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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

GGR-Präsidenten & - Präsidentinnen

BZ, 21. Januar 1986

Sitzen Sie gerne auf hohen Stühlen?

Worber Parlament wählte René Bauer zu ihrem Präsidenten

Gestern abend wählte der Grosse Gemeinderat Worb den Verbandssekretär René Bauer zu seinem Präsidenten. Die BZ unterhielt sich mit dem Sozialdemokraten, der von sich sagt: «Alles was Politik betrifft, interessiert mich.»

Urs Hänni/lren Kläy

Berner Zeitung: Seit gestern sind Sie höchster Worber. Sitzen Sie gerne auf hohen Stühlen?

René Bauer: (lacht) Ich habe Spass an diesem Posten - aber nicht wegen des hohens Stuhls oder der Macht, vielmehr interessiert mich alles, was mit Politik zusammenhängt.

BZ: Ist das Präsidialjahr für Sie ein Sprungbrett in den Gemeinderat?

Bauer: Nein. Ich setze die Prioritäten gegenwärtig beim Beruf. Diese Belastung lässt zurzeit kein solches politisches Amt zu. Allerdings würde ich lügen, wenn ich nicht zugäbe, dass mich eine solche Arbeit reizen würde. Darüber müssten aber auch noch die Partei und schliesslich die Wähler entscheiden.

BZ: Als Präsident sind Sie in erster Linie Verhandlungsleiter. Im Rat waren Sie sehr aktiv. Fällt es Ihnen schwer, die Meinung nicht mehr sagen zu dürfen?

Bauer: Ja. Ich hatte schon im letzten Jahr als «Vize» damit hin und wieder Mühe. Für mich gibt es so aber auch eine gewisse Beruhigung, was vielleicht ganz gut ist.

BZ: Sie sind Sekretär des Schweizerischen Eisenbahnerverbandes. Fahren Sie auch mit dem «blauen Bähnli» zur Arbeit?

Bauer: Ja, mehrheitlich benütze ich die Bahn. Auch wenn ich beruflich unterwegs bin, fahre ich meistens mit der Bahn. Nur ausnahmsweise, wenn ich viel Material für Kurse mitnehmen muss, benutze ich das Auto.

BZ: Was tun Sie weiter für den Umweltschutz?

Bauer: Ich versuche, das Bewusstsein für die Umwelt in der Familie zu fördern. So sammeln wir beispielsweise die Abfälle und werfen sie separat fort.

BZ: Welche grosse Brocken warten auf den Grossen Gemeinderat in diesem Jahr?

Bauer: Ganz sicher wird die Sanierung des Trinkwassers auf der Traktandenliste stehen. Ein weiterer grosser Brocken wird die Verkehrsplanung (Entscheid T10 und Sanierung verschiedener Kreuzungen) sein.

René Bauer

René Bauer wohnt seit 1979 in Worb. Bereits ein Jahr später schaffte er den Sprung in das Gemeindeparlament. Politische Arbeit war sich der Vater von drei Kindern bereits gewohnt. Er gehörte nämlich ein Jahr dem Zürcher Gemeinderat an. Das Politisieren scheint dem 47jährigen im Blut zu sein: «Mein Vater war Stadtpräsident von Frauenfeld.» In seiner Freizeit singt er im Männerchor der Eisenbahner. «Ich bin viel unterwegs. Daher bin ich gerne bei der Familie und arbeite im Garten oder mache kleine Reparaturen im Haus», meint er weiter zu seiner Freizeitgestaltung.

Der Bund, 8. Dezember 1998

WORB

«Viel Spielraum ist gar nicht vorhanden»

Er wünscht sich Diskussionen, die Mittel sind und nicht Zweck, und er will zielorientierte Debatten fördern: Nächstes Jahr wird der EVP-Politiker Toni Maurer das Worber Gemeindeparlament präsidieren.

BARBARA STEINER

Toni Maurer hat sich nicht vom Zufall nach Worb führen lassen: «Als meine Frau und ich vor 20 Jahren prüften, wo wir ein Haus bauen könnten, stützten wir uns auf ein breites Evaluationsverfahren. Worb machte das Rennen.» Diese Wohnsitzwahl hat sich für Maurers als Treffer erwiesen: «Das Dorf ist äusserst angenehm und bietet eine hohe Lebensqualität», rühmt Maurer. Eine wichtige Rolle spiele sicher auch der Bekanntenkreis, der sich im Laufe der Jahre gebildet habe. Politisch engagiert sich der Vater eines Sohns und einer Tochter seit zehn Jahren in der Gemeinde: 1989 nahm er Einsitz in der Polizei-, Verkehrs- und Gesundheitskommission, 1991 rutschte er als erster Ersatzkandidat ins Gemeindeparlament nach.

Der EVP gehört Maurer, 55jährig und beruflich im Generalstab des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport tätig, seit den Wahlen 1988 an. «In dieser Partei fühle ich mich wohl. Sie betätigt sich innerhalb eines breiten Bands in der Mitte des politischen Spektrums und vertritt nie Extrempositionen» so Maurer. Dass sich ihre Politik nach dem christlichen Glauben ausrichte, sei wesentlich, müsse bei der Behandlung von Sachfragen aber durchaus nicht immer wieder ausdrücklich hervorgehoben werden: «Massgebend sind die innere Überzeugung und die Optik, die sie einem gibt.»

