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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Gümligen, Muri

BZ, 2. Oktober 2001

Gümligen

Ein Bahnhof ohne Vorstand

Neu im Bahnhof Gümligen: Nicht mehr anwesendes Personal fertigt die Züge ab, sondern die Zentrale in Bern.

Bettina Jakob

«Es tut schon weh, wegzugehen», sagt Hanspeter Schüpbach. Bis am vergangenen Freitag war er Bahnhofvorstand in Gümligen. Jetzt, nach sechs Jahren, wurde er nach Konolfingen versetzt: In Gümligen brauchts ihn nicht mehr. Seit gestern werden die Züge nicht mehr vom Bahnhofpersonal, sondern per Computer vom Stellwerk Bern abgefertigt. Die gleiche Umstellung erlebte der Bahnhof Ostermundigen.

Dass die Weichen und Signale nun von der Zentrale beim Stadtberner Hauptbahnhof gestellt werden, hat laut Jean-Louis Scherz vom SBB-Pressedienst einen grossen Vorteil: «Die Übersicht ist besser.» Die Linien würden zeitlich immer dichter befahren. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk überblicke alle Züge; dies gewährleiste einen prompteren und pünktlichen Verkehrsablauf. Von diesem profitierten schliesslich die Kunden, betont der Pressesprecher. «Ausserdem können per Mausklick alle nötigen Dienstleistungen alarmiert werden», so Scherz. Vom Reparaturservice über Ersatzloks bis zum Krankenwagen.

Wie in einem Reisebüro

Die Schalterbüros in Gümligen und Ostermundigen bleiben aber geöffnet. Das Stationspersonal übernimmt jetzt ausschliesslich kommerzielle Aufgaben: Verkauf von Billetten und Reisen, Reservationen, Geldüberweisungen. «Die Angestellten sind nicht mehr in der Betriebsführung, sondern im Personenverkehr tätig», erklärt Scherz die Umstrukturierung. Die beiden Stationen werden nun von Robert Blatter, Chef Reisedienst, und seinem siebenköpfiges Team betreut.

«Flexibel muss man sein»

Eines stellt der Pressesprecher klar: «Es wird niemand vor die Tür gestellt.» Einzig Flexibilität werde von den Angestellten erwartet. Die beiden Bahnhofvorstände könnten für den Personenverkehr arbeiten oder aber zu anderen Mittelland-Bahnhöfen wechseln. «Sie haben die Wahl», so Scherz. Der Gümliger Schüpbach entschied sich für Letzteres. Er ging nach Konolfingen.

Der Bund, 20. Dezember 2001

BODENACKERFÄHRE

Warten, bis es wieder klingelt

Weil die Auguetbrücke bis auf weiteres gesperrt ist, gibt es zurzeit zwischen Bern und Rubigen nur die Bodenackerfähre, um über die Aare zu kommen. Michael Schnyder, einer der drei Fährleute, gibt einen Einblick in seinen besonderen Beruf.

RAINER SCHNEUWLY

Seit langer Zeit können Menschen zwischen der Gürbemündung an der Grenze von Kehrsatz zu Köniz und dem Muriger Bodenackergut per Boot die Aare überqueren: mit der Bodenackerfähre. Seit exakt zwanzig Jahren wird sie, in Form eines an einem Drahtseil befestigten Polyesterschiffs, von der Gemeinde Muri betrieben. Mehrere andere Aare-Anrainergemeinden beteiligen sich am Betriebsdefizit. Die Fähre stellt nun, da die Auguetbrücke bis Frühling gesperrt ist auf vielen Kilometern zwischen Bern und Ruhigen die einzige Möglichkeit dar, die Aare trockenen Fusses zu überqueren. Drei Personen teilen sich das Amt des Fährnanns: Michael Schnyder, Bernhard Jordi und Horst Niedhammer. Gestern hatte Schnyder das Ruder in der Hand. Ihm zufolge setzt das Fähri-Team vor allem Spaziergänger mit Hunden über. Doch auch Jogger stiegen hin und wieder ins Boot.

