vorstellungen; oft äusserten sich diese schon in der Kleidung.

Andere Jugendarbeitleistende, wie die Evangelisch-methodistische Kirche oder die Pfadfinder würden ihre Arbeit finanziell gern von der Gemeinde unterstützt wissen.

Die Diskussion warf eine Fülle von Fragen auf, die den Träff direkt oder allgemein die Jugendarbeit betrafen. Sie zeigte, wieviele Unklarheiten und Vorurteile in letzter Zeit entstanden sind. Das sehr offene Gespräch war ein Anfang auf dem Weg zum gegenseitigen Verständnis.

Der Bund, Mittwoch, 19. Juni 1985

Offene Jugendarbeit - wieviel ist sie wert?

In Worb führte die Jugendarbeiter-Besoldungsfrage zu Kündigung und Wahlablehnung

hjg. In der Regel werden Jugendarbeiter, vorausgesetzt sie verfügen über eine entsprechende Ausbildung, wie Sozialarbeiter entlöhnt, für die laut kantonaler Besoldungsordnung sechs Lohnklassen bestehen. Gerade bei offener Jugendarbeit kann sich die Einstufung jedoch als schwierig erweisen, da diese nicht unmassgeblich von der Bewertung der Arbeit abhängt. Jüngstes sichtbar gewordenes Beispiel dafür ist Worb.

Der seit zwei Jahren im Jugendtreff am äusseren Stalden in Worb tätige 30jährige Jugendarbeiter Markus Hasler hat sein Arbeitsverhältnis mit der Gemeinde auf 31. August gekündigt, da er seinen Einsatz für nicht angemessen entlöhnt hält und trotz abgeschlossenem Psychologiestudium in der zweituntersten Sozialarbeiterlohnstufe eingereiht ist. (Sein monatlicher Bruttoverdienst 1740 Franken bei halber Stelle.) Ebenfalls aus Lohngründen hat die im Mai auf Vorschlag der Jugendkommission durch den Gemeinderat gewählte Sozialarbeiterin Regine Linder ihre Wahl nicht angenommen. Für die qualifizierte, ehemalige Mitarbeiterin des Berner «Contact» war die mit der Wahlannahme verbundene Rückstufung um zwei Lohnklassen nicht akzeptierbar.

Schwierige Arbeitsplatzbewertung

Die Hauptgründe für die niedrige Lohneinstufung sehen sowohl die Jugendarbeiter wie auch der Präsident des Trägervereins Jugendtreff Worb, Josef Stalder, in der Beurteilung und Unterbewertung offener Jugendarbeit. Sie machen geltend, der Jugendarbeiter werde in seiner Persönlichkeit und seinem beruflichen Können in gleichem Masse gefordert wie in einem anderen Bereich tätigen Sozialarbeiter. Eine Arbeitsplatzbewertung, vom Jugendarbeiter seit Monaten beantragt, sei gerade bei offener Jugendarbeit recht schwierig, war beim kantonalen Jugendamt zu erfahren, da sie sehr stark von den häufig wechselnden Benützern und deren Problemen abhänge.

Hasler weist auf seine immer häufigere Beratungstätigkeit hin, während Gemeindepräsident Walter Trindler seinerseits klar festhält, es sei lediglich die Leitung des Jugendtreffs vorgesehen gewesen, darum halte er die Löhne auch für angemessen und der gemeindeüblichen Besoldungspraxis entsprechend. Der Gemeinderat stehe voll hinter dem Jugendtreff. Das Verhältnis zwischen dem jährlichen Kostenaufwand von 60'000 bis 80'000 Franken und der Treffbenützerzahl müsse aber einigermassen gewahrt bleiben. Im übrigen sei es Aufgabe der offiziellen Jugendkommissionen, konkrete Vorschläge vorzulegen, falls sie Änderungen für nötig halte. Er selbst sei jedoch der Meinung, dass die gezielte und bewusste Überbewertung der Sozial- und Jugendarbeiterstellen durch unsere Gesellschaft der falsche Weg sei.

Transparenz ist notwendig

Die neue Jugendkommissionspräsidentin Hanni Aeschlimann hingegen hofft durch eine Optimierung der bisher mangelhaften Zusammenarbeit zwischen Jugendarbeitern, Trägerverein, Fürsorge und Kommission sowie durch Arbeitsrapporte und eine starke Öffnung des Treffs die Aufgabe der Jugendarbeiter durchschaubarer zu machen, um den angemessenen Stellenwert und die entsprechende Entlöhnung zu erreichen.

Transparenz und gute Verbindungen sind unbedingt notwendig für die Vertrauensbildung und Arbeitsbeurteilung wie etwa die im Bereich Jugendarbeit sehr aktive Gemeinde Köniz durch eine eigens für die koordinierende Arbeit errichtete Stelle deutlich macht.

Lohnvergleiche sind kaum möglich

Genaue Lohnvergleiche (in Bern und Köniz wird etwas höher eingestuft als in Worb) erweisen sich jedoch als äusserst schwierig, da die Entschädigung von zahlreichen Faktoren wie Ausbildung, Qualifikationsbeurteilung, Erfahrung, Pflichtenheft, Trägerschaft, Gemeindebesoldungsordnung und Praxis usw. abhängt. Lohnunterschiede sind deshalb schon auf Grund der autonomen Lohngestaltung der Gemeinden durchaus möglich. Dass die Kirchgemeinden ihre in der Jugendarbeit tätigen Helfer zum Teil besser bezahlen, liegt wohl daran, dass sie als Gemeindehelfer angestellt sind, dessen Wert anerkannt ist, und daneben oft noch andere Gemeindeaufgaben zu erfüllen haben.

In Worb werde man den Stellenwert der Jugendarbeit neu überdenken müssen und mit neuen Kräften nach Lösungen suchen, gibt sich Hanni Aeschlimann zuversichtlich.

BZ. 14. Juni 1986

Jugendarbeit und Jugendtreff

Ein Diskussionsabend in Worb

Soll in Worb die Jugendarbeit definitiv eingeführt werden? Der Gemeinderat ist dafür, das letzte Wort spricht aber im September der Grosse Gemeinderat Eine Diskussion zum Thema Jugendarbeit, veranstaltet vom Trägerverein Jugendtreff Worb, zeigte auf, dass nicht alle eitel Freude am Jugendtreff am äusseren Stalden in Worb bekunden.

pbb. «Hat es einen Sinn, für drei oder vier Jugendliche den Treffbetrieb aufrechtzuerhalten und zu finanzieren?» Die Frage an die vom Trägerverein Jugendtreff Worb (TJWO) organisierte Gesprächsrunde stellte Rosmarie Ueltschi, freisinniges Mitglied des GGR. Eine Antwort erhielt sie von einem andern Vertreter der Worber Öffentlichkeit, von Gemeinderat Ulrich Zaugg (SVP): «Worb wird wegen seiner Ausgaben für die Jugendarbeit wohl kaum auf die Nase fallen», meinte er.

Dass Rosmarie Ueltschi von «Fallenlassen der restlichen paar Jugendlichen» sprach, erregte auch das Kopfschütteln des Gastreferenten Klaus Wegenast, Professor für Theologie an der Universität Bern. «Vorstädte und Agglomerationen sind nun einmal Brutstätten für soziale Konflikte.» Das gelte auch für Worb, falls man das hier noch nicht gemerkt habe, hielt Wegenast fest. Jugendtreffs seien eben Treffpunkte für Jugendliche, die im Konflikt mit ihrer Umgebung stünden. «Damit ist auch ein gewisses gestörtes Verhältnis zwischen Jugendtreffs und Bevölkerung vorprogrammiert», erklärte er. Immer wieder brauche es hier «Vertrauensvorschuss» durch die Bevölkerung. Für Rosmarie Ueltschi, die «von Anfang an gegen einen Treff in dieser Form war und lieber Jugendwerkstätten» gesehen hätte, hatte Wegenast wenig Verständnis: «Jugendpolitik nach dem Motto <wie beschäftige ich Jugendliche>, ist wenig sinnvoll», konterte er.

Ein Votant wartete mit Zahlen auf: «Wenn einer entgleist und zum Drogendeliquenten wird, muss die Gesellschaft zahlen. Laut Statistik 64000 Franken pro Entziehungskur.» Vorbeugen sei, wenn es schon ums Geld gehe, billiger.

