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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Kirchgemeindehaus Sperlisacher, Rüfenacht

Der Bund, 8. November 1982

Endlich haben die Rüfenachter ihr Kirchgemeindehaus

Einweihung mit zwei Gottesdiensten, einem Tag der offenen Tür und dem Zibelemärit

bng. In Rüfenacht konnte am Wochenende das neue Kirchgemeindehaus auf dem Sperlisacker eingeweiht werden. Es soll als Ort der Begegnung dienen und neben kirchlichen Anlässen Zusammenkünfte weiterer Gruppen ermöglichen. Die Festlichkeiten - Abendgottesdienst, Zibelemärit, Tag der offenen Tür und Festgottesdienst - erforderten viel Einsatz; doch die, Arbeit hatte sich gelohnt; Zufriedenheit war allseits zu spüren.

Die Festlichkeiten zur Einweihung des Kirchgemeindehauses Rüfenacht begannen am Freitag abend mit einem Gottesdienst. Am Samstag standen die Türen im Kirchgemeindehaus auf dem Sperlisacker jedermann offen. Im Gruppenraum traf man sich zum «mitenand Zmörgele», während nebenan in der Küche Hochbetrieb herrschte: fleissige Frauenhände waren dabei, das Mittagessen vorzubereiten und Kuchen zum Nachmittagskaffee zu backen. Die Kleinen warteten bereits ungeduldig auf das Glücksfischen, auf «Märli» und Spiele. Daneben fand der bereits zur Tradition gewordene Rüfenachter Zibelemärit statt. Beim «Chegeleboum» wurden Gemüse, Backwaren, Bastelarbeiten und natürlich kunstvoll geflochtene Zwiebelstränge angeboten. Auch heisser Punsch und heisse Marroni fanden beim kalten Herbstwetter ihre Abnehmer. Beim Flohmarkt herrschte bereits am Morgen reger Betrieb. Die «Hammen» am Mittag und die Kuchen am Nachmittag waren rasch ausverkauft.

Festgottesdienst als Höhepunkt

Höhepunkt der Festlichkeit war der Festgottesdienst am Sonntagvormittag, mit dem auch die Übergabe des Kirchgemeindehauses vollzogen wurde. Nach dem Eingangsspiel durch die Bläser-Familie Ryser, dem Kanzelgruss und dem Gemeindegesang eröffnete Hans Burger, Baukommissionspräsident, den Übergabe-Festakt. Als gewissermassen «geistiger Vater» des nun verwirklichten Werks blickte er noch einmal zurück auf die 25 Jahre, die es von der Idee bis zur Einweihung gedauert hatte. Architekt Peter Gfeller bedankte sich bei Bauherrschaft, Baukommission und Handwerkern für die gute Zusammenarbeit und übergab das Gebäude mit den besten Wünschen für die Zukunft.

Übernommen wurde es von Kirchgemeinderatspräsident Dr. Jürg-Paul Lyk und dem Kirchgemeindepräsidenten von Worb, Peter Fankhauser, der abschliessend für die Geschenke und den Einsatz der Dorfgemeinschaft des Bibliotheksvereins Rüfenacht und der Einwohnergemeinde Worb dankte. Nach einem Bläserzwischenspiel folgte die Predigt zu Psalm 84, der sich wie ein roter Faden durch die Festlichkeiten zog. Der Lehrergesangverein Konolfingen, begleitet von Instrumentalisten, führte die Kantate «Alles, was ihr tut...» von Buxtehude auf.

Nach gemeinsamem Gebet, Segen und Schlussspiel der Bläser traf man sich im Foyer zu einem Kirchen-Apéro. Hier lag auch eine kleine Festschrift, herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Worb, auf, die über Geschichtliches, Bauliches, Künstlerisches und die Bedeutung des Kirchgemeindehauses Aufschluss gibt.