Spezielles Präsidialjahr

Nächstes Jahr wird Maurer seine Sicht der Dinge den Gemeindeparlamentarierinnen und -parlamentariern nur beschränkt erläutern können: Als Präsident obliegt ihm die Sitzungsführung. «Ich werde Moderator und Gesprächsleiter sein. Viel Spielraum ist in der Gestaltung dieser Aufgabe nicht vorhanden», hält Maurer fest. Grundsätzlich strebe er effiziente Sitzungen an, und er wünsche sich Diskussionen als Mittel und nicht als Zweck. Keinesfalls dürften sich Rednerinnen und Redner in ihren Auseinandersetzungen von Emotionen leiten lassen: «Diskussionen haben der Sache zu dienen.»

Ab und zu werde es ihm wohl schon schwerfallen, sich mit seiner Meinung aus den Beratungen raushalten zu müssen, vermutet Maurer. Beschäftigen dürfte das Parlament nächstes Jahr unter anderem die neue Gemeindeverfassung. «Dass sie in meinem Präsidialjahr behandelt wird, freut mich. Das ist ein ganz spezielles Geschäft», sagt Maurer. Reich befrachtet könnte das Parlamentsjahr werden, wenn sich die Worber Bevölkerung zu Herzen nimmt, was sich Maurer von ihr wünscht: «Die Einwohnerinnen und Einwohner sollten viel mehr auf die Parlamentsmitglieder zugehen, wenn sie ein Anliegen haben.»

Wahlen

bas. An seiner gestrigen Sitzung wählte das Worber Parlament Toni Maurer (evp) zum neuen Präsidenten. Erster Vizepräsident des Grossen Gemeinderats wird im nächsten Jahr Jonathan Gimmel (fww) sein, zweite Vizepräsidentin Esther Herrmann-Lüthi (parteilos, sp), erster Stimmenzähler Andreas Wälti (svp). Zur zweiten Stimmenzählerin erkor das Parlament Franziska Fritschy (fdp).

BZ, 7. Dezember 1999

WORB

«Ins Räderwerk der Macht greifen»

Das Worber Parlament hat gestern Abend Jonathan Gimmel zu seinem Präsidenten gewählt. Der 28-Jährige betrachtet dies als Zeichen, dass Junge in der Politik einen grösseren Stellenwert bekommen.

Michael Gerber

Am Anfang stand der Ärger. Als Halbwüchsiger ärgerte sich Jonathan Gimmel darüber, dass nur «mittelalterliche Menschen» Politik machen. Als junger Mann wagte er sich auf die politische Bühne - und hatte Erfolg: Er stand bei der Gründung des Jugendparlamentes Pate, wurde vor fünf Jahren ins Gemeindeparlament gewählt, übernahm vor zwei Jahren den Vorsitz der Freien Wähler und erklomm gestern Abend den Sessel des höchsten Worbers Als bisher jüngster Präsident wird der 28-Jährige das Parlament ins neue Jahrtausend führen. Die Wahl ist für ihn persönliche Ehre und ein Zeichen zugleich, dass «Junge einen grösseren Stellenwert in der Politik bekommen».

«Ich bin nicht ehrgeizig»

Jonathan Gimmel ist ein durch und durch politischer Mensch. Nein, er sei nicht ehrgeizig, sagt er betont zurückhaltend. «Das tönt egozentrisch.» Er sei lediglich «sehr zielorientiert». Sein Ziel sei, primär jenen zu dienen, die ihn gewählt hätten - und nicht sich selber. Und in bester Politikermanier fährt er fort: «Politik ist nicht mein einziger Lebensinhalt. Ich könnte zweifellos ohne leben.» Er betrachte Politik viel mehr als Instrument, seine Lebenshaltung einzubringen. Deshalb könne er auch kein Karriereziel nennen, gibt er sich diplomatisch. «Ich will zurzeit keine bestimmtes Amt erlangen, sonst müsste ich Partei wechseln», denkt der Präsident der Freien Wähler laut. So kurz vor den Gemeindewahlen, die nächsten Herbst stattfinden werden, wäre dies nicht opportun. Das sagt ihm sein politischer Instinkt. Und über Traumämter mag er nicht sprechen. Das ist ihm zu privat. Und zu wenig greifbar. Nur soviel: «Ich träume davon, meine Kompetenzen gewinnbringend einzusetzen.»

«Fähig für grosse Würfe»

Jonathan Gimmel liebt das «Flow-Gefühl», das ihm sein Engagement gibt. Er liebt es, wenn die Grenzen von Raum und Zeit verschwimmen. «Gerade in solchen Momenten bin ich fähig, grosse Würfe zu machen.»

Doch hin und wieder wird der politische Überflieger von seinen Parlamentskollegen ziemlich unsanft auf den Boden zurückgeholt. So geschehen Mitte Oktober, als sie Gimmels Vorstoss zur Renaturierung der Worble bachab schickten. «Immerhin haben sie sich damit auseinander gesetzt», relativiert er seinen Misserfolg. In diesem Moment muss er sich wohl ohnmächtig gefühlt haben. Ohnmächtig, über die starren Strukturen - und das fehlende Geld. Auch ein Polit-Kick dauert nicht ewig, das ist sich Gimmel bewusst. «Sollte sich das <Flow-Gefühl> und damit die Lust an der Politik nicht mehr einstellen, höre ich auf.» Was danach kommt, weiss er nicht. Nur so viel: «Ich werde immer mitgestalten und ins Räderwerk der Macht eingreifen.»