BZ, 13. Dezember 1986

Über den Jugendtreff Worb entscheidet das Volk

Parteien wären mit Definitivum einverstanden - Bilden Jugendtreff und Jugendarbeit Einheit?

Der Jugendtreff am äusseren Stalden in Worb und damit die Jugendarbeit in der Gemeinde sollen in ein Definitivum übergeführt werden. Zwar hat dagegen keine Partei etwas einzuwenden. Dennoch löste der Antrag des Gemeinderates, über den der Grosse Gemeinderat am nächsten Montag befindet, Kritik und Enttäuschung aus. Streitfrage: Bilden der Jugendtreff und die Jugendarbeit eine Einheit oder nicht?

Iren Kläy

Auch wenn der Grosse Gemeinderat (GGR) Worb am Montag dem Antrag des Gemeinderates zustimmt und zum definitiven Betrieb des Jugendtreffs am äusseren Stalden ja sagt, wird der Treff für rund drei weitere Monate provisorisch weitergeführt. Grund: Die jährlich wiederkehrenden Kosten belaufen sich auf über 100'000 Franken (für das nächste Jahr sind Ausgaben von 105'000 Franken budgetiert). Deshalb fällt dieser Betrag nicht in die abschliessende Kompetenz des GGR, sondern muss einer Volksabstimmung unterbreitet werden, die für den 7. April 1987 vorgesehen ist.

Lehnen die Stimmberechtigten die Vorlage ab, so geht nicht nur der Jugendtreff zu, sondern das Schicksal der Jugendarbeit in der über 11'000 Einwohner zählenden Gemeinde wäre besiegelt. Die beiden zu 50 Prozent angestellten Jugendarbeiter Regine Linder und Hanspeter Egger müssten sich nach einem neuen Wirkungskreis umsehen. «In Worb könnten sie nicht weiterarbeiten, da sie eindeutig für die Führung und Betreuung des Jugendtreffs angestellt wurden, was aus ihrem Pflichtenheft hervorgeht», begründet Gemeindepräsident Walter Trindler.

Volk soll entscheiden

Der SP stösst das Vorgehen und die Begründung des Gemeinderates sauer auf. Ihr geht es um die Verankerung der Jugendarbeit und des Jugendtreffs in der Gemeinde Worb. Und zwar möchte sie das Definitivum «sofort einfuhren», wie Fraktionspräsident Marcel Fuchs ausführt. Die SP findet, der Gemeinderat tue sich schwer mit dieser Vorlage. denn sonst hätte er das auf die Septembersitzung angesagte Geschäft nicht bis in den Dezember hinausgeschoben. Zudem wolle er nun den Schwarzpeter dem Volk zuschieben, indem er die Kosten knapp über die Grenze von 100'000 Franken ansetzte. In erster Linie kritisieren sie, dass der Lohn der Jugendarbeiter zu den wiederkehrenden Kosten gerechnet wird, obwohl die Jugendarbeiter auch ausserhalb des Treffs tätig seien. Ihrer Ansicht nach sei ferner im Dezember 1982 die Schaffung der Jugendarbeiterstelle unabhängig vom Treff erfolgt.

Schützenhilfe erhielt die SP diese Woche von einer neutralen Stelle, von der Gemeindedirektion. Im zweiten Teil des Gutachtens zur Kostenberechnung (eingeholt wurde es vom Gemeinderat und den Parlamentariern nachträglich zur Botschaft zugesandt) hält sie fest: «Die Durchsicht des Sitzungsprotokolls vom 13.Dezember 1982 (Schaffung einer Jugendarbeiterstelle) lässt aber gewisse Zweifel aufkommen, ob die Stellenschaffung mit dem Jugendtreff in Verbindung gebracht werden muss bzw. darf. Ist nämlich der zur Stellenschaffung zuständige GGR der Meinung, die Jugendarbeiterstelle solle gemäss dem rechtskräftigen Beschluss vorn 13. Dezember 1982 beibehalten werden, unabhängig davon, ob der Jugendtreff weitergeführt werde oder nicht, dürfen die entsprechenden Kosten infolge des Grundsatzes der Einheit der Materie nicht mitgerechnet werden.»

«Versprechen einhalten»

Würden die Lohnkosten von 65'000 Franken aus der Berechnung fallen, so wäre der GGR in abschliessender Kompetenz für die Beschlussfassung zuständig. «Wir wollen jetzt Farbe bekennen und unser Versprechen, das wir vor zwei Jahren bei der Verlängerung des Provisoriums abgegeben haben, einhalten», erklärt Marcel Fuchs zu den SP-Absichten. Es gehe der SP keinesfalls darum, das Volk um seine Rechte zu bringen.

Die SP findet es falsch, dass Jugendarbeit und Jugendtreff verknüpft werden und in einem Paket zur Abstimmung gelangen. Sie will versuchen, diese voneinander zu trennen und separat zu behandeln. Ähnlich denkt auch Albert Gambon (WSG), dem ein solches Vorgehen ebenfalls lieber wäre. Und auch die Freien Wähler (FWW) stossen in eine ähnliche Richtung: «Wir setzen uns für einen Vorschlag ein, der für den Jugendtreff und für die Jugendarbeit eine gute Zukunft sichert», sagt Richard Braun. Sie seien der Meinung, dass der Treff eine wichtige Funktion erfülle. Aber noch wichtiger sei die Betreuung der Jugendlichen, die gefördert werden müsse, auch ausserhalb des Treffs.

Gemeindepräsident Walter Trindler hält auch aufgrund des Schreibens der Gemeindedirektion an der Aussage fest, die Jugendarbeiter seien nur für den Treff angestellt worden. Er stützt sich auf den ersten Teil des Schreibens, das festhält, aufgrund der Kostenberechnung sei eine Urnenabstimmung durchzuführen. Im übrigen weist er die von der SP erhobenen Vorwürfe zurück. Der Gemeinderat habe nicht absichtlich das Geschäft hinausgezögert und die Kosten über die Grenze von 100'000 Franken angehoben. Der Grund, weshalb es jetzt erst vor den GGR komme, liege darin, dass eine Botschaft habe ausgearbeitet werden müssen, nachdem feststand, wie hoch die Kosten sind und die eine Volksabstimmung erfordern. «Man kann dem Gemeinderat doch nicht vorwerfen, er halte sich an die Gemeindeordnung», betont Trindler.

Die zuständige Gemeinderätin Hanni Aeschlimann führt aus, dass sich die Gesamtkosten aus drei Beträgen zusammensetzen. Diese seien unabhängig voneinander von verschiedenen Personen berechnet worden. «Hätten wir diese Zahlen frisiert, wäre dies sicher nicht goutiert worden. »

Den Antrag des Gemeinderates empfiehlt die Geschäftsprüfungskommission zur Annahme. Auch die EVP, die FDP und die SVP sprechen sich dafür aus. «Im Prinzip», so Anton Bühler, «befürwortet der CVP-Vorstand mit grosser Mehrheit den vorliegenden Antrag, allerdings mit gewissen Vorbehalten und Wünschen», die er an dieser Stelle nicht näher erläutern wolle.

Neue Generation im Treff

Josef Stalder, Präsident des Trägervereins Jugendtreff Worb, und Jugendarbeiter Hanspeter Egger sind enttäuscht, dass der definitive Entscheid über die Weiterführung des Jugendtreffs noch länger auf sich warten lässt. Ihnen wäre lieber gewesen, wenn der GGR am Montag in abschliessender Kompetenz hätte befinden können. «Wenn es sich sonst um ein Geschäft gehandelt hätte, wäre die Sache sicher anders gelaufen», ist Egger überzeugt. Aber deswegen würden sie jetzt nicht resignieren und die begonnene Sanierung weiterführen.

Gegenwärtig ist nämlich eine «neue Generation» daran, den Treff zu streichen und ihren Wertvorstellungen anzupassen. Diese Woche wurden die Acht- und Neuntklässler von Worb und Rüfenacht über diese Neuerung informiert. «Heute ist es eher möglich, eine breitere Basis von Jugendlichen anzusprechen, als dies bei der Eröffnung des Treffs der Fall war», hält Egger fest. Damals sei er geprägt gewesen von Jugendlichen im Stil der Achtzigerbewegung. Doch die heutigen Jugendlichen würden sich stark von ihnen unterscheiden.