BZ, 8. November 1982

Das Rüfenachter Kirchgemeindehaus ist eingeweiht worden

«Die Kirche soll in allen Räumen sein»

Das Rüfenachter Kirchgemeindehaus im Sperlisacher ist übers Wochenende feierlich eingeweiht worden. «Nun, da das Haus fertiggestellt ist, wird es sich zeigen, wie sich die vielen Ideen, die hineingebaut worden sind, in der Praxis bewähren», meinte der Präsident des Kirchgemeinderates Worb, Paul-Jürg Lyk, an der Einweihungsfeier.

lkr. Der Grossaufmarsch an allen drei Festtagen zeigte deutlich, wie sehr den Rüfenachtern ihr Kirchgemeindehaus schon ans Herz gewachsen ist. Die Stimmung war denn auch immer ausserordentlich fröhlich. Nach all den Rückschlägen und Enttäuschungen war die Einweihung ein Fest der guten Laune, der Freude und der Hoffnung.

Zum erstenmal in der Kirche

Am Freitagabend wurde der Gottesdienst zum erstenmal in der neuen Kirche abgehalten. Für diesen Anlass war der Gottesdienstraum bereits ein wenig zu klein, man musste zusätzliche Stühle aufstellen. Etwas weniger besinnlich und feierlich, dafür aber um so fröhlicher und ausgelassener ging es dann am Samstag zu und her. Beim Chegeleboum waren für den Zibelemärit verschiedene Verkaufsstände eingerichtet worden. Das Gemüse, die kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfe und die Backwaren - frisch aus dem Ofehüsi, nota bene - fanden reissenden Absatz. Aber auch auf dem Flohmärit herrschte emsiger Betrieb. Vor allem Kinder und Jugendliche deckten sich mit mehr oder weniger brauchbaren Gegenständen ein. Sogar ein wertvoller Perserteppich stand zum Verkauf.

Das Zentrum des Festes war aber selbstverständlich im Kirchgemeindehaus. Schon ab halb acht Uhr konnte man sich dort verpflegen. Der grosse Saal, der in ein Restaurant verwandelt worden war, die Kaffee- und Kuchenstube und die Raclettestube waren den ganzen Tag lang voll besetzt. Auch die Kinder kamen auf ihre Rechnung. In den für Kinder und Jugendliche bestimmten Räumen im Untergeschoss erprobten sie ihr Geschick beim Schiffliblasen oder hofften gespannt auf ihr Glück bei der «Meersöiliwette».

Harmonische Orgelklänge

Zweimal zog der Organist Beat Ast die 15 Register seines Könnens und brachte die 840 Prospektpfeifen der Orgel zum Erklingen. Ein zahlreiches, aufmerksames Publikum lauschte dem harmonischen Klang und bewunderte gleichzeitig den von Paul Freiburghaus geschmackvoll eingerichteten Gottesdienstraum. Türe, Kanzel und Tisch sind aus massivem Eichenholz gearbeitet und zeigen in Form und Verzierung einen Gegensatz von weich und kantig. Herauszufinden, was der farbige, aus altem Seil geknüpfte Wandbehang darstellt, bleibt jedem selbst überlassen. «Vielleicht ist es gut, wenn man die Symbolik nicht gleich auf den ersten Blick erkennt. So hat man wenigstens etwas, worüber man nachdenken kann, wenn ich einmal eine schlechte Predigt halte», lachte Pfarrer Willi Hirsch.

Kirche in der Küche

Den Abschluss der Festlichkeiten machten die offizielle Übergabe des Kirchgemeindehauses und der Feldgottesdienst vom Sonntagmorgen. Der Präsident der Baukommission, Hans Burger, ging kurz auf die Entstehungsgeschichte des Kirchgemeindehauses ein, bevor Architekt Peter Gfeller das Haus offiziell der Bauherrschaft übergab. Einige Leute waren erstaunt gewesen, dass Pfarrer Hirsch am Freitag zur «Einweihung der Kirche» eingeladen hatte. Der Präsident der Kirchgemeinde Worb, Peter Fankhauser, stellte sich hingegen voll hinter diese Bezeichnung: «Das Wort 'Kirche' besteht nicht nur aus dem Begriff Kirchengebäude. Die Kirche soll auch in der Küche sein, sie soll in den Gängen und in allen Räumen stattfinden.»

