WORB«Viel Spielraum ist gar nicht vorhanden»Er wünscht sich Diskussionen, die Mittel sind und nicht Zweck, und er will zielorientierte Debatten fördern: Nächstes Jahr wird der EVP-Politiker Toni Maurer das Worber Gemeindeparlament präsidieren.BARBARA STEINER
Der EVP gehört Maurer, 55jährig und beruflich im Generalstab des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport tätig, seit den Wahlen 1988 an. «In dieser Partei fühle ich mich wohl. Sie betätigt sich innerhalb eines breiten Bands in der Mitte des politischen Spektrums und vertritt nie Extrempositionen» so Maurer. Dass sich ihre Politik nach dem christlichen Glauben ausrichte, sei wesentlich, müsse bei der Behandlung von Sachfragen aber durchaus nicht immer wieder ausdrücklich hervorgehoben werden: «Massgebend sind die innere Überzeugung und die Optik, die sie einem gibt.» Spezielles Präsidialjahr Nächstes Jahr wird Maurer seine Sicht der Dinge den Gemeindeparlamentarierinnen und -parlamentariern nur beschränkt erläutern können: Als Präsident obliegt ihm die Sitzungsführung. «Ich werde Moderator und Gesprächsleiter sein. Viel Spielraum ist in der Gestaltung dieser Aufgabe nicht vorhanden», hält Maurer fest. Grundsätzlich strebe er effiziente Sitzungen an, und er wünsche sich Diskussionen als Mittel und nicht als Zweck. Keinesfalls dürften sich Rednerinnen und Redner in ihren Auseinandersetzungen von Emotionen leiten lassen: «Diskussionen haben der Sache zu dienen.» Ab und zu werde es ihm wohl schon schwerfallen, sich mit seiner Meinung aus den Beratungen raushalten zu müssen, vermutet Maurer. Beschäftigen dürfte das Parlament nächstes Jahr unter anderem die neue Gemeindeverfassung. «Dass sie in meinem Präsidialjahr behandelt wird, freut mich. Das ist ein ganz spezielles Geschäft», sagt Maurer. Reich befrachtet könnte das Parlamentsjahr werden, wenn sich die Worber Bevölkerung zu Herzen nimmt, was sich Maurer von ihr wünscht: «Die Einwohnerinnen und Einwohner sollten viel mehr auf die Parlamentsmitglieder zugehen, wenn sie ein Anliegen haben.»
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WORB«Ins Räderwerk der Macht greifen»Das Worber Parlament hat gestern Abend Jonathan Gimmel zu seinem Präsidenten gewählt. Der 28-Jährige betrachtet dies als Zeichen, dass Junge in der Politik einen grösseren Stellenwert bekommen.Michael Gerber
«Ich bin nicht ehrgeizig»Jonathan Gimmel ist ein durch und durch politischer Mensch. Nein, er sei nicht ehrgeizig, sagt er betont zurückhaltend. «Das tönt egozentrisch.» Er sei lediglich «sehr zielorientiert». Sein Ziel sei, primär jenen zu dienen, die ihn gewählt hätten - und nicht sich selber. Und in bester Politikermanier fährt er fort: «Politik ist nicht mein einziger Lebensinhalt. Ich könnte zweifellos ohne leben.» Er betrachte Politik viel mehr als Instrument, seine Lebenshaltung einzubringen. Deshalb könne er auch kein Karriereziel nennen, gibt er sich diplomatisch. «Ich will zurzeit keine bestimmtes Amt erlangen, sonst müsste ich Partei wechseln», denkt der Präsident der Freien Wähler laut. So kurz vor den Gemeindewahlen, die nächsten Herbst stattfinden werden, wäre dies nicht opportun. Das sagt ihm sein politischer Instinkt. Und über Traumämter mag er nicht sprechen. Das ist ihm zu privat. Und zu wenig greifbar. Nur soviel: «Ich träume davon, meine Kompetenzen gewinnbringend einzusetzen.» «Fähig für grosse Würfe»Jonathan Gimmel liebt das «Flow-Gefühl», das ihm sein Engagement gibt. Er liebt es, wenn die Grenzen von Raum und Zeit verschwimmen. «Gerade in solchen Momenten bin ich fähig, grosse Würfe zu machen.» Doch hin und wieder wird der politische Überflieger von seinen Parlamentskollegen ziemlich unsanft auf den Boden zurückgeholt. So geschehen Mitte Oktober, als sie Gimmels Vorstoss zur