Zurzeit 10 bis 15 Fahrten

Fast 31'000 Fahrten machten die drei Fährleute letztes Jahr; zurzeit, im Winter, seien es etwa zehn bis fünfzehn pro Tag, sagt Schnyder. Er ist - mit einem Unterbruch von sieben Jahren - seit 1981 dabei. 155 Stellenprozente stehen fürs Fährleute-Team zur Verfügung; die drei Männer teilen sich die Arbeit selber ein. In ihrem Hüttchen steht ein Computer, und darauf erstellen Schnyder und seine Kollegen den Einsatzplan. Per Mail wird er den anderen verschickt. Wenn alle einverstanden sind, gilt er. Schnyder schätzt es, dass die Gemeinde Muri dem Fähri-Team freie Hand lässt und ist froh um das neue, warme Häuschen mit Dusche, WC und Küche. Es ersetzte die durchs 99-er Hochwasser zerstörte, bescheidenere Unterkunft.

Vor allem Geduld brauche es in diesem Job, sagt der 53-jährige Schnyder. In erster Linie Geduld mit sich selber, denn die relative Einsamkeit des Fährmanns sei nicht immer leicht zu ertragen. Man müsse sich beschäftigen können. Schnyder tut dies, indem er liest, Übersetzungen macht und Musik hört. Der Job des Fährmanns sei etwas für Leute, die Freiräume bräuchten. Sagts - und da klingelts wieder: Auf der Könizer Seite der Aare warten zwei Frauen, die für je zwei Franken über den Fluss wollen. «Schreiben Sie auch», sagt Schnyder beim Hinüberfahren, «dass gemäss Gesetz im Sommer wir den Gummibooten ausweichen müssen, nicht sie uns! »

Die Bodenackerfähre

ist, anders als im «Bund» von gestern vermerkt, jeden Monat in Betrieb. Im Dezember und Januar ist aber das Fähri-Beizli geschlossen.

BZ, 28. März 2002

AUGUETBRÜCKE ZWISCHEN MURI UND BELP

Die morschen Balken sind ersetzt

Die Auguetbrücke zwischen Belp und Muri wird heute wieder geöffnet. Gute drei Monate war sie für Fussgänger gesperrt. Morsche Holzträger mussten ersetzt werden. Kostenpunkt: rund 270'000 Franken.

Bettina Jakob

«Die Sünde geschah beim Zügeln.» Bauingenieur Fritz Flückiger tritt näher ans Aareufer und zeigt auf die Berner Seite der Brücke: Dort wurden damals die Holzbretter weggerissen. «Das war ein Fehler.» Als die Brücke noch in Hunziken stand, war sie vollständig mit Holz verschalt: Vor Wind und Wetter geschützt. Mitte der Siebzigerjahre wurde dann die neue Autobahnbrücke gebaut, die alte Brücke wurde versetzt. Früher hiess sie Hunzikenbrücke. Heute verbindet sie als Auguetbrücke Muri und Belp.

Hagel und Regen peitschten seither - ganze 27 Jahre - ungehindert an die Balken auf der Wetterseite. «Die Tragkonstruktionen begannen zu faulen», erklärt Fritz Flückiger. Im letzten Dezember hatte ein Zimmermann die morschen Stellen entdeckt. Per Zufall, bei Unterhaltsarbeiten. Der einzige Übergang zwischen Ruhigen und Bern wurde für die Fussgängerinnen und Fussgänger sofort gesperrt. Die Bodenacker-Fähre setzte fortan die Wanderinnen und Wanderer auf die andere Seite der Aare.

Kosten: 270'000 Franken

«Da kam uns die Idee.» Bauingenieur Flückiger kniet zu zwei wuchtigen, langen Eisenträgern nieder. Sie liegen nebeneinander in der Brücke. Eisenschrauben verbinden diese Träger mit den Balken des Brückenbodens. Flückiger klopft auf das Metall. «Hier dran hängt nun das ganze Gewicht der Brücke.» In seiner Stimme klingt Stolz mit: Solche Sanierungsarbeiten seien nicht einfach. Denn bei den Brückenpfeilern mussten die morschen Teile der tragenden Balken weggesägt werden. Sie wurden mit Eichenpfählen und Metallteilen ersetzt. Muri und Belp arbeiten Seite an Seite: Vier bis sechs Zimmerleute der Gümliger Flückiger AG und der Belper Hans Wägli und Söhne sind seit Ende Februar im Einsatz. Auch die kantonale Denkmalpflege redet mit. Die Kosten für die Reparaturen teilen sich die drei Parteien auf: Die beiden Gemeinden zusammen und der Kanton übernehmen je 50 Prozent der rund 270'000 Franken.

