Presseschau 

Leserbriefe H.U. Steiner

  Rundschlag gegen die Beamten (Bund, 28. Aug. 1991)
  Wie hast Du's mit der Landesverteidigung? (Bund, 14. Sept. 1991)
  «Jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel» (Bund, 14. Dez. 1991)
  F/A-18 - Zur Kolumne von Jörg Zumstein (Bund, 23. Jan. 1992)
  Budget - Bürgergruppe Rüfenacht (Bund, April 1992)
  Das Kirchenasyl bewegt die Bevölkerung (Bund, 9. Oktober 1994)
  Eine «cleane» Stadt Bern (BZ, 8. Juni 1996)
  Atommüll-Transporte (Bund, 29. Mai 1998)

 

Leserbrief, Der Bund, 28. August 1991

Rundschlag gegen die Beamten

SVP-Wahlpropaganda

Seit einigen Tagen begegnet mir auf dem Arbeitsweg das neue SVP-Wahlplakat mit der Aussage: «Wir fördern die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber.» Das tönt wirklich gut. Ich konnte es fast nicht fassen, dass jetzt sogar die Schweizerische Volkspartei die Arbeitnehmer (ohne die Arbeitnehmerinnen!) entdeckt habe.

Nun, die Zeitungen enthüllten dann wieder das echte Bild der SVP. Der Rundumschlag gegen die kantonalen Beamten (oder sind das nicht Arbeitnehmer?) hat Format: teilweiser Wegfall der Teuerungszulage, Abbau des Personals um fünf Prozent, teilweise Abschaffung der Alterszulagen usw. Der Personalabbau soll nicht linear geschehen. Er könnte je etwa so aussehen: Bildung (vorgesehene Senkung der Lektionenzahl der Schüler), Polizei (keine Geschwindigkeitskontrollen mehr, analog Autopartei), Umweltschutz (Verhinderung von Kontrollen z. B. der Ozonwerte). Oder geht die SVP davon aus, dass fünf Prozent weniger Mitarbeiter(innen) 105 Prozent leisten? Die Arbeitnehmer(innen) also mehr ausgepresst werden?

Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht

Leserbrief, Der Bund, 14. September 1991

Wie hast Du's mit der Landesverteidigung?

Zumsteins Propaganda

Zumsteins Kolumne im «Bund» vom 7. September fordert wie üblich heraus. Das Schnittmuster ist ja auch immer ähnlich. Im Visier hat er vor allem die Nichtelite, die Underdogs, die Nichtstuer und vor allem die Armeegegner. Oder gemäss Zumstein die «Forster». Das seien diejenigen, welche sich bei der Schlacht von Laupen im Forst versteckten. Und heute seien das diejenigen, welche nicht mehr öffentlich für die Landesverteidigung einträten. Als höchster Berufssoldat und heutiger zD (zur Disposition des Bundesrates) war und ist es ja seine Aufgabe, alles, was der Armee Schaden zufügen könnte, von ihr fernzuhalten.

Ich bin mit Herrn Zumstein gleicher Meinung: Man muss die Kandidaten dieses Wahlherbstes mit der Gretchenfrage konfrontieren «Wie hast du's mit der Landesverteidigung?». Ich würde aber die Zusatzfrage stellen: «Wie hast du's mit dem F/A-18-Flieger?». Oder umgekehrt: «Was würdest du mit den freiwerdenden Milliarden machen?». Derjenige, welcher mir dann Alternativen für diese mehr als 3 Milliarden Franken anbieten würde (Aufbauhilfe im Osten, Hungerbekämpfung, Bekämpfung der Flüchtlingsproblematik im Ursprungsland usw.), der wäre mein Kandidat.

Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht

Kolumne, Der Bund, 7. September 1991

Stans, 1991

Am vergangenen Wochenende war Stans der Ort eines Anlasses, der nach den Worten von Marco Solari «zum Nach denken über unser Land und dessen Geschichte anregen» sollte. Zehntausende fanden den Weg nach Nidwalden, um hier den Vorführungen historischer Gruppen und dem imposanten Umzug von dreitausend Männern und Frauen aus allen Gegenden der Eidgenossenschaft beizuwohnen. Die Besucher kamen in den Genuss einer eindrücklichen Lektion über siebenhundert Jahre Militärgeschichte. Als Gäste der Region, der Truppe und opferwilliger Gönner aus der Wirtschaft erlebten sie gleichzeitig, zu welchen Leistungen im Verband arbeitende zivile und militärische Stäbe und Verbände fähig sind.

Die wehrhistorische Schau unter dem Titel «Arena Helvetica» machte die Wurzeln sichtbar, aus denen unser Wehrwesen bis zum heutigen Tag seinen Saft und seine Kraft bezieht. Weit davon entfernt, eine uns fremde Glorifizierung des Militärs darzustellen, kamen auch Schwachpunkte einer vielfältigen, stark regionale Züge tragenden Wehrverfassung zur Darstellung, die schweizerische Truppen schon in früheren Zeiten belastet haben und heute noch nachwirken.

Dennoch, oder gerade deswegen, blieb uns der Eindruck einer urtümlichen, in der Tiefe der Volksseele gründenden, als selbstverständlich begriffenen Bereitschaft, in Zeiten der Bedrohung zur Waffe zu greifen und sich schützend vor die Eigenen und das Eigene, vor Land und Einrichtungen zu stellen. Und als dann, am Schluss des langen Umzuges, die Feldzeichen der Bataillone und Abteilungen des Gebirgskorps vorbeigetragen wurden, erhob sich, soweit wir sehen konnten, das Volk von den Sitzen. In dieser Geste lag das Einverständnis mit dem, was man in Stans erlebt hatte und wohl auch ein Zeichen der Dankbarkeit für den Einsatz der Legionen von Frauen und Männern, die mit ihrer Arbeit diese eindrückliche Schau möglich gemacht hatten, die aber auch weiterhin dafür sorgen werden, dass Wehrhaftigkeit kein leeres Wort ist.

Auf dem Platz, wo die Schlacht bei Laupen in symbolisch-geraffter Manier zur Darstellung kam, hatte es der Sprecher am Mikrophon nicht unterlassen, auf jene Berner hinzuweisen, die sich im nahen Wald versteckten, als sie des feindlichen Heeres ansichtig wurden. (Nach der Überlieferung leitet sich von diesen der Name Forster ab.) Die «Forster» von 1339 haben Nachahmer gefunden. Es sind jene, die sich im Unterholz verbergen, wo heute ein klares Bekenntnis zur Landesverteidigung nötig wäre.

Die Beschaffenheit der Welt ist nicht so, dass wir Schweizer auf eine überzeugende Landesverteidigung verzichten könnten. Es gehört zum Bild der modernen Eidgenossenschaft im Ausland, dass sich dieses Staatswesen darum bemüht, seine eigene Sicherheit aus eigener Kraft zu gewährleisten. Sollten wir einmal dazu kommen, uns um einen Platz im «Hause Europa» bewerben zu müssen, dann können wir dort nur in aufrechter Haltung vorsprechen, wenn wir das uns Zumutbare in Sachen Sicherheitspolitik leisten.

Es gibt heute Mitbürger, die aus der Angst heraus, sich damit die Finger zu verbrennen, nicht mehr öffentlich für die Landesverteidigung eintreten. Wenn die in Mode stehenden Meinungsumfragen ein Absinken der Zahl jener ergeben, die die Notwendigkeit einer Landesverteidigung bejahen, so dürfen verantwortungsbewusste Magistraten und Politiker solches nicht einfach hinnehmen. Sie müssen vielmehr dafür sorgen, dass die Wankelmütigen im Volk eines Bessern belehrt werden.

