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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Kirchenrestaurierung Worb - "Neuer Glanz"

Der Bund, 7. September 1984

Neuer Glanz in der alten Kirche Worb


Wer heute die Kirche von Worb betritt, wird den Raum beinahe nicht mehr wiedererkennen. In 16monatiger Bauzeit wurde der gesamte Innenraum restauriert. Eine neue (freistehende) Empore, eine neue Decke, verschiedene Fresken und Stühle anstelle der Bänke geben ein helles, freundliches Aussehen. Damit ging ein lang gehegter Wunsch der Kirchgemeinde in Erfüllung. Und nun scheint - nach allem, was die Untersuchungen der Kirche gezeigt haben - eine Bemerkung aus der Festschrift zur letzten Renovation 1933 eher zuzutreffen als damals: «Alles in allem atmet der renovierte Innenraum unserer Kirche Echtheit, Wahrheit und Gediegenheit.» Man bemühte sich nämlich unter Aufsicht des kantonalen Denkmalpflegers Hermann von Fischer, einen Zustand, wie er früher war - und bei vorhergehenden Renovationen überdeckt wurde - wieder herzustellen.

Orgel und Heizung als Anstoss

«Den unmittelbaren Anlass (zur Restauration) gaben uns bestimmt zwei Tatsachen: Erstens ist die heutige Orgel in einem Zustand, das wir froh sein müssen, wenn sie noch jeden Sonntag ihren Dienst versieht. Zweitens macht uns die Heizung der Kirche ernste Sorgen.» Damit begründete Kirchgemeinderats-Präsident Paul-Jürg Lyk 1982 in der Botschaft an die Stimmberechtigten, warum die Restauration in Angriff genommen werden müsse. Am Osterdienstag des vergangenen Jahres war es soweit. Damals hoffte man noch, in einem Jahr die Arbeiten beenden zu können. Aber in Worb zeigte sich wieder einmal, dass solche Vorhaben nie im voraus genau geplant werden können.

Zwar kam man vorerst problemlos voran: Die Vormauerung - sie wurde 1933 zur Entwässerung der Mauern angebracht - und die Empore wurden abgerissen, die fünfzigjährigen Bänke vom Platz weg verkauft. Auch die archäologischen Arbeiten konnten - trotz vielen Überraschungen - in der vorgesehenen Zeit abgeschlossen werden. Aber als man endlich Gerüste montieren konnte, entdeckte man, dass die vorgesehene Deckenkonstruktion unmöglich auszuführen war. Überdies kamen im Gewölbe des Chors unerwartet Malereien zum Vorschein. Obwohl es sich zeigte, dass diese erst 80jährig und dem Stil der Kirche nicht angepasst sind, brauchten die Abklärungen (und die Neuberechnung der Decke) ihre Zeit.

Reiche archäologische Beute

Neben der Baukommission unter Hans-Ulrich Steiner, den Architekten Wilhelm Nöthiger und Peter Schlosser und all den Handwerkern spielten die Archäologen eine Hauptrolle beim Fortgang der Restauration. Denn sie machten eine Reihe von Funden, welche die Geschichte der Kirche um einige Jahrhunderte vor das vorher bekannte Weihejahr 1521 zurückführen. Die gesamte Nordmauer und etwa zwei Drittel der Südmauer standen nämlich schon in romanischer Zeit. Daraus schliesst Denkmalpfleger von Fischer, dass zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert - also etwa zu gleicher Zeit wie in Amsoldingen und Biglen – in Worb ein Gotteshaus mit ähnlichen Dimensionen wie heute gebaut wurde. Das heutige gotische Gebäude wurde wahrscheinlich errichtet, weil das romanische einer Feuersbrunst zum Opfer fiel, wie ein gefundener verkohlter Türsturz andeutet. Aber nicht nur das: Pfostengruben eines Holzgebäudes, die unter dem Boden zum Vorschein kamen, deuten darauf hin, dass bereits vorher an dieser Stelle ein Gebäude stand!

Und auch Fresken wurden gefunden: An der Nordwand ein zugemauertes Fenster mit der Zeichnung eines Bischofs, in der Südwand in einer Nische gegen den Turm hin eine weitere Darstellung und – als grösstes Fresko – an der Westwand Teile der «Armenbibel». In der Grössenordnung um 1470 habe man diese Szenen aus der Bibel zeichnerisch dargestellt, erklärt von Fischer. Er vermutet, dass praktisch alle Wände damit bedeckt gewesen seien, als Bibel für die Leute, die des Lesens nicht kundig waren.

Einen Fund hatte man vorausahnen können: Die Grabplatten unter dem Holzboden des Chors. Aber dass es gerade deren elf seien, hätte man doch nicht gedacht. Die Herren von Worb - unter ihnen der Gründer von Neu-Bern - wurden in ihrer Kirche begraben. Entsprechende Skelette kamen denn auch zum Vorschein. Dass gerade das ganze Chor mit Grabplatten belegt war, bezeichnete der Denkmalpfleger als ein Phänomen, das er bisher nur in Worb gesehen habe.

Die neue Orgel wird 1985 eingebaut

Nun ist die Restauration praktisch vollständig abgeschlossen, der Kirchenraum kann wieder benützt werden. Noch fehlt aber ein Prunkstück: die neue Orgel. Das Instrument, das von der Firma Goll in Luzern gebaut wird, wird aber vorderhand noch fehlen. Nicht dass der Kirchgemeinde der finanzielle «Schnauf» ausgegangen wäre; aber der Raum muss vorher sein neues «Gleichgewicht» erlangen und staubfrei werden. So wird man sich noch bis im nächsten Jahr mit einem Provisorium begnügen müssen.

Die Vorstellung des Denkmalpflegers, die er an einer der gutbesuchten Führungen erläuterte, hat sich aber bereits bewahrheitet: «Wir werden einen grossen, freundlichen und hellen Raum erhalten, der nicht nur durch die prachtvollen Fenster bereichert wird, sondern auch mit dem, was wir jetzt gefunden haben.»

Gottesdienste und Kirchenmusik

Für die Einweihung der neu restaurierten Kirche sind keine grossen Festlichkeiten vorgesehen. Gewissermassen als «offizielle Feier» wird übermorgen Sonntag ein - jedermann zugänglicher - Festgottesdienst mit anschliessendem kleinen Imbiss abgehalten. Einem Abendgottesdienst mit Abendmahl am gleichen Tag folgt am darauffolgenden Samstag eine Abendmusik zum Bettag: Der erweiterte Frauen- und Männerchor Worb und Instrumentalisten führen zwei Bach-Kantaten auf. Die vereinigten Männerchöre der Gemeinde Worb bereichern dann den Abendmahlsgottesdienst zum Bettag.

Über die kunsthistorische Bedeutung der Kirche und die Ausgrabungen werden später der kantonale Denkmalpfleger und ein Vertreter des archäologischen Dienstes des Kantons an Vorträgen berichten.

Bilder und Text: Bernhard Künzler