Geplant ist, den Treff Ende Januar 1987 wieder zu öffnen. «Im Oktober wurde er nicht aus Protest geschlossen, sondern weil die dringend notwendige Sanierung dies erforderte», halten Josef Stalder und Hanspeter Egger übereinstimmend fest.

Bund, 17. Dezember 1986

Mit einer Stimme Unterschied entschied sich das Worber Parlament für die Urnenabstimmung

Worber Jugendtreff freiwillig vors Volk

bkw. Am 5.April werden die Worber Stimmberechtigten definitiv über den Jugendtreff am äusseren Stalden entscheiden. Der Grosse Gemeinderat wollte dies nicht in eigener Kompetenz tun.

Reichlich verworren verlief im Worber Parlament die Debatte um den Jugendtreff. Schon die Ausgangslage war nicht so klar: Die Botschaft des Gemeinderats ging davon aus, dass die jährlichen Beiträge für Jugendtreff und Jugendarbeiter(in) so eindeutig zusammenhingen, dass sie - für die Bestimmung der Finanzkompetenz - zusammengezählt werden müssten. Dem widersprach bereits der Sprecher der GPK, Hans-Ulrich Moser (sp): Es gehe nicht an, die bereits definitiv beschlossenen Jugendarbeiterstellen mit dem provisorischen Jugendtreff zu verknüpfen. Sonst bestehe die Gefahr, dass bei einem negativen Entscheid auch gleich die Stellen gestrichen würden.

In der folgenden recht hitzigen Diskussion zeigten sich sowohl Gemeinderätin Hanni Aeschlimann wie auch alle Sprecher der Fraktionen und Parteien davon überzeugt, dass es den Treff brauche. Es gab jedoch eine tiefe Kluft zwischen den bürgerlichen Parteien, die unbedingt eine Volksabstimmung wünschten, und der SP sowie den Freien Wählern, die das Geschäft in eigener Kompetenz behandeln wollten.

Abstimmung mit Namensaufruf

Gemeindepräsident Walter Trindler betonte nochmals, die Exekutive hätte keinen anderen Kompetenzentscheid treffen können. Wenn der GGR etwas anderes beschliesse, so müsse dieser die volle Verantwortung tragen. Im übrigen stehe im Beschluss kein Wort über die Jugendarbeit, also sei diese auch nicht gefährdet.

Trotzdem wurde nach einem Sitzungsunterbruch der Antrag von Annemarie Nöthiger (fww), die Kosten aufzuteilen, mit 22 zu 17 Stimmen angenommen. Als Novum im Rat geschah dies unter Namensaufruf.

Wer nun geglaubt hatte, damit würde der GGR den Jugendtreff definitiv einführen, sah sich getäuscht. Mit 36 zu zwei Stimmen entschied er sich zwar für eine Berechnungsgrundlage mit den Kapitalkosten, um das fakultative Referendum zu ermöglichen. Trotzdem beantragte Hans Lüthi (svp), von einer entsprechenden Bestimmung der Gemeindeordnung Gebrauch zu machen und das Geschäft freiwillig der Urnenabstimmung vorzulegen. Hauchdünn, (mit 18 zu 17 Stimmen) wurde seinem Ansinnen entsprochen. «So kompliziert kann Politik sein», seufzte darauf Ratspräsident René Bauer, der seine letzte Sitzung mit viel Geschick leitete.

Erst die Schlussabstimmung war wieder deutlich: Der Rat empfahl den Stimmenden mit 38 zu einer Stimme, dem definitiven Jugendtreff zuzustimmen.

Ratsgeschäfte in Kürze

  • Das vorn Rat verabschiedete Datenschutzreglement bedeutet Pionierarbeit: Die Gemeindedirektion will diesen ersten Erlass, der aufgrund des demnächst in Kraft tretenden kantonalen Datenschutzgesetzes formuliert wurde, anderen Gemeinden zur Nachahmung empfehlen.

  • Nach Halbzeit der Legislaturperiode wird der Rat folgende neue Gesichter bekommen: Heinz Burri (svp) ersetzt den in den Gemeinderat nachrückenden Hans Lüthi, Hans-Rudolf Tschaggelar (sp) rutscht für Urban Saier nach, Urs Fuhrer (fww) für Richard Braun und Richard Volz (evp) für Rudolf Gfeller.

  • Die Beiträge an die Jugendmusik Worb werden überprüft. Diesen Auftrag erhielt der Gemeinderat durch die Überweisung eines Postulats von Marcel Fuchs (sp).

  • Die Eheleute Mohamed Ashraf und Katharina Kasmani (kenianische Staatsangehörige) erhielten das Bürgerrecht zugesichert.

BZ, 30. Juni 2000

WORB

Eine erste Bilanz der NPM-Jugendarbeit: «Tadellos»

Die Jugendarbeit wird in Worb neu nach NPM-Grundsätzen geführt. Der Verein TJWO zieht erste positive Bilanz.

Urban Caluori

«Dort sind die Partys immer gut», meint der 15-jährige Christian. Die 20-jährige Christine ist wohl schon ein bisschen zu alt - sie fährt abends nach Bern, wenn sie ausgehen will. Und Ramon, 14, geht lieber bräteln. Immerhin kennen alle drei den Worber Jugendtreff am Äusseren Stalden. Zumindest vom Hörensagen.

Nach NPM-Grundsätzen

Die drei jungen Worber sind potenzielle Leistungsempfänger des Produkts offene Jugendarbeit, für das klare Leistungsziele vereinbart wurden.

Die Sprache verrät es: Die Worber Jugendarbeit wird seit dem 1. Januar nach den Grundsätzen des New Public Management (NPM) geführt.

Jonathan Gimmel, der Präsident des verantwortlichen Trägervereins offene Jugendarbeit Worb (TJWO), zog an der gestrigen Medienorientierung eine erste Bilanz: «Das Ganze klappt hervorragend. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist tadellos.» Schwierigkeiten bei der Einführung des neuen Führungsinstrumentes NPM habe es keine gegeben.

Neue Struktur, neuer Inhalt

Der Verein TJWO hat seine Strukturen angepasst und die Jugendarbeit modernisiert: «Früher war Jugendarbeit gleichbedeutend mit einem Treff. Heute ist der Treff nur noch Teil eines umfassenden Modells.

Die Mitarbeiter suchten die jugendlichen auch an anderen Treffpunkten auf. «Wir wollen im öffentlichen Raum Gespräche führen und Präsenz markieren», erklärte die Jugendarbeiterin Franziska Wetli.

jährlich sind mindestens zwei Drogen- und Aidspräventionsprojekte vorgesehen. So will der TJWO am Worber Badifest 2000 präsent sein und den jugendlichen Alternativen zum Alkohol schmackhaft machen und sie dazu animieren, Alkohol nur kontrolliert zu geniessen. «Nur die Beratung läuft noch gar nicht wunschgemäss», räumt Jonathan Gimmel ein.

In Zukunft Erweiterung

In Zukunft will der TJWO eher grössere Projekte realisieren. Neu sollen auch Fachleute in den Genuss der Beratung kommen. Für die jugendlichen ist ab Herbst gar eine Beratung rund um die Uhr geplant. Und in zwei Wochen soll ein Newsletter herausgegeben werden.

Der Bund, 30. Juni 2000

WORB

Die Jugendarbeit behauptet sich in der Selbständigkeit

Ein halbes Jahr nach der Neuorientierung ziehen die Verantwortlichen der Offenen Jugendarbeit eine positive Bilanz. Künftig will sie noch präsenter sein in den Quartieren, sie will offensiver informieren und den Jugendtreff als Freizeithaus weiterführen.

bas. Jonathan Gimmel ist um Worte nicht verlegen, wenns darum geht, die Notwendigkeit der Jugendarbeit zu begründen: «Sie begleitet junge Menschen in der Phase des Erwachsenwerdens und hilft ihnen bei der Integration in die Gesellschaft». Gimmel präsidiert den Verein offene Jugendarbeit Worb (Tjwo). Seit Anfang Jahr ist die Jugendarbeit in Worb ein New-Public-Management-Projekt (der »Bund» berichtete), und der Tjwo zeichnet dafür im Mandatsverhältnis verantwortlich. Er hat mit dem Departement Sozialdienste einen Vertrag mit vierjähriger Laufzeit abgeschlossen; darin ist unter anderem festgehalten, welche Leistungen der Tjwo zu erbringen hat für das Geld, das er von der Gemeinde erhält. Gemäss Urnenbeschluss vom Juni 1999 sind dies 250000 Franken jährlich. Alleine für die Miete der Liegenschaft Äusserer Stalden 3 flössen aber 30000 Franken wieder an die Gemeinde zurück, betont Gimmel. In diesem Haus sind der Jugendtreff, Clubräume und eine Metallwerkstätte eingerichtet. Der Jugendtreff, einst der Inbegriff traditioneller Jugendarbeit, ist heute noch eine der vier Säulen der Worber Jugendarbeit. Dazu kommen die mobile Jugendarbeit, die Prävention und der Bereich Beratung und Information. Die Jugendarbeitenden Franziska Wetli und Peter Jäger teilen sich 120 Stellenprozente; als Praktikant unterstützt sie Markus Bieri. Die ehrenamtliche Tjwo-Arbeit entspricht laut Gimmel einer zusätzlichen 40-Prozent-Stelle.

