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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

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Mix & Copyright: H.U. Steiner

Langnau: Energiestadt

Wochenzeitung, 11. Juli 2002

Als «Energiestadt» positive Signale setzen

Im August entscheidet der Grosse Gemeinderat von Langnau über ein Postulat

Kann Langnau zur «Energiestadt» werden? In einem Postulat fordern Stefan Locher (Junge SP) und Reto Hochuli (Junge FDP), dass der Gemeinderat dies prüft. Dieser wird dem Parlament im August den Antrag stellen, das Postulat anzunehmen. Die Postulanten möchten die Energiepolitik vermehrt in den Mittelpunkt rücken.

von Silvia Ben el Warda-Wullschläger

«Wenn man hört, was im Bereich der Ökologie alles geht, erachten wir das Label <Energiestadt> als zukunftsträchtig», erklärt Stefan Locher, einer der Erstunterzeichner des Postulats. Die weltweite Energiepolitik werde in den nächsten Jahrzehnten zweifellos gewichtige Änderungen erfahren. Die Menschen seien zu grossen Teilen abhängig von nicht erneuerbaren Rohstoffen, deren Verbrauch stetig zunehme und deren Reserven irgendwann erschöpft sein würden. In Zukunft wird gut beraten sein, wer sich dieser Entwicklung bewusst ist und die entsprechende Wandlung nicht verpasst», steht im Postulat. Für Langnau sei es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, ergänzt Stefan Locher. Der Name «Energiestadt» setze einerseits ein positives Signal für das Gewerbe, andererseits werde dem grünen Bereich wieder mehr Beachtung geschenkt.

Links und rechts gemeinsam

«Mit der Tatsache, dass wir das Postulat zusammen mit dem Jungfreisinn ausgearbeitet haben, wollen wir symbolisieren, dass es nicht um links oder rechts geht, sondern um die Zukunft, um die Jugend», betont das GGR-Mitglied. «Es geht um eine weitsichtige Energiepolitik jenseits der alten Grabenkämpfe zwischen den Extrempositionen», schreiben er und Reto Hochuli. Sie seien auch nicht der Ansicht, dass der Gemeinderat und die Verwaltung in Energiefragen bisher völlig untätig gewesen seien. «Gerade deshalb glaube ich, dass Langnau das Label ohne allzugrossen Aufwand erreichen könnte», meint Stefan Locher.

Ein Leitfaden für die Planung

Verschiedene Gründen würden dafür sprechen, das Label «Energiestadt» anzustreben, so die Postulanten: Durch die Auseinandersetzung mit Energiefragen und die Prüfung durch die Expertenkommission entstehe ein Eindruck, wo energietechnisch die Stärken von Langnau liegen würden und wo Handlungsbedarf bestehe. Durch die breite Diskussion und die Prüfung würden die verschiedenen Bereiche der Verwaltung für Energiefragen sensibilisiert. Für die Gemeinde Langnau könne das Label als Leitfaden für die längerfristige Planung von energiepolitischen Fragen dienen. Als Energiestadt verpflichte sich Langnau folgenden Ziele: Stabilisierung des Energieverbrauches, Senkung des Einsatzes von nicht erneuerbaren Energieträgern, vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energieträgern.

Gemeinderat will prüfen

Ob es überhaupt so weit kommt, ist noch nicht sicher. Zuerst muss entschieden werden, ob das Postulat angenommen wird. Geht es nach dem Gemeinderat, wird dies der Fall sein, ist von Gemeindepräsident Bernhard Antener zu erfahren. «Der Gemeinderat wird dem GGR im August Antrag stellen, das Postulat anzunehmen. Wir möchten danach abklären, wie es mit dem Aufwand und dem Ertrag aussieht, was für Bedingungen erfüllt werden müssen und was der Nutzen dieses Labels ist.» Das Begehren sei prüfenswert und passe grundsätzlich in das Konzept der Attraktivitätssteigerung.

Energiefragen blieben aktuell

Als gute Richtschnur und wertvolles Instrument bezeichnet Peter Kast, Leiter von «Energie plus» in Langnau, das Label Energiestadt. Damit werde ein Prozess eingeleitet, während dem sich die Gemeinde dauernd um Energiefrage kümmern müsse. Damit bleibe das Thema immer aktuell. Massnahmen könnten Schritt für Schritt eingeführt werden, diese würden dann auch überprüft.

Langnau wäre nicht die einzige Energiestadt in der näheren Umgebung: An Bern, Burgdorf, Köniz, Langenthal, Münsingen und Ostermundigen wurde das Label bereits früher verliehen.

Das Label «Energiestadt»

sbw. Das Label «Energiestadt» erhalten Gemeinden jeder Grösse, wenn sie ausgesuchte energiepolitische Massnahmen realisiert oder beschlossen hat. Eine Energiestadt verfolgt konkrete Massnahmen: Sie stabilisiert den Stromverbrauch, senkt den Einsatz von Öl und Gas und nutzt vermehrt erneuerbare Energien. Sie passt Rahmenbedingungen wie Organisation und Budget umsetzungsfreundlich an. Die energiepolitischen Resultate unterliegen einer strengen Kontrolle. Sie werden an der konkreten Umsetzung gemessen. Die zu erfüllenden Kriterien werden anhand eines standardisierten Massnahmenkatalogs definiert. Dieser umfasst sechs Gebiete: Bau und Planung; Energieversorgung; Wasser, Abwasser und Abwärme; Verkehr und Transport; Öffentlichkeitsarbeit; interne Organisation. Eine Energiestadt betreibt in wenigstens drei Bereichen eine umfassende Entwicklung. Nach der Vergabe des Labels prüft eine unabhängige Kommission die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen anhand von jährlichen Erfolgskontrollen: Die Standarts für die Vergabe des Labels werden laufend den neuen technischen oder energiepolitischen Erkenntnissen angepasst. Quelle:www.energiestadt.ch