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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Genealogie - Genealogiezentrum

BZ, 5. Januar 2005

 

FAMILIENFORSCHUNG/STAATSARCHIV

Per Mausklick in die Kirchenbücher

Zwei Jahre lang kämpften die Familienforscher für uneingeschränkten Zugang zum Staatsarchiv. Jetzt werden die Mikrofilme überflüssig, weil ein Amerikaner die Kirchenbücher des Kantons Bern auf CD anbietet.

Tagelang, ja wochenlang sind sie im Staatsarchiv gesessen. Dort haben die Familienforscher auf den Lesegeräten die Mikrofilme der Kirchenbücher der Vergangenheit durchforstet. In aller Ruhe. Bis der Regierungsrat mit dem Sparpaket SAR im Herbst 2002 auch im Staatsarchiv den Hebel ansetzte - und eine Stelle abbaute. Damit war auch klar, was den regelmässigen Gästen im Staatsarchiv blühte: Als Folge der Sparmassnahme wurde der Zugang für regelmässige Forscher massiv eingeschränkt. Nur noch an drei Tagen pro Jahr, so die neue Regelung, sollten von nun an Familienforscher ein Lesegerät reservieren können. Zwar verzögerte eine Beschwerde aus dem Kreis der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Bern (GHGB) die neue Regelung um mehrere Monate, doch verhindern konnten die Familienforscher den eingeschränkten Zugang nicht. Das Verwaltungsgericht wies im Frühsommer 2004 die Beschwerde ab, worauf die neue Benutzerordnung in Kraft getreten ist.

Neue Perspektive

Nun werden die Liebhaber der Vergangenheit von der Technik der Zukunft überrumpelt: Die faktische Schliessung des Staatsarchivs kann den Familienforschern nämlich schon bald egal sein. Eine neue Perspektive bietet ihnen ausgerechnet Lewis B. Rohrbach. Der 63-jährige Amerikaner, dessen Ururgrossvater aus Hinterfultigen (Rüeggisberg) in die USA ausgewandert war, erschien den Familienforschern während der Auseinandersetzung mit dem Staatsarchiv suspekt. Er wollte anfänglich sämtliche Mikrofilme der bernischen Kirchenbücher kopieren und sie in einem Zentrum in Worb zum Verleih anbieten - gegen eine Gebühr. Doch davon ist heute keine Rede mehr. In den letzten zwei Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten derart verändert, dass Rohrbach in den letzten Wochen die Forscher regelrecht in Staunen versetzte.

Mikrofilme digitalisiert

Rohrbach, der in der Kleinstadt Rockport (Bundesstaat Maine) seit 35 Jahren den Verlag Picton Press und in dieser Zeit über 500 genealogische und historische Bücher publizierte, hat im letzten Jahr praktisch sämtliche 1225 Mikrofilm-Rollen der bernischen Kirchenbücher gekauft und digitalisiert, wie er sagt. Auf eigene Kosten beschaffte er sich eine entsprechende Maschine und beschäftigte während Monaten sechs Frauen, die die Kirchenbücher anschliessend indexierten. Die Digitalisierung der Kirchenbücher aus den 400 bernischen Gemeinden ist nun praktisch abgeschlossen. Nur noch wenige Kirchenbücherfehlen, darunter auch jene von Bern.