Ein Haus für die Freizeit

Nach den ersten sechs Monaten New-Public-Management-Erfahrungen machen Jugendarbeitende und Tjwo-Präsident Gimmel einen ganz und gar zufriedenen Eindruck. Der grössere Handlungsspielraum ermögliche Projekte, die sich früher alleine der komplizierten Strukturen wegen kaum hätten verwirklichen lassen, und das Zusammenspiel mit den Behörden habe »nur gewonnen», rühmt Gimmel. Verändert hat sich etwa der Betrieb am Äusseren Stalden 3: Das Haus ist neu auch ausserhalb der JugendtreffÖffnungszeiten häufig belebt: Die Räume lassen sich — auch via Internet — mieten. Der Jugendtreff sei so zu einem eigentlichen Freizeithaus geworden. im einen Clubraum haben sich Jugendliche aus Kosovo eingerichtet, daneben übt eine Band. Zur mobilen Jugendarbeit gehörten schon bislang die Bistrowoche, die Quartierwoche in Rüfenacht und regelmässige Brätelabende im Pärkli des Altersheims. Seit sich Jung und Alt dort begegneten, gebe es spürbar weniger Probleme mit Abfall und Sachbeschädigungen, sagt Franziska Wetli. Sie ist auch sonst oft im Dorf unterwegs und gesellt sich dort zu den Jugendlichen, wo diese sich treffen, beim Bahnhof oder in der Bai zum Beispiel. Etwa zehn Prozent von Worbs Jugendlichen erreiche die Jugendarbeit mit solchen Kontakten und dem Treff, schätzt sie. Weitere kommen bei den Besuchen in den Quartieren hinzu. Dort will die Jugendarbeit in Zukunft ihre Präsenz verstärken, vielleicht sogar mit einem eigenen Meinen Bus, so Gimmel.

Grossauftritt am Badifest

Auch sonst ist einiges geplant: Am Badifest wird die Jugendarbeit den bewussten Umgang mit Alkohol fördern — unter anderem mit Fruchtsaft-Cocktails zu Mineralwasserpreisen. Ab Herbst bietet der Jugendtreff ein Halbjahresprogramm mit Fixpunkten und einen Internet-Arbeitsplatz an. Den Beratungsteil bauen die Jugendarbeitenden aus, und Gemeindepolitiker und andere Interessierte erfahren künftig zwei- oder dreimal jährlich per Newsletter, was in der Jugendarbeit aktuell ist.

Worbs Jugendarbeit im Internet
www.jugendarbeit-worb.ch

BZ, 5. Mai 2001

WORB

Offenes Ohr für die Jugend

Gestern hat in Worb die «Fachstelle für das Jugendalter» ihre Tore geöffnet. Sie ist Anlaufstelle für Jugendfragen.

Brigitte Walser

Wer weiss weiter, wenn Probleme mit den eigenen Kindern entstehen? Oder umgekehrt: Wen fragt man um Rat, wenn die eigenen Eltern einen auf den Nerv gehen oder das Leben auf einmal schwierig wird? In Worb ist für solche Fälle die Wydenstrasse 6 die richtige Adresse. Dort hat gestern die «Fachstelle für das Jugendalter» ihren Betrieb aufgenommen. Franziska Wetli und Peter Jäger, beides professionelle Jugendarbeiter, betreuen das Büro und sind Ansprechpersonen für Fragen oder Informationen rund um das Thema Jugend. Sie geben den Worberinnen und Worbern kostenlos Auskunft.

Im Büro an der Wydenstrasse stehen Broschüren, Bücher und Dokumentationen zu Themen bereit, die junge Leute und ihre Betreuungspersonen interessieren. Wer keine konkrete Frage hat oder zuerst die beiden Jugendarbeiter etwas «beschnuppern» möchte, kann unverbindlich in den Regalen schmökern. Und wer schnell und ausserhalb der Bürozeiten Hilfe braucht, erhält von der Jugendarbeit rund um die Uhr auf dem Nottelefon eine Antwort.

Die Fachstelle ist ein Bestandteil der offenen Jugendarbeit Worb. Dessen Trägerverein (TJWO) hat mit der Gemeinde einen Leistungsvertrag abgeschlossen. Dies, nachdem das Stimmvolk vor zwei Jahren der Neuorganisation der Jugendarbeit nach den Grundsätzen des New Public Management zugestimmt hatte. Seither ist der TJWO ganz für die Worber Jugendarbeit verantwortlich und hat dabei ein Jahresbudget von 250'000 Franken zur Verfügung. Nebst dem Jugendtreff, Projektarbeit und Aktionen, die der Prävention dienen, ist die Fachstelle der vierte Bereich der Jugendarbeit. Auch eine Schulklasse wohnte der Eröffnung bei. Ob sie das Angebot nutzen und sich mit Sorgen oder Fragen an die Fachstelle wenden, darüber wollten die Schüler keine konkrete Auskunft geben: «Vielleicht, um Material für einen Vortrag zu holen», lautete die ausweichende Antwort.

Öffnungszeiten: Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr. Morgen (14-18 Uhr) findet im Freizeithaus am äusseren Stalden ein von der Jugendarbeit organisierter Spielnachmittag statt.

Der Bund, 22. Juni 2001

WORB

Was brauchts im Freizeithaus?

Im Freizeithaus am Äusseren Stalden können sich Junge treffen, spielen und feiern. Der Trägerverein 0ffene Jugendarbeit vermietet aber auch Räume an Dritte. Nun soll das Haus saniert und umgebaut werden. Bürgerlichen Politikern passt das Projekt nicht.

BARBARA STEINER

Da kann noch so heisse Musik aus den Lautsprechern dröhnen - ists draussen kalt, herrscht auch im Worber Freizeithaus ein frostiges Klima: Das Gebäude am Äusseren Stalden 3 lässt sich bloss notdürftig mit zwei Ölöfen heizen. Die hygienischen Verhältnisse im Küchen- und im Toilettenbereich seien. kaum mehr tragbar, auf einer ausgetretenen Holztreppe herrsche Unfallgefahr, und der Betonboden über der einstigen Jauchegrube sei eingebrochen, können die Mitglieder des Gemeindeparlaments in den Unterlagen zu ihrer nächsten Sitzung nachlesen. Sie werden am Montag darüber befinden, ob Worb die Liegenschaft für 363'000 Franken sanieren und umbauen soll. Geplant sind unter anderem der Einbau einer Heizanlage und Fassadenarbeiten. Die neue Küche soll auf Anlässe bis 30 Personen ausgerichtet sein, die Toilettenanlage auf solche mit 100 Teilnehmenden.