«Zeitmanagement»

Jonathan Gimmel ist ein umtriebiger Mensch. Nebst seinem Job als Fachspezialist für Personal und Finanzen in der Berner Stadtverwaltung und seinem politischen Amt engagiert er sich in zig Vereinen. «Alles, was ich tue, will ich gut machen. Sonst bin ich nicht zufrieden», sagt der Vielbeschäftigte. Die 60-Stunden-Woche nimmt er in Kauf. «Alles ist eine Frage des Zeitmanagements», sagt er in reinstem Manager-Deutsch. «Dabei komme ich persönlich <mängisch> zu kurz», räumt er ein - und schiebt diesen Gedanken sogleich wie ein altgedienter Politiker beiseite: «Wenn ich zu etwas ja gesagt habe, ziehe ichs auch durch.»


Der Bund, 7. Dezember 1999

WORB

Mit Umwegen in die Direttissima

Einen jüngeren Vorsitzenden hatte das Parlament noch nie: An seiner Spitze steht nächstes Jahr Jonathan Gimmel, Jahrgang 1971, Präsident der Freien Wähler Worb. Dem smarten Steilaufsteiger sind strategische Debatten lieber als Detailkrämerei.

BARBARA STEINER

Worbs Gemeinderat muss die Renaturierung der Worble nicht prioritär vorantreiben - nur eine Minderheit des Parlaments unterstützte Jonathan Gimmels Forderung. Trotzdem hat er die Aktion als Teilerfolg verbucht: «Der Vorstoss war Mittel zum Zweck, und ich habe mein Minimalziel erreicht: -Das Thema ist diskutiert worden und ins Bewusstsein gerückt.» Gimmel hat sechs aktive Parlamentsjahre hinter sich; seine Präsenz in Zeitungsspalten schätzt er denn auch als «wohl eher überdurchschnittlich» ein. Als er 1994 als 23-Jähriger ins Parlament Einzug gehalten habe, sei ihm sicher auch seines Alters wegen besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Damals war der in Münsingen aufgewachsene Gimmel noch der jüngste Parlamentarier in der Geschichte Worbs; in der Zwischenzeit hat ihm Esther Friedli den Rang abgelaufen. Dafür wird Gimmel der bislang jüngste Parlamentspräsident sein: Mit 28 beziehungsweise 29 ab Juni 2000 hats vor ihm noch keiner zum höchsten Worber gebracht. Dabei wäre ihm die Tür zum Ratsbüro um ein Haar verschlossen geblieben: 1995 hatte Benedict Seelhofer (fp) Gimmel bei der Wahl zum zweiten Stimmenzähler ausgestochen. Weil ihr Seelhofers Stil des Politisierens nicht passte, verhinderte die SP aber vor zwei Jahren dessen Wahl zum zweiten Vizepräsidenten auf dem Stuhl nahm dann Gimmel Platz. «Für mich steht aber nicht der persönliche Erfolg im Vordergrund. Die wichtigen Themen lassen sich nie im Alleingang lösen», betont Gimmel. Mit Rivalitäten habe er Mühe: «Die kosten viel Energie und bringen nichts.»

Lange Tage

Zum Rednerpult schritt Gimmel auch vom Ratstisch aus öfters - beispielsweise, um die Beschleunigung der Verkehrssanierung zu fordern und sich für Kultursäulen stark zu machen. In seinem Präsidialjahr erhofft sich der Fachspezialist bei den Zentralen Diensten in der Präsidialdirektion der Berner Stadtverwaltung vor allem strategische Diskussionen - kleinkrämerisches Feilschen um Kleinigkeiten mag er nicht. Dass Anfang 2000 die neue Gemeindeordnung in Kraft tritt, bezeichnet Gimmel als «sehr erfreulich»: Sie ermögliche es dem Grossen Gemeinderat an sich, sich verstärkt mit Richtungsweisendem zu befassen. Gimmel hat sich das Rüstzeug fürs Parlamentspräsidium nicht nur in seinem Beruf geholt: In Magglingen leitet er mehrmals jährlich Kurse im Jugend-und-Sport-Fach Wandern und Geländesport. Ausserdem präsidiert er die im mittleren Spektrum anzusiedelnden Freien Wähler Worb, den Trägerverein offene Jugendarbeit, den Verein Badifest, das Badifest-Organisationskomitee.

Und Gimmel ist Vizepräsident des Vereins Mult-IQ-ult und Redaktionsmitglied der Worber Post um nur einige seiner Engagements zu erwähnen. Soeben hat er ausserdem seine berufsbegleitende Ausbildung zum Personalfachmann mit eidgenössischem Fachausweis beendet. «Es kommt schon hin und wieder vor, dass ich bis drei Uhr morgens vor dem Computer sitze», sagt er. Wichtig sei ihm deshalb der persönliche Ausgleich. «Nebst sportlichen Aktivitäten geniesse ich mit meiner Partnerin andere schöne Seiten des Lebens: Ausflüge, das Pflegen von Freundschaften, Kultur und gutes Essen.»