Im übrigen stehen schon bald eidgenössische Wahlen vor der Tür. Wir werden guttun, unsere Kandidaten mit der Gretchenfrage zu konfrontieren «Wie hast du's mit der Landesverteidigung?» und potentielle «Forster» frühzeitig auszumachen. Denn die Verteidigung unserer Unabhängigkeit steht immer noch in der Verfassung.

Dies wäre eines der Ergebnisse des «Nachdenkens über unser Land und dessen Geschichte» in Stans!

Jörg Zumstein

Geboren 1923 in Bern. Studium der Nationalökonomie und Doktorat an der Universität Freiburg i. Ue. 1950 Aufnahme der militärischen Laufbahn als Instruktionsoffizier der Infanterie, von 1981 - 1985 Generalstabschef, heute zur Disposition. Verheiratet, sechs Kinder. Wohnhaft in Münsingen,

Leserbrief, Der Bund, 14. Dezember 1991

Zum Leserbrief «Entlarvte Friedensbewegung» von Peter Bolliger, Münsingen («Bund» vom 3. 12.91)

«Jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel»

Das vermeintliche Abseitsstehen der Friedensbewegung im Jugoslawien-Konflikt, im Gegensatz zum Golfkrieg, wird von einigen Leserbriefschreibern und -schreiberinnen genüsslich ausgewalzt. So vor allem von Herrn Peter Bolliger aus Münsingen, der meint, dass die «Betroffenheit» parallel mit der Distanz zum Kriegsschauplatz abnehme. Als langjähriges Mitglied einer kirchlichen Friedensgruppe und engagierter Gegner des Golfkriegs kann mir dieser Vorwurf nicht gleichgültig sein. Darum versuche ich Ihnen eine persönliche Antwort zu geben:

Jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel. Ob nun in Jugoslawien oder in Irak. Diese Haltung vertreten wir generell. Sie haben recht, Herr Bolliger und Mitschreiber(innen): Dass wir im Jugoslawienkrieg hilflos zuschauen, ist Tatsache. Leider. Sie können aber versichert sein, dass es uns nicht gleichgültig ist, wenn vermeintliche Brüder fast über Nacht zu Gegnern und Mördern werden.

Aber da sind wir nicht allein. Hier hat niemand ein Rezept zur Hand. Nicht einmal die Uno, welche doch in Irak so genau zu wissen schien, was richtig und was falsch war, heute aber auch dort vor einem Scherbenhaufen steht (Saddam Hussein ist noch da, von Demokratie in Kuwait keine Spur, und die Kurden werden weiter ausgerottet). Warum haben die «Friedensmächte» keine Lösung? Warum können hier nicht auch pro Tag eine halbe Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt werden wie in Irak? Zynisch frage ich: Wie würde der Konflikt geregelt, wenn grössere Ölquellen oder andere, ähnliche Interessen im Spiele wären?

Sie haben auch recht, Herr Bolliger der eindeutige Adressat eines Protestes fehlt. Ich denke, dass der überwiegende Teil unseres Volkes den Krieg in Jugoslawien verurteilt. Seine Grausamkeit und seine Ungerechtigkeit werden uns täglich im Fernsehen vorgeführt. Und, erinnern wir uns: Vor und während des Golfkriegs wurde der «saubere» und «gerechte» Krieg mittels Zensur und CNN propagiert. Und, der Golfkrieg wurde geplant. Eine Million Soldaten und Soldatinnen wurden gegeneinander «in Stellung» gebracht. Zur Vernichtung!

Das soll wirklich nicht den Jugoslawienkrieg verniedlichen. Aber, eine Propaganda ruft hier die Gegenpropaganda. Ich hoffe, dass Sie jetzt die unterschiedliche Art unseres Protestes vielleicht etwas besser verstehen können.

Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht

Leserbrief, Der Bund, 14. Dezember 1991

«Windstille» zum Thema Jugoslawien: Mit Feindbildern und Wut den Frieden schaffen?