Jugendtreff bloss ein Bereich

Für den Äusseren Stalden 3 verantwortlich zeichnet Worbs Jugendarbeit-NPM-Partner, der Trägerverein Offene Jugendarbeit Worb (Tjwo). Zweimal wöchentlich ist im Freizeithaus der Jugendtreff geöffnet. Dort haben die Jugendlichen Gelegenheit, betreut und begleitet von Jugendarbeitenden zu diskutieren oder Tischfussball und Billard zu spielen. Letztes Jahr sind nach Auskunft von Tjwo-Präsident Jonathan Gimmel rund 800 Treffgäste gezählt worden. Gimmel sieht den Jugendtreff als Einstiegsangebot: «Unser Ziel ist es, die Jugendlichen zur Selbständigkeit zu animieren». In eigener Regie Aktivitäten entwickeln und Verantwortung übernehmen können diese beispielsweise in drei Gruppenräumen. Darin träfen sich drei- bis viermal wöchentlich zwischen sechs und acht Personen, so Gimmel. Ausserdem fänden im Freizeithaus zahlreiche Anlässe wie Discos oder Parties statt, welche die Jugendlichen selber organisierten. Letztes Jahr hätten rund 1800 Personen daran teilgenommen. Des öftern sind auch nicht mehr ganz junge Erwachsene im Freizeithaus zu Gast: Der Tjwo vermietet Räume für Hochzeiten und dergleichen. Angesichts des regen Betriebs ist für Gimmel die Notwendigkeit einer Sanierung «nicht wegzudiskutieren». Sie werde es ermöglichen, das Haus noch besser zu nutzen - und beispielsweise ein Musikbistro und ein Internetcafé einzurichten.

Bürgerliche wollen abspecken

Nach Auskunft von Christoph Lerch «absolut unbestritten» ist das Sanierungs- und Umbauvorhaben in der SP-Fraktion des Parlaments: «Das denkmalgeschützte Haus befindet sich in einem desolaten Zustand; an seiner Lage ist es immerhin ein Aushängeschild Worbs». Zu einem anderen Schluss kam laut Bruno Wermuth und SVP-Fraktion: Ihr ist das Vorhaben zu umfassend und zu teuer; sie dürfte deshalb am Montagabend die Rückweisung des Geschäfts beantragen. Zählen kann sie auf freisinnige Unterstützung: Der FDP-Fraktion steht der Sinn ebenfalls nach Rückweisung - verbunden mit Auflagen.

Der Bund, 26. Juni 2001

WORB

Zuerst Ja, dann Nein - und nun Beschwerde?

Nach einem veritablen Abstimmungsdebakel wies das Parlament die Sanierung des Freizeithauses gestern zurück. Die Freien Wähler prüfen eine Beschwerde.

bas. Eigentlich wäre es gestern Abend im Worber Parlament einzig und allein um die Frage gegangen, ob die Gemeinde als Eigentümerin der Liegenschaft 360'000 Franken in die Sanierung und den Umbau des Äusseren Staldens 3 investieren soll (siehe «Bund» vom Freitag). Darin ist seit nunmehr 20 Jahren der Jugendtreff daheim. Die Haltung der Dorfpolitiker dieser konkreten Nutzung gegenüber färbte auf die Diskussion ab. Die SVP wollte gar nicht aufs Geschäft eintreten. Eine neue WC-Anlage täte es, sagte Sprecher Fritz Stettler, und es liege in der Kompetenz des Gemeinderats, das dafür nötige Geld zu bewilligen. FDP-Redner Ulrich Emch räumte zwar ein, die Arbeit im Treff sei wesentlich, und die Sanierung sei schon als notwendig erachtet worden, als Gemeinde und Tjwo ihre Leistungsvereinbarung ausgearbeitet hätten. Trotzdem wollten die Freisinnigen das Geschäft zurückweisen und vier Auflagen durchsetzen: Die geplante Investition in die Liegenschaft sollte die letzte sein, den Kredit wollten sie als Kostendach verstanden wissen, und die Bauarbeiten wünschte sie in «nicht mieterspezifischer» Ausführung. Plus: Der Trägerverein Offene Jugendarbeit Worb (Tjwo) als Mieter müsse in einem «klaren Massnahmenkatalog» darlegen, wie er die Ziele, die er gemäss erstem Controllingbericht verpasst haben, zu erreichen gedenke. Nachdem sie mit ihrem Nichteintretensantrag unterlegen war, unterstützte die SVP die Forderung der FDP. In der ersten Abstimmungsrunde stellten sich 18 Parlamentsmitglieder dahinter - ebensoviele votierten dagegen. Parlamentspräsident Jürg Kaufmann (sp) machte den Bürgerlichen mit seinem Stichentscheid einen Strich durch die Rechnung. Schliesslich stimmte das Parlament der Vorlage mit 20 zu 18 Stimmen zu. Die Befürworter gehörten zu SP, Grüner Freier Liste, Freien Wählern und EVP. Sie freuten sich indes zu früh über ihren Erfolg: Am Ende der Sitzung setzten die Freisinnigen einen Wiedererwägungsantrag durch. Diesmal lautete das Resultat der Schlussabstimmung 19 Ja zu 17 Nein; das Geschäft geht somit mit den von der FDP formulierten Auflagen und einer von der SVP verlangten Anpassung des Mietvertrags an den Gemeinderat zurück. Eine Person der SP hätte den Saal vor der zweiten Abstimmung bereits verlassen.

Obs beim Resultat bleibt, wird sich weisen: Tjwo-Präsident und FWW-Parlamentarier Jonathan Gimmel kündete noch gestern an, seine Partei werde eine Gemeindebeschwerde prüfen. Mehrere Parlamentsmitglieder brachten ihren Unmut über das verworrene Abstimmungsdebakel deutlich zum Ausdruck. Seinen Teil dazu beigetragen haben dürfte Olivier Dinichert (fdp): Er erklärte nach der Intervention der FDP nach einem Sitzungsunterbruch ausdrücklich, sich in der ersten Abstimmungsrunde der Stimme enthalten zu haben.

Der Bund, 27. Juni 2001

WORB

Neuer Sanierungs-Anlauf noch heuer

«Möglichst rasch durchziehen» möchte Bauvorsteher Ernst Hauser die Sanierung des Freizeithauses mit dem Jugendtreff am Äusseren Stalden. Noch in diesem Jahr soll das Geschäft ein zweites Mal ins Parlament kommen. Welche Wünsche der Bürgerlichen erfüllbar sind, wird nun abgeklärt. Sie wollen die Sanierung mit Auflagen verknüpfen.

bas. Fast ein bisschen wie Adolf Ogi sei er sich am Montagabend im Parlament vorgekommen, sagte gestern der Worber Gemeinderat Ernst Hauser (svp): Wie der alt Bundesrat habe auch er eine Vorlage gegen seine eigene Partei vertreten müssen. Bauchschmerzen habe ihm diese Situation nicht bereitet: «Das ist Politik. Damit muss man umgehen können.» Als Bauvorsteher versuchte Hauser erfolglos, das Parlament zu einem Ja zur Sanierung des gemeindeeigenen Freizeithauses mit dem Jugendtreff am Äusseren Stalden, zwischen Worb und Rüfenacht, für rund 360'000 Franken zu bewegen (der «Bund» berichtete). FDP und SVP erreichten nach einem Abstimmungskrimi, dass das Geschäft an den Gemeinderat zurückgewiesen wird (siehe Kasten). Unterstützt hatten Hauser SP, Grüne Freie Liste, Freie Wähler und EVP.

«Kein Luxus»

Jürg Bichsel (fww) beispielsweise warnte davor, via Sanierungskredit Korrekturen an der Jugendarbeit vornehmen zu wollen, und Rene Bauer (sp) erklärte, wenn die Gemeinde nicht bereit sei, für den Unterhalt des Äusseren Staldens 3 aufzukommen, sei das NPM-Projekt Jugendarbeit in Frage gestellt. Jonathan Gimmel, Präsident des Trägervereins Offene Jugendarbeit Worb (TJWO), des Mieters der Liegenschaft, führte aus, der TJWO wünsche sich eine vorschriftsgemässe Küche, eine hygienische Toilettenanlage und eine Heizung. Dies sei kein Luxus, sondern ein legitimes Anliegen. Die übrigen Sanierungs- und Unterhaltsarbeiten erachte die Bauabteilung als notwendig.

Mehrheitlich Unterhalt

Als «Fass ohne Boden» bezeichnete Ulrich Emch (fdp) die Freizeithaus-Liegenschaft. Die Freisinnigen verlangen denn auch die Zusicherung, dass keine weiteren Investitionen nötig würden. Da sieht Ernst Hauser schwarz: «Bei einem solchen Haus lässt sich nie genau abschätzen, was noch alles kommt. Was würden wir denn tun, wenn beispielsweise das Dach zu rinnen begänne?» Hauser weist darauf hin, dass vom Kredit, der im Parlament zur Diskussion stand, bloss ein Drittel auf Investitionen entfallen wäre, zwei Drittel indes auf Unterhaltsarbeiten. Mit der Auflage, der Betrag müsse ein Kostendach sein, hat Hauser keine Mühe, ebensowenig mit der Forderung, die Bauarbeiten dürften nicht mieterspezifisch ausgeführt werden: Das sei ohnehin nicht geplant.