Schonzeit ist vorbei

Er zweifle nicht daran, dass sich sein Einsatz lohne, sagt Gimmel: «Es ist immer sinnvoll, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Ich persönlich habe dabei auch sehr viel gelernt.» Zu Beginn seines politischen Engagements habe er noch vom Jugend-Bonus profitiert. Doch wer zwischendurch in der Öffentlichkeit stehe, werde sehr schnell daran gemessen, was er sage und tue. Ende 2000 bestimmen die Worberinnen und Worber Parlament und Gemeinderat neu. Gimmel startet als Präsident des Grossen Gemeinderats mit einem komfortablen Anlauf in die Wahlen. Im Parlament kann der Steilaufsteiger nicht mehr höher klettern. Jonathan Gimmel, Worbs künftiger jüngster Gemeinderat?

Gewählt

bas. Gestern wählte Worbs Parlament Jonathan Gimmel (fww) zu seinem neuen Präsidenten. Erste Vizepräsidentin des Grossen Gemeinderates wird im nächsten Jahr Jürg Kaufmann (sp), zweiter Vizepräsident Andreas Wälti (svp). Erste Stimmenzählerin wird Franziska Fritschy (fdp). Zum zweiten Zähler erkor das Parlament mit 24 Stimmen Christoph Lerch (sp); Rita Götschmann (gfl) erzielte 9 Stimmen.

BZ, 30. Januar 2001

WORBER PARLAMENTSPRÄSIDENT JÜRG KAUFMANN

«Alles wird einmal politisch»

Mit Jürg Kaufmann hat das Worber Gemeindeparlament gestern Abend einen Präsidenten gewählt, der sich zwar für eine rege, aber doch kurze und prägnante Gesprächskultur einsetzt.

Brigitte Walser

Er mache immer wieder die Erfahrung, dass hinter allen Dingen politische Entscheide stünden, erklärt Jürg Kaufmann. Das sei ein Grund für ihn, Politik zu betreiben. In diesem Jahr wird er das Worber Gemeindeparlament präsidieren. Der Grosse Gemeinderat hat ihn gestern zum höchsten Worber gewählt. Der SP-Politiker bleibt allerdings realistisch: «Meine Arbeit wird vor allem aus der Leitung des Rats bestehen.» Das heisse aber nicht, dass er nicht einige Wünsche habe für sein Amtsjahr: Er hofft, dass sich die Diskussionskultur im Parlament verändert. «So, wie es jetzt ist, könnte das Parlament auf fünf Leute reduziert werden. Mehr melden sich selten zu Wort.» jede Partei habe ihren Sprecher, und die anderen versteckten sich hinter ihm.

Kein Natel ...

Jürg Kaufmann ist nicht auf einem Handy telefonisch zu erreichen. Das ist konsequent, denn schliesslich hat er sich in einem Vorstoss gegen den «Natel-Antennen-Wald» gewehrt. «Worb muss als Naherholungsgebiet erhalten bleiben», fordert er.

Persönlich erreichbar ist der Bauingenieur in Vielbringen. Seit zehn Jahren wohnt er zusammen mit seiner Frau und der 12-jährigen Tochter in der ehemaligen Gärtnerei. «Die Aussenbezirke kommen in der Worber Politik manchmal schon etwas zu kurz», bestätigt er. So spreche man beispielsweise dauernd von der Verkehrssanierung Worb, während die umliegenden Dörfer kaum berücksichtigt würden.

Geboren ist Kaufmann allerdings nicht hier. Die ersten Lebensjahre verbrachte er im Thurgau. Sein Dialekt ist inzwischen lupenrein, allenfalls sein Sprechtempo entspricht noch nicht ganz der Berner Norm. Aber das ist eher ein Hinweis auf seinen Charakter als auf seine Herkunft.

... aber ein Auto

Jürg Kaufmann besitzt ein Auto. Und setzt sich trotzdem für den öffentlichen Verkehr ein. «Ich verteufle das Auto nicht», erklärt der Familienvater. «Aber ich bin auch Velofahrer und Fussgänger.» Tempo dreissig innerorts, keine Fussgängerstreifen mehr, weil nur ab und zu ein Auto vorbeifährt; das ist seine Vision für das Zentrum von Worb.

Kaufmann ist leidenschaftlicher Jogger, im Winter Skifahrer und im Sommer Segler. Er treibt regelmässig Sport. So regelmässig auf jeden Fall, wie es neben all seinen Aufgaben eben geht: «Gerade beim Sport und bei der Familie muss ich halt zuerst Abstriche machen, wenn ich viel zu tun habe», erklärt der Ex-TV-WorbLeichtathlet.

Gegen die Deponie

Als Bauingenieur baut Kaufmann auch Häuser. Seine politische Karriere begann denn auch in der Baukommission. Heute ist er Mitglied der Planungskommission. Gegen das Ringgenberg-Deponie-Projekt wehrt er sich vehement. Sein Engagement sei nicht gegen die Firma an sich gerichtet, sondern gegen den geplanten Standort, versichert er: «Die Bauschuttdeponie ist schlecht für die Entwicklung von Worb. Wir benötigen stattdessen Steuerzahler, die finanzielle Lage ist unser wunder Punkt.»

