MÜNSINGEN«Fahren Sie zum Schützenhaus?»Viele Münsingerinnen und Münsinger sind auf den Geschmack gekommen: Immer öfter benutzen sie den Ortsbus. Die einen pendeln zwischen Heim und Büro, andere fahren zum Einkaufen oder entrinnen einfach nur dem Regen. Ein Augenschein vor Ort.Montag nachmittag, neun Minuten vor 13 Uhr. Chauffeur Andreas Berger legt den ersten Gang ein und biegt mit seinem Gefährt in die Bahnhofstrasse ein. Im Münsinger Ortsbus sitzen drei Personen. «Montags ist es meistens ruhig», sagt Berger. «Während der Ferien sowieso. » An der Haltestelle vor dem Spital warten zwei ältere Damen mit Krücken. Beide steigen ein. Eine von ihnen ist Elsbeth Aeberhardt aus der Erlenau. Zweimal pro Woche fährt sie zur Therapie ins Spital. Da kommt ihr eine Busverbindung sehr gelegen. «Im andern Fall müsste ich ein Taxi nehmen.» Vom Bus profitiert sie hin und wieder auch beim Einkaufen. «Das ist praktisch und kommt mir sehr entgegen.» Wieder am Bahnhof. Andreas Berger nutzt die freien Minuten und ordnet statistisches Zahlenmaterial. 13.02 Uhr. Start Richtung Klinik. Vor dem Hauptgebäude steigen drei Personen aus, in der Stierenmatte steigen drei ein. «Fahren sie auch zum Schützenhaus?» will eine Frau wissen. Berger wirft einen Blick in den Rückblickspiegel, bejaht die Frage und fährt los. «Einzelne Gesichter sieht man immer wieder», erzählt er. «Man kennt sich, unterhält sich. Einige schütten auch mal ihr Herz aus.» Manuel Brenzikofer will ins Heim & Hobby. Meistens fährt der 13jährige Schüler mit dem Velo ins Zentrum. Doch an diesem Tag sind sämtliche Drahtesel der Familie besetzt. Deshalb sitzt er nun im Bus. Doch, er fände die Verbindung gut, vor allem «für ältere Leute, die nicht mehr so gut zu Fuss sind». Selber gehört er etwa ein- bis zweimal pro Monat zu den Fahrgästen. « Sollte es mal hageln, so werde ich sicher froh um den Ortsbus sein.» Elegant fährt der Chauffeur wieder auf den Standplatz vor dem Bahnhof. Der ist manchmal mit Autos zuparkiert. Doch Berger ist ein geduldiger Mensch. «Es hat keinen Sinn sich aufzuregen.» 13.18 Uhr. Die Sonnhalde ist an der Reihe. Den Bärenstutz hinauf, dann rechts Richtung Schützenhaus-Haltestelle. Die Dame, die um Auskunft gebeten hat, steigt aus. Ruth Dähler steigt ein. «Ich fahre zur Arbeit», erklärt die Postangestellte. Mittags benutze sie meistens den Bus. Manchmal fahre sie die Strecke Sonnhalde-Bahnhof sogar zweimal pro Tag. 15 bis 20 Minuten müsste sie für den Fussmarsch einrechnen. Frau Dähler hat ein Jahresabonnement. Das rentiere in jedem Fall. «Wenn's grad einen Bus hat, dann nehme ich ihn auch. » Zurück am Bahnhof. Der Herr, der vor etwa einer Viertelstunde hier ausgestiegen ist, steigt wieder ein. «Bei schlechtem Wetter kommt es auch vor, dass jemand, statt in der Kälte zu warten, eine Zusatzschlaufe dreht», weiss Berger. «Wann fährt der nächste in die Sonnhalde?» fragt ein Bub mit Velo durch die offene Tür. «Erst um zwanzig nach zwei», antwortet Berger. «Bis dann bist Du mit dem Velo auch da.» Die nächste Route führt ins Brückreutiquartier. In der Erlenau steigen vier ältere Personen ein. In der Sägematte blinkt ein entgegenkommender Automobilist mit den Scheinwerfern. «Roger Schertenleib», sagt Berger. «In einer halben Stunde wird er mich ablösen.» ISABEL KÜFFER
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MÜNSINGENDer Ortsbus Münsingen bleibt auf ErfolgskursDer Ortsbus Münsingen wird nach drei Versuchsjahren definitiv eingeführt. Der Kanton prüft sogar, ein zweites Fahrzeug einzusetzen und ab dem nächsten Jahr den Halbstundentakt einzuführen.Pascal Schwendener Der Ortsbus von Münsingen hat in seiner dreijährigen Versuchsphase alle Erwartungen übertroffen. Drehte das Postauto früher täglich neun Schleifen durch die Aussenquartiere, so sind es heute achtmal mehr - und die Busse sind erst noch besser besetzt. 460 Personen machen täglich von dem öffentlichen Verkehrsmittel Gebrauch. 