Themen-Vermischung

Keine Zusicherung gibt Hauser für den Massnahmenkatalog ab, der den TJWO zu den gesteckten Zielen führen soll: «Das hat nichts mit dem Baulichen zu tun.» Ohnehin, kritisiert Hauser, habe das Parlament nicht klar unterschieden zwischen der Bauvorlage und der Jugendarbeit: «Es wurde versucht, diese zu qualifizieren» zum falschen Zeitpunkt. Über den Inhalt der Arbeit gelte es zu diskutieren, wenn es um eine neue Leistungsvereinbarung gehe - und nicht um die Sanierung einer Liegenschaft. Mit dem Architekten und dem Gemeinderat will Hauser nun die offenen Fragen aufgreifen - und das Geschäft dann «möglichst rasch durchziehen». Noch in diesem Jahr soll dem Parlament erneut eine Vorlage für die Sanierung unterbreitet werden.

Und so wars wirklich

bas. Die Jugendlichen, die am Montagabend auf der Tribüne des Bärensaals die Debatten über die Sanierung des Freizeithauses und das Geld für den Jugendrat (siehe Text oben) mitverfolgten, harrten nicht bis zum Schluss der Parlamentssitzung aus - und bekamen deshalb gar nicht mit, dass die Bauarbeiten am Freizeithaus nun doch nicht in Angriff genommen werden können. Sie hatten lediglich die erste Abstimmungsrunde miterlebt. Darin kamen die Stimmenzähler auf je 19 (und nicht 18, wie im «Bund» von gestern irrtümlich festgehalten) Stimmen pro und contra das Ansinnen der FDP, die Sanierungsvorlage sei zurückzuweisen und mit Auflagen zu versehen. Mittels Stichentscheid schickte Ratspräsident Jürg Kaufmann (sp) diesen Antrag bachab. In der Schlussabstimmung sprachen sich 20 Parlamentsmitglieder für die Sanierung aus, 18 dagegen. Die FDP merkte dann aber, dass das Resultat der Rückweisungsabstimmung nicht gestimmt haben konnte. Mit Jürg Kaufmann wohnten nämlich 39 Stimmberechtigte der Sitzung bei. Olivier Dinichert (fdp) und Verena Schneider (svp) hatten sich der Stimme enthalten. Laut Resultat der Stimmzähler hätten - im 40-köpfigen Parlament - 41 Stimmberechtigte präsent sein müssen (19 plus 19 plus 1 plus 2). Die FDP setzte durch, dass ein zweites Mal über die Rückweisung abgestimmt wurde. Und siehe da: Diesmal stellte sich das Parlament mit 19 zu 17 Stimmen hinter die FDP; anwesend waren nun noch 38 Stimmberechtigte. Olivier Dinichert enthielt sich wiederum der Stimme. Den Saal bereits verlassen hatte Verena Schneider (und nicht ein SP-Parlamentsmitglied, wie im «Bund» von gestern zu lesen war).

Parlamentspräsident Kaufmann will nach diesem Abstimmungswirrwarr über die Bücher gehen. Diskutiert werden soll beispielsweise, ob künftig Enthaltungen wie Ja- und Nein-Stimmen stets gezählt werden sollen. Allenfalls, so Kaufmann, liesse sich die Sitzordnung im Bärensaal noch übersichtlicher gestalten. Die Parlamentsmitglieder wiederum seien aufgefordert, klar und deutlich abzustimmen.

BZ, 27. Juni 2001

JUGENDTREFF WORB

Sanierung mit Auflagen verbunden

Das Parlament verlangt, dass die Renovation des Jugendtreffs mit verschiedenen Auflagen verbunden wird.

Brigitte Walser

«Das Resultat der Abstimmung stelle ich nicht in Frage», erklärte FWW-Parlamentarier Jonathan Gimmel gestern auf Anfrage. Aber er kritisiere das Verfahren, wie über die Sanierung des Jugendtreffs abgestimmt wurde. Beim Auszählen ist nämlich ein Fehler passiert. Gimmel hatte an der Sitzung das Parlament gerügt und mit einer Gemeindebeschwerde gedroht. Dazu werde es aber nicht kommen, schwächte Gimmel gestern ab.

Begonnen hatte alles folgendermassen: Der Antrag der FDP auf Rückweisung des Geschäftes fiel zuerst mit 19:19 Stimmen unentschieden aus. Parlamentspräsident Jürg Kaufmann (SP) fällte daraufhin den Stichentscheid und wies den Antrag zurück. Mit 20:18 Stimmen wurde darauf die Sanierung bewilligt. Am Ende der Sitzung machte die FDP dann auf den Fehler aufmerksam. Aus ihren Reihen hatte sich jemand der Stimme enthalten. Das Resultat konnte deshalb bei 38 Stimmberechtigten nicht korrekt sein. Es kam zu einer zweiten Abstimmung. Bei nur noch 37 anwesenden Stimmberechtigten wurde der Rückweisungsantrag mit 19:17 Stimmen und einer Enthaltung diesmal angenommen.

Nun wird der Jugendtreff zwar saniert, die Renovation aber mit den folgenden vier Forderungen der FDP verbunden:

  • Letzte Investition der Gemeinde in den Jugendtreff (ausgenommen Unterhaltskosten).

  • Der Baukredit von 363'000 Franken darf nicht überschritten werden.

  • Konkrete Aussagen vom Trägerverein offene Jugendarbeit Worb (TJWO) zur Einhaltung seiner Ziele (Massnahmenplan) gemäss Leistungsvertrag.

  • Sanierung muss spätere anderweitige Nutzung zulassen («polyvalente Nutzung».)

Mit 19:18 Stimmen befürwortete das Parlament schliesslich auch einen Ergänzungsantrag der SVP Dieser lautet:

  • Die Gemeinde partizipiert am Ertrag, den der TJWO durch Weitervermietung des Gebäudes einnimmt. «Denn dank der Sanierung durch die Gemeinde wird das Haus attraktiver», erklärte SVP-Parlamentarier Ulrich Brechbühl.

Der TJWO ist verantwortlich für den Jugendtreff am Ausseren Stalden und hat mit der Gemeinde einen Mietvertrag für die Liegenschaft abgeschlossen.

KOMMENTAR

Zwei Dinge vermischt

Brigitte Walser

Bei einer Abstimmung wird falsch gezählt: das kann vorkommen. Was an der letzten Parlamentssitzung in Worb aber erstaunte, war die vorhergehende Diskussion.

Die Sanierung - und damit die Werterhaltung - einer gemeindeeigenen Liegenschaft stand zur Debatte. Diskutiert wurde aber nicht etwa über die einzelnen Punkte des Projekts. Es ging zum Beispiel nicht um den budgetierten Betrag für die neue Heizung, vielmehr waren die Mieter der Liegenschaft Inhalt des Gesprächs. Die Gemeinde hat das Haus dem Trägerverein offene Jugendarbeit Worb (TJWO) vermietet, der darin den Jugendtreff führt. Auf einmal setzte man sich nicht für oder gegen eine Heizung, sondern für oder gegen die Jugend ein. Die FDP verlangte von den Mietern ein Massnahmenpaket zur Erreichung ihrer Ziele. Diese Ziele hängen allerdings in keiner Weise mit dem Bauprojekt oder dem Mietvertrag zusammen. Sondern vielmehr mit dem Leistungsvertrag, den der TJWO mit dem Gemeinderat nach NPM-Grundsätzen abgeschlossen hat. In diesen kann das Parlament nicht einfach eingreifen. Zudem ist er unabhängig vom Mietvertrag. Hier drohen nicht nur Grundsätze des NPM missachtet zu werden, sondern es wurden von den Bürgerlichen Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.

