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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Zollikofen, Umwelt, Energiestadt

Der Bund, 6. November 1999

ZOLLIKOFEN

Neue Strategie für die Minergie

Das neue Umweltkonzept enthält gemäss seiner Initiantin Mariann Keller «politischen Zündstoff» - dies, weil sie fordert, ein Konto zur Energieförderung zu schaffen und vermehrt nach Minergie-Kriterien zu bauen. Am Montag befindet der Gemeinderat darüber.

uma. «Das beinhaltet einigen politischen Zündstoff», sagt Mariann Keller, Initiantin des Umweltkonzeptes Zollikofen. Zündstoff vor allem wegen einiger ungewöhnlicher Anregungen: «Zollikofen soll eine Energie-Stadt werden», sagt Keller. Die Spezialkommission Umwelt, welche das Konzept erarbeitet hat, schlägt vor, dass die MinergieStandards bei öffentlichen Gebäuden immer dann angewendet werden, wenn die Mehrkosten zehn Prozent gegenüber der gewöhnlichen Bauweise nicht überschreiten. Auch bei privaten Vorhaben soll die Motivation zum Bauen nach der Minergie-Philosophie gesteigert werden - dies nicht nur mit Informationen, sondern mit finanziellen Anreizen. Interessant ist die im Konzept verankerte Weise, wie der finanzielle Zustupf bezahlt werden soll: mit dem Gewinn aus Strom und Gasrechnung nämlich, der nach Abzug der Investitionen übrig bleibt.

Laut Gemeindepräsident Gottfried Aebi ist dieser Vorschlag tatsächlich ein heikler Punkt. «Die Gasrechnung beispielsweise ist dieses Jahr erstmals positiv. Prioritär sollte sein, mit dem Gewinn eine Sonderrechnung zu äufnen, um damit Sanierungen und Erweiterungen zu finanzieren.» Aebi ortet somit einen Widerspruch zum Vorschlag der Spezialkommission Umweltkonzept. Als möglichen Kompromiss kann Aebi sich Folgendes vorstellen: Rückstellungen vornehmen, bis ein gewisses Niveau erreicht ist, und dann, statt den Gaspreis zu senken, mit einem Teilbetrag Quersubventionen sprechen. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Transparenz des Finanzwesens so nicht gerade zunehme.

Zahlen fürs Parkieren?

Ein weiterer Diskussionspunkt dürfte das Thema Verkehr werden, sagt Mariann Keller. Die aus Fach- und Berufspersonen zusammengesetzte Spezialkommission fordert, dass die öffentlichen Parkplätze bewirtschaftet werden. Gottfried Aebi glaubt allerdings nicht an eine ausreichende Bereitschaft, fürs Parkieren im Dorf etwas zu bezahlen. Zudem befasse man sich momentan mit dem Problem der «Fremdparkierer», die öffentliche Parkplätze für private Zwecke besetzten.

Vom Ist- zum Soll-Zustand

Das Umweltkonzept umfasst insgesamt neun Themenbereiche. Darin umschrieben ist der heutige Zustand, definiert wird der in Zukunft angestrebte Zustand, und genannt werden Massnahmen, um die Differenzen dazwischen zu minimieren. Im Konzept festgehalten ist auch der Vorschlag, eine Kommission zu bilden, die sich längerfristig und dauernd mit Fragen der Landschaftsplanung auseinander setzt. Initiiert hat das Konzept Mariann Keller. Entstanden ist es in Zusammenarbeit von über zwölf Fach- und Berufsleuten. Die Inhalte werden am Montag in der Sitzung des Gemeinderats diskutiert.

Die Vertrauensmarke

uma. Minergie ist kein eigentliches Firmenprodukt. Minergie ist ein Qualitätsmerkmal, das bestimmte Produkte und Dienstleistungen auszeichnet. Für eine solche Auszeichnung kommen Produkte in Frage, welche die Energie besonders rationell nutzen, den Einsatz von erneuerbaren Energien fördern und dabei sowohl die Lebensqualität erhöhen als auch die Umweltbelastung senken. Wer nach den Richtlinien der Minergie bauen will, hat also nicht starren Vorschriften Folge zu leisten. Ganzheitliche Lösungen werden angestrebt: Alle Aspekte des Bauens und des Wohnens werden berücksichtigt. Zudem wird angestrebt, ökologische Produkte und Dienstleistungen bekannt zu machen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in diese zu steigern.

«Es ist Machbar!»

MARIANN KELLER (GFL)

ist Mitglied des Gemeindeparlaments in Zollikofen und Grossrätin. Sie reichte 1997 in Zollikofen eine Motion ein. Diese verlangte unter anderem die Schaffung eines Umweltkonzeptes. Erarbeitet wurde das Projekt von einer Spezialkommission unter ihrer Leitung.