Jürg Kaufmann hat noch einen anderen Wunsch für sein Jahr als Parlamentspräsident: «Dass nämlich im Rat über die wirklich wichtigen Dinge geredet wird.» Dass das Parlament wegen seines neuen Präsidenten Zeit verlieren wird, kann man sich auf alle Fälle kaum vorstellen.

Zum Vizepräsidenten wurde Andreas Wälti (SVP) gewählt. Zweite Vize wird Franziska Fritschy-Gerber (FDP). Stimmenzähler: Christoph Lerch (SP), und Hans Ulrich Born (SVP).

BZ, 11. Dezember 2001

WORBER PARLAMENTSPRÄSIDENT ANDREAS WÄLTI

Keiner, der sich im Kreise dreht

Er baut Strassenkreisel, in der Politik aber hält er nichts davon, im Kreis herumzufahren: Bauunternehmer Andreas Wälti (SVP) ist gestern vom Worber Parlament zum Präsidenten gewählt worden.

Brigitte Walser

Andreas Wälti trifft man auf der Baustelle. Zum Beispiel beim Eigerkreisel in Worb, der bald fertig gebaut ist. «Im Januar soll es so weit sein», erklärt der Bauunternehmer und lädt in den Pavillon ein. Projektiert wurde der Kreisel von Ingenieur Jürg Kaufmann. Die Andreas Wälti AG hat danach die Ausführung übernommen. Auch im Worber Parlament führt Wälti bald Kaufmanns Aufgaben weiter: Der Grosse Gemeinderat hat ihn gestern Abend zum Präsidenten und damit zum höchsten Worber gewählt. Wenn im Eigerkreisel die Autos kreisen, beginnt auch Wältis Amtszeit. Im Pavillon drin schellt das Natel. «Einen Zweiachser mit Kies», sagt Wälti und schaltet das Gerät ab.

«Weitsichtig, nachhaltig»

Er sei damals für eine Kandidatur fürs Parlament angefragt worden, erzählt Wälti von seinen politischen Anfängen. «Man kann ja nicht immer Nein sagen.» Wälti politisiert in der SVP. «Aus Überzeugung und der familiären Tradition wegen.» Wofür er sich einsetzt? «Für eine weitsichtige und somit nachhaltige Politik.» Wälti ist für grössere Würfe. Pflästerlipolitik ist nicht seine Art. Seine Geradlinigkeit schimmert immer wieder durch. Und er sagt seine Meinungen offen. Etwa zum Thema Bauschuttdeponie Ringgenberg. «Dass dem Unternehmen so viel Widerstand entgegengebracht wird, ist schade.» Ein Anliegen ist ihm die Verkehrssanierung Worb (siehe auch Artikel unten): «Die Spange Süd muss unbedingt von der Rubigenstrasse weiter Richtung Richigenstrasse geführt werden.»

Andreas Wälti spricht auch von Steuersenkung. «Wir müssen unseren Steuerfuss auf ein Niveau bringen, wie es die anderen Gemeinden in der Region haben.» Aber ohne, dass der Schuldenberg anwachse, fügt er an. Wie ist das zu erreichen? «Mit Ausgabendisziplin und der Auslagerung von gemeindeeigenen Aufgaben.»

Mehr draussen als drinnen

Andreas Wältis Tag beginnt früh. Um 5.30 Uhr steht er auf und beginnt mit den Arbeitsvorbereitungen. Tagsüber trifft man ihn auf den Baustellen: «Ich bin mehr draussen als drinnen.» 12 Leute arbeiten für die Firma Andreas Wälti AG. 1995 übernahm der 44-Jährige zusätzlich die Firma Weibel Muri AG. Sie zählt heute 30 Mitarbeiter. Die Auftragslage ist nicht schlecht. «Bis jetzt hatten wir keine Schwierigkeiten.» Abends und an den Wochenenden bleibt dem Vater zweier Töchter Zeit für die Familie. Er hat Glück, dass die Töchter sein grösstes Hobby teilen: Wälti reitet und nimmt als lizenzierter Concoursreiter an regionalen Prüfungen teil.

Die Politik nehme wenig Zeit in Anspruch, sagt Andreas Wälti zum Abschluss. Er ist nicht Mitglied einer Kommission. «Ich muss schon aufpassen, dass ich mich nicht verzettle.» Schliesslich ist da noch das Militär, wo er bis zum letzten Jahr Kommandant eines Panzerbataillons war. Und dem Baumeisterverband Region Bern steht er ab nächstem Jahr als Präsident vor. Da bleibt keine Zeit, um sich im Kreise zu drehen.

Erste Vizepräsidentin: Franziska Fritschy (FDP); zweiter Vizepräsident: Christoph Lerch (SP); erster Stimmenzähler: Hans Ulrich Born (SVP); zweiter Stimmenzähler: Hanspeter Stoll (FDP).

BZ, 9. Dezember 2003

HANS ULRICH JOSS

Er ist der höchste Worber

Gestern Abend hat das Worber Parlament Hans Ulrich Joss zum neuen Präsidenten gewählt. Damit kann sich der SP-Politiker für ein Jahr politisch nicht mehr äussern. Dabei hätte er einiges zu sagen.

