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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Worber-Gewerbe, Wirtschaftsstandort, Wirtschaftsförderung

BZ, 1 September 2001

WORB

In der Olwo wird seit 75 Jahren gesägt

Die Otto Lädrach AG feiert ihren 75. Geburtstag. Das Familienunternehmen ist mit 95 Angestellten der grösste Arbeitgeber Worbs. Das Säge- und Hobelwerk handelt auch mit Holz und Holzwerkstoffen.

Viola Mukherjee

Olwo steht gelb auf einer grünen Tafel. Die Baumstämme und aufeinander geschichteten Bretter verraten, was unter dem Schild noch angefügt wird: «Sägewerk-Hobelwerk-Holzwerkstoffe». Kreischend verarbeiten die Sägen die Stämme des Fichten- und Tannenholzes zu Latten, Brettern und Vorratsholz. Bei der Blockbandsäge zeigt ein grüner Laserstrahl an, wo der Schnitt durchgeht.

Jetzt wird die Otto Lädrach AG 75 Jahre alt. Am 8. September öffnet die Firma deshalb ihre Türen für alle Interessierten von 9 bis 16 Uhr. Markus Lädrach betreibt das Familienunternehmen in dritter Generation. Die Olwo ist mit 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der grösste Arbeitgeber Worbs und einer der bedeutendsten Handels- und Produktionsunternehmen in der Holzbranche Berns. Das Holz für die Sägerei bezieht die Otto Lädrach AG aus den Wäldern des Kantons Bern. Anders verhält es sich bei den Holzwerkstoffen, die der Betrieb für den Handel fertig einkauft. «Dieses Holz stammt zu 70 Prozent aus dem Ausland. Dort gibt es leistungsfähigere Firmen», sagt Markus Lädrach. Der jährliche Umsatz von 50 Millionen Franken erzielt das Unternehmen zu zwei Dritteln aus dem Handel mit Holzwerkstoffen wie Parkett, Platten und Sperrholz. Ein Ausstellungsraum zeigt den Bauherren und Architekten das Angebot. «Doch unsere Zielgruppe sind vor allem holzverarbeitende Handwerker wie Schreiner oder Zimmerleute», sagt Lädrach.

Der Bund, 14. August 2001

WORB

Bauernfamilie führt neuen Dorfladen

Gestern eröffneten die Vielbringer Bauersleute Vreni und Rudolf Schneider im ehemaligen Käsereigeschäft an der Enggisteinstrasse ihren Dorfladen. Sie verkaufen darin vor allem Produkte ihres Bauernhofes und Worber Erzeugnisse. Das Ehepaar gehört dem Verein «Früsch vo Worb» an, dessen Ziel die Vermarktung lokaler Produkte ist.

CHRISTOPH AEBISCHER

Schnäggli aus Teig - auf italienisch «Trotolli» genannt stehen diese Woche auf dem Produktionsprogramm von Vreni und Rudolf Schneider. In Schneiders Dorfladen in Worb wird viel Eigenes angeboten: Gemüse, Früchte, Alpkäse, Fleisch, Konfitüre, Sirup und eben auch Teigwaren, stammen vom ihrem Bauernhof oder werden dort hergestellt. Daneben sind vor allem Worber Produkte zu kaufen - aus der Käserei und der lokalen Brauerei zum Beispiel.

Im Juni auf dem Märit

Gestern eröffnete das Vielbringer Bauern-Ehepaar im ehemaligen Käsereigeschäft an der Enggisteinstrasse seinen Laden. Anfang Sommer wussten sie davon noch nichts: «Auf dem Märit von Worb, wo wir seit elf Jahren einen Stand haben, fragte mich im Juni eine Kundin, ob ich wüsste, dass der Käsereiladen zumache», erzählt Vreni Schneider. «Mein Mann und ich überlegten nur kurz und stellten sofort fest, dass es uns ,gluschtete'.» Die Idee, einen Laden zu eröffnen, hätten sie nämlich nicht zum ersten Mal erörtert. Ihr landwirtschaftlicher Kleinbetrieb bedinge heutzutage ein Zusatzeinkommen, um über die Runden zu kommen. Bereits zweimal bewarb sich Familie Schneider deshalb für ein Lokal in Worb. Beide Male seien sie zu spät gewesen. Das Konzept für den Laden war also im Kopf schon zurechtgelegt: «Wir bieten möglichst viele eigene, selber veredelte Produkte an», so Vreni Schneider. Gemüse gebe es je nach Saison, Fleisch von Rindern aus Mutterkuhhaltung je nachdem, was anfalle. «Die Kunden müssen wieder lernen, dass eine Kuh nur zwei Filets hat», erklärt die Bäuerin und frischgebackene Ladenführerin bestimmt.