E-Mail: bwalser@btm.ch

Der Bund, 17. Oktober 2001

WORB

Raum für Jugend und Freizeit

reb. Der Jugendtreff am Äusseren Stalden 3 in Worb wird vielleicht zum Freizeithaus: Mit der Überweisung eines von der Grünen Freien Liste (gfl) eingereichten Postulats hat das Gemeindeparlament am Montag den Gemeinderat beauftragt, Trägerschaft, Zweck und Name des Jugendtreffs zu überprüfen. Der Trägerverein Offene Jugendarbeit Worb (TJWO), der Mieter des Hauses, wünsche sich eine vermehrte Nutzung durch Dritte, begründete Hans Ulrich Steiner (gfl) das Postulat. Eine Änderung des Namens und der Trägerschaft fördere diese Bemühungen. Prioritär sollten aber auch künftig die Jugendlichen das Haus benutzen. Eine Umbenennung in Freizeithaus würde es für die Jugendlichen schwierig machen, in das Jugendhaus zu gehen, befürchtete aber der Jugendrat in seinem Mitwirkungsbericht.

BZ, 6. Dezember 2001

FREIZEITHAUS WORB

Sanierung nur im Innern?

Das Worber Parlament hatte die Sanierung des Freizeithauses zurückgewiesen und mit Auflagen verbunden. Nun erklärt der Gemeinderat drei davon für nicht umsetzbar. Das Parlament entscheidet am Montag.

Brigitte Walser

Im Juni hat das Geschäft im Worber Grossen Gemeinderat für Aufregung gesorgt. Die Sanierung des Jugendtreffs am Äusseren Stalden wurde nach heftiger Diskussion zuerst bewilligt und dann nach einer zweiten Abstimmung doch noch zurückgewiesen. Das Gebäude hätte für 363'000 Franken innen und aussen renoviert werden sollen. Mit dem Auftrag, die Kosten zu verkleinern und die Sanierung mit verschiedenen Auflagen zu verbinden, ging das Geschäft zur Überarbeitung zurück an den Gemeinderat.

116'000 Franken gespart

Und von dort gelangt es wieder ins Parlament: Die Sanierung des Jugendtreffs - dieser soll künftig Freizeithaus genannt werden, damit seine Nutzung erweitert werden kann - steht auf der Traktandenliste der Sitzung vom Montag. Der Gemeinderat beantragt neu eine Sanierung im kleineren Rahmen. Renoviert soll nur das Innere des Gebäudes werden. Hier ändern sich die Kosten zum vorherigen Projekt nicht. Dafür soll auf die Sanierung der Aussenbereiche gänzlich verzichtet und damit Kosten in der Höhe 116'000 Franken gespart werden. Für die Sanierung soll das Parlament am Montag einen Kredit von 247'000 Franken bewilligen.

Den vier Auflagen des Antrages der FDP folgt der Gemeinderat nur teilweise. Die FDP hatte verlangt, die Sanierung solle die letzte Investition der Gemeinde - sie ist die Hausbesitzerin - sein. Weitere Veränderungen müssten zu Lasten des Mieters - dem Trägerverein Offene Jugendarbeit Worb (TJWO) - gehen. «Der Unterhalt ist und bleibt die Aufgabe des Hauseigentümers», erwidert der Gemeinderat.

«Forderung ist stossend»

Mit der weiteren Auflage, der Kredit dürfe nicht überschritten werden, erklärt sich der Gemeinderat einverstanden. Der Forderung, der TJWO müsse einen konkreten Plan vorweisen, wie er seine Ziele erreichen wolle, widerspricht er allerdings: Der TJWO habe in der Vergangenheit gute Leistungen erbracht und die vereinbarten Ziele teilweise sogar übertroffen. Unter diesen Umständen einen Massnahmenplan zu verlangen sei «stossend». Der vierten Auflage - das Haus dürfe nicht mieterspezifisch umgebaut werden - entspreche das Sanierungsprojekt.

In einem fünften Antrag, der von Seiten der SVP stammte, hatte das Parlament verlangt, die Gemeinde müsse am Ertrag der Fremdvermietung teilhaben können. Auch hier ist der Gemeinderat anderer Meinung: Für die Weitervermietung des Hauses sei der TJWO allein verantwortlich. Zudem sei der bestehende Mietvertrag bis Ende 2003 gültig und könne dann um ein Jahr verlängert werden. Eine Änderung des Vertrags werde erst auf Anfang 2005 möglich.

Der Bund, 8. Dezember 2001

WORB

Erneut kein Geld für die Sanierung des Freizeithauses?

Am Montagabend befindet das Parlament über ein abgespecktes Sanierungs- und Umbauprojekt fürs Freizeithaus. Gebaut werden soll vorerst einzig im Innenbereich. Die SVP dürfte auch dieses Vorhaben ablehnen, die Freisinnigen sind sich uneins.

bas. Für rund 360'000 Franken hatte der Worber Gemeinderat das Freizeithaus am Ausseren Stalden ursprünglich umbauen und sanieren lassen wollen. Ende Juni wies das Parlament die Vorlage mit 19 zu 17 Stimmen an den Gemeinderat zurück. Die Gegner aus dem bürgerlichen Lager äusserten einerseits finanzielle Bedenken. Die Debatte machte aber auch deutlich, dass manche Parlamentsmitglieder grundsätzlich Mühe bekunden mit der offenen Jugendarbeit - Mieter des Freizeithauses ist der Trägerverein Offene Jugendarbeit Worb (TJWO). Er führt darin den Jugendtreff und stellt Jugendlichen Gruppenräume zur Verfügung. Für Jugendanlässe und dergleichen können gegen einen Unkostenbeitrag auch Dritte die Räume nutzen. Was im Gebäude fehlt, sind eine Heizung, eine vorschriftsgemässe Küche und eine hygienische Toilette. Zu diesen Einrichtungen gesellten sich im zurückgewiesenen Projekt Aussenarbeiten.

Zuwarten mit der Fassade

Jetzt nimmt der Gemeinderat einen zweiten Anlauf: Er schlägt dem Parlament vor, für rund 250'000 Franken vorerst den Innenbereich des Freizeithauses umzubauen und zu sanieren. Im neuen Projekt nicht mehr enthalten sind die Massnahmen im Aussenbereich. Abklärungen mit dem Architekten hätten ergeben, dass mit der Sanierung der Fassade noch drei bis fünf Jahre zugewartet werden könne, erläutert Bauvorsteher Ernst Hauser (svp). Mängel, die zu Unfällen führen könnten, sollen im Rahmen der ordentlichen Unterhaltsarbeiten behoben werden, so der Gemeinderat. Während die Arbeiten an den ausgewaschenen Sandstein-Treppenstufen sicher Fachleute ausführen müssten, könnte er sich vorstellen, dass die Jugendlichen den unebenen Boden im Bereich der früheren Jauchegrube selber ausebnen könnten, sagt Hauser.

«Sinnvolle» Etappierung

Jonathan Gimmel, TJWO-Präsident und Vertreter der Freien Wähler Worb (FWW) im Parlament, erachtet es angesichts der angespannten Finanzlage Worbs als sinnvoll, die Sanierung des Freizeithauses zu etappieren und Prioritäten zu setzen. Was nun im Innenbereich geplant sei, entspreche den seinerzeit beim Aushandeln des Mietvertrags getroffenen Vereinbarungen. FWW, SP, Grüne Freie Liste und EVP hatten sich schon im ersten Anlauf hinter die Sanierung gestellt.

Zu viel Geld für wenige?

Nach wie vor keine Unterstützung ist von der SVP zu erwarten: Sie werde die Sanierung erneut ablehnen, befürchtet Hauser, der die Vorlage somit erneut gegen seine Partei wird vertreten müssen. Hauser hatte der Gegnerschaft schon im Juni vorgeworfen, über ein Bauvorhaben Kritik an der Jugendarbeit zu üben: «Man meint den Esel und schlägt den Sack.» Diesmal, fordert Hauser, müssten die Gegner Farbe bekennen. Uneins sind sich laut Andreas Born die freisinnigen Parlamentsangehörigen: Am Projekt an sich gebe es nichts auszusetzen, und der Mieterin sei ja auch versprochen worden, etwas zu tun. Daneben herrsche aber auch die Auffassung, dass für einen recht kleinen Kreis von Personen doch sehr viel Geld ausgegeben werde.