Renaturierung der Worble bachab schickten. «Immerhin haben sie sich damit auseinander gesetzt», relativiert er seinen Misserfolg. In diesem Moment muss er sich wohl ohnmächtig gefühlt haben. Ohnmächtig, über die starren Strukturen - und das fehlende Geld. Auch ein Polit-Kick dauert nicht ewig, das ist sich Gimmel bewusst. «Sollte sich das <Flow-Gefühl> und damit die Lust an der Politik nicht mehr einstellen, höre ich auf.» Was danach kommt, weiss er nicht. Nur so viel: «Ich werde immer mitgestalten und ins Räderwerk der Macht eingreifen.» «Zeitmanagement»Jonathan Gimmel ist ein umtriebiger Mensch. Nebst seinem Job als Fachspezialist für Personal und Finanzen in der Berner Stadtverwaltung und seinem politischen Amt engagiert er sich in zig Vereinen. «Alles, was ich tue, will ich gut machen. Sonst bin ich nicht zufrieden», sagt der Vielbeschäftigte. Die 60-Stunden-Woche nimmt er in Kauf. «Alles ist eine Frage des Zeitmanagements», sagt er in reinstem Manager-Deutsch. «Dabei komme ich persönlich <mängisch> zu kurz», räumt er ein - und schiebt diesen Gedanken sogleich wie ein altgedienter Politiker beiseite: «Wenn ich zu etwas ja gesagt habe, ziehe ichs auch durch.»
Der Bund, 7. Dezember 1999 WORBMit Umwegen in die DirettissimaEinen jüngeren Vorsitzenden hatte das Parlament noch nie: An seiner Spitze steht nächstes Jahr Jonathan Gimmel, Jahrgang 1971, Präsident der Freien Wähler Worb. Dem smarten Steilaufsteiger sind strategische Debatten lieber als Detailkrämerei.BARBARA STEINER
Lange TageZum Rednerpult schritt Gimmel auch vom Ratstisch aus öfters - beispielsweise, um die Beschleunigung der Verkehrssanierung zu fordern und sich für Kultursäulen stark zu machen. In seinem Präsidialjahr erhofft sich der Fachspezialist bei den Zentralen Diensten in der Präsidialdirektion der Berner Stadtverwaltung vor allem strategische Diskussionen - kleinkrämerisches Feilschen um Kleinigkeiten mag er nicht. Dass Anfang 2000 die neue Gemeindeordnung in Kraft tritt, bezeichnet Gimmel als «sehr erfreulich»: Sie ermögliche es dem Grossen Gemeinderat an sich, sich verstärkt mit Richtungsweisendem zu befassen. Gimmel hat sich das Rüstzeug fürs Parlamentspräsidium nicht nur in seinem Beruf geholt: In Magglingen leitet er mehrmals jährlich Kurse im Jugend-und-Sport-Fach Wandern und Geländesport. Ausserdem präsidiert er die im mittleren Spektrum anzusiedelnden Freien Wähler Worb, den Trägerverein offene Jugendarbeit, den Verein Badifest, das Badifest-Organisationskomitee. Und Gimmel ist Vizepräsident des Vereins Mult-IQ-ult und Redaktionsmitglied der Worber Post um nur einige seiner Engagements zu erwähnen. Soeben hat er ausserdem seine berufsbegleitende Ausbildung zum Personalfachmann mit eidgenössischem Fachausweis beendet. «Es kommt schon hin und wieder vor, dass ich bis drei Uhr morgens vor dem Computer sitze», sagt er. Wichtig sei ihm deshalb der persönliche Ausgleich. «Nebst sportlichen Aktivitäten geniesse ich mit meiner Partnerin andere schöne Seiten des Lebens: Ausflüge, das Pflegen von Freundschaften, Kultur und gutes Essen.» Schonzeit ist vorbeiEr zweifle nicht daran, dass sich sein Einsatz lohne, sagt Gimmel: «Es ist immer sinnvoll, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Ich persönlich habe dabei auch sehr viel gelernt.» Zu Beginn seines politischen Engagements habe er noch vom Jugend-Bonus profitiert. Doch wer zwischendurch in der Öffentlichkeit stehe, werde sehr schnell daran gemessen, was er sage und tue. Ende 2000 bestimmen die Worberinnen und Worber Parlament und Gemeinderat neu. Gimmel startet als Präsident des Grossen Gemeinderats mit einem komfortablen Anlauf in die Wahlen. Im Parlament kann der Steilaufsteiger nicht mehr höher klettern. Jonathan Gimmel, Worbs künftiger jüngster Gemeinderat?