Extra Gärtnerin angestellt

Auf ihrem Betrieb in Vielbringen werde nach den Vorschriften der Integrierten Produktion gewirtschaftet. Zudem gehören Schneiders dem Verein «Früsch vo Worb» an, der unter diesem Label lokale Produkte vermarktet (der «Bund» berichtete). Um zu gewährleisten, dass immer genug Gemüse da sei, stellten sie zu 100 Prozent eine Gärtnerin an, sagt Schneider. Hinzu komme eine Aushilfe, die zu 50 Prozent arbeite. «Zum Glück springt auch die Schwiegermutter ein, wenns beispielsweise ums Bohnen dörren geht». Im Dorfladen selber sind sie zu dritt: Zwei Frauen helfen ihr, die Verkaufszeiten abzudecken. Die Räumlichkeiten seien vor kurzem erst neu ausgebaut worden, so Vreni Schneider weiter.

Auch Marktkundinnen und -kunden kommen weiterhin auf ihre Rechnung: Den dortigen Stand will Vreni Schneider wie gewohnt - aber neuerdings auf dem Bärenplatz - aufstellen.

Landbote, 1. März 2001

Früher Mostproduzent - heute Gewerbepark

Als langjähriger Werkstattchef in der «Mosti» Worb erlebt Bruno Frey die Einstellung der Mostproduktion im Jahre 1992 mit.

Regina Gerber

«Wo früher der Obstsaft in Strömen geflossen ist, sind heute verschiedene Gewerbe untergebracht.»

«Diese Utensilien gehören einfach hierher», macht Bruno Frey deutlich. Der alteingesessene Werkstattchef der «Mosti» Worb zeigt auf die uralten Küferwerkzeuge. «Jedes einzelne Stück habe ich letztes Jahr von der Pomdor AG zurückgekauft», erklärt er stolz. Heute schmücken sie die Wand des alten, zum Treffpunkt ausgebauten Schnapskellers.

Ein kurzer Rückblick

«Die Bernische Grossmosterei Worb AG entstand am 16. Mai 1917 mit einem Aktienkapital von 510'000 Franken», legt Frey dar. 1990 galt die «Mosti» Worb als der drittgrösste moderne Mostereibetrieb in der Schweiz. «Ende der Fünfziger ,fahre stieg der Coop Schweiz ins Geschäft ein», sagt Frey aus. Aufgrund des 1974 entstandenen Neubaus seien sämtliche Aktienanteile an den Grossverteiler übergegangen. «1978 war die «Mosti» Worb zu hundert Prozent Eigenproduktionsbetrieb der Coop.» Kostspielige Investitionen in die Modernisierung des Betriebes folgten. 1991 habe die Pomdor AG den Betrieb schliesslich - ohne die Liegenschaften - übernommen. «Seit 1995 ist die «Mosti» definitiv stillgelegt», bedauert Frey. Die Räumlichkeiten werden an verschiedene Betriebe vermietet. Zu den Mietern zählen die Firmen KAMA zur Verstellung von Kaffeemaschinen und Läderach. Läderach lagere hier Egger Produkte ein. Auch das Unternehmen Hoco Hofer Schaumstoffe sowie die Firma Liev Sounds für Beleuchtung und Beschallung seien in der «Mosti» untergebracht. Ebenso das Tonstudio der «Schoppers». «Das Gebäude steht zum Verkauf ausgeschrieben», so Frey.

Schwieriger Start im Jahre 1917

Während der Errichtungsphase der Liegenschaft führten Arbeitermangel, Preissteigerungen und das Fehlen einzelner Materialien zur Verzögerung der Bauarbeiten. Das bereits in rauhen Mengen zugeführte, leicht verderbliche Obst habe vorerst in provisorischen Einrichtungen gelagert werden müssen. Dem damaligen Geschäftsführer Rudolf Winkler sei es jedoch gelungen, diese Probleme zu meistern. «Immerhin konnten von diesem Obst insgesamt 31'820 Kilozentner vermostet und daraus 1'750'000 Liter Obstwein erzeugt werden.»

Erinnerungen

«1969 wurde ich von der Coop Basel nach Worb versetzt», blickt Frey zurück. Infolge eines Unfalls habe er seine frühere Tätigkeit im Grossapparatenbau nicht mehr vollständig ausüben können.