Brigitte Walser

Es ist acht Uhr morgens, wenn Hans Ulrich Joss mit der Mappe unter dem Arm in Worblaufen aus dem Zug steigt. Joss arbeitet im Rechtsdienst der Swisscom. Seine Ausbildung kommt dem Fürsprecher in der Politik zugute. Er weiss, wie Gesetze entstehen, kann Anliegen in die richtige Form bringen. «Es fällt mir leicht, etwas einzuordnen», sagt er. Er erkenne die Strukturen, «und das hilft, das Ganze zu sehen». Durch seinen Beruf ist er auch zur Politik gekommen. «Die Uni hat mich politisiert», sagt Joss. Anfang der 70er-Jahre gab es einige Jus-Professoren, die links ausgerichtet waren, sie haben ihn beeinflusst. Gleichstellung wurde ihm zum Anliegen, «und zwar nicht nur formal, sondern im täglichen Leben». So kam es, dass er nach der Uni in der SP politisierte. Und die Liebe zu seiner Frau war schuld, dass er es in Worb tat. Dort sind auch seine Kinder aufgewachsen. Jetzt wohnt Joss in der Bleiche, dort, wo ihm Worb am liebsten ist.

Kritische Voten

Als Erstes engagierte sich Hans Ulrich Joss in der Kommission, die das Altersheim plante, irgendwann folgte die Wahl in den Grossen Gemeinderat. Dort stand er oft und manchmal lange am Rednerpult. Unermüdlich und mit für seine zurückhaltende Art überraschend harten Worten kritisierte er die Finanzpolitik der Gemeinde, warnte er vor voreiligen Steuersenkungen. Im letzten Jahr meldete er sich selten zu Wort. «Als Vizepräsident war das fast nicht mehr möglich», sagt er. Im nächsten Jahr darf er sich überhaupt nicht mehr politisch äussern. Dann wird er das Parlament präsidieren und somit der höchste Worber sein. Er freue sich darauf, aber sich Ziele dafür zu setzen, sei schwierig, «ich hoffe auf Stichentscheide», sagt er mit einem Lächeln. Inhaltlich habe er kaum Einfluss. Dabei hätte Joss einiges zu sagen. Etwa, dass das Parlament seine Kompetenzen nicht ausschöpfe. «Es sollte sich mehr in seine eigene Sache einmischen.» Dass die in den letzten Jahren eingereichten Vorstösse Leerläufe gewesen seien. Und dass die Funktion der Aufsichtskommission noch immer nicht ganz klar sei. «Von der hört man nichts», sagt Hans Ulrich Joss.

Langer Atem

Dabei ist ihm klar, dass politisches Engagement mit Aufwand verbunden ist. «Ich kann mich auch nicht mehr so stark engagieren wie früher.» Schliesslich gibt es neben Beruf und Politik noch mehr. Die Familie etwa oder im Winter das Skifahren. Seinen drei erwachsenen Kindern fahre er noch davon, sagt der 51-Jährige. Und er lese gern. Auch dort beweist er einen langen Atem. Das nächste Buch, das er lesen will, «die Brüder Karamasow», hat über 1000 Seiten.


1. Vize: Hans Ulrich Born (SVP), 2. Vize: Hanspeter Stoll (FDP), 1. Stimmenzähler: Ruth Bichsel (SP), 2. Stimmenzähler: Ulrich Brechbühl (SVP)

«Es geht nach Drehbuch»

Was muss passieren, damit Sie eine Sitzung abbrechen?

Hans Ulrich Joss: Das ist bis jetzt noch nie passiert. Es müssten wohl äussere Einflüsse sein.

Gibt es für Sie eine zeitliche Limite?

Nach 22 Uhr sind die Sitzungen nicht mehr effizient (der GGR beginnt um 19.30 Uhr, die Red.)

Ist es lernbar, GGR-Präsident zu werden?

Wenn man davor. zurückscheut eine Sitzung zu leiten, ist man am falschen Ort. Aber der Rest ist tatsächlich lernbar. Das Ratssekretariat bereitet für die Sitzungen ein Drehbuch vor.

Ist es erstrebenswert, GGR-Präsident zu werden?

Ich habe dieses Amt nicht angestrebt, es ist eher Zufall, dass ich es erhalten habe. Aber es ist zweifellos der Höhepunkt der Parlamentslaufbahn.


Der Bund, 23. Dezember 2003

Nicht schubladisierbar

Hans Ulrich Joss (sp) wird im kommenden Jahr höchster Worber sein - er hofft auf viele Stichentscheide

CATHERINE ARBER

Die Achtundsechziger-Bewegung hinterliess auch an der Uni Bern Spuren. Studenten führten mit den Professoren heftige politische Diskussionen, und manchmal wurde, wie sich Hans Ulrich Joss erinnert, gestreikt. «Aber nur bei schönem Wetter», fügt der Jurist, der beim Rechtsdienst der Swisscom arbeitet, lächelnd an. Die Zeit an der Uni sei für ihn prägend gewesen: Sie habe ihn politisiert. Dass er später der SP beitrat, sei für ihn nahe liegend und logisch gewesen, erinnert sich der heute 51-Jährige. Seine politischen Anliegen versuchte er in den letzten 13 Jahren im Grossen Gemeinderat Worb umzusetzen, 9 davon als Fraktionschef.