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WORBER PARLAMENTSPRÄSIDENT JÜRG KAUFMANN«Alles wird einmal politisch»Mit Jürg Kaufmann hat das Worber Gemeindeparlament gestern Abend einen Präsidenten gewählt, der sich zwar für eine rege, aber doch kurze und prägnante Gesprächskultur einsetzt.Brigitte Walser
Kein Natel ...Jürg Kaufmann ist nicht auf einem Handy telefonisch zu erreichen. Das ist konsequent, denn schliesslich hat er sich in einem Vorstoss gegen den «Natel-Antennen-Wald» gewehrt. «Worb muss als Naherholungsgebiet erhalten bleiben», fordert er. Persönlich erreichbar ist der Bauingenieur in Vielbringen. Seit zehn Jahren wohnt er zusammen mit seiner Frau und der 12-jährigen Tochter in der ehemaligen Gärtnerei. «Die Aussenbezirke kommen in der Worber Politik manchmal schon etwas zu kurz», bestätigt er. So spreche man beispielsweise dauernd von der Verkehrssanierung Worb, während die umliegenden Dörfer kaum berücksichtigt würden. Geboren ist Kaufmann allerdings nicht hier. Die ersten Lebensjahre verbrachte er im Thurgau. Sein Dialekt ist inzwischen lupenrein, allenfalls sein Sprechtempo entspricht noch nicht ganz der Berner Norm. Aber das ist eher ein Hinweis auf seinen Charakter als auf seine Herkunft. ... aber ein AutoJürg Kaufmann besitzt ein Auto. Und setzt sich trotzdem für den öffentlichen Verkehr ein. «Ich verteufle das Auto nicht», erklärt der Familienvater. «Aber ich bin auch Velofahrer und Fussgänger.» Tempo dreissig innerorts, keine Fussgängerstreifen mehr, weil nur ab und zu ein Auto vorbeifährt; das ist seine Vision für das Zentrum von Worb. Kaufmann ist leidenschaftlicher Jogger, im Winter Skifahrer und im Sommer Segler. Er treibt regelmässig Sport. So regelmässig auf jeden Fall, wie es neben all seinen Aufgaben eben geht: «Gerade beim Sport und bei der Familie muss ich halt zuerst Abstriche machen, wenn ich viel zu tun habe», erklärt der Ex-TV-WorbLeichtathlet. Gegen die DeponieAls Bauingenieur baut Kaufmann auch Häuser. Seine politische Karriere begann denn auch in der Baukommission. Heute ist er Mitglied der Planungskommission. Gegen das Ringgenberg-Deponie-Projekt wehrt er sich vehement. Sein Engagement sei nicht gegen die Firma an sich gerichtet, sondern gegen den geplanten Standort, versichert er: «Die Bauschuttdeponie ist schlecht für die Entwicklung von Worb. Wir benötigen stattdessen Steuerzahler, die finanzielle Lage ist unser wunder Punkt.» Jürg Kaufmann hat noch einen anderen Wunsch für sein Jahr als Parlamentspräsident: «Dass nämlich im Rat über die wirklich wichtigen Dinge geredet wird.» Dass das Parlament wegen seines neuen Präsidenten Zeit verlieren wird, kann man sich auf alle Fälle kaum vorstellen. Zum Vizepräsidenten wurde Andreas Wälti (SVP) gewählt. Zweite Vize wird Franziska Fritschy-Gerber (FDP). Stimmenzähler: Christoph Lerch (SP), und Hans Ulrich Born (SVP). |