In der «Mosti» war ich für den gesamten Unterhalt der Technik zuständig», erinnert sich Frey. Er kramt einen Briefumschlag mit alten Fotografien hervor. «Die Doppelpresse wurde 1972 durch die vollautomatische Presse ersetzt», erwähnt Frey. Von den sechs alten Brennhäfen existiere nur noch der von ihm eigenhändig polierte Deckel an der Wand. «Erinnerungen an längst vergangene Tage», schwärmt der Werkstattchef, «Zu schade zum Wegwerfen oder in einer Ecke Verstauben lassen.»

BZ, 16. September 1994

WORB

Joghurt aus der Milch «glücklicher Kühe»

Die Käserei Worb wartet seit Mitte August mit einem neuen handgerührten Joghurt auf. Als Herstellungsbasis dient Milch aus Integrierter Produktion. Im Vordergrund stehen artgerechte Tierhaltung und Schonung der Umwelt.

Werner Herrmann, Käsermeister der Käsereigenossenschaft Worb-Enggistein, steht früh auf: sein Arbeitstag beginnt von Montag bis Samstag jeweils um 4.30 Uhr. Sobald die Milch der 34 Genossenschafter angeliefert, gesiebt, gewogen und in zwei verschiedene Gefässe abgefüllt worden ist, beginnt die Produktion. Zwei Gefässe braucht es deshalb, weil ungefähr 400 Liter Milch pro Tag aus Integrierter Produktion (IPG), stammen und für die Herstellung des neuen IP-Joghurts verwendet werden. Herrmann betont, dass die Trennung dieser beiden Milchqualitäten sowohl in der Milchsammelstelle Enggistein wie auch in Worb garantiert sei und ausschliesslich IP-Milch der IP-Joghurtherstellung zugeführt würde. Die Milch aus artgerechter Nutztierhaltung wird im Pasteur erhitzt, abgekühlt und mit Joghurtkulturen infiziert, bei ungefähr 45 C «ausgebrütet» und schliesslich im Kühlraum bis zum nächsten Morgen gelagert.

Im Gegensatz zu den meisten Betrieben wird in Worb ohne die Hilfe hochtechnologisierter Anlagen noch alles von Hand gemacht: Vom Aufrühren der Joghurtmasse über das Beigeben der Ingredienzien (Aromen und Zucker) und Abfüllen in Gläser oder Becher bis hin zum Etikettieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Zucker- oder Fruchtanteil zweier Joghurts aus verschiedenen Produktionslosen merkbar unterschiedlich ausfällt. Andererseits werden die handgerührten Joghurts durch den schonungsvollen Herstellablauf sämiger. Aber nicht nur wegen der Qualität seiner Produkte setzt Herrmann auf Handwerk: «Würde ich den Betrieb automatisieren, gingen drei Arbeitsplätze verloren, das möchte ich vermeiden.»

Strenge Kontrollen

Wirklich neu ist nicht die Herstellart der IP-Joghurts sondern ausschliesslich jene der Milch. IP-Produkte unterliegen strengen Richtlinien und Kontrollen (siehe Kasten). Unterschiede zur <normalen> Milch sind weder erkennbar noch messbar. Sowohl der Nährgehalt als auch die Eiweiss- und Milchfettgehalte erreichen bei beiden Milcharten die gleichen Werte.

Worber Joghurts sind teurer als die der Grossverteiler. Der Ladenpreis für normale und IP-Worber-Joghurts wird aber der selbe sein. Dies, obwohl Herrmann den Bauern für den zusätzlichen Aufwand 2-4 Rappen pro Kilo IP-Milch mehr bezahlt. «Viele unserer 34 Milchlieferanten möchten gerne IP-Milch liefern, unser Bedarf mit sechs in Enggistein und sechs in Worb ist aber momentan gedeckt», erklärt Herrmann. In Zukunft werden aber mehr IP-Bauern benötigt, da bereits zwei neue Ideen am Reifen sind. Der innovative Käsermeister möchte gerne IP-Pastmilch und eventuell IP-Mutschli auf den Markt bringen.

