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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

SBB-Linie Bern-Langnau

BZ, 8. Mai 2002

SBB BERN-LANGNAU

Alte Bahnhöfe in moderner Zeit

Nun geht der Umbau der veralteten SBB-Linie von Bern nach Langnau in die entscheidende Runde. Was dabei mit den kleinen Landbahnhöfen geschieht, ist noch unklar. Sicher ist nur: Es braucht sie nicht mehr.

Stephan Künzi

Wie an einer Perlenschnur reiht sich entlang der Eisenbahn von Bern nach Langnau Landbahnhof an Landbahnhof. Hier arbeiten noch Menschen, die Schalter drehen, Knöpfe drücken und so dafür sorgen, dass der Zugverkehr funktioniert. Zweieinhalb Jahre lang wird das noch so sein, dann zieht am Schienenstrang durch Emmental und Entlebuch die Moderne ein.

Das 75-Millionen-Vorhaben ist ja schon länger im Gerede, doch jetzt wird die Sache konkret: Die SBB haben ihr Projekt öffentlich aufgelegt. Bis Ende 2004 entstehen zwischen Worb und Tägertschi, zwischen Konolfingen und Zäziwil sowie rund um den Bahnhof Signau drei Doppelspurinseln. Gleichzeitig wird die Linie automatisiert, Signale, Weichen und Bahnübergänge werden also in Zukunft nicht mehr vor Ort im Bahnhof, sondern von irgendeiner fernen Zentrale aus gesteuert. Die alten Gebäude werden nutzlos, denn allein für den Billettverkaüf, den die Angestellten nebenbei auch noch besorgen, wollen die SBB in Zukunft die kleinen Stationen nicht mehr besetzen.

«Die alten Landbahnhöfe sind uns ein Anliegen», sagt Hans Peter Würsten, Kreisleiter bei der kantonalen Denkmalpflege. Seiner Meinung nach müssen die Riegbauten die Modernisierungsarbeiten überleben. Wenn möglich vollzählig, denn: «Genau das macht die Geschichte der Linie erlebbar. Beim Bahnbau wurde den Stationsgebäuden ein bestimmter Typ zu Grunde gelegt. Es entstand ein Element, das sich wiederholt - und nicht verschwinden sollte.»

Vermieten oder verkaufen

SBB-Mann Kurt Bärtsch beruhigt derweil. Ausser in Bowil sei in nächster Zeit nirgends der Abbruch geplant. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Bahn für die Gebäude keine Verwendung mehr hat und sie entweder vermieten oder verkaufen will. Für die Passagiere gibts nämlich an jedem Bahnhof einen neuen Wartebereich. Ein grosses Dach, unter dem der Billettautomat, eine Infowand sowie ein Verpflegungsautomat zu finden sind.

Und so steht es um die Bahnhöfe im Einzelnen:

Worb SBB: «Ein sehr gut erhaltenes Gebäude, das von den SBB nicht bestritten ist», sagt Würsten. An den Gleisanlagen ändert nicht viel. Die tiefen Perrons samt provisorischer Einsteighilfe bleiben, Personenunterführung gibts keine.

Tägertschi: «Ein recht stark veränderter Bau, der mittelfristig aber zur Diskussion steht», so Würsten. Tägertschi erhält dafür zwei hohe Aussenperrons und eine Unterführung.

Zäziwil: «Eine Perle, vor einigen Jahren mit viel Einfühlungsvermögen renoviert.» Würsten will sich dafür einsetzen, dass die SBB das direkt am Gebäude liegende Gleis 1 nicht wegreissen. Auch Zäziwil bekommt zwei Aussenperrons und eine Unterführung.

Bowil: «Die einfachste Bahnhofvariante, bei der Personen und Güter unter einem Dach abgefertigt werden.» Würsten redet von «einem Sonderfall», und als solchen möchte er - anders als die SBB - das kleine barackenartige Gebäude erhalten. An der Gleisanlage ändert nichts, dafür wird strassenseitig alles anders: Der Bahnhofplatz erhält eine klare Zu- und Wegfahrt, die Hauptstrasse selber Mittelinseln.

Signau: «Uns ist wichtig, dass der Bahnhof bleibt, er bildet zusammen mit dem praktisch unveränderten Bahnhofrestaurant schräg gegenüber eine selten gewordene Einheit.» Mit seinem Wunsch wird es Würsten schwer haben, denn die Gemeinde plädiert unverhohlen für den Abbruch. Signau erhält ebenfalls zwei Aussenperrons.

Emmenmatt: «Der Bahnhof prägt das Ortsbild, wichtig ist auch das Zusammenspiel mit der grossen Gleisanlage.» Würsten weiss aber, dass die Zukunft des Gebäudes offen ist. Gleisseitig ändert wenig. Keine neuen Perrons und keine Unterführung.

Halbstundentakt

Die SBB sind zuversichtlich, die Arbeiten plangemäss bis Ende 2004 abschliessen zu können. Von dann an wird die S-Bahn jede halbe Stunde fahren, dazu kommt stündlich ein Regio-Express nach Luzern.

BZ, 20. Juni 2002

WORB

Gemeinderat lehnt Kauf des Bahnhofs SBB dankend ab

2004 wird der Worber Bahnhof SBB automatisiert und mit einem Wartehäuschen ausgestattet. Personal und Bahnhofgebäude werden dann nicht mehr gebraucht. Betroffen ist auch die Post.

Brigitte Walser

Der Worber Gemeinderat will den Bahnhof SBB nicht kaufen. «Wir haben schon genug Altliegenschaften», sagte Gemeindepräsident Peter Bernasconi (SP) gestern vor den Medien. Der Gemeinderat habe nicht die Absicht, ein diesbezügliches Angebot der SBB anzunehmen. Damit ist offen, was mit dem Haus passiert. «Es finden Gespräche auf allen Ebenen statt», sägt SBB-Mediensprecher Roland Binz. Auch mit dem Denkmalschutz und der Post würden Abklärungen getroffen. Fest steht, dass der Bahnhof SBB 2004 umgestaltet wird. «Die Stellwerke sind in die Jahre gekommen», sagt Binz. Der Betrieb werde automatisiert und ferngesteuert. Dadurch entfallen fünf Arbeitsstellen in Worb. Was mit dem Personal geschehe, sei noch unklar, so Binz. Denn ab dem grossen Fahrplanwechsel Ende 2004 liege die Verantwortung des Bahnhofs bei der BLS. Worb wird dann im Halbstundentakt von der S-Bahn bedient.

Bushaltestelle statt Post

Der Bahnhof wird nach dem gleichen Konzept umgebaut wie rund 600 weitere Stationen in der Schweiz: Er erhält einen wetterfesten Wartebereich. Der Güterschuppen wird abgerissen, die Toiletten werden entfernt. Parkplatzangebot und Bike & Ride dafür erweitert. Zudem entsteht eine Bushaltestelle, wenn denn das Worber Parlament die neue Linie von Worb via Worb SBB nach Rüfenacht bewilligt.

Vom Umbau des Bahnhofs ist auch die Post betroffen. Im Gebäude ist eine Agentur untergebracht, die von den SBB-Angestellten betrieben wird. «Bis zum Umbau ändern wir daran nichts», sagt Daniel Emmenegger von der Post. Was dann geschehe, entscheide sich noch in diesem Jahr. Die Post erstelle dazu eine Studie, die auch Trimstein und Richigen betreffe.