BZ, 21. Februar 1984

«Kritisches Denken ist erwünscht»

Pfarrer Wider zu den Aktivitäten im Kirchgemeindehaus Rüfenacht

«Das Haus soll ein Ort der Begegnung, der Auseinandersetzung, aber auch der Gemeinschaft trotz verschiedener Meinungen und Positionen sein» meinte Pfarrer Willi Hirsch an der Eröffnungsfeier des Rüfenachter Kirchgemeindehauses. In der Zwischenzeit ist diese Begegnungsstätte 15 Monate offen. Haben sich die grossen Erwartungen an das Zentrum inmitten des gewachsenen Dorfes erfüllt?

Lorenz Kummer

Samstag nachmittag im Rüfenachter Kirchgemeindehaus: Die eine Hälfte des Gesichts schwarz, die andere gelb, die Nase feuerrot, ein riesiger Hut auf dem Kopf. Beat zupft nervös an seinem Kostüm herum und rückt immer wieder seinen Hut zurecht. Ein letzter fragender Blick zur Mutter, «nein, die Schminke ist nicht verschmiert», dann mischt er sich unter die andern Clowns, Haremsdamen. Indianer und Scheichs. Die Kinderfasnacht, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Jugendgruppen Worb. ist in vollem Gang.

Kinderfasnacht im Kirchgemeindehaus, dies ist nur ein Beispiel aus der Palette der verschiedenartigsten Veranstaltungen, die seit der Eröffnung am 7. November 1982 im Rüfenachter Kirchgemeindehaus «über die Bühne gingen». Sämtliche Rüfenachter Vereine benutzen die Räumlichkeiten des Kirchgemeindehauses. Es gibt Kurse und Gesprächsgruppen für jung und alt, Angebote im Bereich der Erwachsenenbildung, gemeinsames Backen im «Ofehüsi», Klassenpartys, Konzerte und Theater. Das Engagement der Dritte-Welt-Gruppe und der Friedensgruppe, die sich unter anderem für den Zivildienst einsetzt, ist jedoch nicht unbestritten. Pfarrer David Wider wünscht sich von den Rüfenachtern und auch vom Kirchgemeinderat ein neues, kritisches Denken: «Auch politische Aktivitäten müssen in der Kirche Platz haben. Das Ziel kann aber nicht Polarisierung sein, sondern Solidarität in allen Fragen. die anstehen.» David Wider ist der Ansicht, dass nur ein Angebot, das alle Lebensbereiche berührt, den Bedürfnissen einer schnellwachsenden Vorortsgemeinde entsprechen kann. «Wir beschränken uns deshalb nicht nur auf die traditionellen Aufgaben der Kirche. »

Laut einer Umfrage zeigten sich viele Rüfenachter überrascht, dass in ihrem Kirchgemeindehaus soviel «läuft». Sie wissen zwar. dass «da eben einiges geht», aber was genau angeboten wird, wusste kaum jemand. Zudem hat «man» ja so wenig Zeit. «Wir hoffen. dass die Leute in Zukunft noch aktiver werden. sowohl im Besuchen der Veranstaltung als auch bei der Verwirklichung von eigenen Ideen». erklärte David Wider. Pfarrer Willi Hirsch ist jedenfalls «ausserordentlich zufrieden und glücklich» über die ersten Erfahrungen: «Das Kirchgemeindehaus hat sich in allen Funktionen ausgezeichnet bewährt. Wir haben keinen einzigen Raum zuviel, manchmal haben wir sogar zu wenig Platz.» Auch der Präsident der Baukommission, Hans Burger, sieht alle Erwartungen erfüllt: «Man sieht. dass das Bedürfnis für ein Gemeinschaftszentrum in Rüfenacht vorhanden war. Mit unserem Kirchgemeindehaus kommen wir dem voll und ganz entgegen.»