Herrmann legt Wert darauf, dass der urchige Anstrich seines Betriebes Bestand hat. Wohl seien seine Produkte handgerührt, ohne chemische Zusätze und nehme er kleinere Reparaturen selbst an die Hand, was das Image des Selfmademans rechtfertige. Marketing und Werbung hingegen erfolgen aber in Zusammenarbeit mit der Intermilch AG, die gleichzeitig Grossabnehmerin der Chäsi-Produkte ist. «Der Verkauf muss voll professionell sein, sonst haben wir auf dem Markt keine Chance», weiss Herrmann. Dank dieses Verkaufskanals sind Worber Joghurts in der ganzen Region bekannt. Acht Angestellte und Herrmanns Ehefrau arbeiten in der Käserei mit. «Wir sind eine Grossfamilie. Hier tragen alle zum Erfolg bei», gibt sich Herrmann stolz. Gemeinsam wird am Küchentisch gegessen, über den Alltag diskutiert und nach neuen Produktideen gesucht.

Für die Belegschaft ist nebst Produktivität Sauberkeit oberstes Gebot. Herrmanns Betrieb ist im Hygienebereich aber noch nicht auf dem neuesten Stand: Verschiedene Installationen und Kopfhauben müssen nachgerüstet werden. Seine Strategie, «den anderen immer einen Schritt voraus sein», ist in diesem Bereich noch nicht erfüllt.

Geglückter Start

«Der Versuch der IP-Joghurts verlief bisher in Anbetracht des Werbeaufwandes sehr gut», meint Herrmann bescheiden. Er vertraut darauf, dass sich auch für die IP-Joghurts unter den Worber Produkten bald eine Stammkundschaft bilden wird. Schliesslich sei die Nachfrage nach naturnahen Produkten sehr gross, glaubt Herrmann. Auf Bio-Produkte will Herrmann nicht umstellen. Die Kosten dazu sind ihm zu hoch. Es sei ihm wichtiger, innerhalb der heutigen Möglichkeiten naturgerechte Produkte zu einem vertretbaren Preis herzustellen, erklärt er. Mit diesem Prinzip hofft Herrmann, eine breite Käuferschaft anzusprechen und sich gleichzeitig den Bio-Ansprüchen annähern zu können.

mmb

Käfer in der Milch?

1994 schuf die Schweizerische Vereinigung der integriert produzierenden Bauern und Bäuerinnen das IP-Label für Milch. Unter dem Markenzeichen (grüner Käfer) produzieren Milchlieferanten, die den Betrieb nach vom Bund anerkannten Richtlinien und folgenden Bedingungen führen:

  • bei Neu- und Umbauten tiergerechte Haltungsformen

  • tägliche Weidung/regelmässiger Auslauf

  • Verbot von Wachstums- und Leistungsförderern

  • Verbot von Manipulationen durch Gentechnologie

  • Naturfutterbau mit bestimmtem Dauerwiesenanteil

  • Düngung nur mit hygienisiertem Klärschlamm

BZ

BZ, 10. Juli 1986

Zwei Firmen sollen der. Umwelt zuliebe den Dorfkern verlassen

«Sägesser Worb AG» und «Verzinkerei Worb AG» hegen Neubaupläne in der Industriezone Worb SBB

«Unsere Emissionen sind nicht schädlich, aber störend», hält der Worber Firmenleiter Richard Sägesser zur beabsichtigten Verlegung seiner beiden Betriebe fest. Damit vor allem die Verzinkerei «sinnvoll modernisiert und den neuen Bestimmungen der Luftreinhalteverordnung angepasst» werden könne, dränge sich ein Neubau auf. Auch das Stahlbau-Unternehmen soll den Worber Dorfkern verlassen. Eine Lösung zeichnet sich nun in der Industriezone Worb SBB ab.

Iren Kläy

Der 100. Geburtstag der «Sägesser Worb AG» und der 60. Geburtstag ihres Schwesterbetriebes, der «Verzinkerei Worb AG», bringt Neuerungen: Die beiden alten Worber Firmen im Mühlacker sollen den Dorfkern verlassen und in die Industriezone Worb SBB verlegt werden. «Es geht nicht primär um eine Vergrösserung», hält Firmenleiter Richard Sägesser fest. Im Zusammenhang mit den neuen Bestimmungen der Luftreinhalteverordnung, die am 1, März dieses Jahres in Kraft traten und innerhalb von zwei Jahren eingehalten werden sollten, dränge sich ein neuer Betrieb an einem neuen Standort auf.

Ungefilterte Abluft

«Am heutigen Platz können wir nicht mehr sinnvoll modernisieren», begründet Sägesser die Zügelabsichten. In erster Linie gehe es um die Sanierung und die Verlegung der Verzinkerei. «Unsere Emissionen (Amoniak) sind zwar nicht schädlich», betont er, «aber störend», gibt er zu. Die Abluft ströme heute ungefiltert zum Kamin hinaus und bilde Nebelschwaden. Die neuen Vorschriften verlangen eine Filteranlage, die verhindere, dass Nebel und Gestank ausströmen. Zudem könnten sie den Dorfkern auch von Lärm und Verkehr entlasten. Und für die Mitarbeiter habe die Sanierung ebenfalls einen positiven Effekt. «Die Anlagen sind sauberer, und es strömen ihnen weniger Dämpfe ins Gesicht», nennt Richard Sägesser einen weiteren Vorteil.