«BUND»: Frau Keller, was unternehmen Sie, damit das Umweltkonzept nicht zum Papiertiger verkommt?

MARIANN KELLER: Wir haben dazu den klaren Auftrag des Parlaments: Das Umweltkonzept listet Massnahmen auf und nennt den jeweils angemessenen Zeitrahmen, in welchem diese zu erfüllen sind. Natürlich lassen sich solche Bestrebungen nicht ohne ein Kontrollorgan durchsetzen: Das ist die Exekutive. Letztlich aber braucht es für Realisationen den politischen Willen. Von privaten Organisationen, zum Beispiel vom Naturschutz oder vom Umweltforum, kann zusätzlicher Druck von unten erfolgen.

Scheitert die Erfüllung des Minergie-Standards nicht sowieso am Geld, wie dies vor kurzem beim Zentralschulhaus der Fall war?

Beim Schulhaus scheiterte der Minergie-Vorschlag nicht nur an finanziellen Überlegungen, sondern auch aus bauhistorischen Gründen: Man wollte die Aussenfassade nicht verändern. Für gemeindeeigene Bauten und Renovationen nach Minergie-Standard gilt auch hier: Der politische Wille ist entscheidend. Die Förderung von alternativen Energien ist allerdings auch im Leitbild der Gemeinde verankert. Sollte der Gemeinderat aus Kostengründen die vorgeschlagenen Massnahmen im Energiebereich ablehnen, macht er sein eigenes Leitbild zum Papiertiger. Ich bin aber optimistisch und glaube, dass ein Umdenken stattfinden kann. Minergie liegt im Trend, und ich hoffe, Zollikofen macht mit.

Kann der Vorschlag, mit gemeindeeigenen Geldern aus der Strom und Gasrechnung private Minergie-Bauvorhaben zu unterstützen, politisch mehrheitsfähig sein?

Beim Vertrag zwischen Gemeinde und BKW braucht es für die von der Spezialkommission vorgeschlagene Massnahme eine Änderung im Reglement. Das ist aber keine grosse Sache. Die positiv ausgefallene Gasrechnung erlaubt eigentlich schon heute alternative Energienutzung. Man muss hier einfach aus den alten Denkmustern hinaustreten. Es ist machbar!

INTERVIEW: URS MANNHART

BZ, 19. Dezember 2002

ENERGIESTADT ZOLLIKOFEN

«Das ist unser Beitrag für eine intakte Umwelt»

Seit gestern darf sich auch Zollikofen Energiestadt nennen - als 11. Gemeinde im Kanton Bern.

Bislang besassen 81 Schweizer Gemeinden und zwei Regionen das Label Energiestadt, welches Gemeinden auszeichnet, die sich für eine nachhaltige Energiepolitik und für die Förderung erneuerbarer Energien einsetzen. Zu diesem Kreis stiess nun gestern auch Zollikofen als 84. Gemeinde in der Schweiz und 11. im Kanton. «Es ist unsere Pflicht, den Nachkommen eine intakte Umwelt zu hinterlassen. Das Energiestadt-Label ist Zollikofens Beitrag», betonte Gemeinderat Urs Vock (CVP) anlässlich der Label-Übergabe.

Minergie als Highlight

Vorläufer von Zollikofens Energiestadt-Label ist das Umweltkonzept, welches unter der Federführung von Mariann Keller (GFL) ausgearbeitet und vor zwei Jahren vom Gemeindeparlament gutgeheissen wurde. Ein wichtiger Punkt dieses Konzepts, die Förderung von Minergie, wurde mehrfach lobend erwähnt. So habe nebst weiteren Highlights die Häberlimatte, die erste Schweizer Grossüberbauung in Minergiebauweise, zum Label Energiestadt geführt, sagte Walter Kubik von der Labelkommission Energiestadt. «Absolut einmalig» sei, dass in Zollikofen Privaten, die nach den Minergiegrundsätzen bauen, eine um 10 Prozent höhere Ausnützungsziffer zugestanden werde. «So etwas gibts in der Schweiz sonst nirgends.»

60 Prozent bereits erfüllt

Zollikofens Umgang mit Energie hat in der Bewertungsrunde gute Noten erhalten: Über 60 Prozent der möglichen Energiemassnahmen habe die Gemeinde bereits ergriffen, so Energiestadtberater Andreas Wyss. «Damit hat es Zollikofen sogleich auf Rang 28 unter den Schweizer Gemeinden geschafft.»

blb