Ehrfurcht. Das habe er vor dieser Leistung. Im 19. Jahrhundert eine 60 Meter lange Holzbrücke mit drei Jochen und vier Spannweiten zu bauen. Bauingenieur Flückiger nickt. «Das ist schon beeindruckend.»

Er hofft, bis Mitte April alle Arbeiten abzuschliessen. Inklusive Bretterwand an der Wetterseite. Eine Wand, wie sie die Brücke vor 167 Jahren bereits einmal bekommen hatte.

Heute um punkt 15 Uhr werden die Gitterabschrankungen entfernt, die Brücke wieder geöffnet. Die Spaziergängerinnen und Spaziergänger dürfen ihre Füsse wieder auf die Brücke setzen. Auf die ersten hundert warten ein Getränk - und ein Osterei. Als «symbolische Entschädigung», wie die kantonale Denkmalpflege sowie die Gemeinden Belp und Muri den Medien mitteilten.

Der Bund, 12. April 2002

GÜMLIGEN

Spazieren unter Linden

Willy Michel möchte beim Schloss Gümligen entlang der RBS-Linie eine Lindenallee pflanzen.

reb. 40 Linden sollen beim Schloss Gümligen dereinst das Trassee des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) säumen. Schlossbesitzer Willy Michel möchte diese Allee anlegen lassen. Die Baupublikation dafür liegt noch bis am 6. Mai auf der Bauverwaltung in Muri auf. Willy Michel habe zwei Gründe, warum er eine Baumreihe pflanzen wolle, sagt Toni Weber vom Solothurner Büro W + S Landschaftsarchitekten: Zum einen sei es vom Schlosspark aus schöner, in Bäume zu schauen als in Häuserfassaden. Zum anderen zeigten alte Stiche, dass früher an der gleichen Stelle eine Baumreihe bestanden habe. Dieser Zustand solle wieder hergestellt werden. Die Lindenallee wird nicht direkt an die Bahnlinie zu stehen kommen. Beim RBS bestünden Pläne, später vielleicht ein zweites Gleis zu bauen, sagt Weber. Zudem plane Muri einen Spazier- und Radweg entlang der Bahnlinie von Gümligen bis nach Rüfenacht. Für diese Vorhaben müsse Platz gelassen werden, so Weber.

Der Bund, 9. Februar 2004

Antennenleistung wird beschränkt

Die Stimmberechtigten von Muri schränken den Ausbau von Mobilfunkantennen für zehn Jahre ein

Die Muriger nehmen die umstrittene Mobilfunkinitiative, die auf gemeindeeigene Gebäude gemünzt ist, an. Zehn Jahre gilt nun ein «massvoller Mobilfunkausbau ». Der Gemeinderat bedauert dies.

MARCELLO ODERMATT

Vorläufig schiebt die Muriger Bevölkerung der technologischen Entwicklung im Mobilfunkbereich einen Riegel. In den nächsten zehn Jahren darf auf gemeindeeigenen Gebäuden die Gesamtleistung von Mobilfunkantennen den Wert von 2100 Watt nicht überschreiten. Auf dem Gemeindehaus gilt ein Limit von 2700 Watt. Der von einer Nachbarngruppe eingereichten Initiative stimmten die Bürgerinnen und Bürger mit 2976 Ja- zu 2271 Nein-Stimmen zu. Die Stimmbeteiligung lag bei 58,1 Prozent. Das Volksverdikt ist eine klare Absage an die Pläne von Swisscom und Orange, die auf dem Werkhof die Antennenleistung von 2100 auf 7200 Watt und auf dem Gemeindehaus von 2700 auf 14'700 Watt erhöhen wollten.

Allgemeine Verunsicherung

Erfreut und zufrieden stellte Stefan Raaflaub, Mitinitiant der Initiative, gestern fest: «In der Bevölkerung hat ein Umdenken stattgefunden.» Ängste gegenüber den Strahlen von Mobilfunkantennen seien klar vorhanden. Der Gemeinderat, der mit dem Parlament das Begehren allerdings ablehnte, interpretierte ähnlich: «Das Ergebnis ist Ausdruck einer offensichtlich vorhanden Verunsicherung», sagte Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer (fdp). Zunächst spielt er den Ball aber dem Bund weiter. Es sei ein Fingerzeig an die Bundesbehörden. Die Bevölkerung sei von den eidgenössischen Grenzwerten für Mobilfunkstrahlen nicht überzeugt. Der Bund müsse die geltenden Grenzwerte nun wissenschaftlich erhärten oder allenfalls neu festlegen. Aber auch die Bevölkerung sei gefordert: Sie müsse Selbstverantwortung übernehmen; letztlich habe ihr Verhalten Einfluss auf das Angebot der Mobilfunktelefonie. Eben jenes Angebot, gegen deren Infrastruktur sich die Bevölkerung nun wende.