WORBER PARLAMENTSPRÄSIDENT ANDREAS WÄLTIKeiner, der sich im Kreise drehtEr baut Strassenkreisel, in der Politik aber hält er nichts davon, im Kreis herumzufahren: Bauunternehmer Andreas Wälti (SVP) ist gestern vom Worber Parlament zum Präsidenten gewählt worden.Brigitte Walser
«Weitsichtig, nachhaltig»Er sei damals für eine Kandidatur fürs Parlament angefragt worden, erzählt Wälti von seinen politischen Anfängen. «Man kann ja nicht immer Nein sagen.» Wälti politisiert in der SVP. «Aus Überzeugung und der familiären Tradition wegen.» Wofür er sich einsetzt? «Für eine weitsichtige und somit nachhaltige Politik.» Wälti ist für grössere Würfe. Pflästerlipolitik ist nicht seine Art. Seine Geradlinigkeit schimmert immer wieder durch. Und er sagt seine Meinungen offen. Etwa zum Thema Bauschuttdeponie Ringgenberg. «Dass dem Unternehmen so viel Widerstand entgegengebracht wird, ist schade.» Ein Anliegen ist ihm die Verkehrssanierung Worb (siehe auch Artikel unten): «Die Spange Süd muss unbedingt von der Rubigenstrasse weiter Richtung Richigenstrasse geführt werden.» Andreas Wälti spricht auch von Steuersenkung. «Wir müssen unseren Steuerfuss auf ein Niveau bringen, wie es die anderen Gemeinden in der Region haben.» Aber ohne, dass der Schuldenberg anwachse, fügt er an. Wie ist das zu erreichen? «Mit Ausgabendisziplin und der Auslagerung von gemeindeeigenen Aufgaben.» Mehr draussen als drinnenAndreas Wältis Tag beginnt früh. Um 5.30 Uhr steht er auf und beginnt mit den Arbeitsvorbereitungen. Tagsüber trifft man ihn auf den Baustellen: «Ich bin mehr draussen als drinnen.» 12 Leute arbeiten für die Firma Andreas Wälti AG. 1995 übernahm der 44-Jährige zusätzlich die Firma Weibel Muri AG. Sie zählt heute 30 Mitarbeiter. Die Auftragslage ist nicht schlecht. «Bis jetzt hatten wir keine Schwierigkeiten.» Abends und an den Wochenenden bleibt dem Vater zweier Töchter Zeit für die Familie. Er hat Glück, dass die Töchter sein grösstes Hobby teilen: Wälti reitet und nimmt als lizenzierter Concoursreiter an regionalen Prüfungen teil. Die Politik nehme wenig Zeit in Anspruch, sagt Andreas Wälti zum Abschluss. Er ist nicht Mitglied einer Kommission. «Ich muss schon aufpassen, dass ich mich nicht verzettle.» Schliesslich ist da noch das Militär, wo er bis zum letzten Jahr Kommandant eines Panzerbataillons war. Und dem Baumeisterverband Region Bern steht er ab nächstem Jahr als Präsident vor. Da bleibt keine Zeit, um sich im Kreise zu drehen. Erste Vizepräsidentin: Franziska Fritschy (FDP); zweiter Vizepräsident: Christoph Lerch (SP); erster Stimmenzähler: Hans Ulrich Born (SVP); zweiter Stimmenzähler: Hanspeter Stoll (FDP). |