Entlarvte Friedensbewegung

Es sei gleich vorweggenommen: Ich glaube nicht daran, dass irgendein kriegführender Bösewicht dieser Welt sich durch Friedensdemonstrationen in Ländern ausserhalb seines Herrschaftsbereiches in seinem Tun auch nur irgendwie beeinflussen lässt - Diktatoren und andere Herrscher von eigenen Gnaden erweisen sich in der Regel nicht gerade als besonders mit Skrupeln behaftet, im Gegenteil.

Dennoch: Die heutige praktisch absolute Windstille in Sachen Friedensbewegung zum Thema Krieg im ehemaligen Jugoslawien, dieses peinliche Schweigen zu bereits mehr als 10'000 Kriegstoten, steht in einem erschreckenden, unbegreiflichen Widerspruch zur noch vor kurzem manifestierten operativen Hektik der Friedensbewegten zur Zeit des Golfkriegs, zum damaligen Medienrummel. zur selbstdarstellerisch inszenierten Betroffenheit bis hin zu apokalyptischen Untergangsszenarien unzähliger Diskussionsrunden mit «Experten» aller Art in Radio und Fernsehen. Wenn «mann/frau» schon angeblich daran glaubt, mit Demos, Appellen von der Kanzel, Strassentheatern und Aktionen wie z. B. dem Ausgiessen von Ochsenblut vor Botschaften gewisser Länder einen Krieg verhindern zu können, weshalb fehlt dieser Glaube explizit in dem Falle, wo dieser Krieg quasi vor unserer Haustüre stattfindet, in «unserem gemeinsamen europäischen Haus»? Weshalb nimmt der Grad der vielbeschworenen «Betroffenheit» parallel zur abnehmenden Kilometerdistanz zum Kriegsschauplatz ebenfalls ab und steigt erst umgekehrt wieder an?

Nationalrätin Rosmarie Bär erklärt die heutige «Protesthemmung» mit dem Fehlen eines «klaren Feindbildes», alt Nationalrat Hansjörg Braunschweig bestätigt: «Man weiss nicht genau, gegen wen man eine Wut haben soll»; andere Exponenten rot-grüner und friedensbewegter Provenienz bringen noch viel schönere, unbrauchbare Worthülsen und Phrasen daher. Bleibt als erschreckendes Fazit, dass es offenbar zur Betroffenheit ausgerechnet in Sachen Frieden ein «klares Feindbild» braucht, dass man dazu eine Braunschweigsche Wut gegen jemanden haben muss. Eigentlich hätte ich naiverweise geglaubt, diese Wut müsste sich nicht gegen jemanden, eben gerade nicht gegen andere Menschen, sondern ausschliesslich gegen den Krieg als solchen richten.

Ernüchternd, deprimierend? Wenigstens dafür dürfen wir der Friedensbewegung dankbar sein: Sie hat sich damit endgültig selbst entlarvt. Nicht einmal das Schweigen der meisten europäischen Regierungen und der Uno vermag daran etwas zu ändern.

Peter Bolliger, Münsingen

Leserbrief, Der Bund, 23. Januar 1992

(Zur Kolumne von Jörg Zumstein für den F/A-18)

Nein, Herr Zumstein, schlaflose Nächte bereiten Sie bei mir nicht mehr mit Ihrer Werbekolumne für den vielgerühmten Superflieger F/A-18. Das ist vorbei. Auch wenn ich mich zu den Kreisen zähle, welche, wie Sie uns zu Recht nachsagen, die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges auf «raffinierte Weise hintertreiben» wollen.

Aber das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Ost und West, zwischen Süd und Nord wird uns in Zukunft beschäftigen. Also sollten doch diese Milliarden eher für den Ausgleich von Ungerechtigkeiten (auch zur Verhinderung von Flüchtlings-Lawinen) verwendet werden.