Als eine der ältesten Verzinkereien hätten sie bisher wenig Umweltschutzmassnahmen getroffen, da sich nichts Genaues abgezeichnet habe. Weil die beiden Schwesterbetriebe eng zusammenarbeiten, soll auch das Stahlbau-Unternehmen Sägesser an den gleichen Ort ziehen, damit die Vorteile, die die Nähe bringt, beibehalten werden können.

Gemeinde verhandelt

Die Pläne, in der Industriezone Worb SBB einen Neubau zu errichten, sind konkreter denn je. Als erstes hat sich die Gemeinde Worb mit Erfolg dafür eingesetzt, dass dieses Gebiet nicht mit einer Planungszone belegt wird. «Mit dem grössten Landbesitzer, der Erbengemeinschaft Wyss, haben wir uns geeinigt, die Landabtauschbedingungen festgelegt und einen Kaufvertrag abgeschlossen», sagt Gemeinderat Peter Bernasconi. Demnächst würden sie mit den andern Landbesitzern verhandeln. Der Umwelt und der Erhaltung von Arbeitsplätzen zuliebe bemühe sich die Gemeinde um diese Verlegung.

Richard Sägesser spricht von einem Grobprojekt, das sie aufgrund des Platzangebotes bereits hätten ausarbeiten lassen, um zu schauen, was sinnvoll verwirklicht werden könne, falls die Gemeinde ihnen das Land abtrete. Über den Preis hätten sie sich allerdings noch nicht unterhalten, doch was man so höre, liege im Rahmen, meint Sägesser. «Die Gesamtkosten hangen davon ab, wieviel das Land kostet, wie stark sie den Betrieb ausbauen wollen und was mit den alten Gebäulichkeiten passiert», meint Sägesser zur Summe, die sie für das Vorhaben aufwenden müssten. Er rechnet grob mit 10 bis 15 Millionen Franken.

Keine Erweiterung

Jetzt belegten die beiden Betriebe eine Fläche von 26000 Quadratmetern, doch sei die «lange und schmale Form nicht ideal». Wenn sie rechteckiger bauen könnten, kämen sie mit 20000 bis 22000 Quadratmetern (bei gleicher Reserve wie heute) aus, so Richard Sägesser zum Platzanspruch. Die Anlagen sollten eher reduziert als erweitert werden. So planen sie anstelle der vier Verzinkbäder, von denen noch drei in Betrieb sind, nur noch deren zwei, die jedoch die gleiche Kapazität aufweisen. «Vom Markt her liegt eine Vergrösserung der Kapazität nicht drin und wäre unrealistisch», hält der Firmenleiter dazu fest. Sie strebten eine Modernisierung auch der Arbeitsplätze an, aber keine Rationalisierung. Das Verzinken sei vorwiegend Handarbeit und lasse sich schlecht automatisieren, meint er zur Beibehaltung der 90 Arbeitsplätze.

«Auch wenn nun alles reibungslos läuft, kann der Termin der Luftreinhalteverordnung 1. März 1988 nicht ganz einhalten werden.» Richard Sägesser rechnet damit, die Verzinkerei Ende 1988 am neuen Standort in Betrieb nehmen zu können. Das Stahlbau-Unternehmen soll anschliessend, sukzessive ohne Betriebsunterbruch nachziehen.

100 Jahre «Sägesser»,
60 Jahre «Verzinkerei»

ikh. Genau vor 100 Jahren zog Gottlieb Sägesser-Schmid von Walkringen nach Worb und eröffnete mitten im Dorf eine kleine Schlosserei. Diesen Betrieb übernahmen 1916 die beiden Söhne Eduard und Gottlieb. Zehn Jahre später begannen sie, ihre Schlossereiprodukte in eigenen Anlagen durch Verzinken gegen Korrosion zu schützen. So hiess der Betrieb von da an «Gebrüder Sägesser Eisenbau und Verzinkerei Worb».