Inhaltlich breites Spektrum

Politisch will sich Hans Ulrich Joss, der im kommenden Jahr das Worber Parlament präsidieren wird, nicht schubladisieren lassen. «Ich habe Mühe, mich auf ein Spezialgebiet zu beschränken, denn mich interessiert fast alles», sagt er. Ausserdem sei er durch sein juristisches Fachwissen bei der Ausarbeitung diverser politischer Vorstösse involviert gewesen. Er setzte sich in der Vergangenheit etwa mit der Gemeindeorganisation und -entwicklung auseinander, auch Raumplanung und Finanzpolitik gehörten zu seinen politischen Themen. Besonders am Herzen lag ihm die Ausarbeitung der neuen Gemeindeverfassung, die den Worberinnen und Worbern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten ermöglicht. Auch engagierte sich der SP-Politiker immer wieder für soziale Anliegen und die Integration von Minderheiten.

«Im Bereich der familienexternen Kinderbetreuung steckt Worb noch in den Anfängen», stellt Joss fest. Um dies zu verbessern, reichte die SP vor einem Jahr im Parlament einen Vorstoss ein. Kommenden Frühling befindet der Grosse Gemeinderat über den Ausbau der Betreuungsangebote für Schüler ausserhalb der Schulzeit.

Präsidieren statt politisieren

Hans Ulrich Joss, Vater von drei erwachsenen Kindern, wird sich aber nicht zum Geschäft äussern dürfen. Als höchster Worber muss er sich auf das Präsidieren des Parlaments beschränken. In seiner jetzigen Funktion als Vizepräsident hat er sich auf sein Amt vorbereiten können. Joss hofft aber, dass er via Stichentscheid dennoch Einfluss auf die laufenden Geschäfte nehmen kann. Die amtierende Parlamentspräsidentin Franziska Fritschy habe etwa den entscheidenden Beschluss zur Steuersenkung gefällt. «Der wäre bei mir anders ausgefallen», sagt Joss. Er rege sich darüber auf, wenn eine Steuersenkung beschlossen werde, ohne dass sich das Parlament vorher Gedanken über die künftigen Aufgaben und die Entwicklung der Gemeinde mache.

Er sei sich bewusst, dass die Möglichkeiten des Vorsitzenden beschränkt seien, sagt Joss. Dennoch wolle er symbolische Zeichen setzen. Den Antrittsapero will er in der Bibliothek in Rüfenacht abhalten, die sich im Schulhaus am Dorfrand befindet. Die SP setze sich dafür ein, so Joss, dass eine Bibliothek im Dorfzentrum eingerichtet werde und damit in der Schule Raum für familienexterne Betreuung geschaffen werde.

Der Bund, 1. Februar 2005

Born will Blockdenken überwinden

Gestern Abend ist Hans Ulrich Born (svp) zum höchsten Worber gewählt worden

CATHERINE ARBER

Hans Ulrich Born mag es nicht, wenn Parlamentarier um den heissen Brei herumreden. Auch Gefühlsausbrüche am Rednerpult sind seine Sache nicht. In seinem Amtsjahr als Worber Parlamentspräsident will der SVP-Politiker sich für eine bessere Gesprächskultur im Rat einsetzen. Und für Konsens: «Es ist nicht alles schlecht, was von der anderen Seite kommt», sagt der 55-Jährige. Er will die Parlamentarierinnen und Parlamentarier dazu aufmuntern, sich auch einmal die Meinungen des politischen Gegners anzuhören, denn es sei nicht alles schlecht, was von der anderen Seite komme. «Das Links-rechts-Blockdenken muss überwunden werden», sagt der politisch höchste Worber, der auch privat einen der höchsten Wohnsitze der Gemeinde Worb hat, in einem umgebauten Bauernhaus im Harzer, auf 750 Meter über Meer, wo man abends als einziges Geräusch das Rosten des Fahrrads höre.

Hehre Ziele, harte Praxis

Die Überwindung des Blockdenkens dürfte im Worber Parlament, in dem Bürgerliche und Linke neu gleich stark vertreten sind, zwar ein hehres Ziel, in der Umsetzung aber nicht einfach werden.

Born glaubt nicht, dass sich dadurch «wahnsinnig viel verändern wird». Die Kritik, seine Partei trage mit ihrem aggressiven Stil zur Verschärfung des politischen Tons bei, lässt er nicht gelten. Das sei im vergangenen Herbst, als die SVP die Einführung der Tagesschulen per Referendum bekämpfen wollte, falsch rübergekommen. «Wir haben das wohl zu wenig gut kommuniziert. Wir wollten einfach nicht diese Art von Tagesschule.»

Mühe mit der Zürcher SVP

Der Vater zweier erwachsener Kinder wuchs in Worb auf, wohin er auch nach über zehn Jahren in Ostermundigen 1991 wieder zurückkehrte. Im Rat sitzt Born seit 1999, als er für Erwin Flückiger nachrückte. In der SVP sei er aus Familientradition, sagt der neue Parlamentspräsident. Er fühle sich mit der Berner SVP verbunden, mit der Zürcher Linie aber bekunde er Mühe. «Zu extrem, stur, altväterisch und zu wenig weltoffen», seien die Zürcher Parteikollegen in seinen Augen. In der aktuellen Schengen-Frage etwa sei er anderer Meinung als sie. Er befürworte das Abkommen, da es der Schweiz viel bringen werde, sagt Born.

