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BZ, 3. Februar 2001
GEOLOGISCHER FUND
Als bei Worb noch das Meer rauschte
Der Geologe Reto Burkhalter hat einen Wurzelstock untersucht.
Das Besondere am Fundstück aus Worb ist seine Geschichte. Das fossile Holz
wurde vor 18 Millionen Jahren ins Meer geschwemmt.
Helena Jansen
«Mit Saurierknochen und Mammutschädeln können
wir Geologen die Öffentlichkeit leider nur selten beeindrucken», sagt Reto
Burkhalter gleich vorneweg. Unscheinbares Gestein, sei für die Menschen halt
nicht ganz so aufregend wie die wilden Viecher aus dem «Jurassic Park».
Spannend ist Geologie aber auch ohne Monster: In einer Baugrube am Sonnhaldeweg
6 in Worb entdeckte ein Lehrer mehrere fossile Holzstücke, darunter einen 7,5
Meter langen Baumstamm. Geologe Burkhalter untersuchte den Fund. Das
unscheinbare schwarzgraue Stück Holz zeugt von einem längst vergangenen
Kapitel Erdgeschichte: Die Historie vom Flecken Erde, auf dem heute die Worber
ihre Häuser bauen oder Auto und «Bähnli» fahren.
Nichts als, Steine
Der Laie erkennt auf Burkhalters Fotografien vom
Fundort nur eines: graue Steine, schwarze Steine und braune Steine nichts als
Steine. «Das sind nicht Steine, sondern das ist Holz, das durch starken Druck
und hohe Temperaturen zu Kohle wurde», präzisiert Burkhalter und zeigt auf
eine dunkle Rinne im Boden. «Hier ist der Stamm, und das sind die Wurzeln.» Es
ist bekannt, dass Worb im frühen Miozän unter Wasser lag. Wie aber kam das nun
gefundene Holz ins Meer?
Burkhalter hat seine Bilder in den Computer
eingelesen. Auf dem Bildschirm ist rund um den Wurzelstock in der
Gesteinsschicht deutlich eine Blaufärbung erkennbar. «Lätt», erklärt der
Fachmann. Lehm, der am Wurzelstock anhaft. «Obwohl der Baumstamm von einem
Fluss ins Meer geschwemmt wurde, ist der Lehm nicht weggespült worden»,
erklärt Burkhalter. «Das bedeutet: Der Baum wurde von seinem Standort nicht
weit weggeschwemmt, und er muss nahe bei der Küste liegen geblieben sein. »
Bei langen Strecken im Wasser wäre der Lehm
verloren gegangen. Was schliesst der findige Forscher daraus? «Nicht weit vom
Fundort hat der Flusslauf von den Alpen durch das Gebiet des heutigen Emmentals
ins Meer gemündet.» Die Gegend lag in der Nähe eines Deltas. «Die
Gesteinsschichten und die Anhäufung von Holzablagerungen weisen jedenfalls
darauf hin, dass Worb nicht mitten unter dem Meer, sondern nahe an er Küste
lag.»
Am Worber Meeresstrand
Der Fund aus Worb sei für die Forschung ein
weiteres Mosaikstück und helfe, den Verlauf der Küste des Molassemeeres näher
zu bestimmen, erklärt Burkhalter.
Damals, vor 19 bis 18 Millionen Jahren im
geologischen Zeitalter Miozän, herrschte in Worb ein subtropisches Klima. «In
den umliegenden Wäldern wuchsen Palmen und der Zimtbaum», mutmasst Reto
Burkhalter. Und um einen geläufigen Irrtum gleich vorwegzunehmen fügt er
hinzu: «Der Meeresspiegel ist seither natürlich nicht gesunken, wie viele
Leute glauben, sondern das Mittelland liegt heute durch tektonische Hebungen 600
Meter höher.»
Die Bergung wäre zu teuer
Der Fund aus Worb wird zurzeit im
Naturhistorischen Museum Bern untersucht. Ein grosser Teil des fossilen Holzes
bleibt aber weiterhin unter der Erde. «Es wäre zu teuer und aufwändig, alles
Material zu bergen», meint Burkhalter. Ein Verlust für die Forschung? «So ist
das haIt», zuckt Burkhalter die Schultern: «Zumindest konnten wir den Fund
wissenschaftlich dokumentieren und ein paar Stücke davon retten.»
Leckerbissen für Worber Geologie-Fans
Ob Miozän oder Holozän, Nagelfluh oder
Sandstein - Informationen über geologische Daten der Schweiz liefern die
Karten der Geologischen Landesaufnahme vom Bundesamt für Wasser und
Geologie. Seit 1930 arbeitet die Stelle daran, die Schweiz geologisch zu
erfassen. Im vergangenen Jahr ist das Blatt Worb veröffentlicht worden.
«Zurzeit arbeiten wir an den Erläuterungen», informiert Reto Burkhalter
von der Geologischen Landesaufnahme. Das Begleitheft werde noch dieses
Jahr erscheinen und sei kostenlos zur Karte erhältlich. Unter anderem
wird darin auch die von Burkhalter untersuchte Holzablagerung in der
Molasse beschrieben.
hjt
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