1944 wurde die Verzinkungsabteilung an ihren heutigen Standort im Mühlacker beim Bahnhof verlegt und drei Jahre später unter dem Namen «Verzinkerei Worb AG» in eine selbständige Aktiengesellschaft umgewandelt. Zum Ausbau der Kapazität erhielt sie gleichzeitig ein drittes Zinkbad. 1948 übernahm Otto Sägesser, der Sohn von Gottlieb Sägesser-von-Tobel, die Verzinkerei. 1951 entstand dann auch aus dem Schlossereibetrieb eine Aktiengesellschaft, und zwar unter dem Namen «Gebrüder Sägesser Eisenbau Worb AG». Und unter dem Namen «Otto Sägesser Worb AG» begann Otto Sägesser 1957 auf eigene Rechnung mit der Herstellung von Metallbauartikeln wie Kandelabern sowie von Apparaten und Maschinen. Diese beiden Firmen schlossen sich 1961 zur heutigen Firma «Sägesser Worb AG» zusammen. Als Delegierter des Verwaltungsrates übernahm Otto Sägesser die Leitung der neuen Firma, deren Wachstum bald einen Ausbau der Produktionsanlagen erforderte.

So entstanden 1961 und 1964 neue Hallen. 1962 wurde auch die Verzinkerei vergrössert und eine neue Halle gebaut, wo das vierte und grösste Zinkbad eingerichtet wurde. Letztes Jahr übergab Otto Sägesser nach 45jähriger Geschäftstätigkeit - wovon er 30 Jahre in der Geschäftsleitung sass - seinem Sohn Richard Sägesser die Firmenleitung. Somit steht im 100. Jahr der «Sägesser Worb AG» und im 60. Jahr der «Verzinkerei Worb AG» die vierte Generation an der Unternehmensspitze.

Die Sägesser Worb AG ist als Produktionsbetrieb in folgenden drei Bereichen tätig: zur Hauptsache in Stahlbau und Stahlhochbau, aber auch im Mastenbau (Fachwerk-, Beleuchtungs- und Fahnenmaste) sowie im Blech- und Apparatebau. Bei rund 80 Prozent der Aufträge handelt es sich um Einzelanfertigungen, beim Rest um zum Teil ab Lager erhältliche Norm- und Standardartikel. Die Kundschaft rekrutiert sich vor allem aus der Baubranche, den öffentlichen Verwaltungen, Elektrizitätswerken und Industrie.

Der Dienstleistungsbetrieb Verzinkerei Worb AG befasst sich in erster Linie mit dem Schutz von Stahl- und Eisenteilen durch Feuerverzinken. Diese Methode gilt nach wie vor als bester und kostengünstigster Schutz gegen Korrosion. Daneben werden weitere Verfahren angeboten, wie Promatverzinken, Sandstrahlen, Spritzverzinken oder Duplexieren. Zu ihren Kunden zählen vorwiegend Stahlbau-, Metallbau- und Schlossereibetriebe.

Der Kundenkreis der beiden Unternehmen stammt zur Hauptsache aus dem Kanton Bern und den umliegenden Kantonen, derjenige der Verzinkerei reicht bis in die Westschweiz. Letztes Jahr verzeichneten die beiden Firmen mit insgesamt 90 Beschäftigten einen Umsatz von 9,5 Millionen Franken. Den Erfolg führt Firmenleiter Richard Sägesser auf «die Qualität der Produkte und der Arbeit» zurück, aber auch auf die «vielfältigen Dienstleistungen». Mit Transportservice, Kundenbetreuung, einem eigenen Ingenieurbüro sowie der guten Termintreue hätten sie sich einen Namen gemacht. «Wir machen zwar nicht immer die billigsten Offerten, doch bieten wir den Kunden einen guten Gegenwert für den Preis», hält Richard Sägesser fest.

Der Bund, 13. Dezember 2001

BAUPROJEKT

Skibelags-Produzentin zügelt von Ittigen nach Worb

Die IMS Kunststoff AG will künftig nicht mehr in Ittigen, sondern im Industriegebiet Worb SBB Laufflächen für Skis und Snowboards herstellen. Im Frühling soll der Neubau fertig sein. Worbs SP verlautbart, sie gehöre nicht zu den Projektgegnern.

