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BZ, 8. Dezember 1999
SCHULHAUS ENGGISTEIN
Bauklötzchen statt Wasserlachen
Das Schulhaus Enggistein ist in die Jahre gekommen. Die
Bedürfnisse haben sich gewandelt: Für Gruppenarbeiten oder Spiele sollten sich
die Kinder zurückziehen können - wohl kaum in die Dusche.
Michael Gerber
So kann es nicht mehr weitergehen. Das Enggisteiner
Dorfschulhaus muss dringend saniert werden. Dieser Ansicht ist
SP-Parlamentarierin Esther Herrmann aus Enggistein. Deshalb hat sie im September
im Worber Gemeindeparlament eine Motion eingereicht. Die Mutter von zwei
schulpflichtigen Kindern will damit erreichen, dass das Schulhaus möglichst
schnell an die heutigen Bedürfnisse angepasst wird. «Die beiden Klassenzimmer,
der Mehrzweckraum und der Kindergarten sind mit rund 50 Kindern komplett
überbelegt», erklärte Herrmann am Montagabend ihren Parlamentskollegen. So
müssten die Kinder bei Gruppenarbeiten zum Teil im Gang arbeiten. Und: «Für
die Spielecke der Kindergärteler musste die Dusche umgenutzt werden»,
kritisierte Esther Herrmann weiter.
Unterricht auf zwei Etagen
Der Schulraum ist auch aus der Sicht von Schulleiter Bendicht
Marthaler «sehr schlecht» eingeteilt und für moderne Unterrichtsformen kaum
mehr geeignet: «Gruppen- oder Werkstattunterricht ist so fast nicht möglich.»
Die eigentliche Lehrerwohnung im zweiten Stock sei längst umgenutzt worden.
Darin findet heute das textile Gestalten statt. Das nicht-textile Gestalten
dagegen wird im Parterre unterrichtet. «Die Lehrkraft muss also gleichzeitig
auf zwei Etagen unterrichten. Diese Situation ist unhaltbar», sagt der
Schulleiter auf Anfrage.
Dieser Missstand ist der Worber Schulverwaltung laut Marthaler
längst bekannt. Seit fast zehn Jahren werde darüber diskutiert. «Doch bisher
wurden wir immer vertröstet», kritisiert der Enggisteiner Schulleiter. Seiner
Ansicht nach werden die Schulhäuser in den Aussenbezirken vernachlässigt:
«Ein Schulhaus in Worb zu sanieren, ist wohl besser fürs Prestige.» Bendicht
Marthaler glaubt, dass die Gemeinde die Bedeutung der dezentralen Schulhäuser
verkennt. «In einer kleinen Ortschaft wie Enggistein ist das Schulhaus ein Ort
der Begegnung. Das sollte der Gemeinde etwas wert sein.»
Planung im nächsten Jahr
Bauvorsteher Ernst Hauser (SVP) erklärte im Parlament, der
schlechte Zustand des Enggisteiner Schulhauses sei ihm bekannt. «Ich würde am
liebsten gleich morgen mit der Sanierung beginnen.» Dies sei jedoch nicht
möglich, da die Schulverwaltung Anfang nächsten Jahres ein neues
Schulraumkonzept für die ganze Gemeinde erstellen werde. Dem wolle er nicht
vorgreifen - «sonst laufen wir Gefahr, einen falschen Weg einzuschlagen».
Hauser versprach, die Planung für die Schulhaus-Sanierung werde bereits im
nächsten Jahr an die Hand genommen und nicht erst mittelfristig, wie
ursprünglich vorgesehen. Daher sei der Worber-Gemeinderat bereit, den Vorstoss
als unverbindliches Postulat entgegenzunehmen.
Diesen Wunsch erfüllte ihm Esther Herrmann jedoch nicht: «Ich
beharre auf meiner Motion, sonst wäre der Druck weg und es würde wieder Jahre
lang gewartet.» Das Parlament war ihrer Meinung und überwies die Motion
einstimmig.
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