Es sind aber nicht nur die falsch eingesetzten 3'500'000'000 Franken, welche mich beschäftigen. Nein. Es sind vor allem Ängste, welche bei der Analyse der letzten kriegerischen Auseinandersetzungen auftreten. Wenn wir den Golfkrieg ausklammern, gegen wen wurden die Waffen eingesetzt? Fast ausschliesslich im eigenen Land. Selten zur Verteidigung. Überall, wo es während dem letzten Jahr krachte (Jugoslawien, Haiti, Moskau, Georgien, baltische Staaten, Irak [Kurden] usw.), sind oder waren die Waffen auf Landsleute gerichtet. Auch in Pakistan (siehe «Seite 2» im «Bund» vom 8. Januar).

Die von Ihnen in einer früheren Kolumne erwähnte Elite sollte doch heute ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, bessere, zukunftsträchtigere Lösungen vorzuschlagen, als immer wieder die Beschaffung von Kriegsmaschinen. Oder?

Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht

Leserbrief, Der Bund, 3. April 1992

«Bund»-Kommentar vom 30. März

Worber Finanzsorgen

In seinem Kommentar zu den abgelehnten Gemeindebudgets teilt Redaktor Erich Kobel kräftig Noten aus. Die Neinsager hätten «mit Blick auf das eigene Portemonnaie und mit wenig Sinn für die Realität ... entschieden». Wenig Sinn für Realität dürften wohl die Worber Gemeindebehörden haben. Seit Jahren werden frisch-fröhlich Ausgaben getätigt, die in einer hoch verschuldeten Gemeinde einfach nicht drinliegen dürften; von der Unterstützung des Tennisklubs bis zu den Investitionen, die für eine 11000 Einwohner zählende Gemeinde eine Nummer zu gross sind. Der für 7,5 Millionen Franken bald fertiggestellte Werkhof mit Wehrdienst-«Magazin» z.B. ist völlig überdimensioniert, und schon schickt man sich an, dem Volk eine noch überdimensioniertere «Bären»-Überbauung schmackhaft zu machen.

Wir sind in Worb einen hohen Steuerfuss gewohnt, aber immer mehr Bürger sind nicht mehr bereit, die höchsten Steuern der Agglomeration Bern zu bezahlen. Redaktor Kobel fürchtet, dass sich nun kaum mehr fähige Leute für öffentliche Ämter zur Verfügung stellen werden. Haben wir denn heute wirklich fähige Leute? Oder besteht nicht vielmehr im Herbst die Chance, neue Leute wählen zu können? Gefragt wären solche mit Finanzkenntnissen, echte Realisten, die das Nötige vom bloss Wünschbaren unterscheiden können.

Urs Schweingruber, Rüfenacht

 

Leserbrief, Der Bund, 8. April 1992

Zur Budgetablehnung in der Gemeinde Worb

Perfide Propaganda

Das Budget der Gemeinde Worb wurde wie erwartet auch das zweite Mal abgelehnt. Leider «wie erwartet».

Denn mit einer geschickten, oberflächlichen und teilweise perfiden Propaganda kann man eben heute Punkte sammeln. Dass dabei Kräfte am Werk sind, welche erreichte Fortschritte, zum Beispiel im Bildungsbereich, wieder rückgängig machen wollen, merkt der Stimmbürger in der Regel erst, wenn es zu spät ist. Erst dann zum Beispiel, wenn er für sein Kind, welches eine weiterführende Schule besuchen möchte (10. Schuljahr oder ähnliches), selber tief in die Taschen greifen muss.

Zu den «Agitatoren» dieser Politik gehört auch der Vorstand der Bürgergruppe Rüfenacht oder mindestens ein Teil davon. Dabei werden der Verein und dessen Name missbraucht. Vor einigen Jahren im Rahmen der Auszonungsdiskussion gegründet, hatte dieser Verein Ziele, welche gut und richtig waren. Heute ist eine Mitgliedschaft meinerseits nicht mehr möglich, und ich habe daher meine Konsequenzen gezogen.

Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht

Leserbrief, BZ, 2. Mai 1982

«Engagement gegen das Worber Budget '92 entzweit die Bürgergruppe», BZ vom 21. April 1992

Nur einzelne sind über Bürgergruppe verärgert

Der Artikel in der BZ erwähnt die Verärgerung eines Mitgliedes, weil der Verein, zusammen mit dem Komitee «Sparsame Finanzpolitik Worb», öffentlich das Gemeindebudget bekämpfte. Der Artikel widerspiegelt ein etwas verstelltes Bild des Sachverhalts.

Nur weil einzelne Vereinsmitglieder - Herr Hans-Ulrich Steiner nicht gleicher Meinung sind, ist der Verein noch lange nicht «entzweit». Nur ein Verein, in dem auch verschiedene Meinungen akzeptiert werden, lebt wirklich.

Auch zum Vorwurf, die Bürgergruppe sei vom ursprünglichen Ziel abgekommen, kann man geteilter Meinung sein. Wir glauben, dass die statutarischen Vereinsziele, nämlich Dorfbild, Landschaft und Natur um Rüfenacht zu erhalten, wohl auch etwas mit einem gesunden Gemeinde-Finanzhaushalt zu tun haben.

Dass die Gemeinde Worb mit der BFF-Schule Bern keinen Vertrag abschloss und deshalb Schüler aus der Gemeinde Worb das 10. Schuljahr dort nicht besuchen können, bedauern wir sehr. Doch wenn der Gemeinderat nur gerade dort sparen will, wo es die Bürger direkt trifft, kann Herr Steiner nicht die Budgetgegner dafür verantwortlich machen.

Eine gezielte Sparpolitik wäre schon nach dem Nein zu den Budgets 1990 und 1991 angebracht gewesen. Statt dessen ist aber ein überdimensioniertes Werkhof-/Wehrdienstmagazin gebaut worden. Ein Luxusbau, der die Kapazität einer verschuldeten Gemeinde erheblich übersteigt. Daraus hat man aber offenbar nichts gelernt. Für den Gemeinderat stehen «Bären»-Areal und Entwicklungsschwerpunkt Worbboden im Vordergrund! Für Bildung bleibt da halt nicht mehr viel übrig.

Vorstand Bürgergruppe Rüfenacht

Leserbrief, Der Bund, 9. Oktober 1994

Nach den Weisungen des Bundesamts für Flüchtlinge sollen rund 300 Menschen aus Kosovo in ihre Heimat ausgeschafft werden

Das Kirchenasyl bewegt die Bevölkerung

Zuerst die SVP, jetzt auch die FDP stellen sich massiv quer zum Kirchenasyl in den bernischen Kirchen. Vertreten diese Gremien wirklich die Basis, ihre Mitglieder? Kirchgemeinderäte einer beachtlichen Anzahl Kirchgemeinden haben sich für das Kirchenasyl entschieden. Sie haben mit diesem Entscheid mehr ihrem Gewissen gehorcht als den unmenschlichen Ausweisungsbefehlen des Bundes.

Diese Kirchgemeinderäte sind ja üblicherweise nicht einfach in ein Linksrechts-Schema klassierbar. So hat es vermutlich in jedem dieser Räte auch Mitglieder bürgerlicher Parteien, die sich für die Humanität und gegen den Egoismus eingesetzt haben.

FDP und SVP kommen mit ihrer Gegnerschaft zum Kirchenasyl gefährlich in die Nähe der Autopartei und der Schweizer Demokraten. Warum nehmen sie sich nicht ein Beispiel am FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann, der ja sonst wirklich für einen strammen bürgerlichen Kurs bekannt ist? Er forderte den Bundesrat auf, die Kosovo-Albaner nicht ausschaffen zu lassen. Die dortige Situation lasse dies zurzeit nicht zu. Diese Ansicht stimmt mit jener «dieser kirchlichen Kreise» überein.