«Keine antennenfreie Zone»

Für Stefan Raaflaub geht es nun um einen «massvollen Ausbau der Technologie». Verhinderer seien die Initianten ja nicht, beteuert er. Er fordert den Gemeinderat auf, eine «gesundheitsverträgliche Gesamtplanung» für den Antennenausbau zu erarbeiten. Dies scheint allerdings schwierig zu sein. Saxer: «Auf gemeindeeigenen Gebäuden verliert Muri an Einfluss.» Die Regierung werde sich zwar bemühen, mit den Anbietern in Kontakt zu treten. Eine Planung hänge aber von der Bereitschaft der Unternehmen ah. Er wies darauf hin, dass Muri «nicht zu einer antennenfreien Zone» werde. So werde es den Unternehmen möglich sein, auf privatem Eigentum zu bauen.

Tatsächlich wollen Swisscom und Orange auf Privatstandorte ausweichen, wie gestern zu erfahren war. Beide Firmen bedauern zwar den Mitspracheverlust der Gemeinde, wollen aber auf einen Ausbau nicht verzichten, da das Bedürfnis nach mehr und neuer Mobilfunktechnologie vorhanden sei. Jürg Aschwanden von der Fachstelle Umwelt bei Orange befürchtet, die Initiative werde wegen des geringen Einflusses der Gemeinde das Gegenteil bewirken. Swisscom-Sprecher Willy Koch erklärte, das Unternehmen werde auch in Zukunft mit Behörden und Initianten im Gespräch bleiben.

Dieses Ziel verfolgt auch die SVP Muri Gümligen. In einer Mitteilung teilt sie mit, dass alle Parteien gemeinsam ein Konzept erarbeiten sollten, um einen «Antennenwildwuchs auf privaten Liegenschaften» zu verhindern. Sie reicht dazu einen Parlamentsvorstoss ein.

KOMMENTAR

Unvermeidlicher Widerspruch

MARCELLO ODERMATT

Muri beschränkt die Leistungen der Mobilfunkantennen auf gemeindeeigenen Gebäuden. Die Bevölkerung hat sich mit der Annahme der Mobilfunkinitiative für den Status quo und gegen die Ausbaupläne der Mobilfunkbetreiber entschieden. Für die Gemeinde hat dies eine negative Konsequenz: Sie verliert an Einfluss, um sich für massvolle Lösungen beim Leistungsausbau auf Gemeindebauten einzusetzen. Stattdessen werden die Unternehmen private Standorte suchen, denn sie wollen das Mobilfunknetz ungeachtet des Volksentscheids auflisten. Dabei können sie auch mit dem Verhalten der Bevölkerung argumentieren: Die Leute wollen mobil telefonieren, sie wollen neue technische Möglichkeiten auf ihrem Handy nutzen können.

Überdies bringt das Muriger Ergebnis aber auch ein gesellschaftliches Befinden zum Ausdruck: Erstmals in der Schweiz wurden in einem politischen Entscheidungsprozess die grosse Unsicherheit und die Ängste gegenüber den negativen Auswirkungen der Mobilfunktelefonie, den allenfalls gesundheitsschädigenden Strahlen, verdeutlicht. Dabei zeigt sich ein typisches Dilemma, wie es beispielsweise bei der Entsorgung von Abfällen, dem Verkehr oder dem Bau neuer Hochspannungsleitungen auch zum Ausdruck kommt: Die meisten wollen telefonieren, verbrauchen, mobil sein oder Strom nutzen. Die Folgen dieses Konsumverhaltens sind aber viele nicht bereit zu tragen. Diese Widersprüchlichkeit ist wohl unvermeidlich - zumindest so lange, bis neue wissenschaftliche Erkenntnisse Zweifel ausräumen und fundiertere Entscheide erlauben.

Insofern hat der Muriger Gemeindepräsident Recht: Der Bund und die Unternehmen sind gefordert, die Forschung zur Schädlichkeit von Elektrosmog voranzutreiben. Damit können sie dazu beitragen, dass Ängste zumindest ein wenig abgebaut und Lösungen zwischen den Extremen gefunden werden können.