126'000 sind es im Jahr. Und so fährt der Bus ein Defizit ein, das ganze 66 Prozent kleiner ist als budgetiert. Bereits im dritten Versuchsjahr ist der Betrieb mit Einnahmen von 150'000 Franken gut zur Hälfte kostendeckend. Zweiter Bus ist absehbarAuf Grund dieses Erfolges hat der Gemeinderat der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) beantragt, den Ortsbus in das kantonale Angebotskonzept für den öffentlichen Verkehr aufzunehmen. So ist es geschehen. Im September hat der Grosse Rat den Ortsbus Münsingen definitiv in den Fahrplan 2001 bis 2005 eingeplant. Und auch einem zweiten Antrag des Gemeinderats will der Kanton offensichtlich entsprechen. Die Münsinger möchten nämlich ein zweites Fahrzeug, damit der Fahrplan verdichtet werden kann. «Auch diesem Ausbau steht der Kanton positiv gegenüber», sagt Sachbearbeiter Martin Niederberger von der Bauverwaltung Münsingen. Wird der zweite Bus genehmigt, könnte der Ortsbus im Halbstundentakt durch Münsingen fahren. Das brächte vor allem für den unteren Dorfteil wesentlich bessere Anschlüsse an die S-Bahn. «Wir hoffen, dass der zweite Bus in einem Jahr seinen Betrieb aufnehmen kann», sagt Martin Niederberger. Finanziell hat die Übernahme durch den Kanton keine Auswirkungen auf die Gemeinde Münsingen. «Die Kosten für uns bleiben sich etwa gleich», sagt Niederberger. Für den Betreiber ist ebenfalls keine Änderung absehbar. «Ich gehe davon aus, dass das Postauto weiterhin für den Betrieb sorgt. Die haben ihre Sache gut gemacht.» |
MÜNSINGENFährt bald ein dritter Ortsbus?Weil der S-Bahn-Fahrplan ab 2004 wechselt, muss derjenige des Ortsbusses Münsingen angepasst werden. Es stehen zwei Varianten zur Debatte. Eine sieht den Einsatz eines dritten Fahrzeuges vor.Barbara Spycher Ein drittes Fahrzeug und Fahrten ins Neubauquartier Erlenau: Das möchte die Begleitgruppe des Ortsbuskonzepts 2005 in Münsingen. Weil die Fahrpläne der S-Bahn nach Thun und Bern ändern, muss auch derjenige des Ortsbusses angepasst werden. Das Postauto-Regionalzentrum Bern-Freiburg-Solothurn hat zwei mögliche Varianten ausgearbeitet. Die Begleitgruppe, bestehend aus Vertretern von Kanton, Gemeinde Münsingen, Bernmobil und der Regionalen Verkehrskonferenz RVK, favorisiert Variante B. B: Mehr SicherheitMit der Variante B würde neu das Gebiet Erlenau vom Ortsbus erschlossen. Der vorliegende Bericht rechnet für die Zukunft mit rund 1200 Anwohnerinnen und 300 Arbeitsplätzen in dieser Zone. Variante B sieht ein drittes Fahrzeug vor. Nur so könnten die heutigen Anschlüsse an die S-Bahn aufrechterhalten werden, sagt Münsingens Bauverwalter Andreas Oestreicher. Auch der Bericht vom Postauto-Regionalzentrum kommt zum Schluss, dass ein Zusatzbus für die Chauffeure weniger Stress und für die Fahrgäste mehr und sicherere Anschlüsse bringt. Bedingt durch mehr Passagiere und Umgestaltungen in Quartieren und Zentrum, wird in Zukunft mit längeren Fahrzeiten für den Ortsbus gerechnet. Mit einem dritten Fahrzeug könnten diese aufgefangen werden. Die Zusatzkosten belaufen sich laut der RVK auf 100'000 Franken. Der Kanton hat erklärt, er sei nicht bereit, diese Mehrkosten zu tragen. Bauverwalter Oestreicher: «Wir hoffen, dass das nicht das letzte Wort ist.» A: Längere WartezeitenWie bisher zwei Fahrzeuge: So könnten die Kosten in der Variante A im heutigen Rahmen gehalten werden. Die Anschlüsse Richtung Thun würden sich verschlechtern: neu sechs Minuten Umsteigezeit. «Sechs Minuten sind für einen Pendler viel verlorene Zeit», ist Marco Rupp von der RVK überzeugt. Davon wären rund 20 Prozent der Fahrgäste betroffen. Auf ErfolgskursDer Ortsbus Münsingen steuert auf Erfolgskurs. Seit der Inbetriebnahme 1997 ist die Nachfrage laufend gestiegen: Von 94'000 Fahrgästen im ersten Jahr auf 270'000 im Jahre 2002. Das Angebot wurde von anfangs 368 Kursen auf 707 pro Woche ausgebaut. Auf einigen Kursen sei es schon heute eng im Fahrzeug. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, empfiehlt die Arbeitsgruppe Variante B. Andreas Oestreicher dazu: «Mit dem Ortsbus können wir dem motorisierten Individualverkehr in Münsingen etwas entgegensetzen.» Würde sich das ÖV-Angebot verschlechtern, werde es auch weniger genutzt. Die Mitwirkung läuft bis am 30. April. |