Das Resultat lässt sich sehen: Wer sich für eine Familienforschung bislang in gut und gern einem Dutzend Mikrofilmrollen abmühen musste - notabene in Negativschrift -, verfügt nun über alle Daten auf einer CD. Je nach Grösse der Gemeinde benötigen die digitalisierten Kirchenbücher Speicherplatz auf mehreren CD. In Forscherkreisen zeigt man sich bisweilen begeistert vom Resultat. Die Qualität sei ausserordentlich gut und störende Schriften der Rückseiten würden oft herausgefiltert. Peter Wälti, Vizepräsident der GHGB, äussert sich zwar zurückhaltend, doch für ihn ist der Fall klar: Er selber sehe die digitalisierten CD als «positive Entwicklung». Tatsächlich sei die Suche auf dem Datenträger massiv schneller als bisher bei den Mikrofilmen. Dies vor allem deshalb, weil die Durchsicht mehrerer Kirchenrodel aus der gleichen Gemeinde wesentlich effizienter ist als bisher. Wie die Haltung des Vereins auf die neuste Entwicklung sei, werde die Hauptversammlung erst noch zeigen. Denn Kritik an Rohrbach wurde immer wieder wegen der Kosten laut. Rohrbach sagte zum Entsetzen der hiesigen Genealogen unverblümt, wer ein Hobby habe, müsse auch dafür bezahlen.

Auch die Vorteile der CD kosten: Wer von einer Gemeinde die Kirchenbücher auf CD kaufen will, muss mit Kosten von 150 Franken (eine CD) bis 375 Franken (vier CD) rechnen. Zudem können die Daten aus urheberrechtlichen Gründen nicht beliebig ausgedruckt oder kopiert werden. Rohrbach betont, dass er sich gegenüber dem Staatsarchiv verpflichtet habe, dafür zu sorgen, dass die bernischen Kirchenbücher nicht im Internet veröffentlicht würden. Rohrbach betont, der Verkauf der CD-Kirchenbücher werde nie selbsttragend sein.

Zentrum wird eröffnet

Mit der technischen Neuerung hat sich auch Rohrbachs alter Traum eines genealogischen Zentrums in Worb verändert. Zwar will er das Zentrum nach wie vor in den nächsten Monaten eröffnen. 12'000 Bücher hat er dazu aus den USA nach Worb gebracht. Doch weil Forscher nun zu Hause mit der CD arbeiten, werden Lesegerät oder Computerstation in Worb eine geringere Bedeutung haben. Rohrbachs Bauernhaus dürfte vor allem zu einem Treffpunkt für Amerikaner werden, die in der Schweiz nach Vorfahren suchen.

Zudem plant er ein gross angelegtes und privat finanziertes Austauschprogramm mit Studenten der Mercersburg Academy in Pennsylvania, die 1826 mit Schweizer Hilfe gegründet worden war. Bereits ab kommendem August sollen die amerikanischen Studenten bei Rohrbach in Worb ihr Deutsch aufpolieren.

OTTO HOSTETTLER

Der Bund, 7. Februar 2005

 

«Als würde ich ein Rätsel lösen»

Familienforscher bekommen ein neues Zuhause: Der Amerikaner Lewis Bunker Rohrbach will in Worb ein Genealogie-Zentrum einrichten

Der Protest der Familienforscher war lautstark, als ihnen das Staatsarchiv Bern aus Spargründen den Zutritt zu den Kirchenbüchern drastisch einschränkte. Ein findiger Amerikaner bietet die Quellen nun auf CD an.

CATHERINE ARBER

Kein Mensch interessierte sich für sein erstes Buch. Ob Häuser, Bäume oder ein Pflasterstein: Lewis Bunker Rohrbach listete in seinem Werk minutiös auf, wer im Jahr 1821 was in Boston besass. Heute, 35 Jahre nach seiner ersten Publikation, lacht der mittlerweile 63-Jährige, der in Rockport im US-Bundesstaat Maine einen auf Genealogie spezialisierten Buchverlag führt, über sich: «Ich habe wohl alle Fehler, die man nur machen kann, gemacht.»