HANS ULRICH JOSSEr ist der höchste WorberGestern Abend hat das Worber Parlament Hans Ulrich Joss zum neuen Präsidenten gewählt. Damit kann sich der SP-Politiker für ein Jahr politisch nicht mehr äussern. Dabei hätte er einiges zu sagen.Brigitte Walser
Kritische VotenAls Erstes engagierte sich Hans Ulrich Joss in der Kommission, die das Altersheim plante, irgendwann folgte die Wahl in den Grossen Gemeinderat. Dort stand er oft und manchmal lange am Rednerpult. Unermüdlich und mit für seine zurückhaltende Art überraschend harten Worten kritisierte er die Finanzpolitik der Gemeinde, warnte er vor voreiligen Steuersenkungen. Im letzten Jahr meldete er sich selten zu Wort. «Als Vizepräsident war das fast nicht mehr möglich», sagt er. Im nächsten Jahr darf er sich überhaupt nicht mehr politisch äussern. Dann wird er das Parlament präsidieren und somit der höchste Worber sein. Er freue sich darauf, aber sich Ziele dafür zu setzen, sei schwierig, «ich hoffe auf Stichentscheide», sagt er mit einem Lächeln. Inhaltlich habe er kaum Einfluss. Dabei hätte Joss einiges zu sagen. Etwa, dass das Parlament seine Kompetenzen nicht ausschöpfe. «Es sollte sich mehr in seine eigene Sache einmischen.» Dass die in den letzten Jahren eingereichten Vorstösse Leerläufe gewesen seien. Und dass die Funktion der Aufsichtskommission noch immer nicht ganz klar sei. «Von der hört man nichts», sagt Hans Ulrich Joss. Langer AtemDabei ist ihm klar, dass politisches Engagement mit Aufwand verbunden ist. «Ich kann mich auch nicht mehr so stark engagieren wie früher.» Schliesslich gibt es neben Beruf und Politik noch mehr. Die Familie etwa oder im Winter das Skifahren. Seinen drei erwachsenen Kindern fahre er noch davon, sagt der 51-Jährige. Und er lese gern. Auch dort beweist er einen langen Atem. Das nächste Buch, das er lesen will, «die Brüder Karamasow», hat über 1000 Seiten. 1. Vize: Hans Ulrich Born (SVP), 2. Vize: Hanspeter Stoll (FDP), 1. Stimmenzähler: Ruth Bichsel (SP), 2. Stimmenzähler: Ulrich Brechbühl (SVP) «Es geht nach Drehbuch»Was muss passieren, damit Sie eine Sitzung abbrechen? Hans Ulrich Joss: Das ist bis jetzt noch nie passiert. Es müssten wohl äussere Einflüsse sein. Gibt es für Sie eine zeitliche Limite? Nach 22 Uhr sind die Sitzungen nicht mehr effizient (der GGR beginnt um 19.30 Uhr, die Red.) Ist es lernbar, GGR-Präsident zu werden? Wenn man davor. zurückscheut eine Sitzung zu leiten, ist man am falschen Ort. Aber der Rest ist tatsächlich lernbar. Das Ratssekretariat bereitet für die Sitzungen ein Drehbuch vor. Ist es erstrebenswert, GGR-Präsident zu werden? Ich habe dieses Amt nicht angestrebt, es ist eher Zufall, dass ich es erhalten habe. Aber es ist zweifellos der Höhepunkt der Parlamentslaufbahn.