An der Réception im Militärhotel

In die Politik eingestiegen ist Born, weil er der Ansicht ist, dass alle Menschen sich ausserhalb ihres Berufs und ihrer Familie engagieren sollten. «Sonst funktioniert unser System nicht.» Er selber präsidierte viele Jahre lang die Sekundarschulkommission und ist Präsident der Genossenschaft Schwimmbad und Sportplatz Worb. Zusammen mit Worber Freunden unterstützt er ein Transportunternehmen im afrikanischen Mali, wohin er jeweils Ende Jahr ferienhalber hinfährt.

Seinen Arbeitsplatz hat Born in der Kaserne Bern. Er bezeichnet sich als «Hotelier»: Als Verwalter koordiniert er von seiner Réception aus die Belegung der 600 Betten und über 60 Seminarräume.

Kein Jucken

Seit gestern nun ist er für die Sitzungsführung im 40-köpfigen Worber Parlament verantwortlich. Wahrscheinlich werde es ihn nicht so oft wie sein Vorgänger Hans Ulrich Joss (sp) jucken, wenn er sich als oberster Worber nicht in die politischen Geschäfte einmischen darf. Für seine Anliegen - etwa eine weitere Steuersenkung oder die Zusammenführung der Eisbahn und der Badeanstalt zu einem Sportzentrum Hofmatt - werde er sich aber weiterhin einsetzen, wenn auch nicht vorne am Rednerpult, sondern in Ganggesprächen mit den Parteikollegen.

 


BZ, 1. Februar 2005

HANS ULRICH BORN, WORB

Auf der Suche nach dem Konsens

Gestern Abend hat das Worber Parlament den SVP-Politiker Hans Ulrich Born zum höchsten Worber gewählt.

«Betriebsleiter des Waffenplatzes», steht auf seiner Visitenkarte. «Eigentlich bin ich Leiter eines Hotelbetriebs», sagt Hans Ulrich Born. Erst, wer ihn an seinem Arbeitsort - der Kaserne in Bern - besucht, versteht, wie das zusammengeht. Der Waffenplatz ist längst nicht mehr das, was man darunter versteht: Die alte Kaserne wurde während fünf Jahren zu einem modernen Seminarzentrum umgebaut. Wo Oberst Born einst seine erste Reitstunde hatte, damals, als er noch Personalchef der Eidgenössischen Militärpferdeanstalt war, steht heute eine riesige Mehrzweckhalle.

«Sauber fighten»

In diesem Jahr ist Hans Ulrich Born auch Leiter des Worber Parlaments, dem er seit 1999 angehört. Gestern Abend wurde er zum Präsidenten gewählt. Er werde die Sitzungen gut zu strukturieren versuchen, sagt er. Höchstens zwei Stunden sollen sie dauern, und anschliessend soll Zeit bleiben für die Kameradschaft. «Sauber fighten, danach Prost sagen», fasst er zusammen. Das Ziel des SVP-Politikers ist es, den Konsens zu finden. «Wenn die SP etwas Vernünftiges vorbringt, dann stimme ich zu», sagt er.

Geleitet hat Hans Ulrich Born während sechs Jahren auch die Sekundarschulkommission. Dort habe man stets den Konsens gefunden. «Wir haben diskutiert, bis wir uns einig waren», sagt er. Im Parlament ist dies nicht so einfach. Seine Überzeugung etwa, dass ein tiefer Steuerfuss Worb attraktiv macht, wird die SP kaum einfach so übernehmen. Gleichzeitig muss er zugeben: «Mir wäre es in Muri nicht wohl.» Born ist ein Worber, der in Wattenwil wohnt. In Worb ist er aufgewachsen und verwurzelt. Für seine Gemeinde engagiert er sich. «Jeder sollte etwas machen, damit das System funktioniert.» Er selber ist nicht nur Politiker, er ist auch Präsident der Schwimmbadgenossenschaft Hofmatt. Zur Idee, auf dem Hofmattvorplatz eine Skatinganlage aufzustellen, sagt er: «Warum nicht?» und hebt sich damit von der Haltung der SVP ab. «Es braucht aber das Engagement der Jungen.»

Die SP hervorgelockt

Und schliesslich hat Hans Ulrich Born den Wahlkampf der SVP vom letzten Herbst geleitet. Seine Partei hat es nicht geschafft, das Gemeindepräsidium zu erobern, und auch ein dritter Sitz im Gemeinderat blieb ihr verwehrt. «Das hat mich schon etwas enttäuscht», sagt Born. «Unsere Kandidatur für das Präsidium hat wohl den hintersten und letzten SP-Wähler hinter dem Ofen hervorgelockt.»

Ihn selber kann vor allem schönes Wetter hervorlocken. «Ich bin ein Schönwetter-Töfffahrer», sagt Hans Ulrich Born. Und seit zehn Jahren sucht er regelmässig die Wärme Afrikas. Einem Afrikaner aus Mali, der unterdessen zum Freund geworden ist, finanzieren er und einige Kollegen ein Transportunternehmen: Wenn jeder etwas tut, funktioniert das System.

BRIGITTE WALSER

PARLAMENT

Wer gewählt wurde

1. Vizepräsident ist neu Hanspeter Stoll (FDP) ,
2. Vizepräsidentin ist Ruth Bichsel (SP).
Zum 1. Stimmenzähler wurde Ulrich Brechbühl (SVP) gewählt ,
2. Stimmenzähler ist Harry Suter (EVP).   bw