Presseschau
Leserbriefe H.U. Steiner
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Leserbrief, Der Bund, 14. Dezember 1991 Zum Leserbrief «Entlarvte Friedensbewegung» von Peter Bolliger, Münsingen («Bund» vom 3. 12.91) «Jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel» Das vermeintliche Abseitsstehen der Friedensbewegung im Jugoslawien-Konflikt, im Gegensatz zum Golfkrieg, wird von einigen Leserbriefschreibern und -schreiberinnen genüsslich ausgewalzt. So vor allem von Herrn Peter Bolliger aus Münsingen, der meint, dass die «Betroffenheit» parallel mit der Distanz zum Kriegsschauplatz abnehme. Als langjähriges Mitglied einer kirchlichen Friedensgruppe und engagierter Gegner des Golfkriegs kann mir dieser Vorwurf nicht gleichgültig sein. Darum versuche ich Ihnen eine persönliche Antwort zu geben: Jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel. Ob nun in Jugoslawien oder in Irak. Diese Haltung vertreten wir generell. Sie haben recht, Herr Bolliger und Mitschreiber(innen): Dass wir im Jugoslawienkrieg hilflos zuschauen, ist Tatsache. Leider. Sie können aber versichert sein, dass es uns nicht gleichgültig ist, wenn vermeintliche Brüder fast über Nacht zu Gegnern und Mördern werden. Aber da sind wir nicht allein. Hier hat niemand ein Rezept zur Hand. Nicht einmal die Uno, welche doch in Irak so genau zu wissen schien, was richtig und was falsch war, heute aber auch dort vor einem Scherbenhaufen steht (Saddam Hussein ist noch da, von Demokratie in Kuwait keine Spur, und die Kurden werden weiter ausgerottet). Warum haben die «Friedensmächte» keine Lösung? Warum können hier nicht auch pro Tag eine halbe Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt werden wie in Irak? Zynisch frage ich: Wie würde der Konflikt geregelt, wenn grössere Ölquellen oder andere, ähnliche Interessen im Spiele wären? Sie haben auch recht, Herr Bolliger der eindeutige Adressat eines Protestes fehlt. Ich denke, dass der überwiegende Teil unseres Volkes den Krieg in Jugoslawien verurteilt. Seine Grausamkeit und seine Ungerechtigkeit werden uns täglich im Fernsehen vorgeführt. Und, erinnern wir uns: Vor und während des Golfkriegs wurde der «saubere» und «gerechte» Krieg mittels Zensur und CNN propagiert. Und, der Golfkrieg wurde geplant. Eine Million Soldaten und Soldatinnen wurden gegeneinander «in Stellung» gebracht. Zur Vernichtung! Das soll wirklich nicht den Jugoslawienkrieg verniedlichen. Aber, eine Propaganda ruft hier die Gegenpropaganda. Ich hoffe, dass Sie jetzt die unterschiedliche Art unseres Protestes vielleicht etwas besser verstehen können. Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht
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Leserbrief, Der Bund, 23. Januar 1992 (Zur Kolumne von Jörg Zumstein für den F/A-18) Nein, Herr Zumstein, schlaflose Nächte bereiten Sie bei mir nicht mehr mit Ihrer Werbekolumne für den vielgerühmten Superflieger F/A-18. Das ist vorbei. Auch wenn ich mich zu den Kreisen zähle, welche, wie Sie uns zu Recht nachsagen, die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges auf «raffinierte Weise hintertreiben» wollen. Aber das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Ost und West, zwischen Süd und Nord wird uns in Zukunft beschäftigen. Also sollten doch diese Milliarden eher für den Ausgleich von Ungerechtigkeiten (auch zur Verhinderung von Flüchtlings-Lawinen) verwendet werden. Es sind aber nicht nur die falsch eingesetzten 3'500'000'000 Franken, welche mich beschäftigen. Nein. Es sind vor allem Ängste, welche bei der Analyse der letzten kriegerischen Auseinandersetzungen auftreten. Wenn wir den Golfkrieg ausklammern, gegen wen wurden die Waffen eingesetzt? Fast ausschliesslich im eigenen Land. Selten zur Verteidigung. Überall, wo es während dem letzten Jahr krachte (Jugoslawien, Haiti, Moskau, Georgien, baltische Staaten, Irak [Kurden] usw.), sind oder waren die Waffen auf Landsleute gerichtet. Auch in Pakistan (siehe «Seite 2» im «Bund» vom 8. Januar). Die von Ihnen in einer früheren Kolumne erwähnte Elite sollte doch heute ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, bessere, zukunftsträchtigere Lösungen vorzuschlagen, als immer wieder die Beschaffung von Kriegsmaschinen. Oder? Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht |
Leserbrief, Der Bund, 8. April 1992 Zur Budgetablehnung in der Gemeinde Worb Perfide Propaganda Das Budget der Gemeinde Worb wurde wie erwartet auch das zweite Mal abgelehnt. Leider «wie erwartet». Denn mit einer geschickten, oberflächlichen und teilweise perfiden Propaganda kann man eben heute Punkte sammeln. Dass dabei Kräfte am Werk sind, welche erreichte Fortschritte, zum Beispiel im Bildungsbereich, wieder rückgängig machen wollen, merkt der Stimmbürger in der Regel erst, wenn es zu spät ist. Erst dann zum Beispiel, wenn er für sein Kind, welches eine weiterführende Schule besuchen möchte (10. Schuljahr oder ähnliches), selber tief in die Taschen greifen muss. Zu den «Agitatoren» dieser Politik gehört auch der Vorstand der Bürgergruppe Rüfenacht oder mindestens ein Teil davon. Dabei werden der Verein und dessen Name missbraucht. Vor einigen Jahren im Rahmen der Auszonungsdiskussion gegründet, hatte dieser Verein Ziele, welche gut und richtig waren. Heute ist eine Mitgliedschaft meinerseits nicht mehr möglich, und ich habe daher meine Konsequenzen gezogen. Hans Ulrich Steiner, Rüfenacht