Der Bund, 11. Dezember 2001

WORB

Freizeithaus erhält Heizung, Toiletten und Küche

Das abgespeckte Projekt fand im Parlament eine Mehrheit: Das Freizeithaus kann im Innern saniert und umgebaut Werden. Die Fassadensanierung folgt später.

bas. Eigentlich sei die Angelegenheit ganz einfach, meinte der Worber Bauvorsteher Ernst Hauser (svp) gestern Abend, als im Parlament die Sanierung des Innenbereichs des Freizeithauses mit dem Jugendtreff für rund 250'000 Franken (siehe «Bund» vom Samstag) zur Debatte stand: Die Liegenschaft gehöre der Gemeinde, und als Eigentümerin sei sie für den Unterhalt verantwortlich.

Hausers Einschätzung der Lage teilten nicht alle Parlamentarierinnen und Parlamentarier: Die Begriffe Unterhalt, Renovation und Investition würden in diesem Geschäft verwechselt, kritisierte FDP-Sprecherin Franziska Fritschy. Wertvermehrende Arbeiten seien als Investitionen einzustufen - und um solche handle es sich beispielsweise beim Einbau einer neuen Küche. Die FDP-Fraktion stehe der Vorlage gespalten gegenüber: Ein Teil stimme ihr ohne Begeisterung zu, andere Fraktionsmitglieder lehnten sie ab oder enthielten sich der Stimme. Gegen das Vorhaben hatte vor Fritschy bereits SVP-Sprecher Ulrich Brechbühl Stellung bezogen: Mit der Sanierung werde aus dem Jugendtreff im Freizeithaus eine polyvalent nutzbare Liegenschaft gemacht. Dies sei nicht Aufgabe der Gemeinde, ausserdem gebe es in Worb bereits ein breites Angebot an privaten Räumen, die sich für Anlässe mieten liessen.

Zustimmung mit 22 zu 15

Die Sanierung und der Umbau des Freizeithauses waren im Juni schon einmal Thema im Parlament. Damals waren auch Arbeiten im Aussenbereich in der Vorlage enthalten. SVP und FDP setzten damals die Rückweisung des Geschäfts durch. Gestern waren sich die Bürgerlichen weniger einig: In geheimer Abstimmung stellte sich das Parlament mit 22 zu 15 Stimmen hinter die Sanierung, die sich in der neuen Version auf den Innenbereich beschränkt.

Sanierung als «Minimum»

Für die Sanierung sprachen sich wie schon in der Juni-Sitzung die Votanten der Grünen Freien Liste (gfl) und der Freien Wähler (fww) aus. Hans Ulrich Steiner (gfl) rief die Gemeindepolitikerinnen und -politiker auf, sich gut zu überlegen, ob sie dem Betrieb im Freizeithaus über ein Nein zur Sanierung ein Ende setzen wollten. Jürg Bichsel (fww) stufte die geplanten Neuerungen - eine hygienische Toilettenanlage, eine vorschriftsgemässe Küche und eine neue Heizung - als «Minimum» ein. Diese Einrichtungen seien unbedingt nötig, wenn das Freizeithaus für unterschiedliche Zwecke genutzt werden soll. Die SP schickte niemanden ans Rednerpult. Auch sie hatte schon im Juni klar Ja gesagt zur Sanierung.

Wie Ernst Hauser ankündete, wird die Fassadensanierung in drei bis fünf Jahren nötig. Andere Aussenarbeiten sollen im Rahmen des ordentlichen Unterhalts und als Eigenleistungen der Mieterin, des Trägervereins offene Jugendarbeit Worb, ausgeführt werden.

Der Bund, 12. Dezember 2001

WORB

Jugendleitbild in Aussicht

reb. Weder im neuen Leitbild noch in den Legislaturzielen werde auf die Anliegen und Bedürfnisse der Worber Jugend eingegangen. Der Gemeinderat solle deshalb ein Jugendleitbild erstellen, begründete Olivier Dinichert (fdp) sein Postulat. Das Parlament überwies den Vorstoss am Montag gegen den Willen der SP. Ein Leitbild sei ein «administrativer Leerlauf», sagte Mark Böhringer (sp). Das Postulat diene bloss dazu, die «jugendfeindliche Politik der FDP» zu kaschieren.

BZ, 29. April 2003

 

JUGENDTREFF WORB

Selber schalten und verwalten

Mit dem neu eröffneten Treff im Freizeithaus erhalten Worber Jugendliche mehr als einen Aufenthaltsort: Im neuen Betriebskonzept enthalten ist auch die Aufforderung, selbst zur Jugendkultur beizutragen.

Thomas Gerber

Werden hier Karrieren von Musikgruppen oder Discjockeys gestartet? Lernen Jugendliche hier diskutieren, organisieren und Hand anlegen? Können sie hier ihre Ideen oder gar ein Stück weit sich selbst verwirklichen?

Möglich wärs, denn der neu eröffnete Jugendtreff im zweistöckigen Bauernhaus am äusseren Stalden in Worb bietet eine ganze Palette von Möglichkeiten: diverse Räume, Küche, Bühne, Musik- und Lichtanlagen, Computer und Internet. Das Motto, aussen an die Wand beim Eingang gemalt: «Sei kreativ!»

Den Rahmen des Jugendtreffs im Freizeithaus bietet der Trägerverein offene Jugendarbeit Worb (TJWO), präsidiert vom Worber GGR-Mitglied Jonathan Gimmel (SP). Der TJWO hat Eric Ryser seit Februar als Projektleiter des Freizeithauses angestellt. Ryser sei kein dritter Jugendarbeiter, erklären Franziska Wetli und Peter Jäger von der Worber Fachstelle für das Jugendalter. Bei der Wahl Rysers als Projektleiter sei dessen kaufmännische Ausbildung wichtig gewesen und dass er kulturell aktiv sei. Der Jugendtreff stellt die vierte Säule im Jugendarbeitskonzept des TJWO dar, neben der mobilen Jugendarbeit, der Prävention und der Beratung auf der Fachstelle.

«Ein Glücksfall»

Der Jugendtreff im Freizeithaus sei «ein Glücksfall für die Gemeinde», meint der scheidende TJWO-Vizepräsident Michael Kilchenmann. Mit dem quasi selbst verwalteten Treff, schreibt der TJWO, wurde «eine wichtige Plattform zum Aneignen und Umsetzen von Kompetenzen» für Jugendliche geschaffen.

Der Treff ist vorerst fix von drei bis zehn Uhr am Sonntag geöffnet sowie für Anlässe gemäss Programm. Alkohol wird nur an Partys und nur an über 16-Jährige ausgeschenkt. Das Rauchen wird im 1. Stock toleriert. «Anstatt am Bahnhof herumzuhängen», so Ryser, könnten die Jugendlichen «im Treff abschalten».

Raum für Integration

Über der Tür eines nur von aussen zugänglichen Raumes steht bunt «Hip-Hop» geschrieben. Die Tür ist abgeschlossen. Ryser erklärt, dass dieser Raum und zwei weitere nicht allgemein zugänglich seien. «In zwei Kellerräumen sind Bands und in diesem Aussenraum eine Gruppe von ausländischen Jugendlichen». Entsprechend dem Auftrag, «so genannte jugendliche Randgruppen» zu integrieren, hätten sie den Raum schliesslich den jungen Ausländern zugesprochen, auch «weil diese am Ball geblieben sind» und ein Konzept abgeliefert hätten, erklären Wetli und Jäger.

Widerspricht denn ein separater Raum nicht gerade dem Ziel der Integration der Ausländer? Die Jugendarbeiter verneinen. Und Ryser, der abwechselnd von «den Albanern» oder «den Ex-Jugoslawen» spricht, erklärt, dass diese Jugendlichen keineswegs ausgeschlossen seien: «Wenn sie hier sind, haben sie auch Kontakt zu Schweizer Jugendlichen.» In ihrem Raum könnten sie Dinge tun, die zu Hause aus Platz- oder anderen Gründen nicht möglich wären. Als Beispiel erzählt Ryser die Geschichte vom Jungen, der hier von einem Mädchen Nachhilfeunterricht erhält. Sich von einem Mädchen helfen zu lassen, das traue der sich zu Hause nicht.

Auch wenn im Jugendtreff keine grossen Würfe entstehen sollten: Sicher entstehen Freundschaften und Schritte in Richtung Integration. Ganz gemäss dem Credo von Jugendarbeiter Peter Jäger. Für ihn geht es auch in Worb darum, nicht allein die ausländische Jugend, sondern Jugendliche generell in die Gesellschaft zu integrieren.