Einen herzlichen Dank allen, die sich auf der kirchlichen, der politischen und der persönlichen Ebene für das Kirchenasyl einsetzen und den Mut, die Kraft und die Geduld nicht verlieren.

Hans-Ulrich Steiner, Rüfenacht

BZ, Leserbrief, 8. Juni 1996

Eine «cleane» Stadt Bern

Zum Bettelverbot und zur nächtlichen Schliessung von Passagen in Bern

Lassen Sie sich doch einmal das Wort «clean» auf der Zunge zergehen. Es tönt genau so klinisch, wie es ist. Können Sie sich eine «cleane» Stadt Bern vorstellen? Etwa so wie absolut astreines Täfer, ohne Struktur und ohne Wachstumsspuren? Oder wie «McClean» im Bahnhof, das 1 ½-Franken-Pissoir. So stellen sich einige forsche Berner unsere Stadt vor. Die einen lancieren ein Bettlerverbot (SVP und SD), die anderen schliessen nachts die Stadt in Salamitaktik. Heute ist die Von-Werdt-Passage dran, morgen der Bahnhof. Übermorgen könnte man ja dazu die ganze Neuengasse sperren. Oder?

Ja, wenn es doch nur keine Menschen hätte in der Stadt. Dann wären einige Probleme gelöst. Dann bräuchten wir keine Gitter mehr. Die Bettlerinnen und die Drögeler, die Ausländerinnen und die Strassenmusikanten wären weg. Keine Velofahrer auf den Trottoirs und in den Einbahnstrassen! Herrlich! Oder? Der Mensch ist wirklich ein Störenfried.

Im Ernst: Ist das die Stadt, die wir wollen? Natürlich möchte auch ich in einer angenehmen Stadt arbeiten und einkaufen. Ich begreife auch den Unmut derjenigen, die am Morgen den nächtlichen Unrat wegfegen müssen. Aber führt wirklich nur die Gitterlösung zum Ziel? Sollten wir nicht ein bisschen «länger» denken? Wäre eine verstärkte Präsenz von «Ordnungshütern» nicht läbiger? Ich denke da nicht in erster Linie an Polizisten, eher an Sicherheitsleute wie bei der S-Bahn in Zürich.

HANS-ULRICH STEINER Rüfenacht

Leserbrief, Der Bund, 29. Mai 1998

Atommülltransporte

Experten ohne Zweifel

Wir haben es x-mal gehört: Die Transporte von Atommüll nach La Hague sind sicher! Es kann überhaupt nichts passieren. Bedenken, dass irgendwo irgendwie irgendwas von diesem giftigen Abfall austreten kann, brauchen wir nicht zu haben. Das haben Experten zweifelsfrei festgestellt. Auch die beteiligten Eisenbahner werden beruhigt: absolut 100%ig risikolos.

Nun ist es offengelegt: Seit mindestens 7 Jahren weiss man, dass die verwendeten Eisenbahnwagen radioaktive Rückstände aufweisen. Bis 500mal mehr als erlaubt. Antwort der Experten: Bei der Abfahrt waren die Eisenbahnwagen noch sauber. Das tönt so, wie wenn wir für das Rheinwasser in Rotterdam die Messwerte der Grimsel beiziehen würden.

Mit der gleichen Sicherheit werden wir zurzeit von den Experten beruhigt: Nein, vor genmanipulierten Lebensmitteln brauchen wir keine Angst zu haben. Der genmanipulierte Mais kann unbedenklich genossen werden. Die genmanipulierte Tomate ist eine Delikatesse, weil sie neu nach Aprikosen riecht. Und aus dem Fleisch des genmanipulierten Schafes wird man Bündnerfleisch produzieren können.

Wollen wir diesen Experten vertrauen?

Hans-Ulrich Steiner, Rüfenacht