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Leserbrief, Der Bund, 9. Oktober 1994 Nach den Weisungen des Bundesamts für Flüchtlinge sollen rund 300 Menschen aus Kosovo in ihre Heimat ausgeschafft werden Das Kirchenasyl bewegt die Bevölkerung Zuerst die SVP, jetzt auch die FDP stellen sich massiv quer zum Kirchenasyl in den bernischen Kirchen. Vertreten diese Gremien wirklich die Basis, ihre Mitglieder? Kirchgemeinderäte einer beachtlichen Anzahl Kirchgemeinden haben sich für das Kirchenasyl entschieden. Sie haben mit diesem Entscheid mehr ihrem Gewissen gehorcht als den unmenschlichen Ausweisungsbefehlen des Bundes. Diese Kirchgemeinderäte sind ja üblicherweise nicht einfach in ein Linksrechts-Schema klassierbar. So hat es vermutlich in jedem dieser Räte auch Mitglieder bürgerlicher Parteien, die sich für die Humanität und gegen den Egoismus eingesetzt haben. FDP und SVP kommen mit ihrer Gegnerschaft zum Kirchenasyl gefährlich in die Nähe der Autopartei und der Schweizer Demokraten. Warum nehmen sie sich nicht ein Beispiel am FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann, der ja sonst wirklich für einen strammen bürgerlichen Kurs bekannt ist? Er forderte den Bundesrat auf, die Kosovo-Albaner nicht ausschaffen zu lassen. Die dortige Situation lasse dies zurzeit nicht zu. Diese Ansicht stimmt mit jener «dieser kirchlichen Kreise» überein. Einen herzlichen Dank allen, die sich auf der kirchlichen, der politischen und der persönlichen Ebene für das Kirchenasyl einsetzen und den Mut, die Kraft und die Geduld nicht verlieren. Hans-Ulrich Steiner, Rüfenacht |
Eine «cleane» Stadt BernZum Bettelverbot und zur nächtlichen Schliessung von Passagen in Bern Lassen Sie sich doch einmal das Wort «clean» auf der Zunge zergehen. Es tönt genau so klinisch, wie es ist. Können Sie sich eine «cleane» Stadt Bern vorstellen? Etwa so wie absolut astreines Täfer, ohne Struktur und ohne Wachstumsspuren? Oder wie «McClean» im Bahnhof, das 1 ½-Franken-Pissoir. So stellen sich einige forsche Berner unsere Stadt vor. Die einen lancieren ein Bettlerverbot (SVP und SD), die anderen schliessen nachts die Stadt in Salamitaktik. Heute ist die Von-Werdt-Passage dran, morgen der Bahnhof. Übermorgen könnte man ja dazu die ganze Neuengasse sperren. Oder? Ja, wenn es doch nur keine Menschen hätte in der Stadt. Dann wären einige Probleme gelöst. Dann bräuchten wir keine Gitter mehr. Die Bettlerinnen und die Drögeler, die Ausländerinnen und die Strassenmusikanten wären weg. Keine Velofahrer auf den Trottoirs und in den Einbahnstrassen! Herrlich! Oder? Der Mensch ist wirklich ein Störenfried. Im Ernst: Ist das die Stadt, die wir wollen? Natürlich möchte auch ich in einer angenehmen Stadt arbeiten und einkaufen. Ich begreife auch den Unmut derjenigen, die am Morgen den nächtlichen Unrat wegfegen müssen. Aber führt wirklich nur die Gitterlösung zum Ziel? Sollten wir nicht ein bisschen «länger» denken? Wäre eine verstärkte Präsenz von «Ordnungshütern» nicht läbiger? Ich denke da nicht in erster Linie an Polizisten, eher an Sicherheitsleute wie bei der S-Bahn in Zürich. HANS-ULRICH STEINER Rüfenacht |
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Leserbrief, Der Bund, 29. Mai 1998 Atommülltransporte Experten ohne Zweifel Wir haben es x-mal gehört: Die Transporte von Atommüll nach La Hague sind sicher! Es kann überhaupt nichts passieren. Bedenken, dass irgendwo irgendwie irgendwas von diesem giftigen Abfall austreten kann, brauchen wir nicht zu haben. Das haben Experten zweifelsfrei festgestellt. Auch die beteiligten Eisenbahner werden beruhigt: absolut 100%ig risikolos. Nun ist es offengelegt: Seit mindestens 7 Jahren weiss man, dass die verwendeten Eisenbahnwagen radioaktive Rückstände aufweisen. Bis 500mal mehr als erlaubt. Antwort der Experten: Bei der Abfahrt waren die Eisenbahnwagen noch sauber. Das tönt so, wie wenn wir für das Rheinwasser in Rotterdam die Messwerte der Grimsel beiziehen würden. Mit der gleichen Sicherheit werden wir zurzeit von den Experten beruhigt: Nein, vor genmanipulierten Lebensmitteln brauchen wir keine Angst zu haben. Der genmanipulierte Mais kann unbedenklich genossen werden. Die genmanipulierte Tomate ist eine Delikatesse, weil sie neu nach Aprikosen riecht. Und aus dem Fleisch des genmanipulierten Schafes wird man Bündnerfleisch produzieren können. Wollen wir diesen Experten vertrauen? Hans-Ulrich Steiner, Rüfenacht |