Der Bund, 23. Dezember 2003 Nicht schubladisierbarHans Ulrich Joss (sp) wird im kommenden Jahr höchster Worber sein - er hofft auf viele StichentscheideCATHERINE ARBER
Inhaltlich breites SpektrumPolitisch will sich Hans Ulrich Joss, der im kommenden Jahr das Worber Parlament präsidieren wird, nicht schubladisieren lassen. «Ich habe Mühe, mich auf ein Spezialgebiet zu beschränken, denn mich interessiert fast alles», sagt er. Ausserdem sei er durch sein juristisches Fachwissen bei der Ausarbeitung diverser politischer Vorstösse involviert gewesen. Er setzte sich in der Vergangenheit etwa mit der Gemeindeorganisation und -entwicklung auseinander, auch Raumplanung und Finanzpolitik gehörten zu seinen politischen Themen. Besonders am Herzen lag ihm die Ausarbeitung der neuen Gemeindeverfassung, die den Worberinnen und Worbern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten ermöglicht. Auch engagierte sich der SP-Politiker immer wieder für soziale Anliegen und die Integration von Minderheiten. «Im Bereich der familienexternen Kinderbetreuung steckt Worb noch in den Anfängen», stellt Joss fest. Um dies zu verbessern, reichte die SP vor einem Jahr im Parlament einen Vorstoss ein. Kommenden Frühling befindet der Grosse Gemeinderat über den Ausbau der Betreuungsangebote für Schüler ausserhalb der Schulzeit. Präsidieren statt politisierenHans Ulrich Joss, Vater von drei erwachsenen Kindern, wird sich aber nicht zum Geschäft äussern dürfen. Als höchster Worber muss er sich auf das Präsidieren des Parlaments beschränken. In seiner jetzigen Funktion als Vizepräsident hat er sich auf sein Amt vorbereiten können. Joss hofft aber, dass er via Stichentscheid dennoch Einfluss auf die laufenden Geschäfte nehmen kann. Die amtierende Parlamentspräsidentin Franziska Fritschy habe etwa den entscheidenden Beschluss zur Steuersenkung gefällt. «Der wäre bei mir anders ausgefallen», sagt Joss. Er rege sich darüber auf, wenn eine Steuersenkung beschlossen werde, ohne dass sich das Parlament vorher Gedanken über die künftigen Aufgaben und die Entwicklung der Gemeinde mache. Er sei sich bewusst, dass die Möglichkeiten des Vorsitzenden beschränkt seien, sagt Joss. Dennoch wolle er symbolische Zeichen setzen. Den Antrittsapero will er in der Bibliothek in Rüfenacht abhalten, die sich im Schulhaus am Dorfrand befindet. Die SP setze sich dafür ein, so Joss, dass eine Bibliothek im Dorfzentrum eingerichtet werde und damit in der Schule Raum für familienexterne Betreuung geschaffen werde. |
Born will Blockdenken überwindenGestern Abend ist Hans Ulrich Born (svp) zum höchsten Worber gewählt wordenCATHERINE ARBER Hehre Ziele, harte PraxisDie Überwindung des Blockdenkens dürfte im Worber Parlament, in dem Bürgerliche und Linke neu gleich stark vertreten sind, zwar ein hehres Ziel, in der Umsetzung aber nicht einfach werden. Born glaubt nicht, dass sich dadurch «wahnsinnig viel verändern wird». Die Kritik, seine Partei trage mit ihrem aggressiven Stil zur Verschärfung des politischen Tons bei, lässt er nicht gelten. Das sei im vergangenen Herbst, als die SVP die Einführung der Tagesschulen per Referendum bekämpfen wollte, falsch rübergekommen. «Wir haben das wohl zu wenig gut kommuniziert. Wir wollten einfach nicht diese Art von Tagesschule.» Mühe mit der Zürcher SVPDer Vater zweier erwachsener Kinder wuchs in Worb auf, wohin er auch nach über zehn Jahren in Ostermundigen 1991 wieder zurückkehrte. Im Rat sitzt Born seit 1999, als er für Erwin Flückiger nachrückte. In der SVP sei er aus Familientradition, sagt der neue Parlamentspräsident. Er fühle sich mit der Berner SVP verbunden, mit der Zürcher Linie aber bekunde er Mühe. «Zu extrem, stur, altväterisch und zu wenig weltoffen», seien die Zürcher Parteikollegen in seinen Augen. In der aktuellen Schengen-Frage etwa sei er anderer Meinung als sie. Er befürworte das Abkommen, da es der Schweiz viel bringen werde, sagt Born. An der Réception im MilitärhotelIn die Politik eingestiegen ist Born, weil er der Ansicht ist, dass alle Menschen sich ausserhalb ihres Berufs und ihrer Familie engagieren sollten. «Sonst funktioniert unser System nicht.» Er selber präsidierte viele Jahre lang die Sekundarschulkommission und ist Präsident der Genossenschaft Schwimmbad und Sportplatz Worb. Zusammen mit Worber Freunden unterstützt er ein Transportunternehmen im afrikanischen Mali, wohin er jeweils Ende Jahr ferienhalber hinfährt. Seinen Arbeitsplatz hat Born in der Kaserne Bern. Er bezeichnet sich als «Hotelier»: Als Verwalter koordiniert er von seiner Réception aus die Belegung der 600 Betten und über 60 Seminarräume. Kein JuckenSeit gestern nun ist er für die Sitzungsführung im 40-köpfigen Worber Parlament verantwortlich. Wahrscheinlich werde es ihn nicht so oft wie sein Vorgänger Hans Ulrich Joss (sp) jucken, wenn er sich als oberster Worber nicht in die politischen Geschäfte einmischen darf. Für seine Anliegen - etwa eine weitere Steuersenkung oder die Zusammenführung der Eisbahn und der Badeanstalt zu einem Sportzentrum Hofmatt - werde er sich aber weiterhin einsetzen, wenn auch nicht vorne am Rednerpult, sondern in Ganggesprächen mit den Parteikollegen.