bas. An Ski- und Snowboardproduzenten in aller Welt liefert die Ittiger IMS Kunststoff AG nach Auskunft von Irene Grob Lauf- und Oberflächen aus Kunststoff. Grob ist Standortleiterin der Schweizer Produktion der Firma, die, so Grob, zu den beiden Leadern in der Sparte gehört. Drei weitere Produktionsstätten befinden sich in Österreich, Deutschland und Frankreich. Auf dem Gelände der Gurit-Worbla, auf dem die IMS heute tätig sei, plane der Bund ein neues Verwaltungsgebäude. Deshalb habe sich die Firma nach einem neuen Standort umgesehen, sagt Grob. Fündig geworden ist sie in Worb: An der Rütimoosstrasse, im bereits erschlossenen Teil des Industriegebiets Worb SBB, plant sie einen zweigeschossigen Neubau mit Produktionshalle und Büros sowie oberirdische Parkplätze. Können die Bauarbeiten wie angestrebt Ende Januar in Angriff genommen werden, wäre der Fertigelement-Stahlbau laut Grob bereits Ende Mai fertig. Die IMS bringt vorerst 30 Arbeitsplätze in die Gemeinde Worb; ungefähr fünf weitere sollen später noch dazukommen.

Neun Einsprachen

Gegen das Bauvorhaben der IMS sind nach Auskunft des Worber Bauverwalters Paul Fehlmann neun Einsprachen mit Rechtsverwahrungen und eine Rechtsverwahrung eingegangen. Die Absender wohnten allesamt in nächster Umgebung des geplanten Neubaus. Ihre Eingaben würden nun eingehend geprüft, die Bauherrschaft verzichte auf Einigungsverhandlungen. Nach Einschätzung Fehlmanns sind die Chancen, dass die Bauabteilung das Vorhaben der IMS Kunststoff AG bewilligen wird, intakt: Das Projekt sei zonenkonform, die kantonalen Ämter hätten in ihren Berichten keine Einwände geäussert.

SP nur gegen Ringgenberg

Die Opposition gegen die Pläne der IMS habe in Teilen der Bevölkerung, aber auch bei möglichen Investoren zu Verunsicherung geführt, hat die Worber SP festgestellt. Sie engagiert sich im Widerstand gegen das Wiederaufbereitungsprojekt der Bauschutt-Rezyklierfirma Ringgenberg Belp AG im noch unerschlossenen Teil des Industriegebiets Worb SBB. Gegen den Bauabschlag der Worber Baukommission hat die Firma Beschwerde erhoben, nun muss die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion entscheiden. Nach einer Diskussion an der Parteiversammlung teilt die Worber SP nun in einem Communiqué mit, ihr Einsatz richte sich einzig gegen das «Deponieprojekt» der Firma Ringgenberg, weil dieses die Attraktivität der Industriezone stark einschränke. Sie strebe aber die Ansiedlung von Firmen - möglichst aus Wachstumsbranchen - an, die neue Arbeitsplätze «mit überdurchschnittlichem Lohnniveau» anböten und so für die Gemeinde zu einem echten wirtschaftlichen Aufschwung beitragen könnten. Die SP Worb distanziere sich in aller Form von Gruppierungen und Personen, die in Bezug auf die Industriezone Worb SBB eine «pauschale, undifferenzierte Verhinderungstaktik» verfolgten, teilt die Partei mit.

Läderach-Projekt «ungewiss»

Neben dem bereits neu gebauten Pneu-Service im nördlichen Teil des Industriegebiets Worb SBB besitzt das Worber Transportunternehmen Läderach eine Parzelle; seit einiger Zeit werden dort Aufschüttungsarbeiten ausgeführt. Ursprünglich habe das Unternehmen auf dem Land ein Lagerhaus und eine Fahrzeughalle bauen wollen, sagt Geschäftsinhaber Stefan Läderach. Die Planung sei an sich abgeschlossen, das Baugesuch könnte eingereicht werden. Ob die Vorhaben tatsächlich realisiert würden, hänge aber von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, so Läderach. Falls gebaut werde, geschehe dies in den nächsten drei bis fünf Jahren.

BZ, 22. Juni 2002

WIRTSCHAFTSSTANDORT WORB

Wird am Montag der «fade Beigeschmack» beseitigt?

«Was unternimmt der Gemeinderat?», hat die FDP-Fraktion bezüglich der Aeschbacher AG gefragt. Die Druckerei lagert vielleicht einen Teil der Produktion aus. Am Montag gibt der Gemeinderat Antwort.

Brigitte Walser

«Wir werden das beobachten», sagt Markus Lädrach. Der Präsident des Worber Gewerbevereins Worber Gwärb meint die FDP-Interpellation, die am kommenden Montag im Worber Parlament beantwortet wird. Die Partei verwies in ihrer Anfrage auf die Aeschbacher AG. Die Druckerei hat von den SBB einen Grossauftrag erhalten. Eine erfreuliche Nachricht, die für die Gemeinde aber einen «faden Beigeschmack» habe, schrieb die FDP. Denn die Aeschbacher AG erwägt eine Auslagerung der Produktion. «Was unternimmt der Gemeinderat, damit die Firma die zusätzlichen Arbeitsplätze in unserer Gemeinde errichten wird?», fragt die FDP. Der Gemeinderat wird am Montag antworten.