Das soll in der Schweiz anders werden. Der Amerikaner, dessen Ururgrossvater vor 200 Jahren von Hinterfultigen in die USA auswanderte, hat seinen Wohnsitz nach Worb verlegt. Hier will er ein Zentrum für Familienforschung einrichten. Die Idee dazu kam ihm, nachdem das Staatsarchiv aus Spargründen eine restriktive Regelung für Familienforscher einführte. Sie dürfen fortan nur noch an drei Tagen im Jahr ein Lesegerät reservieren, um auf Mikrofilmen die Kirchenbücher nach Ahnengeschichten zu durchsuchen. Rohrbach wollte die bernischen Kirchenbücher kopieren und sie in seinem Zentrum zum Verleih anbieten - gegen Entgelt. Das erschien den Familienforschern anfänglich suspekt. Sie zogen es vor, für den uneingeschränkten und kostenlosen Zugang zum Staatsarchiv zu kämpfen - vergeblich. Im vergangenen Jahr wies das Verwaltungsgericht eine Beschwerde der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Bern (GHGB) ab.

Vom digitalen Zeitalter eingeholt

In der Zwischenzeit sind die Familienforscher vom digitalen Zeitalter eingeholt worden: Rohrbach hat sämtliche 1225 Mikrofilme der bernischen Kirchenbücher gekauft, sie digitalisieren und auf CDs brennen lassen. Dazu kaufte er für 100'000 Franken eine Maschine. Während 14 Monaten waren sechs Frauen damit beschäftigt, die 400 Kirchenbücher zu kopieren und anschliessend einen Index zu verfassen. Familienforscher können nun eine CD ihrer gewünschten Gemeinde kaufen und sie bei sich zu Hause in den Computer schieben. Je nach Grösse der Gemeinde benötigt ein Kirchenbuch Speicherplatz zwischen einer oder sechs CDs. Der Erwerb einer CD kostet 150 Franken, jede weitere kommt auf 75 Franken zu stehen. Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen die Daten auf den CDs aber nicht beliebig ausgedruckt oder ins Internet gestellt werden. Rohrbach hat sich dazu gegenüber dem Staatsarchiv verpflichten müssen. Die CDs verfügen deshalb über einen spezifischen Schutz.

Es interessierten sich nun auch Forscher für seine CDs, die ihm anfänglich skeptisch gegenübergestanden seien, sagt Rohrbach. Für ihn ist klar, dass Genealogen, wie jeder andere Mensch auch, für ihr Hobby bezahlen müssen. Der Verkauf der CDs werde für ihn nie selbsttragend sein. Sein Einkommen hat er sich als Börsenmakler erwirtschaftet. Die Genealogie sei seine Leidenschaft, die er von seinen beiden Grossmüttern geerbt habe, sagt der Wahl-Worber. Er liebe es, nach alten Familiengeschichten zu suchen. «Es ist, als würde ich ein Rätsel lösen.»

Wissen, wer man ist

Diesen Sommer will Rohrbach in seinem Haus am Paradiesweg in Worb ein Zentrum für Familienforschung eröffnen. Anders als ursprünglich geplant soll dort nur noch ein Lesegerät für Mikrofilme zu stehen kommen. Rohrbach ist überzeugt, dass die Familienforscher bis in ein paar Jahren nur noch auf CDs zurückgreifen werden. Im Stöckli neben dem Bauernhaus will er eine Genealogie-Bibliothek einrichten. Die 14'000 Bände hat er in 850 Kartons aus den USA nach Worb kommen lassen. Das Ordnen und Katalogisieren der Bücher werde vermutlich noch ein Jahr dauern, schätzt Rohrbach.

Worb soll zu einem Treffpunkt von Amerikanern werden, die in der Schweiz nach ihren Vorfahren suchen. Für viele Amerikaner sei die Suche nach den Wurzeln wichtig, um herauszufinden, wer man ist, sagt Rohrbach. Manche würden wegen ihres griechisch oder türkisch klingenden Namens immer wieder nach ihrer Herkunft gefragt, hätten aber selber keine Ahnung, woher ihre Vorfahren stammen.

Ursprünglich hatte der Familienforscher die Idee, Reisen für Amerikaner an ihren Herkunftsort zu organisieren. Stattdessen will er im August Studenten der Mercersbury Academy in Pennsylvania, die 1826 mit Schweizer Hilfe gegründet wurde, nach Worb bringen.