BZ, 1. Februar 2005 HANS ULRICH BORN, WORBAuf der Suche nach dem KonsensGestern Abend hat das Worber Parlament den SVP-Politiker Hans Ulrich Born zum höchsten Worber gewählt. «Sauber fighten»In diesem Jahr ist Hans Ulrich Born auch Leiter des Worber Parlaments, dem er seit 1999 angehört. Gestern Abend wurde er zum Präsidenten gewählt. Er werde die Sitzungen gut zu strukturieren versuchen, sagt er. Höchstens zwei Stunden sollen sie dauern, und anschliessend soll Zeit bleiben für die Kameradschaft. «Sauber fighten, danach Prost sagen», fasst er zusammen. Das Ziel des SVP-Politikers ist es, den Konsens zu finden. «Wenn die SP etwas Vernünftiges vorbringt, dann stimme ich zu», sagt er. Geleitet hat Hans Ulrich Born während sechs Jahren auch die Sekundarschulkommission. Dort habe man stets den Konsens gefunden. «Wir haben diskutiert, bis wir uns einig waren», sagt er. Im Parlament ist dies nicht so einfach. Seine Überzeugung etwa, dass ein tiefer Steuerfuss Worb attraktiv macht, wird die SP kaum einfach so übernehmen. Gleichzeitig muss er zugeben: «Mir wäre es in Muri nicht wohl.» Born ist ein Worber, der in Wattenwil wohnt. In Worb ist er aufgewachsen und verwurzelt. Für seine Gemeinde engagiert er sich. «Jeder sollte etwas machen, damit das System funktioniert.» Er selber ist nicht nur Politiker, er ist auch Präsident der Schwimmbadgenossenschaft Hofmatt. Zur Idee, auf dem Hofmattvorplatz eine Skatinganlage aufzustellen, sagt er: «Warum nicht?» und hebt sich damit von der Haltung der SVP ab. «Es braucht aber das Engagement der Jungen.» Die SP hervorgelocktUnd schliesslich hat Hans Ulrich Born den Wahlkampf der SVP vom letzten Herbst geleitet. Seine Partei hat es nicht geschafft, das Gemeindepräsidium zu erobern, und auch ein dritter Sitz im Gemeinderat blieb ihr verwehrt. «Das hat mich schon etwas enttäuscht», sagt Born. «Unsere Kandidatur für das Präsidium hat wohl den hintersten und letzten SP-Wähler hinter dem Ofen hervorgelockt.» Ihn selber kann vor allem schönes Wetter hervorlocken. «Ich bin ein Schönwetter-Töfffahrer», sagt Hans Ulrich Born. Und seit zehn Jahren sucht er regelmässig die Wärme Afrikas. Einem Afrikaner aus Mali, der unterdessen zum Freund geworden ist, finanzieren er und einige Kollegen ein Transportunternehmen: Wenn jeder etwas tut, funktioniert das System. BRIGITTE WALSER PARLAMENTWer gewählt wurde 1. Vizepräsident ist neu Hanspeter Stoll (FDP) , |