Gespräche fanden statt

«Die FDP-Interpellation ist ein gutes Beispiel», fährt Gewerbepräsident Lädrach fort. Der Gemeinderat könne damit zeigen, wie ernst es ihm mit der Wirtschaftsförderung sei. «Wir wären überrascht, wenn die Exekutive nicht reagiert», so Lädrach. Der Verein würde in diesem Fall einschreiten.

Der Gemeinderat hat gehandelt. «Er meldete sich bei uns», sagte Hans-Jürg Aeschbacher gestern. Es hätten Gespräche stattgefunden. Mehr will der Geschäftsleiter nicht sagen. Ob die Billette für die SBB in Worb gedruckt werden, ist nach wie vor unklar. Dieser Entscheid werde nicht von einem Tag auf den andern gefällt, sagte Aeschbacher. «Das muss längerfristig geplant werden.»

Am Anfang kein Umzug

Fest steht: Die Druckerei beginnt mit der Produktion der Billette für den SBB-Auftrag in Worb. «Denn die erste Lieferung ist bereits im November fällig», so Aeschbacher. Er wird dazu neue Mitarbeiter einstellen. Und bei Einstellungsgesprächen hat er die Erfahrung gemacht: «Die Arbeitsumgebung ist mindestens ebenso wichtig wie der Lohn.» Aeschbacher hatte dem Gemeinderat diesbezüglich vorgeworfen, er sei wenig wirtschaftsfreundlich. Gewerbepräsident Markus Lädrach will das nicht pauschalisieren. Es komme vor, dass «mal ein Gewerbler das Heu nicht auf der gleichen Bühne» habe wie der Gemeindepräsident. Man müsse selber aktiv werden: «Die Gemeinde handelt nicht von sich aus.» Doch sie gebe immer eine Antwort. Das wird sie auch am Montag im Parlament tun.

BZ, 26. Juni 2002

WIRTSCHAFTSSTANDORT WORB

FDP akzeptiert die Antwort des Gemeinderates

«Wir nehmen die Anliegen der Worber Firmen ernst», versichert der Gemeinderat. Die FDP gibt sich damit zufrieden.

«Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen», sagte Ulrich Emch (FDP) und meinte damit Worb als attraktiven Wirtschaftsstandort. Er hatte dem Gemeinderat in diesem Zusammenhang einige Fragen gestellt, die Gemeindepräsident Peter Bernasconi (SP) am Montag beantwortete. Auslöser war die Druckerei Aeschbacher AG. Sie hat einen grossen Auftrag erhalten. Ob dieser in Worb ausgeführt wird, ist aber noch nicht klar. «Wenn wir Kenntnis von solchen Fällen haben, nehmen wir sie ernst und handeln», sagte Bernasconi. Dazu brauche es aber beide Parteien: «Die Aeschbacher AG hat uns nie aufgesucht.» Jetzt habe die Gemeinde die Firma kontaktiert. Die Druckerei habe ein Raumproblem. «Wir können nicht garantieren, dieses zu lösen», so Bernasconi. Aber die Druckerei habe zugesichert, die Produktion für den Auftrag in Worb zu starten. Einen Vorwurf von Geschäftsleiter Hans-Jörg Aeschbacher konnte Bernasconi nur bestätigen: «Die Worber Verkehrssituation ist nicht gut.» Aber daran könne die Gemeinde kurzfristig nichts ändern.

«Wir sind jederzeit kurzfristig zu Gesprächen bereit», so Bernasconi. Der Wirtschaftsausschuss, er ist Teil der Planungskommission, kümmere sich um Anliegen der Firmen. «Bewilligungsverfahren versuchen wir schnell durchzubringen.» Eine Ausnahme bilde die Firma Ringgenberg. «Die Ansiedelung der Bauschuttdeponie versuchen wir in eurem Auftrag zu verhindern», wandte sich der Gemeindepräsident ans Parlament.

Die FDP gab sich mit dieser Antwort zufrieden. Es sei erfreulich, dass Gespräche mit der Druckerei stattgefunden hätten. «Wir sind auf gutem Wege - wenn auch noch nicht am Ziel», schloss Ulrich Emch.

bw